{"id":991,"date":"2016-06-01T15:54:42","date_gmt":"2016-06-01T15:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=991"},"modified":"2019-08-08T13:34:35","modified_gmt":"2019-08-08T13:34:35","slug":"991","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=991","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf meine Reisen"},"content":{"rendered":"<p><em>In meinem abwechslungsreichen und interessanten Leben haben Reisen nie die Hauptrolle gespielt, jedoch dazu erfreuliche Beitr\u00e4ge geleistet.<\/em><\/p>\n<p><em>Das begann schon mit Velo-Fahrten auf den zur Zeit des letzten Weltkrieges fast verkehrsfreien Strassen &#8211; von Basel ins Tessin. Dort hatten meine Eltern in Porto Ronco \u00fcber dem Lago Maggiore ein kleines Ferienhaus erbaut. Wenn ich mit der Bahn hinfuhr, nahm ich mein Faltboot mit, um auf dem See zu fischen. Bei einer Heimreise habe ich in Fl\u00fcelen das Boot wieder ausgepackt und paddelte in drei Tagen \u00fcber den Vierwaldst\u00e4ttersee, die Aare und den Rein bis nach Basel. F\u00fcr die \u00dcbernachtungen stellte ich irgendwo am Ufer mein kleines Zelt auf, was damals noch problemlos m\u00f6glich war und auch nichts kostete.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kaum war der Krieg zu Ende, paddelte ich auf gleiche Weise von Genf auf der Rhone ins Mittelmeer. Von da an gab es immer mehr Reisen nach ferneren Zielen, besonders viele nach Afrika. In meiner ersten Lebensh\u00e4lfte waren das oft echte Abenteuer. So durchquerte ich die Sahara drei Mal auf verschiedenen Routen im selbstgesteuerten Gel\u00e4ndewagen und \u00fcbernachtete dabei oft unter dem mit Sternen \u00fcbers\u00e4ten Himmel, eingeh\u00fcllt in einem warmen Schlafsack auf dem n\u00e4chlich k\u00fchlen W\u00fcstensand.<\/p>\n<p>An andere Afrika-Reisen &#8211; zu damals noch recht isolierten Volks-St\u00e4mmen &#8211; erinnert mich meine kleine Sammlung ausdrucksvoll geschnitzter Holzmasken. Von einer besonders abenteuerlichen, ungew\u00f6hnlich interessanten Reisen kehrte ich jedoch, von Fieber gesch\u00fcttelt, mit einer heftigen Malaria-Erkrankung zur\u00fcck in die Schweiz. Viel harmloser erwies sich dagegen die Teilnahmen an mehreren organisierten Safaris, die mich mit fesselnden Tierbeobachtungen begl\u00fcckten.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Meine zweiten Lebensh\u00e4lfte bildete den gr\u00f6ssten Gegensatz zu der vorangegangenen. Auch die Reisen bekamen einen v\u00f6llig anderen Charakter.<\/p>\n<p>Am 19. M\u00e4rz 1971 lernte ich in Brissago durch einen gl\u00fccklichen Zufall Adalberto, einen damals, scheu wirkenden, jungen Italiener kennen. Kurz danach f\u00fchrten wir ein l\u00e4ngere Besprechung, bei der wir verabredeten, den Versuch zu wagen, eine dauernde Lebensgemeinschaft aufzubauen \u2013 erstaunlich, dass uns dies tats\u00e4chlich gelungen ist!<\/p>\n<p>Noch im gleichen Jahr 1971 konnte ich die in Z\u00fcrich von mir mit Null gestartete und zu ansehnlichem Erfolg gebrachte \u201eWerbeagentur Ruperti AG\u201c an eine amerikanische, international t\u00e4tige Kette von Werbeagentur \u00fcbergeben, als deren neue Filiale in der Schweiz. Adalberto k\u00fcndigte seine Stelle als Chefbuchalter einer Firma in Mailand. Wir mieteten eine Wohnung in London. Adalberto bet\u00e4tigte sich als Verk\u00e4ufer im ber\u00fchmten Warenhaus Selfridges, und perfektionierte sp\u00e4ter sein Englisch an einem College in Oxford.