Freitag, 6. Januar 2017: Abflug mit Emirates von Zürich um 22 Uhr. Flugdauer 6 Stunden.
Ankunft in Dubai am Samstag, 7. Januar 2017 früh um 07.00 Uhr Ortszeit. Für mich war es jedoch 04.00! Während des Flugs servierten die Emirates ein ganz vorzügliches Abendessen. Es hatte auch mehr Beinfreiheit als bei anderen von uns benützen Fluglinien. Dazu auf der Rücklehne des Sitzes, den man vor sich hat, ein modernes Unterhaltungsprogramm mit einer grossen Auswahl an Filmen, Informationen über den Flug usw. Ich habe wenig geschlafen, bin aber trotzdem zunächst nicht allzu müde. Das kommt dann erst später, dafür jedoch umso stärker
Nach der Ankunft in Dubai erfolgt Transfer vom Flughafen direkt zum Schiff: MCS Fantasia. Dort müssen wir aber auf Liegestühlen warten, umtost von der von mir so verhassten Lautsprecher-Musik, bis um 13h30 unsere Kabine im 13. Stock – wie auch alle übrigen – endlich frei gegeben wird. Ausser zum Einnehmen der Mahlzeiten bleiben wir fortan meist in der kleinen aber doch wohnlichen Kabine.
Sonntag, 8. Januar 2017: Wir sind im Laufe der Nacht in Abu Dhabi angekommen, das rund 150 km nordwestlich von Dubai liegt. Immer noch müde wache ich um 10 Uhr auf. Allerdings wäre es zu Hause erst 7 Uhr.
Wir „frühstücken“ um 11h30 und verlassen danach das Schiff. Wir nehmen ein Taxi, das uns für € 40 pro Stunde angeboten wird. Wir benützen es von 13h15 – 17h00, länger als zunächst geplant, denn es gibt Vieles zu sehen.
Der indische Chauffeur riecht stark nach Schweiss. Ich sitze vorne neben ihm. Adalberto wollte hinten sitzen. Durch die geöffneten Fenster strömt beim Fahren frische Luft ein, die den Geruch weitgehend vertreibt.
Zuerst fahren wir zu einer Insel auf der sich das Ferrari-Museum befindet, offenbar eine wichtige touristische Attraktion, die uns aber wenig interessiert und die wir deshalb nicht besuchen. Daneben ist eine Auto-Rennbahn, umrahmt von Tribünen. Ferner hat es einen Vergnügungspark mit einer grauslich hohen Achterbahn (Roller Coaster).
Wir besuchen die Eingangshalle des Hotel Vice Roy: eine riesige Glaskugel, teilweise überzogen mit einer zweiten Haut, vermutlich aus Stoff, die wohl als Sonnenschutz dient aber dabei die Aussicht verdeckt. Jedenfalls ist die Architektur sehr ungewöhnlich.
Nun fahren wir zurück aufs Festland in die Stadt. Wir begeben uns zum erhöht liegenden Eingang des riesigen, luxuriösen Emirates Palace Hotels, das uns schon bei einer früheren Reise ins Staunen versetzt hatte. Von diesem Standpunkt fotografiert Adalberto die vier silbernen, teilweise wie „aufgeschlitzt“ wirkenden, grossartigen „Emirates Towers“. Dieses architektonische Meisterwerk ist der seit unserem letzten Besuch errichtete Verwaltungs-Komplex der von uns für diese Reise benützen Fluglinie.
Wir durchqueren das Erdgeschoss des Emirates Palace Hotels, das uns schon beim vorangehenden Besuch sehr beeindruck hat. Das Ganze ist eine durchgehende Hotel-Lobby, eine riesige Halle, teilweise bis zu acht Stockwerke hoch. Vor dort gelangt man in viele Säle und Nebensäle. Überall hat es zahllose Diener und Aufpasser, Bars. Buffets usw.
Auf der Weiterfahrt sehen wir das noch im Bau befindliche, aber schon fast fertige, riesige Atlantis-Hotel, bestehend aus zwei Gebäudeteilen, die oben durch eine Brücke verbunden sind. Hier entsteht eine genaue Kopie des Atlantis-Hotels von Dubai, das ebenfalls direkt am Meeresufer steht.
Wir besuchen die weisse, erstaunliche Sheik Zayed Moschee: 224 x 174 m Grundfläche, vier je 107 m hohe Minarette. Innen bieten 5’627 Quadratmeter Platz für 40’000 Gläubige zum Niederknien auf dem angeblich grössten Teppich der Welt.
