Im Jahre 2016 bekam ich einen Brief von einem lieben Freund aus meiner Jugendzeit, den ich ihm in ungewöhnlich langer Weise beantwortet habe. Der folgende aus meinem Brief entnommene Teil schildert vor allem Gegebenheiten von subjektivem, rein persönlichen Interesse.
Xenia, die Tochter des damaligen Finanzministers von Marokko, lernte ich in Paris kennen, wo ich historische Erkundungen als Grundlage zu meiner Doktor-Arbeit in den „Archives Nationales“ machte. Xénia war – was man bei ihr nicht gleich erkennen konnte – manisch/depressiv. Sie wirkte aber normalerweise ganz bezaubernd und man musste sie einfach gerne habe. Wir heirateten in Paris und 1947 kam in Basel unsere Tochter Anna zur Welt.
Wenn Xénia plötzlich – ganz unerwartet – aus der manischen in eine ihrer depressive Phase abstürzte (was zwar bei ihr nicht oft passierte) dann brach das Gegenteil ihrer Persönlichkeit aus. Sie wurde unglaublich bösartig und konnte ihr nahe stehenden Personen sehr verletzen. Nach mir hat sie nacheinander noch drei weitere Männer geheiratet, die sie offenbar – ebenso wie ich – zuerst geliebt haben, aber zuletzt nicht mehr ertragen konnten.
Später wurde mein Schwiegersohn, Dominique, als Vormund von Xénia ernannt, um die Verantwortung für ihr problematisch gewordendes Verhalten zu übernehmen. Es blieb ihm zuletzt nichts anderes übrig, als seine Schwiegermutter in ein Heim für schwierige Personen einzubringen. Dort ist Xénia zur grossen Erleichterung des Personals im Jahre 2012 gestorben.
In den letzten Jahren starben auch zwei von den (wenigen) Frauen mit denen ich in meiner erste Lebenshälfte ein Verhältnis hatte. Mit Beiden bin ich bis zuletzt in freundschaftlichem Kontakt geblieben. Die eine lebte in Kalifornien, die andre in Kassel, Deutschland. Beide hatten nach dem Roman mit mir irgendwann geheiratet. Nachdem sie Witwen geworden waren, hatte sich unsere erhalten gebliebene, rein freundschaftliche Beziehung noch verdichtet. Ihre Ableben waren für mich zwei Verluste von Bedeutung.
Beruflich startete ich seinerzeit als der erste männliche Angestellte von Dr. Rudolf Farner, der in Zürich eine Werbeagentur gegründet hatte, die später zur wichtigsten der Schweiz geworden ist und er selber wurde zum Präsident der ,,International Advertising Association“ erkoren.
1953-1954 war ich in den U.S.A.. In Toledo, Ohio, habe ich in einer Werbeagentur gearbeitet und dabei viel Neues gelernt. Mir wurde aber zuletzt gekündigt, weil ich doch nicht genügend Fähigkeiten für die mir zugewiesene, anspruchsvolle Stelle aufwies. Ich machte noch eine Reihe verschiedener Jobs in New York, so als Verkäufer in einem Warenhaus und zuletzt als Tanzlehrer.
Dann bekam ich dank einer freundliche Vermittlung in der Schweiz die Stelle als Werbeleiter der Shell Switzerland mit Sitz in Zürich, die ich 1955 -1957 betreute.
1958 gründete ich wagemutig – ohne einen einzigen Kunden zu haben – die „Werbeagentur Ruperti“. Dank meinen Erfahrungen bei Dr. Farner und besonders auf Grund meiner Tätigkeit in den U.S.A. (wo damals die Technik der Werbung viel weiter fortgeschritten war als in Europa) hatte ich bald viel Erfolg. Ich gewann zahlreiche Kunden der wichtigste Marken und beschäftigte zuletzt 44 fest angestellte Mitarbeiter, sowie viele Freischaffende für besondere Aufgaben.
Eines meiner Erfolgsgeheimnisse war, dass ich ausschliesslich Personen beschäftigte, die jünger waren als ich und deshalb womöglich noch offener und begeisterungsfähiger als ich selber. Offiziell wurde ich – als Ältester – von allen meinen Angestellten freundschaftlich per „Daddy“ angesprochen.
Ich arbeitete sehr intensiv und voll Begeisterung. Meist war ich der Erste im Büro und verliess die von mir nach einigen Jahren als ganzes Bürohaus gemietete, sehr schöne Villa an der Bellariastrasse, Zürich oft erst spät abends.