<\/p>\n<p>Ich dagegen liess mich von John Brookes, als \u00e4ltester Kurs-Teilnehmer an seiner Schule, zum \u201egarden designer\u201c ausbildet. Dank seinen zahlreichen Gartenb\u00fccher und mehreren Goldpreisen an der Chelsea Garden Show wurde John Brookes eine sehr bekannte Pers\u00f6nlichkeit. Er ist auch ein guter Freud von mir geworden. Zu meinem Start in einer v\u00f6llig neuen Berufst\u00e4tigkeit kam er mehrmals nach Italien, um mich bei der Ausarbeitung bei meinen ersten Gartenprojekten zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>1986 machte der mit mir befreundete, seither verstorbene Chefredaktor der Zeitschrift \u201eDU&#8220; den \u00fcberraschenden Vorschlag, ich solle eine Reise f\u00fcr DU-Leser zum Besuch von G\u00e4rten veranstalten. Schnell waren alle Pl\u00e4tze ausgebucht, die im DU ausgeschrieben waren unter dem Titel: \u201eDie sch\u00f6nsten G\u00e4rten von S\u00fcdengland\u201c. Damals waren Reisen mit <strong>G\u00e4rten<\/strong> als Besuchsziele noch eine \u00a0Neuheit.<\/p>\n<p>So entstanden die \u201e<strong>Ruperti-Reisen<\/strong>\u201c, die einen \u00fcberraschenden Erfolg verzeichneten. Immer wieder machte ich Erkundungs-Reisen in verschiedenen L\u00e4nder. Es galt besonders interessant scheinende G\u00e4rten auszuw\u00e4hlen (aber auch nette Hotels). Die dabei zusammengestellten Programme wurden jeweils im darauffolgenden Jahr als Gruppen-Reissen veranstaltet.<\/p>\n<p>Stets lud ich Freundinnen oder Freunde ein, mitzukommen. Obwohl keine dieser Personen je eine Reise geleitet hatte, wollten sie das gerne versuchen und leiteten dann selber Wiederholungen von Programmen, die sich als besonders erfolgreich erwiesen hatten. Es hat mich gefreut, dass ausgerechnet meine allererste Reise: \u201eDie sch\u00f6nsten G\u00e4rten von S\u00fcdengland\u201c den Rekord aufgestellt hat. Geleitet von verschiedenen Personen konnte sie im Laufe der Zeit nicht weniger elf Mal erfolgreich veranstaltet werden.<\/p>\n<p>Ausser zu vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern konnten \u201eRuperti-Reisen\u201c auch veranstaltet werden nach Japan, China, Russland und den U.S.A..<\/p>\n<p>Erika H\u00f6hle &#8211; eine liebe Freundin und damalige Nachbarin &#8211; betreute die Organisation der \u201eRuperti-Reisen\u201c, nahm die Anmeldungen entgegen reservierte Hotels, Restaurants, Bahnfahrt- oder Flug-Karten und betreute perfekt s\u00e4mtliche finanzielle Angelegenheiten. Doch der wachsende Erfolg der \u201eRuperti Reisen\u201c (und die damit verbundene, stetig gr\u00f6sser werdende Verantwortung) wurden f\u00fcr sie &#8211; ebenso wie f\u00fcr mich &#8211; mit der Zeit zu einer allzu schweren Belastung.<\/p>\n<p>1988 \u00fcbertrug ich die Organisation an die nicht sehr grosse, aber sympathisch naturverbundene Reisefirma &#8222;Arcatour&#8220; in Zug. Unter dem Namen \u201eNatur- und Kulturreisen\u201c, wurden fortan Reisen veranstaltet, bei denen ich &#8211; wie bisher -zur Erkundung und als Leiter t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Im Jahre 2010 endete diese Zusammenarbeit. Geblieben ist mir eine wertvolle Freundin, Margrit Mathys, die f\u00fcr die Organisation der Garten-Reisen bei Arcatour verantwortlich gewesen ist. Seither bewohnen Margrit und ihr ebenfalls pensionierte Gatte Ren\u00e9 oft unser Haus in Caslano, wenn Adalberto und ich auf Reisen waren. Liebevoll betreuen sie unsere beiden Perserkatzen, die weisse Lulu und die schwarze Zizi. Auch f\u00fcttern sie die zw\u00f6lf farbenfrohen Kois im-Brunnen-Teich.