{"id":374,"date":"2016-06-20T21:45:54","date_gmt":"2016-06-20T21:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=374"},"modified":"2019-08-03T17:04:56","modified_gmt":"2019-08-03T17:04:56","slug":"auf-dem-dnjepr-von-kiew-ins-schwarze-meer-und-zuruck-nach-kiew","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=374","title":{"rendered":"Auf dem Dnjepr von Kiew ins Schwarze Meer und zur\u00fcck nach Kiew"},"content":{"rendered":"<p><em>Bei dieser Flussreise durchquerten Adalberto und ich die Ukraine im Jahre 2003. Der Dnjepr ist teilweise aufgestaut zu riesigen, langen Stauseen, mit einer Breite bis zu 40 km. Reizvolle, nat\u00fcrliche Uferlandschaften wechseln unvermittelt ab mit Industrie-Ruinen aus der Sowjetzeit. Wir machten interessante Spazierg\u00e4nge in Kiew, Odessa und Sewastopol. Auch politisch und in Erinnerung an die Folgen des Kommunismus war es eine besonders aufschlussreiche Reise.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sonntag, 31. August 2003: \u00a0<strong>Bahnfahrt Lugano-Z\u00fcrich, Flug Z\u00fcrich-Kiew<\/strong><\/p>\n<p>12h30 Abfahrt per Bahn von Lugano bei herrlichem Sommerwetter. Die Koffer haben wir bereits um 08h30 bei der Schalter\u00f6ffnung am Bahnhof Lugano bis Kiew eingecheckt.<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich staunen wir \u00fcber den stark erweiterten Flughafen, der ab 1. September (morgen) in Betrieb genommen wird. Mit leichter Versp\u00e4tung fliegen wir um 19h00 ab und landen nach drei Stunden in Kiew.<\/p>\n<p>Im voll besetzten Flugzeug hat es auch 30 Kinder aus Tschernobyl, die nach einem Monat Ferien in der Gegend von Sion wieder heimkehren. Dies erfahre ich aus einem kurzen Gespr\u00e4ch mit einer der jungen Begleiterinnen. Die Kinder fallen angenehm auf durch ihre Disziplin und &#8211; nach der Landung &#8211; durch ihre erstaunliche Ruhe und Geduld bei der Entgegennahme des Gep\u00e4cks vom Rollband.<\/p>\n<p>Ein Mann mit dem Schild &#8222;<strong>Watutin<\/strong>&#8220; wartet auf uns. Dies ist der Name des Schiffs. Es versammeln sich um ihn f\u00fcnf weitere Passagiere, die mit uns aus Z\u00fcrich angekommen sind. In perfektem Deutsch stellt sich der Mann als Alexander vor. Er wirkt auf mich etwas komisch mit seinem gewichtigen Bauch unter einem quergestreiften Leibchen. Einen Hals hat er kaum, sodass sein Kopf direkt an seiner Brust angewachsen zu sein scheint und &#8211; wenn er spricht &#8211; \u00f6ffnet sich dieser Kopf von einem Ohr bis zum anderen. Diese Beschreibung mag wohl etwas \u00fcbertrieben scheinen, doch Alexander gleicht wirklich einer Kr\u00f6te.<\/p>\n<p>Wie ungerecht; ich musste mich f\u00fcr mein auf das \u00c4ussere beruhende Vorurteil sp\u00e4ter richtig sch\u00e4men. Alexander entpuppte sich n\u00e4mlich als ein hoch gebildeter Mensch, der dank umfassendem Wissen bei verschiedenen F\u00fchrungen und Vorlesungen die Reise bereichert und interessant gemacht hat.<\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde Fahrt auf einer von dichten, n\u00e4chtlich dunklen W\u00e4ldern ges\u00e4umten Schnellstrasse gelangen wir zum Schiff.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Gep\u00e4ck in die Kabinen gebracht wird, erwartet ein sp\u00e4tes Abendessen die G\u00e4ste aus Z\u00fcrich. Wir sind offenbar als die Letzten der mit diesem Schiff reisenden Personen eingetroffen. Eine \u00e4usserst attraktive junge Dame begleitet uns im Speisesaal zu einem Tisch f\u00fcr vier Personen.<\/p>\n<p>Irina amtet als Chefin im Speisesaal; gertenschlank, 1.80 m gross, sch\u00e4tzungsweise Ende Zwanzig, voller Charme und Gastfreundlichkeit &#8211; dazu noch dieses strahlende L\u00e4cheln &#8211; geradezu bezaubernd! Ihre stets eleganten Hosenanz\u00fcge wechselt Irina dann jeweils zum Mittag- und zum Abendessen; ich kann auf der ganzen Reise nicht eine einzige Wiederholung beobachten. (Ja, ich habe aufmerksam hingeguckt!).<\/p>\n<p>An diesem ersten Abend erschien es mir jedoch wenig erfreulich, dass Irina bald nach uns ein Paar begleitete und an unseren Tisch setzte. Es handelte sich um ein hageres Riesenweib mit einem perfekt zu ihr passenden Mann, die ich schon bei dem Flug aus Z\u00fcrich \u00fcberrascht angestaunt hatte. Beide haben n\u00e4mlich sch\u00e4tzungsweise doppelt so viel Haut, wie zur Einh\u00fcllung ihrer unf\u00f6rmigen, grossen K\u00f6rper eigentlich n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Genauer beurteilen konnte ich diesen Haut\u00fcberschuss erst sp\u00e4ter im Laufe der Reise beim Anblick des Riesenpaars in leichter Strandbekleidung, wobei meine anf\u00e4ngliche Vermutung sich best\u00e4tigt hat.<\/p>\n<p>Dieses Paar aus Z\u00fcrich erwies sich als \u00e4usserst freundlich und gleichzeitig ganz ungew\u00f6hnlich redefreudig. Die Beiden berichteten uns w\u00e4hrend des Essens &#8211; ganz ohne entsprechende Aufforderungen unsererseits &#8211; in allen Details, was uns \u00fcber sie und ihr Dasein vielleicht interessieren k\u00f6nnte &#8211; aber haupts\u00e4chlich all das, was uns in keiner Weise interessierte! Nur weil sie sich bei der Redeflut st\u00e4ndig abwechselten, gelang es dem jeweilig stillgelegten Partner sich in den ihr oder ihm gew\u00e4hrten kurzen Zwischenpause rasch einige Bissen in den Mund zu schieben.<\/p>\n<p>Ein kleines Trinkgeld machte es m\u00f6glich, dass uns f\u00fcr den Rest der Reise einer der wenigen Zweier-Tische nahe beim Eingang des Speisesaals zugeteilt wurde. Jedes Mal, wenn das Z\u00fcrcher Paar an uns vorbeiging, gr\u00fcssten beide herzlich: &#8222;Pontschorno&#8220; riefen sie frohlockend, hatten wir doch schon am ersten Abend unter vielem anderem erfahren d\u00fcrfen, sie w\u00fcrden auch einige Worte Italienisch beherrschen.<\/p>\n<p>Zweiter Tag, Montag, 1. September:\u00a0<strong>Stadtbesichtigung von Kiew\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck beginnt, gruppenweise gef\u00fchrt, die erste Stadtbesichtigung. Die ca. 50-j\u00e4hrige, grell geschminkte, lokale Begleiterin unserer Gruppe spricht perfekt Deutsch, wenn auch in typisch russischem Rhythmus der Sprache. Sie weiss vieles zu erz\u00e4hlen, das ich sehr interessant finde.