Beim Vorbeifahren sehen wir das im Bau befindliche Louvre Museum von Jean Nouvel. Die grosse, flache, runde Kuppel besteht aus einem gläsernen Dach. Ebenso wie die Glaswände in dem von Jean Nouvel in Zusammenarbeit mit anderen Architekten in Paris erbauten und 1897 eröffneten „Institut du Monde Arabe“ ist das gläserne Kuppeldach in Abu Dhabi mit Blenden bedeckt. Diese sind nach arabischen Mustern gestaltet und – von Computern gesteuert – öffnen oder schliessen sie sich je nach Sonnenbestrahlung.
(Von Jean Nouvel stammt auch das National Museum von Qatar, das wir leider nicht sehen konnten, als wir später unerwartet in Doha waren. Es sollte schon 2016 eröffnet werden, was aber leider noch möglich gewesen ist. Der Bau sieht aus wie eine riesige „Wüstenrose“, indem er aus lauter flachen, weit ausragenden Dächern in verschiedenen Schräglagen besteht, die vermutlich perfekt schattenspendend wirken werden).
Der ganze Persische Golf ist durchschnittlich 50 m tief und an keiner Stelle mehr als 100 m. Abu Dhabi wurde auf lauter flachen Inseln erbaut. Wir fahren entlang der breiten Corniche. Die Pracht-Strasse hat in beiden Richtungen je 5 Fahrbahnen. Sie ist gesäumt von Palmen in endlosen scheinenden Reihen. Darunter erstrecken sich lange Beete. Jedes ist dicht bepflanzt mit Petunien der gleichen Blütenfarbe: eine Strecke rot, dann weiss, dann dunkelblau und wieder rot usw. Das alles muss bei der hier oft bis zu 50 Grad herrschenden Hitze fast ohne Unterbruch mit entsalztem Meereswasser begossen werden. Für mich ist die Vorstellung erschreckend weil kaum vorstellbar, wie viel Energie gewonnen aus Erdöl, für den Entsalzungsprozess verwendet wird!
Neben der Strasse sind im Meer lauter flache Sandinseln zu sehen. Sie sind entweder ganz kahl, oder mit niederem Gestrüpp bewachsen. Oft sind sie zerklüftet und an zahllosen Stellen zeigt sich das Meereswasser.
Abends sehen wir im Schiffstheater eine gute, rasch verlaufende Vorstellung unter dem Titel „Moulin Rouge“. Jongleuren, Akrobaten und Tänzerinnen unterhalten im Stil des Titels.
Montag, 9. Januar: Auf der Fahrt von Abu Dhabi nach Muskat gelangen wir vom Persischen Golf zum Golf von Oman. Unterwegs durchqueren wir die sogenannte „Strasse von Hormuz“. Wir sind den ganzen Tag auf See.
Adalberto bleibt in der Kabine, ausser für die Mahlzeiten und den Theaterbesuch. Ich mache am Vor- und am Nachmittag einen Rundgang und geniesse später die Sauna. Doch bringe ich nicht genügend Energie auf, um auch noch Fitness zu machen.
Im 3-seitig verspiegelten Lift muss ich erstaunt feststellen: Ich bin gar nicht mehr immer der Grösste, wie das früher für mich selbstverständlich war. Jetzt sehe ich in den Spiegeln des Lifts oft ein oder zwei Männer, die bis zu einem Kopf grösser sind als ich, manchmal auch eine Frau. Alle sind rund 40-jährig, was mir immer noch als „nicht mehr jung“ vorkommt. Aber das sind doch schon mehr als zwei Generationen, ja fast ein halbes Jahrhundert nach mir geborene Menschen. Für mich eine ganz ungewohnte Situation Wahrscheinlich bin ich auch seit meiner ehemaligen Grösse von 184 cm im Laufe der Jahre geschrumpft.
Im Theatersaal präsentiert der schnell in fünf Sprachen schwatzende Conferencier einzeln nacheinander die 20 Leiter der verschiedenen Abteilungen des Schiffes. Diese stellen sich dann – wie offenbar schon gewohnt – in einer Reihe auf und warten, sichtlich gelangweilt, bis die Routine zu Ende ist. Es folgt eine abwechslungsreiche Bühnenshow wobei phantasievolle Kostüme auf bekannte Märchen hinweisen.
