Gärten in der Region Basel

Das von mir zusammengestellte Besuchs-Programm wurde als COOP – Leserreise im Jahr 2009 sechsmal veranstaltet, dreimal im Juni und dreimal im September. Die erste Reise habe ich selber geleitet. Bei den folgenden übernahmen Nicoletta Stalder abwechselnd mit Irene Maag die Reiseleitung der Gruppen. Beide sind begeisterte Gärtnerinnen, die als Teilnehmerinnen bei der ersten Reise mitgekommen sind.

Nachfolgend meine damals publizierte Programmbeschreibung:

Private Traumgärten und bedeutende Architkturdenkmäler in der Region Basel

Der Hauptsitz von COOP ist in Basel. Diese neue COOP – Leserreise ermöglicht in erster Linie den Besuch von neun auserwählten Privatgärten in der Region Basel. Die von uns besuchten, wunderschönen Gärten sind meist das Werk von Frauen; bei einigen sind auch die Ehemänner beteiligt. Die leidenschaftlichen Hobby-Gärtnerinnen zeigen uns mit berechtigtem Stolz ihre Gartenparadiese. Jeder dieser Gärten hat einen anders gestalteten, individuellen Stil. Das erlaubt uns faszinierende Vergleiche. Es ist aber fast unmöglich zu entscheiden, welches der allerschönste Garten ist. Wer selber einen Garten hat, kann auch praktische Erkenntnisse heimbringen; Fragen werden ja von den Besitzerinnen gerne beantwortet.

Den grossen Gegensatz zu neun schweizerischen Privatgärten bildet eine riesige Gartenanlage in Deutschland, unweit von Basel. Sie wurde von einem Engländer geschaffen und besteht aus lauter «Gartenzimmern» mit unterschiedlichen Themen für die Bepflanzung. Die beeindruckende Anlage wird bei einer botanischen Führung präsentiert.

Eine Abwechslung zu den Besuchen von Gärten bilden Besichtigungen moderner Architekturdenkmäler, diesseits und jenseits der Grenze. Sie werden uns von professionellen Führern gezeigt und erklärt.

 

Tag 1, Mittwoch

Individuelle Anreise nach Basel, Mittagessen und Zimmerbezug im Hotel Victoria, Rundgang durch die Altstadt von Basel. Empfang in der Weinkellerei von COOP in Pratteln.

12.00: Empfangscocktail im Hotel Victoria am Centralbahnplatz von Basel. (Die Koffer können bereits vorher im Hotel deponiert werden). Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Hotelrestaurant werden die Zimmer bezogen.
Danach fahren wir mit unserem Charterbus zum Münsterplatz.

Herr Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel, oder einer seiner Mitarbeiter, begleiten uns auf einem gemütlichen Stadtrundgang. Dabei entdecken wir grüne Altstadt-Idylle auf engstem Raum. Zuletzt überqueren wir den Rhein auf einer traditionellen Fähre. Seit Jahrhunderten verbinden diese angeseilten Fahrzeuge die beiden Ufer des Stroms. Das geschieht – unter Ausnützung des fliessenden Wassers – ganz ohne Energieverbrauch.

Auf der Seite von Kleinbasel werden wir vom Bus erwartet, der uns nach Pratteln bringt. Hier folgen wir der Einladung der Direktion von COOP, zum Besuch der COOP – Weinkellerei in Pratteln, welche nur selten erteilt wird. Wir werden von einer Fachperson begrüsst, die uns die ganze Anlage erklärt und uns auf dem beeindruckenden Rundgang begleitet.

In weisse Schutzgewänder gekleidet, bestaunen wir die stahlblitzenden, modernen Anlagen zur Weingewinnung. In schnellem Durchlauf bewältigt jede der Maschinen tausende Flaschen Wein pro Tag. Zuletzt geniessen wir im stilvollen Empfangsraum Weinproben aus den verschiedenen Anbaugebieten, gekrönt von einem ausgezeichneten Schaumwein.

Freier Abend und erste von vier Übernachtungen im Hotel Victoria.

 

Tag 2, Donnerstag

Vier private Gärten in Binningen, Pfeffingen, Hochwald und Basel.

