Wie ich begonnen habe, Garten-Reisen zu organisieren

 Zu Neuem stets bereit, organisierte ich im Jahre 1986 eine Leser-Reise für die Kultur-Zeitschrift DU mit dem Titel „Die schönsten Gärten von Südengland“. So entstand ganz unerwartet meine erste Garten-Reise, der zahllose weitere folgen sollten:

Gelegentlich verfasste ich journalistische Beiträge. Dies geschah unter anderem im Auftrag von Sascha Draeger, dem inzwischen verstorbenen Chefredaktor der Kulturzeitschrift DU. Die von mir behandelten Themen betrafen vor allem Architektur und Formgestaltung. Einmal durfte ich sogar selber die Redaktion einer ganzen DU-Nummer übernehmen. Sie trug den Titel „Tessiner Baumeister“ und galt dem Wirken von Borromini in Rom, von Domenico Trezzini bei der Entstehung Sankt Petersburg usw.

Nach einer Englandreise machte ich vor der Rückkehr ins Tessin noch einen Zwischenhalt in Zürich. Es galt, einen von mir für DU vorbereiteten Artikel mit dem Chefredaktor in seiner Wohnung gemütlich bei einem Tee zu besprechen.

Statt gleich aufs Thema zu kommen, verwickelte ich mich in eine lange und begeisterte Schilderung der soeben von mir in England besuchten Gärten. Bevor ich damit zu Ende kommen konnte, unterbrach mich Sascha Draeger: „Ivàn, du musst mir einen Gefallen tun und unbedingt für meine Leser eine Reise zu diesen Gärten organisieren!“.

Das war für mich eine sehr überraschende und ganz unerwartete Aufgabe. Zu Neuem stets bereit, organisierte ich tatsächlich im Jahre 1986 eine Leser-Reise für DU mit dem Titel „Die schönsten Gärten von Südengland“. 1987 leitete ich für DU-Leser eine Reise nach Venedig und eine „Rosenreise nach Frankreich“.

Nach dem Verkauf des herausgebenden Verlags an den Tagesanzeiger wurde für DU ein neuer Chefredaktor eingesetzt. Dieser gab mir zu verstehen, dass Reisen, bei denen vor allem Gärten besucht werden, für die Leser einer „kulturell ausgerichteten Zeitschrift“ nicht von Interesse seien und deshalb für ihn nicht mehr in Frage kämen. Wie völlig falsch er mit seiner Behauptung lag, hätte ihm allein schon der Erfolg der bisherigen Leser-Reisen deutlich beweisen können!

Bereits hatte ich im Auftrag des nun abgesetzten Chefredaktors zwei neue Programme für im Jahre 1988 vorgesehenen Leser-Reisen auf den dafür notwendigen Rekognoszierungsfahrten an Ort und Stelle detailliert ausgearbeitet. Sie trugen die Titel: „Die maurischen Gärten von Andalusien“ und „Parks und Paläste des russischen Zarenreiches“.

Als ich Kuoni (kommerzieller Betreuer aller Reisen für DU) informieren wollte, dass meine Reisen nicht mehr veranstaltet werden können, da entgegnete mir meine Kontaktperson bei Kuoni, das müsse durchaus nicht so sein. Praktisch alle Kunden meiner ersten Reise hätten sich ja wieder gemeldet. Dabei bezogen sie sich meist gar nicht auf eine DU-Leserreise sondern sie fragten nach einer „Ruperti-Reise“. Ich könne doch einfach die bereits vorbereiteten Programme, sowie auch spätere, unter meinem eigenen Namen anbieten. Und so geschah es von da an.

Die Teilnehmer/innen meiner anfänglichen Reisen sind offensichtlich sehr zufrieden geblieben. Sie haben davon weitererzählt, sodass sich die „Ruperti-Reisen“ allein dank Mundpropaganda gut verkaufen liessen und oft sogar schon lange im Voraus ausgebucht waren. Alle bereits erwähnten Programme mussten mehrmals wiederholt werden, das Programm nach Südengland bisher schon elf Mal, wenn auch stets mit kleinen Änderungen und Verbesserungen. Dazu kamen immer wieder neue Programme mit Reisezielen in den verschiedensten Ländern.

Bei manchen der von mir bereits zuhause vorgeplanten Erkundungsreisen haben ein Journalist und ein Fotograf der in Hamburg publizierten Monats-Zeitschrift „Schöner Wohnen“ davon profitiert, indem sie auf eigene Rechnung mitfahren durften. Dabei konnten sie Artikel zusammenstellen, die während mehreren Jahren in der sonst eher mageren November-Nummer von „Schöner Wohnen“ auf jeweils acht Seiten publiziert wurden. In einem kleinen Kästchen am Schluss fand sich als Gegenleistung der Hinweis, dass der im Tessin wohnende Ivàn Ruperti spezielle Reisen zu den im diesem Artikel vorgestellten Gärten veranstaltet. So erhielt ich eine Menge zusätzlicher Anfragen und Anmeldungen.

Ab Zürich habe ich Garten-Reisen organisiert und persönlich geleitet nach England, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien und Russland, ferner nach Japan, China und den U.S.A.

Nachdem die sogenannten „Ruperti-Reisen“ im Laufe von 12 Jahren immer erfolgreicher wurden und mich zuletzt allzu stark beanspruchten, entschloss ich mich im Jahre 1998, die kommerzielle Organisation der von mir ins Leben gerufenen Reisen an das Reisebüro Arcatour in Zug zu übertragen.

Unter dem Titel „Kultur und Gartenkunst“ hat Arcatour die Veranstaltung der gleiche Art von Reisen fortgesetzt. Das geschah bis zum Jahre 2010 in enger Zusammenarbeit mit mir. Dabei habe ich weitere zwölf Jahre fortlaufend neue Programme an Ort und Stelle erkundet.

Neben all den Reisen bloss zu meinem eigenen Vergnügen, konnte ich während nicht weniger 24 Jahren (1986-2010) mit den sorgfältig von mir vorbereiteten Reise-Programmen auch anderen Menschen Freude bereiten und ihnen interessante Gärten in vielen Ländern zeigen.

Selbst jetzt in hohem Alter packt mich immer wieder die Reiselust. Und dies obwohl es mir eigentlich nirgends auf der Welt so gut gefällt, wie hier zuhause im Tessin!