<\/p>\n<p>Auch nach meinem 80-sten Lebensjahr machte ich zusammen mit Adalberto viele weite Reisen, einmal sogar rund um die ganze Welt. Ausserdem begannen wir, an Kreuzfahrten teilzunehmen. Als besonders interessant bleibt uns die Kreuzfahrt ab Ushuaia ins Eis des s\u00fcdlichen Polarmeeres in Erinnerung \u2013 ebenso eine in den hohen Norden zu den Spitzbergen. Ausserdem genossen wir mehrere Kreufahrten in der Karibik, sowie mehrere zu den Kanaren und im Persischen Golf.<\/p>\n<p>Nachdem ich 90 Jahre alt war, begann Adalberto zu protestieren, wenn ich wieder eine neue Reise vorschlagen wollte. \u201eWir\u201c seien doch einfach zu alt geworden, um immer noch in der Welt herumzuschwirren. (Dabei ist er volle 16 Jahre j\u00fcnger als ich!). Zuletzt hat Adalberto aber doch jedes Mal meinem Dr\u00e4ngen nachgegeben und hat dann die Reise ebenso sehr genossen wie ich.<\/p>\n<p>Leider hat sich die Kreuzfahrt im Dezember 2017 als die am wenigsten erfreuliche aller bisherigen Reisen erwiesen. Das hat Adalberto ausgen\u00fctzt indem er mich nach unserer Heimkehr \u00fcberreden konnte, definitiv Schuss mit der Reiserei zu machen. Schweren Herzens musste ich am Weihnachtstag (was Adalberto als \u201eGeschenk\u201c bejubelt hat!) per e-mail die f\u00fcr den M\u00e4rz und den Mai gebuchten Reisen absagen. Dabei hatte ich f\u00fcr beide bereits Anzahlungen geleistet. Ganz besonders bedauere ich, die S\u00fcdafrika-Rundreise nicht erleben zu d\u00fcrfen. Ich war schon zweimal in S\u00fcdafrika, bereiste aber nur die Umgebung von Capstadt, w\u00e4hrend Adalberto noch nie in S\u00fcdafrika gewesen ist.<\/p>\n<p>Leider muss ich Adalberto Recht geben. Obschon ich mich immer noch bester Gesundheit erfreue, im Alter von 94 Jahre h\u00e4tte es f\u00fcr mich vielleicht doch zu anstrengend sein k\u00f6nnen \u2013 die langen Busfahrten auf der weiten Strecke zwischen Kapstadt und Johannesburg &#8211; t\u00e4glich in einem anderen Hotel den Koffer aus- und wieder einzupacken und dabei auch noch all die vielen Sehens-w\u00fcrdigkeiten zu erleben.<\/p>\n<p>Nun muss ich die eigentlich f\u00fcr mich v\u00f6llig unpassende Rolle spielen, als ein alter und vern\u00fcnftig gewordener Mann. Doch es wird f\u00fcr mich kein Problem sein, fortan Adalberto\u2019s Reise-Verbot einzuhalten. Auf der ganzen Welt habe ich n\u00e4mlich keinen Ort entdeckt wo ich lieber leben w\u00fcrde als im S\u00fcdtessin, mit seinem so angenehmen, ausgeglichenen Klima und dem harmonischen Zusammenspiel von glitzernder Seefl\u00e4che und bewaldeten H\u00fcgeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem abwechslungsreichen und interessanten Leben haben Reisen nie die Hauptrolle gespielt, jedoch dazu erfreuliche Beitr\u00e4ge geleistet. Das begann schon mit Velo-Fahrten auf den zur Zeit des letzten Weltkrieges fast verkehrsfreien Strassen &#8211; von Basel ins Tessin. Dort hatten meine Eltern in Porto Ronco \u00fcber dem Lago Maggiore ein kleines Ferienhaus erbaut. 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