Zuerst besuchen wir in Binningen den grossen Familiengarten von Nicoletta Stalder. Neben ihrem Beruf als erfolgreiche Künstlerin ist sie eine perfekte Gärtnerin. Im Gemüsegarten gedeihen Artischocken und Spargeln. Die vielen Obstbäume hat die Besitzerin selber veredelt. Daneben bietet die in verschiedene Zonen geteilte Anlage auch Spielplätze für die beiden Söhne im Vorschulalter, sowie für gerne gesehene Nachbarskinder. Die Hauptattraktion ist jedoch der einladend gestaltete Natur-Schwimmteich. Dass Nicoletta Stalder auch für die Gemeinde als offizielle Pilzkontrolleurin tätig ist, zeigt einen weiteren Aspekt dieser vielseitigen Persönlichkeit.

Nach diesem Besuch fahren wir nach Pfeffingen. Dort werden wir von lrene Ronco in ihrem vor 25 Jahren angelegten, perfekt gepflegten Blumengarten begrüsst. Rosen sind lrene Roncos Lieblingsblumen und blühen hier in vielen Arten.

Zahlreiche Clematis ranken empor und leisten mit ihren auffallenden Blüten den Rosen Gesellschaft. Glockenblumen, Storchschnäbel, Taglilien und Skabiosen bringen durch unterschiedliche Wuchs- und Blütenformen Abwechslung und sorgen von Frühling bis Herbst für Farbtupfer. Inspiriert von Gartenreisen nach England hat lrene Ronco vor einigen Jahren auch einen äusserst kunstvollen, keineswegs pflegeleichten «Knotengarten» angelegt.

Im benachbarten «Schlosshof», einem grossen historischen Bauerngut, erwartet uns die Besitzerin, Frau Meyer, mit einem reichhaltigen Brunch. Dabei hat sie warme und kalte Speisen, sowie Getränke als «Buffet à discretion» aufgetischt.

Nach der Mahlzeit führt uns eine halbstündige Fahrt durch schöne Landschaften hinauf nach Hochwald. Hier besuchen wir den ausgedehnten, von weiten Feldern und Wiesen umgebenen Garten der Kunstmalerin Erika Grossenbacher. Ähnlich wie beim vorangehend besuchten Daten, haben die Reisen der Besitzerin nach England in vieler Hinsicht als lnspirations-Quelle gedient. So ist ein romantischer Landschaftsgarten entstanden, in dem die Natur viel Freiheit geniesst. Wo sich Blumen selbst aussäen, da dürfen sie gerne bleiben. Auf Giftspritzungen wird prinzipiell verzichtet und deshalb wurden nur die sogenannten antiken, also einmal blühenden und dafür krankheits-resistenten Rosen gepflanzt. Bei einem Rundgang durch den grossen Garten entdeckt man immer wieder kleine Überraschungen der Künstlerin in Form von witzigen Skulpturen. Ein grosser Naturteich mit weiss blühenden Seerosen und hohe Bäumen ergänzt das Bild.

Nun fahren wir in die Stadt Basel zurück und erleben den denkbar grössten Gegensatz zu all dem, was wir bisher gesehen haben. Mit ihrem erstaunlichen Dachgarten hat Maja Geitlinger in luftiger Höhe ein blühendes Paradies geschaffen. Zuerst fesselt uns die atemberaubende Rundsicht über die Dächer der Stadt bis zu den umgebenden Hügeln am Horizont. Entlang des Geländers reihen sich speziell gezüchtete, klein bleibende Obstbäume und tragen Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Aprikosen. Ausserdem gedeihen Beerensträucher, Rucola, Schnittsalat, Cherry-Tomaten, Randen, Zucchini und dazwischen bunter Sommerflor. Ein quadratischer Teich mit einem plätschernden Mini-Wasserfall nimmt die Mitte der Anlage ein. Ferner hat es eine Pergola, überwuchert mit roten Kletter-Rosen. Auch Maja Geitlinger liess sich in England inspirieren, wo sie mehrere Monate verbracht hat.

Gegen 18.00 Uhr bringt uns der Bus zum Hotel Victoria zurück. Der Abend bleibt frei. Wir denken an die vier wunderschönen Gärten zurück, in denen sich der Charakter ihrer Besitzerinnen in sehr unterschiedlicher Weise widerspiegelt. Auch in den drei kommenden Tage werden wir weitere, ganz verschieden gestaltete Gärten kennenlernen.

