{"id":974,"date":"2016-03-19T16:59:03","date_gmt":"2016-03-19T16:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=974"},"modified":"2018-01-31T14:10:07","modified_gmt":"2018-01-31T14:10:07","slug":"la-seine-musicale","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=974","title":{"rendered":"\u201eLa Seine Musicale&#8220;,"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hinweise auf den Architekten Shigeru Ban sowie auf die beiden Kunstm\u00e4zene Pinault und Arnault.<\/strong><\/p>\n<p><em>Am Mittwoch 10. Mai 2017 besuchte ich gemeinsam mit Adalberto in Paris das Ende April, also vor nur wenigen Tagen zur teilweise Besichtigung er\u00f6ffnete, neue Kulturzentrum.: ,,La Seine Musicale&#8220;. Das interessante Geb\u00e4ude hat mich begeistert.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bevor ich dr\u00fcber berichte, eine Klarstellung: ,,La Seine Musicale&#8220; findet sich auf der Seine-Insel ile Seguin in Boulogne-Billancourt am Rande von Paris, s\u00fcd-westlich des Zentrums. Bitte nicht verwechseln mit \u201eLa Cite Musicale -Philharmonie de Paris&#8220;!<\/p>\n<p>Letztere liegt genau gegen\u00fcber; in Pantin, nord-\u00f6stlich vom Zentrum, im \u201eParc de la Villette&#8220;. Das Geb\u00e4ude von Christian Portzamparc wurde 1995 er\u00f6ffnet. Dazu kam ein sehr ungew\u00f6hnlich gestalteter Neubau des Architekten Jean Nouvel, das 2015 er\u00f6ffnet wurde.<\/p>\n<p>Meine Beschreibung von \u201eLa Seine Musicale&#8220; veranlasst mich, auch \u00fcber den kulturellen Kampf der beiden wichtigsten franz\u00f6sischen Kunstsammler zu berichten.<\/p>\n<p>Von der Endstation des Metro No. 9; Pont de Sevres, bringt ein kurzer Spaziergang zu der Br\u00fccke mit der man zur \u00cele Seguin und \u201eLa Seine Musicale&#8220; gelangt.<\/p>\n<p>Auf dieser Seine-Insel befand sich von 1925-1992 die Automobilfabrik Renault, in der 30&#8217;000 Personen arbeitetet. Nach der Verlegung der Fabrik entbrannt ein Streit \u00fcber die zuk\u00fcnftige Nutzung der Insel. Besonders intensiv beteiligt war der Milliard\u00e4r, <strong>Fran\u00e7ois Pinault<\/strong>. Der Kunstm\u00e4zen unterbreitete im Jahre 2&#8217;000 der staatlichen Verwaltung das Baugesuch f\u00fcr ein Museum in dem er seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst dem Publikum zug\u00e4nglich zu machen wollte. Der Plan f\u00fcr das sensationelle Museumsgeb\u00e4ude stammte von dem ber\u00fchmten japanischen Architekt Ando Tadao.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre lang k\u00e4mpfte Pinault mit der komplizierten franz\u00f6sischen B\u00fcrokratie, doch vergebens. Entt\u00e4uscht musste er zuletzt sein Vorhaben aufgeben, das eine wesentliche Bereicherung der franz\u00f6sischen Kulturszene bedeutet h\u00e4tte. 2005 kaufte er statt dessen den pr\u00e4chtigen \u201ePalazzo Grassi&#8220; in Venedig. Darin hatte die Automobilfabrik Fiat, als es ihr finanzielle noch gut ging, von der Mail\u00e4nder Architektin Gae Aulenti ein faszinierendes Kunstmuseum einrichten lassen.<\/p>\n<p>Anders als in seiner Heimat wurde Pinault von den Beh\u00f6rden in Venedig mit offenen Armen empfangen. Man stelle ihm die \u201ePunta della Dogana&#8220; zur Verf\u00fcgung, das einstige Zollamt an der Spitze des Canal Grande. Pinault liess beide Geb\u00e4ude von Ando Tadao umbauen und zeigt darin fortan abwechselnd Teile seiner umfangreichen Kunstsammlung.<\/p>\n<p>Francois Pinault, geboren 1936 hatte 1963 die Soci\u00e9t\u00e9 Pinault gegr\u00fcndet, die mit BauMaterialien erfolgreich wurde. So konnte er 1992 das grosse Warenhaus Au Printemps erwerben und eine Reihe weiterer Unternehmen, unter anderem die Aktienmehrheit des Versteigerungshauses Christie&#8217;s und die Luxusmarke Gucci. In den U.S.A. geh\u00f6rt ihm \u00b7 Samsonite und das Skizentrum Vail in Colorado. Schon zu Beginn des 21. Jahrtausends besass er rund 3 &#8218;000 Werke moderner Kunst und baut seine Sammlung st\u00e4ndig weiter aus.