Zu dem auf Kreuzfahrten üblichen „Gala-Abend“ geniessen es die meisten Damen, in einer speziellen Bekleidung aufzutreten und ahnen gar nicht, wie lächerlich sie in fast allen Fällen darin aussehen. Auch viele Herren versuchen, dunkel und mit Schmetterling-Schlips elegant aufzutreten, manche sogar in richtigem Smoking. Etwa die Hälfte der Passagiere schert sich jedoch nicht um solche Vorschriften und kleidet sich zum Abendessen ganz normal – wie auch wir das tun.
Dienstag, 10. Januar 2017: Das Schiff bleibt von 08.00 – 18.00 im Hafen von Muskat. Wir stehen um 08.00 auf und schauen vom Balkon unsrer im 13. Stockwerk liegenden Kabine hinunter auf die langen Reihen bereit stehender Ausflugsbusse.
Wir verlassen das Schiff um 10 Uhr. Ein kleiner Shuttle-Bus bringt uns ans Ende des Hafengebiets. Vor dem Ausgangs-Tor wartet eine dichte Schar in weissen, perfekt sauberen Dischadascha gekleideten Taxi-Chauffeure, die uns schreiend umringen. Ein Schild zeigt an, dass eine Stunde Taxi-Benützung 10 Rials kostet. Mit etwas Mühe gelingt es uns, mit einem Chauffeur zu vereinbaren, dass wir statt mit Rial auch mit € bezahlen können und das zu dem offenbar für ihn günstigen Wechselkurs von 3 € = 1 Rial.
Nach einer recht langen Fahrt gelangen wir zum neuen National-Museum. Es liegt gegenüber dem ehemaligen, noch bescheidenen Sultans-Palast, den wir schon bei einer früheren Reise von Aussen gesehen haben. Wir bezahlen den Chauffeur, bitten ihn aber nach 1 ¾ Stunden für eine neue Fahrt zurück zu kommen.
Das Gebäude aus weissem Stein des im letzten Jahr eröffneten Museums ist beeindruckend. Das Gleiche gilt für die ausgestellten Objekte, von der Urzeit bis zur Moderne stammend. Leider sind nur die interessanten, generell für die verschiedenen Zeitepochen geltenden Beschreibungen an der Wand lesbar. Zu meinem Ärger werden die Erklärungen zu den einzelnen Gegenständen am Fuss der Vitrinen in kleiner Negativschrift auf schwarzen Täfelchen gegeben. Sie bleiben unlesbar, selbst wenn man sich davor niederkniet. Und wer will das schon tun?
Dennoch bin ich begeistert vom umfassenden Ausstellungsgut; Boote, sehr viel Silberschmuck, usw. Sogar das Klo für Gehbehinderte ist beeindruckend; mit Unterdusche statt dem bei uns üblichen, wenig hygienischen Wischpapier.
Nach dem Museumsbesuch beschäftigen wir den Taxichauffeur noch volle zwei Stunden. Wir erfahren von ihm, dass er 35 Jahre alt ist, schon 2 Söhne und 2 Töchter hat, aber unbedingt noch ein weiteres Kind will. Wir fahren vorbei am uns so gut bekannten Al Bustan und von dort weiter zu den auch schon, aber nur von Aussen angesehenen Shangri-La-Hotels.
Bei der Fahrt bin ich – wie bei den früheren Oman-Reisen – wieder begeistert vom starken Gegensatz der weissen Bauten zu den dahinter steil aufsteigenden, kahlen, zerfurchten Berghängen.
Dann fahren wir zurück in die Stadt Muskat zu dem vor drei Jahre eröffneten Opernhaus. Sultan Qabus ist homosexuell, was in Oman generell bekannt und akzeptiert zu sein scheint. Wie ein Grossteil der Schwulen ist Quabus begeisterter Opern-Liebhaber. Deshalb liess er ein für sein Land unnötiges und hier geradezu grotesk wirkendes Opernhaus errichten. Infolge von offenbar bereits nötigen Reparaturarbeiten können die sonst üblichen Touristen-Führungen nicht veranstaltet werden.
Wir dürfen nur die erste Eingangs-Halle des Opernhauses sehen. Die Decken-Konstruktion in traditioneller Bauweise ist beeindruckend. Dank den ausgestellten Fotos sehen wir, dass der Zuschauersaal eine läppisch Nachahmung der im letzten und vorletzten Jahrhundert üblichen Opernhäuser verkörpert. So hat es immer noch die so unpraktischen Seitenlogen, von denen man die Bühne nur schlecht sehen kann. usw.!
