Caslano – Liebe auf den ersten Blick

Im Mai 2009 fiel mein Blick beim Zeitungslesen durch reinen Zufall auf ein Inserat, in dem eine kleine Liegenschaft in Caslano angeboten wurde.

Ich wohnte damals in einem Haus in Gravesano, das ich mir im Jahre 2004 gekauft, aufwändig umgebaut und liebevoll eingerichtet hatte. Im Laufe von 2008 wurde aber direkt davor ein Wohnblock aufgestellt. Ich hatte tapfer beschlossen, mich einfach damit abzufinden und dachte deshalb nicht an einen erneuten Hauswechsel.

Dennoch erweckte dieses ganz zufällig erblickte Inserat meine Neugierde und ich meldete mich zu einer Besichtigung. Oh weh, das leer stehende, kleine Haus und das überwucherte Gärtchen erweckten bei mir Mitleid und entzündeten gleichzeitig Liebe auf den ersten Blick. Hier bot sich eine verlockende Möglichkeit „das hässliches Entchen in einen stolzen Schwan“ zu verwandeln. Einer solchen Gelegenheit, kreative Lust erneut voll auszuleben, konnte ich nicht widerstehen.

Dem bisher bewohnten Haus in Gravesano hatte ich ein neue Küche mit Essbar, neue Sanitäreinrichtungen, einen Teich-Garten sowie einen Obst und Gemüse-Garten auf dem Flachdach beigefügt. Ich konnte diese mit einem privaten Lift versehene Liegenschaft problemlos und zu einem guten Preis verkaufen. Das Objekt in Caslano stand dagegen schon längere Zeit zum Verkauf, denn es wirkte in seinem etwas vernachlässigten Zustand auf ein ungeübtes Auge wenig attraktiv. So konnte ich es zu günstigen Bedingungen übernehmen.

Im Verlauf der vergangenen 50 Jahre hatte ich mich mehrmals für andere Liegenschaften begeistert. Dabei war ich jedes Mal überzeugt, nun für den Rest meines Lebens die für mich ideale Wohnstätte gefunden zu haben. Das neue Liebesobjekt bereicherte ich jeweils mit einem (nach meinem Geschmack) wunderschönen Garten, unternahm umfassende Umbauten und besorgte neue Einrichtungen. Zuletzt hatte ich jeweils das Gefühl, es sei alles perfekt geworden und fühlte mich glücklich.

Doch schon nach wenigen Jahren ergaben sich – immer wieder – völlig unerwartete Gelegenheiten. Ohne zu suchen stolperte ich über ein Objekt, zu dem erneute „Liebe auf den ersten Blick“ entbrannte. Spontanen Kaufentschlüssen folgten eine beglückende Umbau-Tätigkeit. Die vorher bewohnte Liegenschaft konnte ich problemlos Nachfolgern überlassen und stürzte mich in ein neues, kreatives Abenteuer.

Caslano ist in dieser Serie die mich selber schon fast erschreckende Nummer vierzehn: Dies soll nun aber wirklich das allerletzte Mal sein, dass ich mich verführen lasse, obwohl nur die kreativ Erneuerung stets einen Riesenspass bereitet.

Hier in Caslano wurde eine Sauna und ein Wintergarten errichtet, die sanitären Einrichtungen und die Küche verbessert, die offene Loggia mit Fitness-Geräten bestückt und zum Sommer-Schlafzimmer ausgestaltet.

Auch der Miniatur-Garten zu meinem jetzigen Haus in Caslano wurde neu angelegt. Er nennt sich nun „le petit rêve bleu“. Die Idee der darin vorherrschenden Farbe Blau stammt von einem unvergesslichen Besuch des blauen Gartens von Yves Saint-Laurent bei dessen Ferienresidenz in Marrakech. Das prächtige Vorbild ist schätzungsweise tausendmal grösser als meine bescheidene Miniatur.

In der deutschen Bundesgartenschau des Jahres 2009 in Schwerin entdeckte ich die Verwendung von „recycletem“ Glas als reizvolles Element für den Gartenbau. Kaum heimgekehrt, liess ich mir von einem deutschen Abfall- Verwerter eine Tonne blaues Glas zustellen. (In der Schweiz wird gesammeltes Altglas industriell wiederverwendet und kann nicht von Privaten erworben werden). Die Bruchstücke werden so lange in Trommeln gedreht, bis alle Kanten abgestumpft sind und man gefahrlos, sogar barfuss darauf gehen kann.

Mein Atriums-Gärtchen ist nun von einem leuchtend blauen Band durchquert, das vom gedeckten Sitzplatz zum gegenüberliegenden Teichbrunnen führt Zwischen den Seerosen tummeln sich sechs meiner riesig gewordenen, farbenfrohen Kois. Offensichtlich haben sie auch den letzten Umzug bestens überstanden.

Der gläserne blaue Weg ist beidseitig von Kamelien-Bäumchen gesäumt. Sie gedeihen in grossen, blau glasierten Tontöpfen und stehen jährlich voller Blüten. Ich habe diese Bäumchen geduldig aus winzigen Pflanzen auf gezogen und zu Hochstämmchen formiert. Diese Kamelien sind im Laufe der Zeit schon zweimal mit mir umgezogen.

Das Haus gehört zu dem im Jahre 1980 entstandenen „Villaggio del Golf‘. Es wurde seinerzeit exklusiv für die Benützer des ausgedehnten, nur wenige Schritte entfernten Golfplatzes von Caslano erbaut. Golfspieler gibt es aber  meines Wissen unter den heutigen Bewohnern keine mehr.

Das Eingangstor an der Via Chiesuola 15 öffnet sich zur Gruppe von zweiundzwanzig, dicht aneinander gebauten Einfamilienhäusern. Dazwischen finden sich schmale Fusswege, Höfe und Atriums-Gärtchen. Alle diese zwei- und dreistöckigen Häuser sind im gleichen Stil gebaut worden, aber nach lauter architektonisch unterschiedlichen Plänen. Das Ganze vermittelt den Eindruck eines alten, südländischen Dörfchens ohne Fahrstrasse.

Es hat unterirdisch versteckte Parkplätze sowie ein Schwimmbad.Das Wasser bleibt konstant auf die angenehmen Temperatur von 27 Grad erwärmt. Zum ersten Mal in meinem Leben verfüge ich nun über den Luxus eines „privaten“ Schwimmbads, das ich meist am späteren Abend vom dem Schlafengehen benutze. Bisher war ich stets alleine dort und kann so die Schwimmbrille als einziges Kleidungsstück benützen.