<\/p>\n<p>Als Kunstm\u00e4zen ist <strong>Bernard Arnault<\/strong> der grosse Gegenspieler von Pinault. Arnault, unter anderem Chef des Luxuskonzerns LVMH, gilt als der reichste Mann in Frankreich und z\u00e4hlt zu den 10 reichsten Personen der ganzen Welt. Arnault liess vom amerikanischen Architekt Frank Ghery im Namen der Stiftung \u201eLouis Vuitton&#8220; am Rande des Bois de Boulogne ein Geb\u00e4ude f\u00fcr Kunstausstellungen errichten. Es wurde 2014 er\u00f6ffnet und ist das interessanteste Bauwerk das ich je gesehen habe!<\/p>\n<p>Nun kann Pinault es offenbar nicht \u00fcberwinden, dass anstelle des von ihm auf der \u00cele Seguin geplanten Museums nun der viel reichere Kunstm\u00e4zen Arnault im Pariser Bois de Boulogne ein so grossartiges Ausstellungs-Geb\u00e4ude f\u00fcr aktuelle Kunst errichtet hat. (Laut Forbes besitzt Arnault f\u00fcnfzig Milliarden Euro, w\u00e4hrend Pinault \u201enur&#8220; \u00fcber zw\u00f6lf Milliarden Euro verf\u00fcgt).<\/p>\n<p>Zuletzt ist es Pinault gelungen, im Zentrum von Paris &#8211; nur wenigen Schritte vom Louvre und vom Centre Pompidou entfernt &#8211; das historische, denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude der B\u00f6rse zu \u00fcbernehmen. Nach dem entsprechenden Umbau soll hier im Jahre 2018 ein zus\u00e4tzlicher Kunsttempel er\u00f6ffnet werden. Einen Namen daf\u00fcr hat Pinault bisher noch nicht bekannt gegeben. Nach seiner \u201eLa Pointe de la Douane&#8220; in Venedig bleibt aber vielleicht auch in Paris der auf die fr\u00fchere Ben\u00fctzung hinweisende Name erhalten: \u00a0 \u00a0 \u00a0,,La Bourse du Commerce&#8220;.<\/p>\n<p>Was der Kunstsammler schon in Venedig begonnen hatte, soll hier weiter verwirklicht werden. Er beschreibt sein generelles Vorhaben: <em>\u00a0Un mus\u00e9e ne peut \u00eatre un lieu ou l&#8216; on se contente de montrer. C &#8218;est aussi un espace pour faire avancer les choses \u00e0 la croisee des arts plastiques, de la musique, du theatre, de la Iitterature et du cinema<\/em>. Nun, da kann man ja gespannt sein!<\/p>\n<p>Nach dieser Abschweifung komme ich zur\u00fcck auf \u201eLa Seine Musicale&#8220;. Damit wurde flussabw\u00e4rts etwa die H\u00e4lfte der \u00cele Seguin \u00fcberbaut. Die flussaufw\u00e4rts gelegene H\u00e4lfte der Insel ist noch eine grosse Baustelle. Hier sollen weiter kulturelle Einrichtungen entstehen. Unter anderem ein bewohnbares Kunsthotel, in welchem man umgeben von echten Kunstwerken \u00fcbernachten kann.<\/p>\n<p>Der mir bisher nicht bekannte japanische Architekt,<strong> Shigeru Ban<\/strong>, hat das \u00a0 \u00a0\u00a0280 m lange Geb\u00e4ude f\u00fcr \u201ela Seine Musicale&#8220; geplant. Es wurde am 22. April 2017 teilweise er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Erst nachtr\u00e4glich ist mir bewusst geworden, dass ich bereits einen Bau von diesem Architekten bewundert hatte: im Mai 2014 besuchten Adalberto und \u00a0ich anl\u00e4sslich einer von den \u201eAmici dei Musei&#8220; organisierten Reise das \u201eCentre Pompidou-Metz.&#8220; Dieser Ableger des gleichnamigen Museums von Paris ist von Shigeru Ban entworfen und 2010 er\u00f6ffnet worden.<\/p>\n<p>Der 1957 geborene, japanische Architekt gilt als Pionier, indem seine Bauten oft aus recycletem Papier entstehen. Das zermahlene Papier l\u00e4sst er mit h\u00e4rtenden Materialen vermischen und zu langen Rohren oder Balken in verschiedene oft gebogene Formen auspressen. Daraus entstehen tragende Strukturen, die mit den verschiedensten Materialien bekleidet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit solchen Struktur-Elementen aus ehemaligem Papier baute er in Japan anf\u00e4nglich preiswerte Notunterk\u00fcnfte f\u00fcr Opfer von Vulkanausbr\u00fcchen, sp\u00e4ter in verschiedenen L\u00e4ndern immer gr\u00f6ssere Bauten: Hotels und sogar Br\u00fccken oder Kirchen.<\/p>\n<p>Bekannt wurde Shigeru Ban in Europa durch sein Japanisches Pavillon an der EXPO 2000 in Hannover. Dieser bestand aus einem 7 5 m langen, 25 m breiten und 15 m hohen Tunnel. Das st\u00fctzende Ger\u00fcst aus Alt-Papier war mit lichtdurchl\u00e4ssigem Material \u00fcberzogen. Am Ende der Ausstellung konnte alles kostensparend und in \u00f6kologisch vorbildlicher Weise erneut recyclet werden.