<\/p>\n<p>Zuerst besuchen wir die <strong>St. Michaels Kathedrale.<\/strong> Das Geb\u00e4ude ist 1936 von den Kommunisten zerst\u00f6rt worden, um einem geplanten, aber nie gebauten Regierungspalast Platz zu machen. In den Jahren 1997-2000 wurde am urspr\u00fcnglichen Standort eine originalgetreue Kopie der ehemaligen Kirche errichtet Es ist ein prachtvolles Bauwerk mit intensiv blauen Aussenw\u00e4nden, \u00fcberragt von zahlreichen, blattvergoldeten Kuppeln. Die kontrastierende Wirkung vom Blau zu strahlendem Goldglanz ist einmalig.<\/p>\n<p>Die St. Michaelskirche dient bereits wieder als Kloster. Es hat zahlreiche, oft sehr junge M\u00f6nche in schwarzen, bodenlangen Talaren. Bei unserem Besuch ist gerade der Gottesdienst im Gange, dem wir l\u00e4ngere Zeit beiwohnen. Das Ritual des orthodoxen Gottesdienstes verl\u00e4uft im Vergleich mit dem katholischen viel theatralischer. Es hat nur einige wenige St\u00fchle f\u00fcr gebrechliche Personen an den W\u00e4nden. W\u00e4hrend dem oft viele Stunden dauernden Ritual bleiben die meisten Kirchg\u00e4nger am gleichen Ort stehen. Nur einige zirkulieren langsam im offenen Raum. Immer wieder bekreuzigen sie sich mit ausladenden Geb\u00e4rden vor der Brust. Es sind fast nur mit Kopft\u00fcchern bedeckte Frauen. Oft verneigen sie sich in Richtung des &#8222;Ikonostas&#8220;. So nennt sich die vergoldete Gitter-Trennwand, an der zahlreiche Heiligenbilder (Ikonen) befestigt sind. Die eigentliche Messe wird zum grossen Teil halb versteckt hinter diesem Gitter zelebriert und wirkt dadurch besonders mysteri\u00f6s.<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass diese attraktiv wirkende, theatralische Inszenierung dazu beigetragen hat, dass ungeachtet der 80 Jahre langen Unterdr\u00fcckung durch ein bewusst gottloses Regime, die Teilnahme an religi\u00f6sen Zeremonien wieder eine grosse Bedeutung im Leben der orthodoxen Gl\u00e4ubigen gefunden hat.<\/p>\n<p>Zur Zeit des Kommunismus wurden rund 600 Quadratmeter der historischen Mosaikw\u00e4nde nach Russland verbracht, bevor die St. Michaels-Kathedrale abgerissen wurde. Jetzt laufen zwischen den Staatspr\u00e4sidenten Kutschma und Putin Verhandlungen zur R\u00fcckf\u00fchrung der Mosaiken aus drei russischen Museen im Gange, die aber bisher erfolglos waren.<\/p>\n<p>Generell ist ein Hass\/Liebes-Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden L\u00e4ndern festzustellen, seitdem die Ukraine beim Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991, am Ende der Pr\u00e4sidentschaft von Gorbatschow und zu Beginn der Pr\u00e4sidentschaft von Jeltsin &#8211; nach der jahrhundertlangen russischen Dominanz &#8211; endlich zum unabh\u00e4ngigen Staat ernannt worden ist.<\/p>\n<p>Beim Verlassen der St. Michaels-Kathedrale \u00fcberrascht uns so heftiger Regen, dass wir im Schutz des Eingangstors l\u00e4ngere Zeit auf eine Besserung hoffen. Ich ben\u00fctze die Gelegenheit, um auf Russisch ein wenig mit Valentina zu plaudern. Dabei erfahre ich, dass Ukrainisch seit der Befreiung von Russland forciert eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Valentina beherrscht nat\u00fcrlich die eigentliche Sprache ihres Landes. Doch sie verr\u00e4t mir: wenn sie als Dolmetscherin t\u00e4tig ist, \u00fcbersetzt sie in Gedanken von Ukrainischen zun\u00e4chst ins Russische &#8211; und erst dann aus dieser ihr besser vertrauten Sprache ins Deutsche. Als Amtssprache darf jetzt aber nur noch das fr\u00fcher verp\u00f6nte Ukrainisch gebraucht werden. Strassennamen, Inschriften und Werbeplakate sind heute immer nur ukrainisch geschrieben. Mit Ausnahme der jungen Generation sollen viele Menschen damit noch etwas M\u00fche haben. Dabei hat die ukrainische Sprache eine grosse \u00c4hnlichkeit mit der russischen. Ich kann jedenfalls dank meiner russischen Sprachkenntnisse die meisten Inschriften verstehen.<\/p>\n<p>Wir warten vergeblich; der heftige Regen l\u00e4sst nicht nach! Anstelle des vorgesehenen Stadtspaziergangs rennen wir zum sch\u00fctzenden Bus, der uns auf umst\u00e4ndlichen Umwegen zu der eigentlich nahegelegenen <strong>Sophien-Kathedrale<\/strong> bringt. Die beiden bedeutenden Gottesh\u00e4user stehen in Sichtweite an beiden Enden einer breiten Strasse einander gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Die Sophien-Kathedrale wurde in der ersten H\u00e4lfte des 11. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Hagia Sophia von Byzanz (Konstantinopel) errichtet. Die zentrale Hauptkuppel ist von 12 kleineren Kuppeln umgeben, als Symbol von Christus mit seinen 12 J\u00fcngern. Diese Kirche bildete den Mittelpunkt nicht nur des religi\u00f6sen, sondern insbesondere auch des politischen Lebens. Nachdem Kiew aus polnischem in russischen Besitz \u00fcbergegangen war, erfolgte in der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts eine umfassende Erneuerung des \u00c4usseren im farbenpr\u00e4chtigen, ukrainischen Barockstil mit \u00fcppigen Stuckverzierungen. Dagegen wurde das Innere nicht ver\u00e4ndert und ein grosser Teil der Mosaiken und der Fenster blieb erhalten.<\/p>\n<p>Zur Zeit des Kommunismus wurde auch die Sophien-Kathedrale, wie die meisten Kirchen, entweiht. Sie wurde zum Museum umfunktioniert und diente &#8211; in Anlehnung an fr\u00fchere Zeiten &#8211; gleichzeitig auch f\u00fcr Staatsempf\u00e4nge. Die Kirche ist bis heute ein Museum geblieben; man bezahlt Eintrittsgeb\u00fchren f\u00fcr den Besuch.<\/p>\n<p>Das grosse Geb\u00e4ude wurde in den letzten Jahren weitgehend restauriert, die meisten Kuppeln sind frisch vergoldet. Die UNESCO hat 1990 die Sophien-Kathedrale zum kulturellen Welterbe ernannt.