Im Frühjahr 2004 habe ich in Gravesano – nahe bei Lugano – ein Haus gekauft. Das gesamte Grundstück umfasst nicht mehr als 250 Quadratmeter. Davon entfällt der grössere Teil auf die vom Haus beanspruchte Fläche, die beiden Parkplätze, das ummauerte Gehege für meine Schildkröten und den mit Granitplatten ausgelegten Garten-Sitzplatz.
Auf den verbleibenden 110 Quadratmetern habe ich zuerst einen für mich unerlässlichen Teich angelegt. Selbstverständlich begleiteten mich meine zu prächtigen Exemplaren herangewachsenen Kois (japanische Zierfische mit auffallenden Farben) beim Umzug an die neuen Adresse.
Angaben zu einigen empfehlenswerten Gartenpflanzen
Neben dem Teich blieb nur noch wenig freier Platz. Trotzdem gelang es mir, darauf ein üppiges, reizvolles Gärtchen anzulegen. Von allen Gartenpflanzen sind Kamelien meine Lieblinge. Das Gärtchen enthält eine Kollektion verschiedener Sorten. Einige konnte ich aus dem ehemaligen Garten mitnehmen. Ich hatte seinerzeit von den anfänglich kleinen Büschen alle Zweige entfernt bis auf einen, der nach oben wies. Geduldig habe ich über mehrere Jahre fortlaufend die unteren Seitentriebe abgeschnitten, bis zuletzt kleine, immergrüne Stammbäumchen entstanden. So kann ich den Platz besser als bei Sträuchern ausnützen und am Fuss der Kamelien-Bäumchen zusätzlich Blumenzwiebeln pflanzen. Diese bleiben durchgehend im Boden und blühen unter den Kamelien, gefolgt von Sommerblumen, die jährlich erneuert werden. Neben den üblichen, ab Ende Januar bis zum Frühlingsbeginn blühenden Kamelien erfreuen mich auch zwei „Camellia sasanqua“ vom späten Herbst bis zum Winterbeginn mit ihrem dunkelroten oder hellrosa Blütenschmuck.
Der ganze Gartenzaun gegen die Strasse ist im Frühling von einer dichten, gelben Blütenwand der „Rosa banksiae“ bekleidet. Es handelt sich um eine chinesische, dornenlose Rosenart, die im Tessin rund einen Monat vor den gewöhnlichen Rosen blüht. Später klettern dazwischen die neuen Clematis-Triebe empor und setzen den Blütenschmuck fort. Einen Beitrag zu den hauptsächlich blauen Clematissorten bildet in leuchtendem Orange die kräftig rankende Campsis x taglibuana ‚Mme. Galen‘.
Eine Unzahl von Blumenzwiebeln sind zwischen den Stauden (Rittersporn, Fingerhut -„Digitalis“ u.a.) eingegraben. Narzissen-Zwiebeln setze ich 15 cm tief – und darüber, nur 5 cm tief, viele Krokus-Zwiebelchen. So blühen an der gleichen Stelle erst die Krokusse, dann die Narzissen. Die Zwiebeln vermehren sich von Jahr zu Jahr und blühen immer dichter. Nach der Blütezeit der Zwiebelpflanzen verdecken die Stauden das absterbende Laub und bereichern den Garten mit neuen Blütenfarben.
An anderen Stellen verläuft das in umgekehrter Reihenfolge: die Zwiebeln bilden die Nachhut. Vorher blühen die von mir besonders geliebten „Rhododendron yakushimanum“. Dies sind klein bleibende Rhododendron-Arten, deren Blütenfarbe nach dem Öffnen der Knospen allmählich in eine andere Tönung übergeht. Interessant sind auch die immergrünen Blätter: die Unterseiten zeigen entweder silberweissen, oder goldig-gelblichen, pelzigen Flaum. Als andere kleine Strauchpflanzen wählte ich „Paeonia suffruticosa“, auch als „P. arborea“ bezeichnet. Diese Strauch-Pfingstrosen haben erstaunlich grosse violette, weisse oder rosa Blüten. Aber leider dauert diese Pracht nicht lange.
Anschliessend spriessen duftende Lilien zwischen den Kleinsträuchern empor. Auch deren Zwiebeln vermehren sich teilweise, wobei allerdings manche bald nach der Blüte absterben und sich dann in der Erde auflösen. Die Lilien überschatten die Kleinsträucher im Laufe des Sommers. Einige Liliensorten wurden erstaunlich gross: die Allergrösste triumphierte bei mir in Gravesano mit ihrem duftenden Blütenkranz auf einer Höhe von 2m20 über dem Boden.