Dafür verbracht ich die Wochenende zur Erholung im Tessin, in Brissago. Ich hatte dort ein kleines Baugeschäft gegründet, um von mir entworfene Pläne zur vollständigen Renovation alter Gebäude zu verwirklichen. Teilweise geschah das für mich selber, aber auch für meine Eltern (ein ehemaliges Kloster in Incella über Brissago), dann für Marischa (und Lukas), für Karin (und ihren damaligen Mann Hans) sowie für verschiedene Freunde und Bekannte. Mit der Zeit arbeitete ich nur noch vier Tage pro Woche, viel Geld verdienend, in Zürich und betrieb meine Bauerei im Tessin als unbezahltes Hobby während auf drei Tage verlängerten Wochenenden.
Ich hatte unter anderem im Dörfchen Piodina über Brissago ein grosses, leer stehendes, altes Haus übernommen und ausgebaut. Dieses habe ich dem deutschen Künstler, Volkmar Haase, und seiner damaligen Freundin als Wohn- und Arbeitsstätte mehr als ein Jahr lang kostenlos zur Verfügung gestellt. Volkmar konnte mehrere seiner in Brissago hergestellten, grossen Stahl-Skulpturen verkaufen, die ich im Garten der damals von mir als Büro gemieteten Villa in Zürich aufstellen liess.
Als Dank schenkte mir Volkmar zuletzt eine mehrere Meter hohe Skulptur aus Edelstahl. Er hatte sie „Grosse Erektion“ getauft und so sah sie auch aus. Ich habe sie später der Gemeinde Brissago geschenkt und sie steht seither an einem schönen Ort am Seeufer. Allerdings fand ich es für richtig, das Kunstwerk vor der Übergabe umzutaufen. Auf einem Täfelchen steht ausser dem Namen des Künstlers auch ganz harmlos „Steile Form“.
Anlässlich der Eröffnung der Biennale von Venedig im Jahre 1970 stand ich vor dem japanischen Pavillon, vertieft in Betrachtung eines fünf Tonnen schweren Steinbrockens, ruhend auf einer, die Umwelt spiegelnden, vier Meter hohen, quadratischen Säule aus Chromstahl. Das Werk war bezeichnet als „Stone Floating in Nothingness“.
Während ich so voll Bewunderung dastand, hat mich ein Japaner sanft angestupst: „wanna meet the artist ?“. Er stellte mir den jungen Künstler vor: Nobuo Sekine. Es ergab sich aus dem mühsam englisch geführten Gespräch, dass dieser sich gerade auf seiner Hochzeitsreise befand. So lud ich Yoriko und Nobuo ein, zu mir nach Brissago-Piodina zu kommn, wo Volkmar Haase nach einem erbitterten Streit mit seiner Freundin vor kurzem das grosse Gäste-Haus verlassen hatte und nach Deutschland heimgekehrt war.
Auch die beiden Sekine blieben etwas länger als ein Jahr meine Gäste im Dörfchen Piodina über Brissago. Zuletzt musste die hochschwangere Yoriko nach Japan zurückkehren, da das Kind nicht „in der Fremde“ geboren werden sollte.
Als ich nach Jahren Nobuo in Tokio besuchte, war eine hübsche junge Frau bei ihm: Er sagte: ,,She was made in your house“ und er habe ihr gerade zum zwanzigsten Geburtstag ein Pferd geschenkt.
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Der 19. März ist in Italien offiziell ein Feiertag – gewidmet San Giuseppe, dem Vater von Jesus. Ich hatte verschiedene Freunde in Mailand, die oft zu mir auf Besuch ins Tessin zu kommen pflegten. Einig hatten sogar die Schlüssel zur „Rocca Nera“, meinem damaligen Haus hoch über Brissago, das sie oft auch in meiner Abwesenheit kurz bewohnten. Ein solches, mir befreundetes Paar hatte den San Guiseppe Feiertag benutzt, um in Cardada über Locarno Ski zu fahren und anschliessend in der „Rocca Nera“ übernachtet. Sie hatten einen mir noch unbekannten Gast mitgenommen. Das war im Jahre 1971.
Als ich am nächsten Tag ins Tessin eintraf, kamen meine Freunde gerade zurück vom Skifahren, zusammen mit dem etwas scheu wirkenden Gast, 31 Jahre alt, mit schwarzem Lockenkopf und Bart. Ich dagegen war ein 48-jähriges, unruhiges und zappliges Geschöpf. Trotzdem hat der Blitz nicht nur bei mir, aber auch bei Adalberto eingeschlagen.
Am nächsten Morgen, bevor meine Gäste wieder nach Mailand zurückfuhren, hatten wir Beide noch eine vertrauliches, sehr ernsthaftes Gespräch. So seltsam das eigentlich war, da wir uns ja kaum 24 Stunden kannten; wir vereinbarten nach Möglichkeit alles zu tun, um fortan beste Freunde zu werden. Trotz unseren sehr unterschiedlichen Charaktereigenschaften – oder vielleicht gerade deshalb – ist uns dieses Vorhaben tatsächlich gelungen Wir sind im Laufe der seinher vergangenen 44Jahre immer mehr zu einer unzertrennlichen, glücklichen Einheit geworden. Marischa war Trauzeugin, als wir 2007 offiziell heiraten konnten.