<\/p>\n<p>Beim Vergleich der beiden Gottesh\u00e4user bemerke ich zu meinem eigenen Erstaunen: Obwohl es sich bei der Michaels-Kirche um ein erst k\u00fcrzlich vollendetes Bauwerk handelt, ist darin bereits eine starke und ergreifend religi\u00f6se Stimmung deutlich zu sp\u00fcren. Die architektonisch und historisch bedeutende Sophien-Kathedrale l\u00f6st dagegen keine solche Gef\u00fchle aus, h\u00f6chstens Bewunderung der musealen Pracht. Es war f\u00fcr mich interessant festzustellen was flackernde Kerzen, der Duft von Weihrauch und der Sprechgesang eines Popen bewirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bald beginnen uns die allzu ausf\u00fchrlichen Kommentare der Museumsf\u00fchrerin inmitten all der \u00fcberm\u00e4ssigen Vergoldungen in den hohen Hallen anzu\u00f6den. Wir wagen uns trotz des niederprasselnden Regens hinaus, um auf der gegen\u00fcberliegenden Strassenseite endlich Geld wechseln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ein- und Ausfuhr von ukrainischem Geld ist verboten, in der weitgehend vergeblichen Hoffnung, dadurch die langsame aber st\u00e4ndige Entwertung ein wenig zu bremsen. Beim gegenw\u00e4rtigen Wechselkurs entspricht l \u20ac 5.70 Griwna. Zur Vereinfachung haben wir dann immer mit 1 \u20ac = 6 Griwna und 1 Fr. = 4 Griwna gerechnet. Offiziell darf in der Ukraine nur mit Griwna bezahlt werden. Alle Strassenh\u00e4ndler lassen sich jedoch sehr gerne mit Euro bezahlen. Manche wagen es sogar, ihre Waren mit der ausl\u00e4ndischen W\u00e4hrung ganz offen anzuschreiben. Ein Trinkgeld in der einheimischen W\u00e4hrung wird zwar nicht zur\u00fcckgewiesen, aber weniger gerne angenommen.<\/p>\n<p>Der an der Hauswand gross angeschriebene &#8222;Money-Exchange&#8220; erweist sich als kleiner Kiosk aus rohem Holz, innerhalb einer nicht besonders sauber wirkenden Apotheke. In diesem Bretterverschlag kann ein Mensch knapp stehen, falls er nicht auf die Idee kommt, die Arme ausbreiten zu wollen. Blitzschnell verschwindet mein Geldschein und schon liegt der genau abgez\u00e4hlte Gegenwert in Griwna auf dem Brettchen vor dem winzigen Schalter dieser ukrainischen Wechselstube. Sie bildet offenbar eine hilfreiche Medizin f\u00fcr die kommerzielle Gesundheit der Apotheke.<\/p>\n<p>Schon beim \u00dcberqueren der Strasse von der Kirche zur Apotheke bekommen wir nasse F\u00fcsse. Die lange Strasse mit ihrer leichten Neigung und den offenbar verstopften Abfl\u00fcssen hat sich in der kurzen Zeit unseres Geldwechsels in einen rauschend dahinstr\u00f6menden Fluss verwandelt. Bei der zweiten \u00dcberquerung der breiten, \u00fcberfluteten Strasse werden die Hosen bis zum Knie durchn\u00e4sst und schlabbern um die Beine. Im Bus muss ich die Schuhe ausziehen, um das Wasser auszusch\u00fctten. Adalberto findet das ungeh\u00f6rig und verharrt tapfer mit seinem &#8222;Fussbad&#8220;.<\/p>\n<p>Die noch vorgesehenen Besichtigungen werden von Valentina mit laut bezeugtem Einverst\u00e4ndnis der ganzen Gruppe abgebrochen und schon bald nach diesem unerwarteten Wasserfest k\u00f6nnen wir uns in der Schiffskabine vollst\u00e4ndig umziehen.<\/p>\n<p>Die Luftk\u00fchlung schalten wir auf Heizung um, die Schuhe werden vor den Ventilationsschlitzen aufgeh\u00e4ngt und das Fenster ge\u00f6ffnet, um \u00fcbersch\u00fcssige W\u00e4rme ins Freie zu lassen. Es vergehen zwei volle Tage bis die Schuhe wieder trocken sind. Offenbar hat jedoch der Himmel an diesem Tag bereits sein volles Mass an Regen ausgesch\u00fcttet. Von jetzt an bleibt es w\u00e4hrend der ganzen Reise trocken, oft herrscht sogar sonniges, angenehm warmes Wetter.<\/p>\n<p>Um 19h00 verlassen wir Kiew und die Schiffsreise auf dem Dnjepr beginnt. Nach dem Abendessen ist eine Folklore-Schau angesagt. Sie erweist sich als eine wirklich erfreuliche Unterhaltung und nicht als der unter diesem Titel meist veranstaltete Touristen-Kitsch, den wir eigentlich erwartet hatten. Drei Frauen und vier M\u00e4nner in farbenfrohen Fantasiekost\u00fcmen musizieren, tanzen und singen, dass es eine wahre Freude ist. Dabei wird zum Schein so getan, als handle es sich bei den hervorragenden Darbietungen um reine Improvisationen. Besonders beeindruckt ein \u00e4lterer Mann, der aus einer Panfl\u00f6te mit zahllosen R\u00f6hren unglaubliche T\u00f6ne erzeugt, sowie eine junge Frau, die auf einem grossen, antiken Xylophon (geschnitzter Holzrahmen und Fusspedalen) mit blitzschnellem H\u00e4mmern liebliche Melodien spielt.<\/p>\n<p>3. Tag, Dienstag, 2. September 2003: \u00a0<strong>Fahrt von Kiew bis Krementschug<\/strong><\/p>\n<p>Ziemlich unvorbereitet hatte ich mich auf diese Reise begeben. Nun erfahre ich zu meiner \u00dcberraschung, dass der Dnjepr l\u00e4nger ist, als beispielsweise die Rhone oder der Rhein und dass die Ukraine (abgesehen von Russland) das gr\u00f6sste Land von Europa ist. Mit anderen Worten: die Ukraine \u00fcbertrifft fl\u00e4chenm\u00e4ssig L\u00e4nder wie Deutschland oder Frankreich.<\/p>\n<p>Dagegen wusste ich schon, dass es hier sehr fruchtbare Erde hat, weshalb die Ukraine auch als &#8222;Kornkammer Europas&#8220; bezeichnet worden ist. Nun erfahre ich, dass eine bis zu 6 m tiefe Schicht der kostbaren, sogenannten &#8222;schwarzen Erde&#8220; einen grossen Teil des Landes bedeckt. Doch die von falschen \u00f6konomischen Ideen verblendete kommunistische Misswirtschaft hat die ehemals reiche, Nahrungsmittel exportierende Ukraine in ein armes Land verwandelt. Es muss sogar mit kostbaren Devisen Getreide eingef\u00fchrt werden, um die Bev\u00f6lkerung einigermassen ausreichend zu ern\u00e4hren.<\/p>\n<p>Der Dnjepr wird von 6 Schleusen gestaut. Eine befindet sich oberhalb von Kiew, die weiteren auf unserer Reiseroute. Unsere erste Schleuse durchqueren wir nachts um vier Uhr. Ich beobachte aus dem Kabinenfenster, wie die beleuchteten Betonw\u00e4nde langsam aufzusteigen scheinen.<\/p>\n<p>Unser n\u00e4chstes Ziel ist die Stadt <strong>Krementschug<\/strong>. Die dortige Schleusenstufe erzeugt den gr\u00f6ssten der Stauseen des Flusses. Er wird deshalb auch als das &#8222;Meer von Krementschug&#8220; bezeichnet. Dieses hat eine L\u00e4nge von rund 200 km und einer Breite bis zu 40 km. Dabei ist dieser in einer fast ebenen Landschaft entstandene Stausee nirgends tiefer als 5 m.