Adalberto findet, das müsse hier so sein, also ganz in traditioneller Art und dieses Opernhaus gefällt ihm gut, ganz im Gegensatz zu mir. Wenn ich an die Hamburger Elbharmonie denke – was hätte doch auch in Muskat Prachtvolles entstehen können, dank einem hier vermutlich unbegrenzten Budget!
Wir fahren noch zur grossen Sultan-Qabus-Moschee, die 2001 eröffnet worden ist. Sie dient seither als Zentrum für den ibanischen Zweig der islamischen Religion, die sich hier schon zur Lebenszeit von Mohammed ausgebreitet hat, jedoch bis heute weitgehend auf das Gebiet von Oman beschränkt geblieben ist.
Entlang der von uns befahrenen Hauptstrassen erstrecken sich – ähnlich wie in Abu Dhabi – endlose Reihen von Palmen. Darunter auh hier lange Beete mit Petunien jeweils nur in einer Farbe dicht bepflanzt – rot – dann weiss – dann violett und dann wieder rot – usw.. Der Chauffeur sagt, dass all diese Pflanzen sehr viel Wasser brauchen. Jetzt im Winter ist es tagsüber nur etwa 26 Grad warm, im Sommer könne es aber 50 ja 55 Grad heiss werden.
Um 14 Uhr kehren wir nach diesem sehr lohnenden Ausflug zurück zum Schiff. Nach einem späten Mittagessen schlafe ich tief, volle anderthalb Stunden. Auch Adalberto fühlt sich müde. Wir seien eben alte Leute geworden sagt er, als wäre dies eine tröstliche Erklärung!
Abends im Theatersaal ein läppisches Gesangsduett von einer ins Mikrophon schreienden Sopranistin und ihrem unattraktiv wirkenden Tenor-Partner.
Mittwoch, 11. Januar 2017. Heute bleibt das Schiff den ganzen Tag im modernen Hafen von Khasab, die kleine Hauptstadt der osmanischen Exklave Musandam an der nördlichsten Spitze der arabischen Halbinsel. Von hier beträgt die Distanz bis zum Iran nur 55 km. Das nutzen nachts viele Schiffe zum Transport von Schmuggel-Waren. Vor allem werden moderne elektronische Geräte von Oman nach Iran gebracht. Von dort kehren die Schiffe gleich zurück, meist beladen mit lebenden Schafen.
Vom Hafen werden wir mit kleinen Schiffen ans Land gebracht und von dort per Shuttlebus auf einer breiten modernen Strasse zum Städtchen. Khasab hat 18’000 Einwohner. Nur einige wenige Häuser sind schon moderne Bauten. Die ärmlich wirkenden Läden rund um den Hauptplatz sind überfüllt von einem Warenangebot , bestehend aus Touristenzeugs und Kleidungsstücken.
Zu sehen gibt es eigentlich nichts und wir kehren bald wieder ins Schiff zurück. Sehr beeindruckend ist dagegen die umgebende Natur, zahllose Inseln und Fjorde mit steilen, kahlen Bergen.
Nach dem Mittagessen schlafe ich volle anderthalb Stunden, dann schwimmen und Jacuzzi. Adalberto bleibt weiterhin in der Kabine, während ich einen five-o-clock Tee geniesse. Abends lebhafte, abwechslungsreiche Theater-Vorstellung.
Es ist die erste der beiden identischen, aufeinander folgenden Vorstellungen. Im Restaurant wird gleichzeitig ab 18.30 die erste Runde des Abendessens serviert. Adalberto und ich lassen uns jeweils lieber einen Tisch zur zweiten Runde reservieren, die um 21.15 beginnt.
Während wir zum Restaurant gehen ertönt plötzlich eine überraschende Lautsprecher Durchsage: Es sei nicht möglich – wie im Programm vorgesehen – morgen Sir Bani Yas zu besuchen infolge der Beschädigung einer Petroleum-Plattform im Meer.
Sir Bani Yas ist die private Insel eines Sultans, der viele Tiere aus Afrika importiert und auf seiner Insel ausgesetzt hat. Nun hat der Sultan seine Insel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich hatte mich auf diesen Besuch sehr gefreut.