 

Tag 3, Freitag

Architekturführung bei Vitra in Weil am Rhein, «Paradies für Gartenfreunde» im Landhaus Ettenbühl, mehrfach prämierter, privater Garten bei Giebenach

Heute verbringen wir die meiste Zeit jenseits der Grenze im benachbarten deutschen Gebiet. Nach dem Frühstück starten wir um 09.00 mit einer halbstündigen Busfahrt nach Weil am Rhein, auf deutschem Gebiet gleich nach dem Grenzübertritt. Das Werksgelände der Möbelfirma Vitra ist ein Mekka für Liebhaber moderner Architektur. Bei einer zweistündigen Führung lernen wir die Bauten internationaler Meister kennen: Frank 0. Gehry, Tadao Ando, Zaha Hadid, Nicholas Grimshaw und Alvaro Siza. Im Bau befindet sich ein neues Architekturdenkmal der Basler Herzog & de Meuron.

Anschliessend fahren wir in nördlicher Richtung weiter nach Bad Bellingen. Hier besuchen wir das Landhaus Ettenbühl. Dieses „Paradies für Gartenfreunde“ ist eine typisch englische Anlage, bestehend aus lauter thematisch verschiedenen „Gartenzimmern“, umfasst 50’000 Quadratmeter und ist ein Werk des Gartenbuch-Autors John Scarman. Der hier lebende Engländer ist als Rosenzüchter und Garten-Designer bekannt.

Im Restaurant vom Landhaus Ettenbühl geniessen wir zuerst das Mittagessen. Dann machen wir einen geführten Spaziergang durch die Gärten dieses Paradises

Nach der Rückfahrt in die Schweiz bleibt uns noch genügend Zeit zum Besuch des Gartens von Margrit und Peter Bertschinger in Giebenach, nahe bei Augst. Im Jahre 2008 veranstaltete die Basler Zeitung unter ihren Lesern einen Wettbewerb zur Wahl des „Schönsten Traumgartens der Region Basel“. Dabei wurde dem Ehepaar Bertschinger der erste Preis zugesprochen. Ein grosser, natürlich gestalteter Teich bildet das Herzstück ihrer Anlage und lädt zum Schwimmen ein. Das kristallklare Wasser wird ohne Chemie in einer neuartigen Weise durch Ultraschall sauber gehalten.

Zahlreiche Nützlinge sorgen für ein gutes biologisches Gleichgewicht. Dafür wurde der Garten dieser beiden Pflanzenliebhaber auch mit dem Marienkäfer-Label ausgezeichnet.

Das Ehepaar Bertschinger teilt ihr Paradies mit anderen Bewohnern: Grünspecht, Krähen, Igel, Kröten, Bergmolche und Frösche kommen täglich zu Besuch, oder haben hier ihren festen Wohnsitz. Zudem tummeln sich auch viele nützliche Insekten im blumenreichen Paradies, unter anderen eben auch die Marienkäfer.

Wieder endet das Tagesprogramm gegen 18.00 Uhr vor dem Hotel Victoria.

 

Tag 4, Samstag

Vier private Gärten: in Liestal, Zunzgen und zwei in Tecknau.

Unterwegs nach Tecknau machen wir zuerst einen kurzen Zwischenhalt in Liestal. Die kleine Kantonshauptstadt von Baselland hat ein hübsches Quartier mit lauter Villen vom Beginn des letzten Jahrhunderts und den dazugehörenden Gärten.

Zuerst besuchen wir einen parkartigen Garten mit mehreren prächtigen, über 100 Jahre alten Bäumen. Yvonne Fenn ist eine grosse Pflanzenkennerin und eine begeisterte Hobby-Gärtnerin.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit widmet sie jede freie Minute ihrem Garten in Liestal, der die von ihren Vorfahren erbaute Villa auf allen vier Seiten umgibt. Ihr Mann, Tony, ist Engländer, bereits pensioniert und pflegt hingabevoll den arbeitsintensiven Garten gemäss den Vorstellungen seiner Gattin. Das Resultat ist sehenswert. Jedes Fleckchen des Gartens ist mit überraschenden Kombinationen von unzähligen Blumenzwiebeln und Stauden geschmückt, die abwechseln vom Frühling bis zum Herbst anderen Blumenschmuck zeigen. Ein stiller Weiher ergänzt das romantische Bild, das offensichtlich von englischer Gartenkunst inspiriert worden ist.