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck beobachte ich, wie sich die flachen, bewaldeten Ufer allm\u00e4hlich immer weiter entfernen und zuletzt bloss noch als schwacher horizontaler Strich zwischen Himmel und Wasser erkennbar bleiben.<\/p>\n<p>Nach der Durchquerung der Schleuse landen wir um drei Uhr nachmittags in Krementschug. Bei einem Rundgang besichtigen wir die \u00f6de wirkende Provinzstadt, die in diesem Sinne als eines der Industriezentren der Ukraine charakteristisch zu sein scheint.<\/p>\n<p>4. Tag: Mittwoch 3. September 2003: \u00a0<strong>Ganzt\u00e4gige Schiffsfahrt bis Saporoschje<\/strong><\/p>\n<p>Wir verlassen Krementschug um 2 Uhr nachts, weil jeweils erst zu dieser Zeit die alte, in der kommunistischen Vergangenheit f\u00fcr Schiffe zu niedrig gebaute Eisenbahnbr\u00fccke passiert werden kann. Der Mittelteil der langen Br\u00fccke wird jeweils nachts f\u00fcr eine Stunde hochgezogen.<\/p>\n<p>Heute durchqueren wir eine an Bodensch\u00e4tzen reiche Gegend. Vor allem hat es viel Kohle und verschiedene Erze. Deshalb wurde hier in der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts eine zukunftsgl\u00e4ubige Industrie entwickelt.<\/p>\n<p>Die Uferlandschaft wechselt st\u00e4ndig ab zwischen dichten, unber\u00fchrt scheinenden W\u00e4ldern und ausgedehnten, dahinrostenden Fabrik-Ruinen. Doch aus einigen der Hochkamine entweicht dichter Rauch und beweist, dass manche Betriebe dieser industriellen Arch\u00e4ologie immer noch t\u00e4tig sind. Zeitweise ist die Luft derart verseucht, dass die Augen zu tr\u00e4nen beginnen.<\/p>\n<p>Rein optisch wirkt jedoch die abwechslungsreiche Szenerie \u00e4usserst malerisch, besonders beim unmittelbaren Aufeinanderprallen von Menschenwerk und Natur. Die vergammelten Industriebauten sind &#8211; als reizvoller Kontrast &#8211; eingerahmt von herrlichen Naturlandschaften. Es hat viele flache Inseln mit breiten Schilfg\u00fcrteln. Hier leben zahllose Wasserv\u00f6gel: Enten und Haubentaucher schwimmen im Wasser, Kormorane ruhen auf abgestorbenen Baumst\u00e4mmen und halten die Fl\u00fcgel zum Trocknen weit ausgebreitet, silbergraue Kraniche fliegen auf und entfernen sich als elegante Silhouette vom st\u00f6renden Schiff.<\/p>\n<p>Alexander, dessen Aussehen ich bei der ersten Begegnung in Gedanken mit einer Kr\u00f6te verglichen hatte, h\u00e4lt im Vortragsraum auf dem obersten Deck das erste seiner interessanten Referate. Mit drei weiteren wird er mich im Verlauf der Reise fesseln, jedes Mal wenn das Schiff eine besonders lange Strecke f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>In einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch erfahre ich, dass Professor Alexander Bondarenko einst wirtschaftshistorische Vorlesungen an einer der hiesigen Universit\u00e4ten gehalten hat. Er verr\u00e4t mir auch, dass er als Reisef\u00fchrer f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen ein Mehrfaches verdient, verglichen mit dem, was ihm der Staatsdienst eingebracht und f\u00fcr den Unterhalt seiner Familie nicht ausgereicht hat. Neben den F\u00fchrungen bei den Landausfl\u00fcgen, h\u00e4lt er weiterhin seinen Vorlesungen &#8211; nun aber f\u00fcr Ausl\u00e4nder bei der Schiffsfahrt. Die Notizen die ich mir bei Alexanders Vortr\u00e4gen machen konnte, habe ich im Anhang zu diesem Reisebericht zusammengefasst.<\/p>\n<p>Nach der Durchquerung der Schleuse von Saporoschje legen wir um neun Uhr abends an.<\/p>\n<p>5. Tag, Donnerstag, 4. September 2003: \u00a0<strong>Saporoschje und die Insel der Kosaken<\/strong><\/p>\n<p>Saporoschje ist eine Industriestadt mit 900 000 Einwohnern. Der im Jahre 1932 errichtete Staudamm speiste das damals gr\u00f6sste Kraftwerk von Europa. Mit seinem Industriekombinat von Maschinenbau und Chemie wurde <strong>Saporoschje<\/strong> zum Symbol f\u00fcr den &#8222;sozialistischen Aufbau&#8220; der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde der Staudamm erh\u00f6ht, und damit der Stausee auf mehr als seine zehnfache Kapazit\u00e4t erweitert. 1960 begann in Saporoschje die Herstellung von Automobilen. Im H\u00f6hepunkt der 80-er Jahre wurden der &#8222;Saporoschjez&#8220; genannte russische Kleinwagen j\u00e4hrlich in zwei Millionen Exemplaren produziert. Es folgte die wirtschaftliche Krise, nach welcher in den 90-er Jahren eine Zusammenarbeit mit Daewo aus Nordkorea und neuerdings auch mit Opel eingeleitet worden ist. Die im Vergleich zu der Kapazit\u00e4t der Werke in einer relativ geringen Zahl produzierten, neuen Automobile finden jedoch fast keinen Absatz, denn sie gelten &#8211; im Gegensatz zum alten &#8222;Saporoschjez&#8220; &#8211; als viel zu teuer. Man kauft sich hier lieber einen Okkasionswagen aus Westeuropa. Laut Alexander handelt es sich dabei oft um auf Bestellung gestohlene Fahrzeuge der gew\u00fcnschten Marke, auf Grund von schon zum Voraus abgeschlossenen Kaufvertr\u00e4gen!<\/p>\n<p>Touristenbusse bringen uns \u00fcber eine lange Br\u00fccke zur Kosakeninsel <strong>Choritza<\/strong>. Es ist gr\u00f6sste Insel des Dnjepr: 12 km lang und 2,5 km breit. Hier entstand das Kosakentum. Es waren entlaufene Leibeigene, die auf Choriza fl\u00fcchteten und als mutwillige Krieger ihre neu gewonnene Freiheit verteidigten. Keine Frau durfte die Insel betreten, hier lebten nur unverheiratete M\u00e4nner. Wenn sie heirateten, siedelten sie sich in den umgebenden D\u00f6rfern an.<\/p>\n<p>Die Kosaken befreiten sich im 17. Jh. von den damals hier herrschenden Polen und schufen ihren eigenen Staat. Sie unternahmen Beutez\u00fcge gegen die T\u00fcrken und Tartaren. Die Siege wurden in wilden Trinkgelagen gefeiert, an denen sich die russische und ukrainische M\u00e4nnerwelt heute noch ein Beispiel nimmt.<\/p>\n<p>Katharina die Grosse nahm die Hilfe der Kosakenkrieger in Anspruch zur Bek\u00e4mpfung der gemeinsamen Feinde. Als sie aber die Insel besuchen wollte, sagte ihr der Hetmann (oberster Kosakenf\u00fchrer) &#8222;M\u00fctterchen, du bist nur eine Frau, aber du kannst dich auf diesen Stein setzen und zu uns hin\u00fcber schauen.