Die angekündigte Änderung verspricht jedoch einen noch interessanter Tag: Statt zu dieser Insel werden wir eine längere Strecke fahren als vorgesehen, nämlich bis zur Halbinsel von Katar zu der dortigen Hauptstadt Doha. Der Aufenthalt muss allerdings kürzer sein und dauert nur von 10.00 – 18.00.
Donnerstag, 12. Januar 2017: Mit dem Shuttle fahren wir die herrliche Corniche entlang bis zum Zentrum mit den verrücktesten Wolkenkratzern. Adalberto wechselt Geld und wir fahren in einem Taxi auf der Corniche zurück.
Unweit von Hafengelände thront das von vom chinesisch/amerikanischen Architekten Pei entworfene Museum für Islamische Kunst auf einer speziell dafür, unweit zur Corniche, im Meer aufgeschütteten Insel. Als Pei vom Sultan mit dem Bau dieses Museums beauftragen wollte, lehnte der berühmte, aber bereits 90 jährige Architekt zunächst ab. Auf inständiges Bitten des Sultans hat Pei zuletzt den interessanten Auftrag dennoch angenommen. Zur Vorbereitung bereiste der alte Mann dann sechs Monate lang Islamische Gebiete, um die dortigen Gegebenheiten und Sitten kennen zu lernen.
Der Sultan hat Pei verschiedene Standorte für den Museumsbau angeboten. Der Architekt lehnte jedoch alle ab und forderte die Schaffung einer exklusiven Insel, nur für seinen Bau. Das Museum wurde 2008 eröffnet.
Ieoh Ming Pei ist 1917 in China geboren und lebt meines Wissens immer noch. Während ich dies schreibe muss er also schon 100 Jahre alt sein. Eines der bekanntesten unter seinen vielen Werken sind die in Frankreich – anfänglich von 90 % der Bevölkerung heftig kritisierten – Glas-Pyramiden als neuer Eingang zum Louvre, die sogar von einem ausländischen (!) Architekten entworfen wurden. Heute gefallen diese Pyramiden jedoch fast allen Franzosen.
Wir sind Beide von dem Besuch des Museums für Islamische Kunst in Doha restlos begeistert geblieben. Es ist wohl das beste Museum, das ich bisher sehen konnte. Jedes Objekt wir einzeln in einer dreiseitig verglasten, 3 m hohen Vitrine präsentiert und raffinert mit kleinen, versteckten Scheinwerfern beleuchtet.
Zum Schluss geniessen wir Leckerbissen in der Cafeteria, die sich im Erdgeschoss des Museums befindet. (Das im obersten Stockwerk gelegene Restaurant erwies sich momentan als geschlossen). Der zentrale Raum über dem Erdgeschoss ist vier Stockwerke hoch und wird von frei schwebenden Treppen mehrfach elegant durchkreuzt. Ein riesiges Fenster bietet den Ausblick über das Meer zu den glitzernden Türmen des Zentrums von Doha.
Mit einem Taxi fahren wir über die mit Palmen und Blumenbeeten eingerahmte Corniche – entlang dem Meeresufer – wieder ins Zentrum von Doha. Von dort bringt uns der Shuttlebus auf der gleichen Pracht-Strasse zurück bis zum Schiff.
Beim Vorbeifahren können wir einen kurzen Blick auf das riesige, von Jean Nouvel geplante, bereits fertig gestellte aber noch nicht eröffnete Katar National Museum erhaschen. Es besteht aus lauter weit ausragenden, flachen Scheiben, die schräg zu einander liegen. Die Inspiration dazu gaben die vom Wind aus Sand geformten und zu Stein erstarrten, sogenannten „Wüstenrosen“.
Zurück im Schiff – erst ziemlich müde, dann aber doch Sauna, allerdings ohne Adalberto, der in der Kabine bleibt und Fernsehen schaut. Abends Theatervorstellung mit dem Thema „Michael Jackson“; verläuft sehr laut und rasch, ist gut gemacht, doch zuletzt bin ich froh, dass all der Lärm vorbei ist.
