„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, so lautet ein bekanntes Sprichwort. Bei einer Gartenreise erinnert man sich an all das Schöne, was in den besuchten Gärten zu entdecken war und an die beglückenden Stimmungen, die man in den von Menschenhand geschaffenen, irdischen Paradiesen genossen hat.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Gartenreisen, die sich aus der sehr unterschiedlichen Sicht der Reisenden herleiten.
Der begeisterte Pflanzenfreund, der über botanische Kenntnisse verfügt, eilt alleine von einer Entdeckung zur nächsten. Besonders die Botanischen Gärten erfüllen seine Ansprüche. Über kleine, auf den ersten Blick unscheinbare, eher seltene Pflänzchen gebeugt, oder aufblickend zu Baumkronen, zückt er Stift und Notizblock und notiert den lateinischen Namen der entsprechenden Etikette. Falls er einen eigenen Garten hat, wird er zu Hause versuchen, auch dieses Gewächs noch irgendwo hineinzustopfen. Stolz wird dann die neu angeschaffte Seltenheit den Besuchern gezeigt.
Ganz andere Freuden erlebt der grössere Teil der Gartenreisenden, die in Bezug auf Pflanzen über geringere Kenntnisse verfügen. Solche Leute spazieren dankbar durch von passionierten Menschen geschaffene, herrliche Gartenanlagen, die den Besucher zu erfreuen und zu beglücken vermögen. Dazu braucht man kein Wissen von Pflanzennamen.
Wer einen eigenen Garten pflegt, oder der Lust an Gartenreisen verfallen ist, zieht interessante Vergleiche und bewertet mit geübtem Auge die Anlagen: Wo ist etwas besser gelöst als in gewöhnlichen Gärten? Welche Anlage ist besonders harmonisch in die umgebende Landschaft eingebettet? Auch neue Ideen tauchen auf: Was könnte ich in meinem eigenen Garten vielleicht noch verbessern?
Mir selbst – und das versuchte ich möglichst auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Gartenreisen zu vermitteln – erscheint es besonders spannend, aus der Art der Gestaltung eines Gartens den Charakter des Besitzers zu erraten.
Erfahrungsgemäss vermitteln jene Gärten am meisten Freude, die nach englischem Muster angelegt und farbenfroh mit blühenden Pflanzen geschmückt sind, wie dies seit dem viktorianischen Zeitalter Mode geworden ist, also seit rund 150 Jahren. In erster Linie sind zum Besuch dieser Art von Gärten Reisen nach Großbritannien empfehlenswert. Es wird behauptet, in England sei die beliebteste Freizeitbeschäftigung – gleich nach dem Fußball – der Garten. Tatsächlich finden sich nirgendwo so viele und sehenswerte Gärten wie in England.
Interessante Gärten können natürlich auch in Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland, Dänemark und Südschweden besichtigt werden. Sehr empfehlenswert ist ferner der Norden Portugals bis Lissabon. In Spanien gilt dies besonders für Andalusien. Hier sind unter anderem die ältesten Gärten Europas noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sie stammen aus der Zeit der maurischen Herrschaft.
Unter den überseeischen Besuchszielen ist Japan, speziell die Umgebung von Kyoto verheissungsvoll. Doch sollte man nach Asien nicht individuell reisen, sondern lieber eine für Gartenliebhaber veranstaltete Gruppenreise buchen. Das gilt auch für den Besuch der wenigen erhalten gebliebenen, aber historisch recht interessanten Gärten in China.
Auf uns wirken die nach dem ursprünglichen chinesischen Muster in Japan weiterentwickelten Gärten sehr ansprechend. So beeinflusst die japanische Gartenkunst die moderne Gartengestaltung auch bei uns immer stärker. Ausserdem wurde ein grosser Teil der schönsten, uns heute zur Verfügung stehenden Gartenpflanzen im Laufe der letzten zweihundert Jahre aus dem Fernen Osten in Europa eingeführt.
Die USA, speziell Kalifornien und die Südstaaten, haben eine bei uns noch viel zu wenig bekannte Gartenkultur. Sie ist zwar nicht historisch geprägt, doch gibt es grade in diesen Regionen für Gartenreisende sehr lohnende Ziele.
Zum Thema Gartenreisen wäre generell anzumerken: mit einer kombinierten Kultur-und Gartenreise ist man am besten bedient, egal ob individuell geplant, oder als Teilnehmer eines fachgerecht und interessant gestalteten Programms. Es ist immer anregend, wenn zwischen der Besichtigung von Gärten gelegentlich auch andere, kulturell lohnende Besuche eingeschoben werden, sei es ein Palast, ein Museum, eine Kirche oder andere Kulturdenkmäler. Ebenfalls reizvoll sind Besuche von Wohnstätten berühmter historischer Persönlichkeiten in Verbindung mit deren Gärten.
Abschliessend möchte ich noch die amüsante Bemerkung festhalten, die ich von mehreren Teilnehmer/innen meiner Reisen nachträglich gehört habe: Die schöne Gartenreise sei zwar nicht gerade billig gewesen, aber doch sehr lohnend. Recht kostspielig habe sich die Reise dagegen erst nach der Heimkehr ausgewirkt. Man habe nämlich viel Schönes gesehen und neue Ideen gewonnen, die man nun auch im eigenen Garten umzusetzen versucht. Und das kann in der Tat ziemlich teuer werden.