&#8220; Mitten im Fluss erhebt sich eine kleine Felsinsel, auf der die Zarin angeblich gesessen ist und Choritza mit dem Fernglas betrachtet hat. Wir besuchen auf der Insel das interessante Kosaken-Heimatmuseum.<\/p>\n<p>Um 14 Uhr verlassen wir Saporoschje und werden nach einer 24-st\u00fcndigen Flussfahrt in Odessa landen. Im Vortragsraum wird vorgef\u00fchrt wie Bortsch und Wareniki zubereitet werden. Danach gibt es Kostproben dieser typischen Gerichte. Bortsch ist eine Suppe, die dank Roten R\u00fcben die charakteristische rote Farbe erh\u00e4lt und mit einem Klacks saurer Sahne serviert wird. Bei den Wareniki handelt es sich um Teigtaschen, \u00e4hnlich unseren Ravioli, die mit salzigen oder s\u00fcssen F\u00fcllungen zubereitet und vor dem Servieren mit fl\u00fcssiger Butter \u00fcbergossen werden. Am besten haben mir die mit Quark und Amarenen-Kirschen zubereiteten Wareniki geschmeckt.<\/p>\n<p>6. Tag, Freitag, 5. September 2003: \u00a0<strong>Dnjepr-Delta und Odessa<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben die letzte der 5 Schleusen heute um Mitternacht durchquert und n\u00e4hern uns dem ausgedehnten Delta des Dnjepr. Auf der mit Pf\u00e4hlen markierten Fahrstrecke windet sich das Schiff zwischen zahllosen Schilf-Inseln zum Schwarzen Meer. Die Flusslandschaft bildet ein Paradies f\u00fcr viele Vogelarten.<\/p>\n<p>Kormorane, Kraniche, Enten und Wildg\u00e4nse hatten wir an manchen Stellen schon flussaufw\u00e4rts beobachtet, doch nirgends in so grosser Zahl. Ausserdem soll es im Delta auch Kolonien von Flamingos haben, die ich aber nicht zu Gesicht bekomme.<\/p>\n<p>In <strong>Odessa<\/strong> landen wir unmittelbar am Fuss der ber\u00fchmten Treppe, bekannt aus &#8222;Panzerkreuzer Potjomkin&#8220;, dem Film von Eisenstein.<\/p>\n<p>Der Spaziergang durch das Stadtzentrum ist architektonisch ein Genuss. Zu sehen sind insbesondere eine herrliche Mischung des charakteristischen russischen Imitationsbarocks aus der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jh., sowie schwungvoll \u00fcberladener Jugendstil bis zum ersten Weltkrieg, bzw. der kommunistischen Revolution.<\/p>\n<p>Weisse Stuckverzierungen kontrastieren zu einer umfassenden Farbpalette der Hausw\u00e4nde. Mit wenigen Ausnahmen (etwa auf der Insel Burano bei Venedig, oder manchmal in skandinavischen L\u00e4ndern) bleibt ja leider im westlichen Europa die Auswahl der f\u00fcr Bauwerke verwendeten Farben stark eingeschr\u00e4nkt. Wie in Moskau und in Sankt Petersburg kann ich mich dagegen in Odessa an den \u00fcber hundertj\u00e4hrigen Wohnh\u00e4usern mit ihren teilweise leuchtend blauen oder intensiv gr\u00fcnen Fassaden begeistern. Diese Farben kontrastieren zum Weiss der Fensterumrahmungen und der Stuckverzierungen, wodurch die malerische Wirkung verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p>Wo sich Banken in den alten Stadtpal\u00e4sten einquartiert haben, sind die Bauten perfekt restauriert, andere dagegen sind noch ziemlich vergammelt. Durch all diese farblichen und stilistischen Kontraste und dem Nebeneinander von Alt und Neu gewinnt der Architektur-Spaziergang einen besonderen Reiz.<\/p>\n<p>Etwas ausserhalb des alten Stadtzentrums finden sich die Wohnbl\u00f6cke aus der kommunistischen Zeit, als unter Chruschtschew eine forcierte Baut\u00e4tigkeit eingesetzt hatte. Die popul\u00e4ren Wohnungen wurden nun alle mit fliessendem Wasser und Gas ausger\u00fcstet, was fr\u00fcher als seltener Luxus privilegierten Schichten der Bev\u00f6lkerung vorbehalten war. Deshalb galt es als \u00e4usserst erstrebenswertes Privileg, eine solche Wohnung zugeteilt zu bekommen. Diese modernen Bauten mussten jedoch zur Erf\u00fcllung der wirklichkeitsfremden. kommunistischen &#8222;F\u00fcnfjahres-Pl\u00e4ne&#8220; m\u00f6glichst schnell errichtet werden. Dabei wurde billiges und schlechtes Material verwendet und das zeigt sich \u00fcberall an den abbr\u00f6ckelnden Fassaden.<\/p>\n<p>Ausserdem haben die Bewohner in fast jeder Wohnung die Balkons &#8211; soweit diese noch nicht einfach abgebrochen sind &#8211; mit alten Brettern, rostigem Wellblech usw. als zus\u00e4tzlich nutzbaren Raum ausgebaut. Der dabei entstandene Gesamteindruck ist geradezu phantastisch und bezeugt den Lebenswillen und Erfindungsreichtum von Menschen in wirtschaftlich schwierigen Situationen.<\/p>\n<p>Die Hafenstadt Odessa wurde auf Befehl von Katharina der Grossen am Ende des 18. Jh. angelegt. Hier versuchten Russen, Ukrainer, Polen, Griechen, Albaner, Italiener, Armenier, Rum\u00e4nen und Juden, Abenteurer, H\u00e4ndler, Spekulanten und Schmuggler ihr Gl\u00fcck. Die Stadt wuchs schnell &#8211; heute z\u00e4hlt sie \u00fcber eine Million Einwohner.<\/p>\n<p>Nach dem Vorbild der Oper von Wien wurde in der zweiten H\u00e4lfte das 19. Jh. das imposante Opernhaus von Odessa errichtet. Das Geb\u00e4ude wird gerade renoviert. Von der Terrasse eines davorliegenden Kaffeehauses beobachten wir die vielen Arbeiter auf dem mehrst\u00f6ckigen Bauger\u00fcst und zuoberst auf dem Dach. Nur wenige machen von Zeit zu Zeit eine m\u00fcde wirkende Bewegung. Fast alle stehen einfach unt\u00e4tig herum, plaudern miteinander oder trinken Tee aus Thermosflaschen.<\/p>\n<p>Unser Schiff bleibt diese Nacht im Hafen verankert und wir besorgen uns Karten f\u00fcr den heutigen Abend. Aufgef\u00fchrt wird das Ballett &#8222;Giselle&#8220;. Technisch sind die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer durchgehend perfekt, aber das miese Dekor und die geschmacklosen Kost\u00fcme entt\u00e4uschen. Gelohnt hat sich eigentlich nur, bei dieser Gelegenheit auch das \u00fcberreich vergoldete, neo-barocke Innere des Opernhauses sehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>7. Tag, Samstag, 6. September 2003: \u00a0<strong>Fahrt durch das Schwarze Meer<\/strong><\/p>\n<p>Bevor das Schiff um 13h00 Odessa verl\u00e4sst wird, bleibt uns noch Zeit f\u00fcr einen weiteren Stadtspaziergang. Die Stadt beeindruckt vor allem mit ihren breiten, von m\u00e4chtigen Platanen ges\u00e4umten Strassen. Die B\u00e4ume wurden vom ersten Gouverneur von Odessa gepflanzt, dem Marquis Richelieu &#8211; einem Enkel des ber\u00fchmten Kardinals. Der Marquis hatte auf der Flucht vor der Franz\u00f6sischen Revolution in der neuen Stadt Unterkunft gefunden und machte hier Karriere.