Nicht lange nachdem wir uns kennen gelernt hatten, kündete Adalberto seine Stelle als Chefbuchhalter bei einer internationalen Firma mit Sitz in Mailand. Ich dagegen verkaufte meine Werbeagentur an die amerikanische, international tätige Agenturkette: „Norman, Craig & Kummel“. Die drei jüdischen Besitzer schienen mir gewiegte Fachleute und gleichzeitig sympathische Menschen zu sein. Der Ableger in der Schweiz bekam ihren Namen und einen neuen Leiter, der angeblich die Schweiz kannte. (Ich erfuhr erst später, dass er in der Schweiz zwei Ferienwochen verbrachte hatte, sonst nichts).
Der an sich nette, neue Chef betrachtete es als sinnlos, den teuren Mietzins für die romantische Villa mit dem schönen Garten zu bezahlen und verlegte die Agentur in ein modernes Bürohaus in ein preiswertes, neutral wirkendes Stockwerk. Die bisher fliessenden Arbeitszeiten für die Angestellten wurden vernünftig und normal geregelt und die chaotischen Abläufe wurden entsprechend dem in amerikanischen Werbeagenturen üblichen und dort so erfolgreichen System reorganisiert.
Das Resultat dieser wohlgemeinten Veränderunen; Innerhalb von nur zwei Jahren kündigten nacheinander die meisten meiner bisherigen 44 Angestellten – sowie sämtliche schweizerischen Kunden, mit dem von meiner Agentur zuletzt betreuten Totalbudget von 12’000’000.Franken. Es verblieb nur noch das von den neuen amerikanischen Besitzern als zusätzlicher Kunde eingebrachte Unternehmen Colgate-Palmolive mit 3’500’000. Franken Werbe-Budget pro Jahr, was aber zum Überleben der Agentur nicht ausreichte Die „N.C.K. Switzerland“ musste bald im Handelsregister gelöscht werden.
Nachdem Adalberto und ich die bisherigen beruflichen Tätigkeiten abgebrochen hatten, mieteten wir eine Wohnung in London. Adalberto arbeitete als Verkäufer bei Harrod’s, um dabei englisch zu lernen. Ich erlernte „garden design“ in der von John Brookes dafür gegründeten Schule. John Brookes ist Gewinner der meisten Goldmedaillen der weltberühmten, jährlich veranstalteten „Chelsea Garden Show“. Er ist auch Verfasser von in viele Sprachen übersetzten Gartenbüchern mit einer höheren Gesamtauflage als die von allen anderen Verfassern von Büchern zu diesem Thema.
Nach unserer Rückkehr auf den Kontinent war Adalberto während rund zehn Jahren Partner in der führenden italienischen Agentur für „public relations“. Nach dem Tod des Gründers dieser Agentur betreute Adalberto als Freischaffender, die Werbung für Rubelli, dem bekanntesten Hersteller kostbarer Stoff mit Sitz in Venedig.
Am Beginn der für mich völlig neuen Berufstätigkeit als Gartengestalter half mir John Brookes mehrmals auf freundschaftlicher Basis. 1986 veranstaltete ich ausserdem erstmals eine Gruppenreise, um anderen Menschen Gärten zu zeigen. Das machte ich selbständig während 12 Jahren. Zusammen mit zuletzt mehreren, für mich temporär tätigen Personen, veranstalte ich Gartenreisen in viele europäische Länder, aber auch nach China, Japan, Russland und in die U.S.A.
1998 übertrug ich die administrative Veranstaltung der weiterhin von mir geplanten und teilweise auch von mir geführten Gartenreisen an das Reisebüro Arcatour mit Sitz in Zug .
Nach weiteren 12 Jahren, also 2010, beendetet ich meine vor allem im Sinn eines Hobby betriebene Tätigkeit im Zusammenhang mit Garten-Reisen. Die Unkosten für die vorangehenden, notwendigen Erkundungsreisen und andere Vorbereitungen lissen sich durch die tatsächlich veranstalteten Gruppenreisen meist nur knapp und sogar nicht immer voll decken: Doch diese Reisen hatten mir währnd 24 Jahren grossen Spass bereitet.
Auch Adalberto beendete seine berufliche Tätigkeit, um fortan ständig zusammen mit mir in unsrem gemütlichen Haus in Caslano zu wohnen. Wir unternehmen gemeinsam viele Reisen und sind glücklich und zufrieden.
Geschrieben 2016