Der nächste Besuch gilt dem Garten und dem Atelier der «Rosenkönigin» Brigitte Buser in Zunzgen. Ihren mit Buchshecken unterteilten Dorfgarten hat sie vor allem mit Rosen bepflanzt, die von Stauden begleitet werden. Frau Buser ist Autorin des im Februar 2008 erschienenen Buches, betitelt: «Die 365 schönsten Kräuter, Blüten und Rosen. Mit Rezepten für Wellness und Genuss». Die 365 ganzseitig abgebildeten Fotografien stammen von der Münchnerin Christa Brand und die Texte und Rezepte auf den gegenüberliegenden Seiten von Brigitte Buser.

Für ihre Familie kocht Frau Buser gerne ungewöhnliche Speisen, bei denen Rosen aus dem eigenen Garten den Desserts, Drinks, Salaten, Fleisch- und Fischgerichten sowie Beilagen ein besonderes Aroma verleihen. Für unser Mittagessen hat Brigitte Buser spezielle Rosenrezepte kreiert. Die darauf beruhenden Köstlichkeiten werden im gemütlichen, nahe gelegenen Landgasthof Hard zubereitet und uns als Dreigang-Menu serviert.

Eine anschliessende Kaffee-Bewirtung erwartet uns im stimmungsvollen «Jagdhüsli» der liebenswürdigen Maja Coletti in Tecknau. Ihr Familiengarten von 3000 Quadratmetern wird durch einen schnell fliessenden Bach begrenzt. Die vielgestaltige Anlage umfasst Rosen- und Staudenbeete, Obstbäume, einen Gemüsegarten sowie einen Hühnerhof.

Im gleichen Dorf Tecknau besuchen wir zum Abschluss des Tages den beidseitig der Hauptstrasse angelegten, romantischen Landhausgarten von Erika Fässler. Ein ehemaliger Bauernhof diente lange als Gastwirtschaft und wurde zuletzt vom Ehepaar Fässler zum zeitgemässen Wohnhaus umgestaltet. Frau Fässler hat in geduldiger, kunstvoller Schnittarbeit aus Pflanzen grosse Skulpturen in allen erdenklichen Formen gestaltet. Schlingrosen sind in Tannenbäumen hoch hinauf geklettert, hängen von den Ästen wieder herunter und wirken wie blühende Wasserfälle.

 

Tag 5. Sonntag

Architekturführung in St. Jakob, Führung im Botanischen Garten von Brüglingen

Nach dem Kofferverlad in den Bus fahren wir zum St. Jakobsstadion. Es wurde vom weltberühmten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron als erstes multifunktionales Fussballstadion der Schweiz erbaut. Es ist verbunden mit einem ausgedehnten unterirdischen Shopping Center sowie der Altersresidenz Tertianum. (Vom gleichen Architekturduo stammt auch das Stadion von München sowie das Olympiastadion von Peking). Unmittelbar daneben erhebt sich der St.-Jakobsturm. Auch diese riesige, weithin sichtbare Glaspyramide ist ein Werk von Herzog & de Meuron. Unter fachlicher Führung besichtigen wir die beiden interessanten, modernen Architekturdenkmäler.

Anschliessend bringt uns ein kurzer Spaziergang zum Botanischen Garten von Brüglingen. In der 13,5 Hektar umfassenden Anlage finden sich verschiedenartige Pflanzensammlungen, Feucht- und Trockenbiotope sowie eine weitläufige Parklandschaft. Eine Botanikerin zeigt uns unter anderem den schön gestalteten Apothekergarten und erklärt die medizinische Wirkung einzelner Pflanzen.

Anschliessend wird uns das Mittagessen auf der Gartenterrasse vor der 1711 erbauten, als Sommerresidenz von Christoph Merian genutzten Villa serviert. Seine grosszügige Stiftung hat im Jahre 1968 die Anlage des Botanischen Gartens ermöglicht.

Zum Abschluss des Programms bringt uns der Bus am frühen Nachmittag zum Bahnhof SBB.