<\/p>\n<p>Auf einer l\u00e4ngeren Fahrt durchqueren wir das Schwarze Meer entlang der K\u00fcste der Krim-Halbinsel und landen am n\u00e4chsten Morgen in <strong>Sewastopol<\/strong>.<\/p>\n<p>8. Tag, Sonntag, 7. September 2003: \u00a0<strong>Sewastopol und Bachtschissaraj<\/strong><\/p>\n<p>Der Name der bedeutenden Hafenstadt wird meist mit der Betonung auf der zweiten Silbe und damit falsch ausgesprochen. Sie nennt sich n\u00e4mlich nicht Sew\u00e1stopol, sondern mit der Betonung auf der dritten Silbe, also <span style=\"text-decoration: underline;\">Sewast\u00f3pol,<\/span> das zweite &#8222;o&#8220; wird praktisch nicht ausgesprochen.<\/p>\n<p>Eine 8 km tiefe Bucht mit zahlreichen Nebenbuchten bildet die ideale Voraussetzung f\u00fcr den Hafen von Sewastopol.<\/p>\n<p>Wir unternehmen am Vormittag eine Stadtrundfahrt. Auffallend sind die Plattenbauten mit ihren abbr\u00f6ckelnden Fassaden. Diese Geb\u00e4ude wurden in der Zeit von Chruschtschow errichtet und galten damals als \u00e4usserst begehrenswert, wie ich schon im Zusammenhang mit Odessa erw\u00e4hnt habe. Die Wohnungen hatten den bisher unbekannten Komfort von fliessendem Wasser. Dies soll aber heute 2-mal t\u00e4glich jeweils nur eine Stunde lang funktionieren.<\/p>\n<p>Mit vielen Alleen und Parkanlagen und den die Buchten umkreisenden Strassen wirkt Sewastopol als urbane Landschaft recht eindr\u00fccklich. \u00dcberall sind Denkm\u00e4ler zu sehen, je nach entsprechenden Angaben sollen es insgesamt etwa 1000, bzw. 2000 sein.<\/p>\n<p>Wir besichtigen auch die flache Meeresbucht mit den \u00dcberresten der von den Griechen im Jahre 421 v.Chr. gegr\u00fcndeten Stadt <strong>Chersones<\/strong>. Vom l. Jh. v. Chr bis zum 5 Jh. n. Chr. geh\u00f6rte die Stadt zum Westr\u00f6mischen Imperium. Nach dem Zerfall des R\u00f6mischen Reiches war Chersones ein wichtiger Vorposten von Byzanz.<\/p>\n<p>Die beiden griechischen Br\u00fcder, genannt die &#8222;Slawen-Apostel&#8220;, Kyrill und Method, schufen in der zweiten H\u00e4lfte des 9. Jh. das heute noch verwendete &#8222;kyrillische&#8220; Alphabet, basierend auf griechischen Buchstaben, und legten damit ihren slawischen Dialekt als damals \u00fcberall verst\u00e4ndliche Kirchensprache fest. Der Name des anderen Bruders blieb als Begriff erhalten z.B. im Begriff: &#8222;methodische&#8220; Arbeitsweise. Kyrill und Method wurden heilig gesprochen und geniessen bei den Slawen grosse Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Der Kiewer F\u00fcrst Wladimir eroberte im Jahre 988 das kulturell hoch stehende Chersones. Von hier brachte er die griechisch-orthodoxe Religion in seine Heimatstadt Kiew und zwang die Bev\u00f6lkerung zur Taufe im Dnjepr. So wurde auch Wladimir heilig gesprochen und gilt als Schutzherr seiner Stadt.<\/p>\n<p>Der gesamte russische Aussenhandel mit Byzanz wurde \u00fcber Chersones abgewickelt, bis die Tartaren die Stadt im Jahre 1299 niederbrannten. Ein grosser Teil der noch erhalten gebliebenen Mauern wurde anfangs des 19. Jh. zum Aufbau der neuen Stadt Sewastopol verwendet.<\/p>\n<p>Im Jahre 1784 erteilte Katharina die Grosse ihrem Liebhaber, F\u00fcrst Potemkin, den Auftrag, unweit des ehemaligen Chersones eine Festung als Kriegshafen der Schwarzmeer-Flotte anzulegen. Der griechische Name: \u201esevastos polis\u201c, bedeutet: ruhmreiche Stadt. Drei Jahre sp\u00e4ter besuchte die Zarin selber die neue Stadt als Ziel ihrer grossen Reise in den S\u00fcden, um die f\u00fcr Russland neu eroberten Gebiete kennen zu lernen.<\/p>\n<p>1996 wurde Chersones von der UNESCO zum Welterbe ernannt. Die \u00dcberreste des Amphitheaters aus der Antike und solche von mehr als 60 H\u00e4usern wurden freigelegt, doch der gr\u00f6ssere Teil dieser Stadt soll noch unter der Erde begraben liegen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag nehmen wir am Ausflug nach <strong>Bachtschissaraj<\/strong> teil, der mittelalterlichen Residenz der Krim-Khane. Die kleine Stadt mit ihrem heute noch exotisch wirkenden Zentrum liegt im Inneren der Krim, 45 km nord\u00f6stlich von Sewastopol entfernt. Sie wurde vor 500 Jahren als Residenz der Tartaren-Khane gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Wir erreichen Bachtschissaraj nach einer landschaftlich sch\u00f6nen Fahrt und besuchen den inmitten eines grossen Gartens errichteten Palast. Um diesen Palast zu erbauen hat der Khan im Jahre 1503 einen italienischen Architekten kapern lassen, der sich gerade auf dem Wege nach Moskau befand. Er wurde 15 Monate festgehalten bis er den ersten Teil des phantastischen Palastes errichtet hatte. Der farbenfrohe Holzbau enth\u00e4lt viele Elemente der italienischen Renaissance sowie des Barocks, die der Bauweise arabischer Architektur angepasst sind.<\/p>\n<p>Katharina die Grosse annektierte die Krim im Jahre 1783. Auf ihrer grossen Reise in den S\u00fcden ihres Reiches im Jahre 1787 verbrachte die Zarin drei Tage in Bachtschissaraj. Sie stiftete der muslimischen Bev\u00f6lkerung zwei Moscheen und liess den Palast vollst\u00e4ndig renovieren. Auch sp\u00e4ter wurde er noch mehrmals umgebaut.<\/p>\n<p>Wie bei allen Pal\u00e4sten und G\u00e4rten im Gebiet des Islams bilden die Brunnen ein wichtiges Element. Der ber\u00fchmteste ist der von einem persischen Meister aus weissem Marmor geschaffene Tr\u00e4nenbrunnen. Im Zentrum einer Bl\u00fcte tropfen Tr\u00e4nen aus einem Auge. Sie sammeln sich in einer herzf\u00f6rmigen Schale. Mit diesem Brunnen wollte der Khan an seine jung verstorbene Lieblingsfrau erinnern. Er legte eine weisse und eine rote Rose in die Schale und diese Tradition wird nach \u00fcber zweihundert Jahren heute noch aufrecht gehalten!