{"id":958,"date":"2016-02-15T09:30:56","date_gmt":"2016-02-15T09:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=958"},"modified":"2019-07-30T16:36:50","modified_gmt":"2019-07-30T16:36:50","slug":"ansprache-zu-marischas-90-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=958","title":{"rendered":"Ansprache zu Marischas 90. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ariane hatte die Feier vom 19. Februar 2017 zu Marischas 90. Geburtstag organisiert. Sie hatte nat\u00fcrlich auch mich eingeladen und wie alle Eingeladenen sollte ich bei dieser Gelegenheit ein gemeinsames Erlebnis mit Marischa schildern. Da ich aber nicht nach Basel kommen konnte, hat Karin an meiner Stelle meine Geschichte vorgelesen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Meine liebe Schwester, verehrte G\u00e4ste zu Marischas Geburtstag,<\/p>\n<p>Ariana hat mich aufgefordert, zu Marischa&#8217;s 90. Geburtstagsfest einen Beitrag zu leisten in Form eines Berichts \u00fcber ein ungew\u00f6hnliches Ereignis, das ich gemeinsam mit meiner Schwester erlebt habe. Da muss ich an Marischa&#8216; s spontanes Angebot denken. Es war eine sowohl von ihr selber &#8211; als auch von mir &#8211; v\u00f6llig unerwartete und etwas ungew\u00f6hnlich Dienstleistung, die dann eine nachhaltige Wirkung hatte.<\/p>\n<p>Bevor ich dar\u00fcber berichte, muss ich eine ganz andere Geschichte erz\u00e4hlen, mit der<\/p>\n<p>Marischa zwar direkt nichts zu tun hat. Aber ohne diesem Vorwort d\u00fcrfte f\u00fcr manche ihrer Geburtstagsg\u00e4ste die von mir viel sp\u00e4ter mit Marischa erlebte Gegebenheit wohl kaum verst\u00e4ndlich sein.<\/p>\n<p>Ebenso wie die Geschichte mit Marischa, handelt auch diese Vorgeschichte von einem f\u00fcr mich ganz unerwartetes Ereignis. Ein seltsamer Zufall will es, dass sich das &#8211; auf den Tag genau &#8211; 45 Jahre vor Marischa&#8217;s heutigem Geburtstag ereignete:<\/p>\n<p>Ich hatte im Tessin ein grosses Haus oberhalb von Brissago. Damals konnte man im Winter \u00fcber dem von Brissago unweit gelegenen Locamo auf dem Berg Cardada wunderbar skifahren. Infolge der Klimaerw\u00e4rmung ist das jetzt kaum mehr der Fall. In diese Winter sind die ehemaligen Skipisten von Cardada sogar durchgehend gr\u00fcne Wiesen geblieben.<\/p>\n<p>Besonders sch\u00f6n war das Skifahren auf Cardada im Februar; der Schnee war noch gut, aber es gab schon viel Sonne. Am gleichen Datum wie Marischa&#8217;s Geburtstag &#8211; also am 19. Februar &#8211; ist in Italien Feiertag; San Giuseppe. Das geschieht zur Ehren des Heiligen Josef, auf italienisch Giuseppe, der auf recht ungew\u00f6hnliche Weise &#8211; n\u00e4mlich mit einer jungfr\u00e4ulich gebliebenen Frau &#8211; Vater eines bedeutenden Sohnes geworden ist.<\/p>\n<p>In mehreren Jahren hatte ich jeweils, in Verbindung mit diesem Feiertag, Weekend-G\u00e4ste aus Mailand und wir vergn\u00fcgten uns mit Skifahren auf Cardada. 1971, also vor\u00a046 Jahren, hatten meine italienischen Freunde einen mir unbekannten, zus\u00e4tzlichen Gast mitgebracht: etwas scheu, schwarzer Lockenkopf, Bart, 30 j\u00e4hrig, somit 16 Jahre j\u00fcnger\u00b7 als ich &#8230;. Trotzdem hat offenbar auch bei Adalberto sofort ein Blitz eingeschlagen &#8211; was man etwas weniger dramatisch auch beschreiben k\u00f6nnte als: ,,Liebe auf den ersten Blick&#8220;.<\/p>\n<p>Kurz bevor meine G\u00e4ste wieder nach Mailand zur\u00fcck fuhren, hatten Adalberto und ich ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch. Wir stellten fest, dass wir zwar sehr verschiedenen Charakter haben. Aber gleichzeitig versprachen wir gegenseitig zu versuchen, Freunde zu werden und f\u00fcr immer Freunde zu bleiben. So voreilig eine solche Abmachung gewesen sein mag &#8211; nachdem wir uns ja nur ganz kurz kennen gelernt hatten &#8211; seltsamerweise ist es uns gelungen, unser damaliges Vorhaben tats\u00e4chlich zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Nun komme ich &#8211; mit einem Sprung aus dem 20. ins 21. Jahrhundert &#8211; endlich auf Marischa zu sprechen. Der Zeitunterschied zwischen der Vorgeschichte und dem unerwarteten Ereignis mit Marischa betr\u00e4gt 36 Jahre.<\/p>\n<p>Marischa hatte Adalberto und mich schon mehrmals erfreut, wenn sie zu uns ins Tessin kam. Als sie sich aber vor 10 Jahren &#8211; im April 2007 &#8211; zu einem Besuch anmeldete schien uns das etwas problematisch, denn wir hatten gleichzeitig bereits einen f\u00fcr uns wichtigen Termin. Trotzdem wollte ich ihr nicht absagen, war es doch jedes Mal besonders nett, wenn sie zu uns kam.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihres Aufenthaltes baten wir Marischa um Entschuldigung, weil wir nach Lugano fahren m\u00fcssen, um etwas f\u00fcr uns Wichtiges zu erledigen und sie deshalb am Nachmittag alleine zu Hause bleibe sollte. Das passte Marischa aber gar nicht und sie wollte unbedingt mit uns nach Lugano fahren. Uns schien es aber peinlich, ihr zu verraten, was wir vorhatten.<\/p>\n<p>Nun bohrte Marischa so lange und hartn\u00e4ckig an dem von ihr gesch\u00e4tzten und gutm\u00fctigen Adalberto herum, bis dieser endlich nicht anders konnte als ihr zu erkl\u00e4ren, um was es sich handelte: Ein neu erlassenes Gesetz erm\u00f6glichte den Eintrag im Zivilstandesamt &#8211; unabh\u00e4ngig von dem bisher geforderten Geschlechtsunterschied &#8211; f\u00fcr alle sich zusammen geh\u00f6rend f\u00fchlenden Paare. Und wir sollten die neu geschaffene, sogenannte \u201ePartnerschaftsurkunde&#8220; in Lugano im Standesamt unterzeichnen.<\/p>\n<p>Marischa war v\u00f6llig \u00fcberrascht, zeigte sich richtig begeistert und verk\u00fcndete spontan, sie wolle unbedingt dabei sei und zudem als offizielle Trauzeugin auftreten.<\/p>\n<p>F\u00fcr immer werde ich meiner lieben Schwester Marischa dankbar bleiben f\u00fcr ihre unvoreingenommene Mitunterzeichnung dieser mit einer so nachhaltigen Wirkung versehenen Urkunde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ariane hatte die Feier vom 19. Februar 2017 zu Marischas 90. Geburtstag organisiert. Sie hatte nat\u00fcrlich auch mich eingeladen und wie alle Eingeladenen sollte ich bei dieser Gelegenheit ein gemeinsames Erlebnis mit Marischa schildern. 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