Ende Januar 2010 unternahm ich zusammen mit Adalberto eine Kreuzfahrt. Sie begann und endete im verrückten Dubai.
Es war eine der ersten Fahrten (und wohl deshalb preislich sehr günstig) der riesigen, im Jahre 2009 vom Stapel gelaufenen „Costa Luminosa“. Das Schiff ist mit allem nur denkbaren Luxus ausgestattet und dabei in geradezu grotesk kitschiger Art dekoriert. In der Ausschreibung wird das folgendermassen beschrieben:
The sophisticated Costa Luminosa lives up to its name with dazzling and enchanting decor that is unmatched at sea. This, combined with the decorative use of precious materials, such as mother of pearl, ebony, noble hardwood and mosaics, creates a contemporary feel onboard. Appealing to guests‘ sense of wonder …. magically incorporates unique shapes and changing colors, reminiscent of the sea The elegant Luminosa will certainly impress passengers with all it has to offer .
Es ist für mich unfassbar, wie man derart grässliche Farb-Zusammenstellungen erfinden und dies erst noch mit allen nur erdenklichen, zueinander unpassenden, billig wirkenden, jedoch teilweise teuren Materialien kombinieren kann. Manche Sitzgelegenheiten sind von unglaublich geformten, überhöhten Lehnen gekrönt, die Lampen irgendwie verrückt verdreht usw. usw. Ich konnte nicht aufhören, mich über so viel Geschmacklosigkeit zu amüsieren. Vermutlich hat jedoch genau diese Ausstattung bei einem Grossteil der Passagiere zur Begeisterung an der Kreuzfahrt beigetragen.
In erster Linie hat vermutlich die meisten Gäste begeistert, sich während 24 Stunden in verschiedenen Sälen ununterbrochen mit einem abwechselnden Nahrungsangebot vollstopfen zu können. Ich dagegen beschränkte mich auf das reichhaltige Frühstück mit den vielen Früchten sowie auf das an reservierten Tischen servierte Abendessen, mit jeweils hervorragendem Viergang-Menu im riesigen Restaurant. Auf die vielen anderen Angebote beim nächtlichen Pizzabäcker und ausgedehnten Buffets, wo sich die Passagiere (zusätzlich zu den im Restaurant und im Preis inbegriffenen Mahlzeiten) drängten, sowie auf die verschieden Glacé- und Getränke-Automaten konnte ich verzichten.
In diesem Zusammenhang komme ich auf die Dekoration der „Costa Luminosa“ zurück. Man betritt das Schiff durch eine zwölf Stockwerk hohe Eingangshalle. An den Wänden schweben gläserne Lifte auf und ab. In der Mitte der Halle erhebt sich ein überdimensioniertes Werk von Botero, des für seine Skulpturen dicker Menschen berühmt gewordenen Künstlers. Auf einem Sockel fläzt sich ein riesiges, fettes Weib aus schwarzem Metall. Die meisten Passagiere können nicht widerstehen, sich vor diesem gewaltigen Kunstwerk fotografieren zu lassen, eine sinnvolle Erinnerung an den Genuss der Kreuzfahrt.
Das Schiff fuhr stets bei Nacht und landete am nächsten Morgen in einer anderen Stadt. Der Aufenthalt dauerte jeweils fast den ganzen Tag, bevor es wieder weiter ging. Adalberto und ich haben an keinem der vielen angebotenen, in Bussen organisierten Landausflügen teilgenommen. Für einen Bruchteil der Kosten nahmen wir statt dessen überall lokale Taxis und folgten Hinweisen aus unseren mitgebrachten Reiseführern. So erlebten wir direkten Kontakt mit Land und Leuten.
Nach der Abreise von Dubai verbrachten wir den nächsten Tag in Muskat. Adalberto und ich waren schon dreimal für Winterferien in Oman. Seither betrachte ich dieses Land als das weitaus erfreulichste unter den mir bekannten, gerne besuchten, muslimischen Staaten.
Die folgenden Tage verbrachten wir nacheinander in Fujairah (nicht besonders interessant), dann in Abu Dhabi, die schönste der bei dieser Kreuzfahrt besuchten Städte. Unvergesslich bleibt uns der weisse, zu dieser Zeit menschenleere Sandstrand und das herrliche Bad im kristallklaren türkisfarbenen Wasser, direkt an der breiten Standpromenade im Zentrum der Stadt.
In Bahrain hat uns Kunst und Handwerk der dortigen Kultur und die grösste Moschee der Insel interessiert.
Die drei Tage zu Beginn und am Ende der Kreuzfahrt in Dubai waren von ungewöhnlichen Eindrücken ausgefüllt, die in ihrer Verrücktheit unsere Erwartungen noch übertrafen: Dazu gehört Burj Dubai, das anfangs Januar fertiggestellte, höchste Gebäude der Welt. Bereits soll mit dem Bau eines noch höheren begonnen werden, wobei aber das Geld momentan noch fehlt.
Grossartig ist die im letzten Herbst fertiggestellte, erste Teilstrecke der fantastischen Hochbahn. Sie bietet herrliche Ausblicke, beispielsweise auf das berühmte *******Hotel Burj Al Arab in Form eines Segels, dann auf eine Gruppe künstlicher Inseln, die eine riesige Palme im Meer darstellen. Eine andere Insel-Gruppe hat die Form einer Weltkarte. Zusätzlich ist eine noch grössere Insel-Palme geplant.
Geradezu unglaublich erschien uns der Besuch eines der „Shopping Malls“. Dieses umfasst nicht wenig als 450 verschiedene Läden, zum Teil so grosse, dass man darin den Kunden ein Laufband zur Fortbewegung zur Verfügung stellt. Sämtliche bekannte Namen der Mode, Juweliere und anderer Luxusindustrien haben hier eigene, aufwändig gestalteten Filialen.
Besonders riesig ist ein Laden von Carrefour. Die Kunden werden aber an den 54 (vierundfünfzig !) Kassen wesentlich schneller bedient, als das bei uns in Europa üblich ist.
Wie in anderen Städten im heissen Klima der Golfstaaten lockt ein offenes Eisfeld zum Schlittschuhfahren, verbunden mit dem Einkaufen. Hier hat es ausserdem das berühmt gewordene, verglaste Ski-Zentrum mit zwei Skiliften und Abfahrtrouten von verschiedener Schwierigkeit auf dem künstlich beschneiten Hügel.
Erstaunlich ist auch das RIESIGE Aquarium. Die dicken Wände aus glasklarem Plastikmaterial sind drei Stockwerke hoch. Hier leben (laut Prospekt) 3’000 teilweise sehr grosse Haie und Rochen. Man kann dieses Aquarium von den Seiten oder von oben betrachten und es sogar in einem durchsichtigen Tunnel durchqueren. Ausser den Fischen und anderen Meerestieren lassen sich zwei ständig im Wasser beschäftige Taucher beobachten, die mit raffinierten Apparaturen die ganze Anlage perfekt sauber halten.