<\/p>\n<p>Der Brunnen hat den ungl\u00fccklich verliebten Dichter, Alexander Puschkin zu seinem ber\u00fchmten Gedicht inspiriert: \u201eDer Tr\u00e4nen-Brunnen von Bachtschissaraj\u201c. Aus dem Gedicht entstand das klassische Ballett mit dem gleichen Titel.<\/p>\n<p>Puschkin hat aber zweifellos den Besuch des Harems und der \u00fcbrigen Palastanlage von Bachtschissaraj viel romantischer erlebt, als es uns verg\u00f6nnt ist. Die Strasse bis zum Eingang des Palastes ist von lauter Souvenirst\u00e4nden ges\u00e4umt, in denen der \u00fcbliche Touristenkitsch angeboten wird. Hier scheint aber das angebotene Zeug noch abstossender zu sein als anderswo.<\/p>\n<p>Die Palastg\u00e4rten sind heute verwildert und schmutzig. Zu allem passt es perfekt, dass im Tr\u00e4nenbrunnen die romantischen Rosen heute k\u00fcnstlich sind, wobei zudem die Farbe des Plastik-Materials v\u00f6llig ausgeblichen ist.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen im Schiff unternehmen Adalberto und ich einen Spaziergang im belebten Stadtpark von Sewastopol, der sich entlang der Meeresk\u00fcste erstreckt An mehreren Stellen hat es Ansammlungen von Menschen vor Karaoka St\u00e4nden. Auch wir bleiben l\u00e4ngere Zeit stehen und beobachten am\u00fcsiert, wie sich die in einer Schlange wartenden jungen Frauen und M\u00e4nner abl\u00f6sen, um in ein Mikrophon Schlager singen zu d\u00fcrfen. Dazu ert\u00f6nt aus einem Lautsprecher die Begleitmusik, w\u00e4hrend auf einer grossen Leinwand ein Film projiziert wird und gleichzeitig die Worte des Schlagers als Hilfe f\u00fcr die Amateur-S\u00e4nger als laufendes Schriftband erscheinen.<\/p>\n<p>Das Ganze wirkt auf mich furchtbar komisch, wie diese daf\u00fcr zahlenden M\u00f6chtegern-Stars vor der Menge auftreten. Es ist fast unbegreiflich, dass es ihnen nicht bewusst zu sein scheint, wie l\u00e4cherlich sie sich bewegen und wie schlecht die meisten singen. Allerdings gibt es auch einige, denen es wenigstens gelingt, wie eine recht gute Parodie von wirklichen Stars zu wirken.<\/p>\n<p>9. Tag, Montag, 8. September 2003: \u00a0<strong>Jalta<\/strong><\/p>\n<p>Den heutigen 63.\u00a0Geburtstag von Berto verbringen wir mit einem von der Schiffsleitung organisierten Tagesausflug nach Jalta. Das S\u00fcdufer der Krim \u00e4hnelt etwas der C\u00f4te d&#8217;Azur, ist viel weniger \u00fcberbaut, aber auch etwas weniger sch\u00f6n. Ich hatte eigentlich mehr erwartet.<\/p>\n<p>Erstaunt hat uns der Blick auf das riesige rote Dach eines Geb\u00e4udes tief unterhalb der Fahrstrasse: Dies ist die &#8222;Regierungs-Datscha&#8220; erbaut f\u00fcr Michael Gorbatschow. Die Anlage ist 50 Hektar gross und umfasst einen Landeplatz f\u00fcr Hubschrauber, einen eigenen Hafen und ein Schwimmbad usw. Diese \u201eDatscha\u201c selbst hat eine Wohnfl\u00e4che von 6000 qm. Die Sommerresidenz des russischen Regierungschefs soll die unglaubliche Summe von 300 Millionen US Dollar gekostet haben, was die Bev\u00f6lkerung nach der Katastrophe von Tschernobyl wohl wenig begeistert konnte. Als Gorbatschow sich im Sommer 1991 mit seiner Familie in dieser Datscha aufhielt, wurde er hier w\u00e4hrend des Putschversuches in Moskau festgenommen. Alle seine Verbindungen zur Aussenwelt wurden gekappt, bis er nach drei Tagen wieder freikam.<\/p>\n<p>Die Datscha wurde nach Streitereien zwischen Russland und der Ukraine schliesslich doch Kiew zugesprochen. Der Pr\u00e4sident Kutschma sei jedoch abergl\u00e4ubisch und will das Luxusobjekt nicht benutzen, da hier der letzte Urlaub des sowjetischen Regierungschefs so dramatisch endete. Deshalb liess sich Kutschma eine andere &#8222;Datscha&#8220; erbauen.<\/p>\n<p>Auch ein anderer Palast f\u00e4llt auf, der ebenfalls tief unterhalb der Fahrtstrasse liegt. Er wurde Mitte des 19.Jh. von einem englischen Hofarchitekt, der auch am Bau des Buckingham-Palastes beteiligt war, f\u00fcr den F\u00fcrsten Michail Woronzow errichtet. Der Woronzow-Palast hat mehrere T\u00fcrme und ist aus Geb\u00e4uden verschiedenster Stilrichtungen zusammengesetzt, angefangen von einer mittelalterlichen Burg bis zur grossen Moschee von Dehli mit einer von L\u00f6wen flankierten Freitreppe. In den 150 R\u00e4umen des Schlosses findet sich heute ein Museum.<\/p>\n<p>3 km vor Jalta befindet sich der ber\u00fchmte, weisse <strong>Liwadija-Palast<\/strong>, den wir ausf\u00fchrlich besichtigen. Zar Alexander II erwarb 1860 das Gel\u00e4nde, auf dem ein Palastensemble mit einem grossen und einem kleineren Palast, sowie 60 weiteren Geb\u00e4uden erbaut wurde. 1909 liess Zar Nikolaj II den durch Grundwasser besch\u00e4digten Grossen Palast abreissen und durch einen neuen ersetzen, der einem italienischen Renaissance-Geb\u00e4ude gleichen sollte. Unter Lenin wurden alle Adelspal\u00e4ste enteignet. Das Palast-Ensemble des Zaren wurde zu Kurh\u00e4usern f\u00fcr Arbeiter umfunktioniert. Die Oberleitung aller Sanatorien \u00fcbernahm der Arzt Uljanow, ein Bruder von Lenin.<\/p>\n<p>Nachdenklich stehen wir lange vor dem grossen runden Tisch, umgeben von vielen hochlehnigen St\u00fchlen, und drei gepolsterten Sesseln. Auf diesen sassen die Staatsoberh\u00e4upter der drei Grossm\u00e4chte, Roosevelt (U.S.A.) Churchill (Grossbritannien) und Stalin (UdSSR). Sie beschlossen hier im Jahre 1945 Deutschland in vier Besatzungszonen aufzuteilen, wobei als vierte Staatsmacht auch noch Frankreich dazu kam. Das obere Stockwerk des Liwadja Palastes vermittelt einen Eindruck aus dem Leben der letzten Zarenfamilie. Hier haben Zar Nikolaj II mit seiner Frau und ihren f\u00fcnf Kindern oft die Ferien verbracht.<\/p>\n<p>In Jalta haben wir zwei Stunden frei. Die Stadt gleicht heute einem billigen Nizza, mit grossem Touristenrummel. Mitten in der Stadt hat es &#8211; gleich wie in Nizza &#8211; einen langen Strand von Kieselsteinen. Hier nehmen wir unser einziges Bad im Schwarzen Meer.