<\/p>\n<p>Das neue &#8222;Centre Pompidou-Metz&#8220; f\u00e4llt schon von Weitem durch sein wei\u00dfes zirkuszelt\u00e4hnliches Dach auf. Wie das Stammhaus in Paris ist es als innovatives, vielseitiges Kunst- und Kulturzentrum konzipiert.<\/p>\n<p>Die monumentale, sechseckige Dachkonstruktion erstreckt sich \u00fcber den gesamten Innenbereich und entwickelt sich um einen zentralen, 37 m hohen Mast.<\/p>\n<p>Das g\u00e4nzlich aus Holz bestehende Tragwerk mit einer Gesamtfl\u00e4che von \u00a0 \u00a0 \u00a08&#8217;000 m2 erinnert mit seiner Netzstruktur an das Geflecht eines chinesischen Stoh-Huts. \u00dcber der Holzkonstruktion erstreckt sich eine d\u00fcnne, aber stabile und wasserundurchl\u00e4ssige\u00a0&#8222;Haut&#8220; aus Glasfasern mit einer Teflon-beschichtung. Im Inneren \u00fcberrascht die\u00a0Raumf\u00fclle der 3 7 Meter hohen, lichtdurchfluteten Halle, mit ihren transparenten Fassaden.<\/p>\n<p>Shigeru Ban hat in Vancouver das &#8222;Terrace House&#8220; geplant. Mit seinen 19 Stockwerken ist es das bisher weiltweit h\u00f6chste aus Holz erbaute Geb\u00e4ude. \u00a0 \u00a0 \u00a0In Taiwan baut er ein Kunstmuseum. Gem\u00e4ss den Fotografien des Modells scheint dieser Bau zu schweben und ist in verschiedener H\u00f6hen mit Inneng\u00e4rten bereichert.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf die \u00cele Seguin und \u201eLa Seine Musicale&#8220; von Shigeru Ban. An der Spitze der Insel befindet sich das von ihm geplante \u201eAuditorium&#8220;, mit dem Orchester in der Mitte, umgeben von 1&#8217;100 Pl\u00e4tzen f\u00fcr die Konzertbesucher. Das sehr ungew\u00f6hnliche Geb\u00e4ude besteht aus Glas und ist geformt wie ein riesiges Ei.<\/p>\n<p>Das Geflecht f\u00fcr das Ger\u00fcst besteht aus gebogenen Balken. Mit diesen ist die gl\u00e4serne Ei-Haut eingefasst. Dieses Geb\u00e4ude wird von einem gew\u00f6lbten, dreieckigen Segel beschattet, das sich entsprechend dem Sonnenstand um das Ei bewegt. Dieses Segel besteht aus lauter Solarzeller, mit denen der Strom f\u00fcr den ganzen Komplex erzeugt wird.<\/p>\n<p>\u00dcber dem Hauptteil von \u201eLa Seine Musicale&#8220; liess Shigeru Ban einen Erdh\u00fcgel aufsch\u00fctten auf dem man spazieren und auf das freistehenden Auditorium-Ei herab blicken kann. Unter diesem H\u00fcgel befinden sich weitere S\u00e4le, wobei der gr\u00f6sste 4&#8217;000 Zuschauer aufnehmen kann. Hier sollen auch Ballette, Opern und Theater-Auff\u00fchrungen veranstaltet werden. Es hat auch einige R\u00e4ume f\u00fcr Kunstausstellungen.<\/p>\n<p>Bei meinem Besuch war die Bepflanzung des Erdh\u00fcgel-Daches noch in vollem Gang. Hier soll eine Naturwiese entstehen mit lauter einheimischen Pflanzen. Dabei wird laut den schriftlichen Hinweisen besonderer Wert auf Pflanzenarten gelegt, die infolge der landwirtschaftlichen Nutzung vom Aussterben bedroht sind. Bereits wachsen auf der zuk\u00fcnftigen Wiese einige freistehende B\u00e4ume. Darauf h\u00e4ngen die verschiedensten Nest-Arten f\u00fcr V\u00f6gel, Insekten und Flederm\u00e4use.<\/p>\n<p>Vom Fuss dieses Erdh\u00fcgels kann man mit einem Lift durch das mehrst\u00f6ckige Geb\u00e4ude hinunterfahren, oder auf einer breiten Treppe hinunter gehen, die zum Eingang des Komplexes f\u00fchrt. Hier l\u00e4sst sich eine riesige Projektionswand entfalten, auf denen Darbietungen projiziert werden, an denen man auch aus grosser Entfernung kostenlos teilnehmen kann.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: neben der begeisternden &#8222;Fondation Vuitton&#8220; ist \u201eLa Seine Musicale&#8220; nun ein weiteres, h\u00f6chst interessantes, kulturelles Besuchsziel von Paris!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweise auf den Architekten Shigeru Ban sowie auf die beiden Kunstm\u00e4zene Pinault und Arnault. Am Mittwoch 10. 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