Freitag, 13. Januar 2017: Wir sind zurück in Dubai – verlassen das Schiff aber erst um 10 Uhr – nach all den vielen Teilnehmern an den organisierten Ausflügen. Wir nehmen ein Taxi bis zur Metro-Station. Dann benützen wir nacheinander drei verschiedene Bahnlinien: Zuerst das grossartige Metro, dann ein sogenanntes Tram mit ebenfalls beachtlichen Wagen und zuletzt ein Monorail, das die im Meer aufgeschütteten Inseln überquert, welche zusammen eine Palme darstellen sollen. An deren äusserstem Ende erhebt sich das riesige Atlantis-Hotel. Es ist von einem Park umgeben, der sich entlang dem Meeres-Ufer erstreckt. In diesem Park befindet sich die „Water World“ mit vielen Rutschen, Wasserfällen usw.
Das berühmte Atlantis-Hotel erweist sich als abscheulicher Kitsch. Das Erdgeschoss besteht aus lauter Luxus-Läden und Restaurants. Alles scheint hier teuer zu sein und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – drängen sich neugierige Menschenmengen. Wir essen nach längerem Suchen zuletzt nur einen keineswegs preiswerten Hamburger und besuchen dann das Aquarium, für das man einen ansehnlichen Eintrittspreis bezahlt und dann eine grosse Enttäuschung erlebt:
Laut Prospekt hat dieses Aquarium rund 65 000 Fische. Leider schwimmen diese aber nicht in einer natürlich wirkenden Umgebung, sondern in einer Art Geisterbahn, die als „The Lost World“ bezeichnet wird. Im den Aquarien sind lauter versunkene Amphoren, Teile von Ruinen usw. zu sehen. Ausserdem wird die unheimlich sein sollende Szene noch durch im Wasser und in den dunklen Gängen platzierten Dämonen, Geister und andere hässliche Phantasie-Figuren bereichert. Wir fliehen bald von dieser kitschigen Scheusslichkeit und kehren mit den vier verschiedenen Fortbewegungsmitteln zurück zum Schiff.
Wie schade dass wir statt dem Atlantis-Hotel nicht das beim vorangehenden Aufenthalt in Dubai bewunderte Aquarium nochmals besuchen konnten. Es ist frei zugänglich und findet sich in einem riesigen Shopping Center, direkt neben einer hier verrückt wirkenden Skipiste. Dieses grossartige Aquarium konnten wir durch einen gläsernen Tunnel durchqueren. Es ist uns als äusserst interessantes Erlebnis in unvergesslicher Erinnerung geblieben.
Leider reichte die Zeit aber nicht für einen neuerlichen Besuch. Die umständliche, allerdings abwechslungsreiche Hin- und Rückfahrt zum Atlantis-Hotel und der dortige relativ kurze Aufenthalt dauerten insgesamt so lange, dass wir erst um 18 Uhr zum Schiff zurück gekommen sind.
Nun heisst es Kofferpacken, dann letztes Abendessen. Die Koffer müssen bis spätestens um Mitternacht vor die Kabinentüre gestellt werden. Gemäss den Farben der ausgeteilten, den Abflügen entsprechenden Koffer-Etiketten erfahren wir, dass wir schon um 05.30 zum Verlassen des Schiffs bereit sein müssen!
Samstag, 14. Januar 2017. Als Beschreibung von diesem unerfreulichen Tag genügt es kurz festzuhalten: Wecken 04.30. Kein Frühstücks-Angebot im Schiff. Besammlung unserer Gruppe mit hellblauen Etiketten im Theatersaal. Lange Fahrt vom Hafen zum überdimensionierten Flughafen. Drei riesige Säle, jeder mit langen Reihen von Check-in Schaltern.
Dann müssen wir (wie mein Schrittzähler am Handgelenk angezeigt hat) eine Distanz von nicht weniger als 3 km zurücklegen. Allerdings kann ich die Möglichkeit nicht ausschliessen, dass wir in diesem verwirrenden Flughafen-Monstrum nicht immer die kürzest möglichen Strecken gewählt haben. Aber wenigstens konnten wir vor diesen Märschen den Koffer aufgeben und dann das Handgepäck mühelos in einem der zur Verfügung stehenden Roll-wägelchen voran schieben.
Im Flugzeug der Emirates Airlines wieder sehr gute, doch zu üppige Fütterung. Zug von Zürich nach Lugano. Bähnlein nach Caslano. Glückliche Ankunft zu Hause um 18.00.
Zusammenfassung: Die Kreuzfahrt in den Golfstaaten ist lohnend und sehr interessant. Bei dem preislich so günstigen Pauschalangebot muss man aber die wenig erfreuliche Anreise aus der Schweiz in Kauf nehmen.