<\/p>\n<p>10. Tag, Dienstag, 9. September 2003: \u00a0<strong>Sewastopol<\/strong><\/p>\n<p>Den freien Vormittag ben\u00fctzen Adalberto und ich zu einem weiteren Stadtspaziergang in Sewastopol. Dabei besuchen wir das Panorama-Museum. Das Rundgeb\u00e4ude erhebt sich auf einem H\u00fcgel inmitten einer ausgedehnten Parkanlage.<\/p>\n<p>Hier wurde im Krimkrieg im Jahre 1855 die entscheidende Schlacht zur Verteidigung von Sewastopol geschlagen. Die Kriegsszenen sind als Rundgem\u00e4lde auf einer Leinwand von 114 m L\u00e4nge und 14 m H\u00f6he dargestellt. Davor sind Gegenst\u00e4nde in einer Weise ausgelegt, dass man den \u00dcbergang von den dreidimensionalen Dingen zu den perspektivisch auf der Leinwand dargestellten nur mit M\u00fche erkennen kann. So wird etwa ein realer, voll beladener Wagen scheinbar von einem auf der Leinwand gemalten Pferd gezogen. Das beeindruckende Werk schuf ein Kunst-Professor in M\u00fcnchen mit Hilfe seiner Studenten.<\/p>\n<p>Um 12 Uhr legt unser Schiff ab und die R\u00fcckreise beginnt. Auf l\u00e4ngeren Fahrstrecken sind die interessantesten Erlebnisse die Vortr\u00e4ge von Alexander. Zu diesen Vortr\u00e4gen kommen aber weniger als die H\u00e4lfte der Passagiere.<\/p>\n<p>11. Tag, Mittwoch, 10. September 2003: \u00a0<strong>Fischerdorf<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer Fahrt durch das Schwarze Meer erreichen wir wieder die Djnepr M\u00fcndung. Auf einer der vielen flachen Inseln besuchen wir ein Fischerdorf. Hier leben die Leute aber heute offenbar weniger vom Fischfang als vom Verkauf von selbst gemachten Souvenirs, bunten, mit Stickereien verzierten Tischdecken und Trachtenhemden, oder gestrickten Kleidungsst\u00fccken.<\/p>\n<p>12. Tag, Donnerstag, 11. September 2003: \u00a0<strong>Dnjepropetrowsk<\/strong><\/p>\n<p>Die Industriestadt Dnjepropetrowsk hat heute \u00fcber eine Million Einwohner. F\u00fcrst Potjomkin begann 1786 mit dem Bau dieser Stadt. Es sollte nach seinen Pl\u00e4nen die gr\u00f6sste und prachtvollste Stadt von Neurussland werden und erhielt den Namen Jekaterinoslaw (Ehre der Katharina). Schon im folgenden Jahr besuchte die Zarin in Begleitung des inkognito reisenden \u00f6sterreichischen Kaiser Josef II die neue, erst aus einigen Holzh\u00e4usern bestehende Siedlung.<\/p>\n<p>Zu den Pl\u00e4nen von Potjomkin geh\u00f6rte auch die Errichtung einer m\u00e4chtigen Kirche. Sie sollte nach dem Petersdom in Rom die zweitgr\u00f6sste Kirche der Welt werden. Katharina legte den ersten Stein des Fundaments, und Josef den zweiten. Der \u00f6sterreichische Kaiser hatte aber die generelle Situation erfasst und schrieb einem Freund: &#8222;Die Kaiserin legte den ersten Stein der neuen Kirche und ich \u2013 den letzten&#8220;. Sein Sarkasmus war nicht ganz unbegr\u00fcndet. Die Kirche wurde zwar fast ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter gebaut, aber viel kleiner, als von Potjomkin vorgesehen. Generell erwiesen sich die hochfliegenden Pl\u00e4ne, Jekaterinoslaw zum St. Petersburg des S\u00fcdens zu machen, als Fata Morgana.<\/p>\n<p>Mit der Abschaffung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 \u00e4nderte sich die Lage. Ein englischer Industrieller errichtete mit englischen Maschinen und Arbeitern aus England die erste Eisengiesserei. Jekaterinoslaw erlebte eine rasante Entwicklung zum bedeutendsten Industriezentrum Russlands.<\/p>\n<p>In sowjetischen Zeiten wurde die Stadt in Dnjepropetrowsk umbenannt und geh\u00f6rte zu den gr\u00f6ssten Produzenten von Raketen und Atombomben der Welt. F\u00fcr Ausl\u00e4nder war die Stadt damals gesperrt. Leonid Kutschma, der heutige Pr\u00e4sident der Ukraine, war urspr\u00fcnglich Generaldirektor des gr\u00f6ssten aller R\u00fcstungsbetriebe. Nach der Unabh\u00e4ngigkeit stieg die Ukraine aus der Atomwaffen-Produktion aus. Die meisten der rund 150 verbliebenen Grossbetriebe haben auf andere Produkte umgestellt, wie Lastwagen, K\u00fchlschr\u00e4nke, Telefoneinrichtungen usw.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den nur wenig sp\u00e4ter entstandenen St\u00e4dten Odessa und Sewastopol, hat Dnepropetrowsk wenig touristische Attraktionen. Besonders auffallend ist ein riesiges Geb\u00e4ude am Flussufer, das Intouristhotel, im Besitz einer Privatbank, eine nie fertiggestellte Bauruine. Wir besuchen das Raketenmuseums, das im Areal der grossen Fabrik f\u00fcr Raumfahrzeuge im Jahre 1997 er\u00f6ffnet worden ist. In der Fabrik werden heute nur noch Raketen f\u00fcr friedliche Zwecke hergestellt. Es handle sich um Tr\u00e4gerraketen, die bis zu 20 Satelliten im Umlauf bringen.<\/p>\n<p>Mit Interesse und gleichzeitig mit wachsendem Entsetzen bestaunen wir die beeindruckenden Raumfahrzeuge in den hohen Hallen des Museums. Wie ich vor einem hier hergestellten, jetzt allerdings entsch\u00e4rften Geschoss stehe, dessen Atomsprengkopf die \u00fcber 1000-fache Wucht der Hiroshima-Bombe aufwies, bef\u00e4llt mich ein starkes Unwohlsein.<\/p>\n<p>Es wird mir pl\u00f6tzlich schwindlig und ich muss mich bewusst zusammen nehmen um ins Freie zu gelangen. Ich bleibe dann l\u00e4ngere Zeit auf einer Bank im Museumshof sitzen und denke dar\u00fcber nach, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck es ist, dass ich kein junger Mensch mehr bin. Es braucht nur einen Idioten als Staatsoberhaupt, um die gr\u00f6sste Katastrophe aller Zeiten auszul\u00f6sen. Die U.S.A. hat einen christlich fundamentalistischen, kriegsl\u00fcsternen Pr\u00e4sidenten, und auch andere L\u00e4nder wie Indien und Pakistan sind stolz auf ihre Atomwaffen-Arsenale. Grauenhaft!<\/p>\n<p>Wir besuchen dann zur Ablenkung den ausgedehnten, malerisch wirkenden &#8222;Bauernmarkt&#8220;. Hier wird im Freien, in endlos langen Reihen von Marktst\u00e4nden, alles angeboten, was man sich nur denken kann; Fr\u00fcchte, Fische, Bekleidung, Schnitzereien usw.<\/p>\n<p>Wir verlassen abends Dnepropetrowsk und passieren die gleichnamige Schleuse. Mit Interesse folge ich Alexander bei einer weiteren Vorlesung.<\/p>\n<p>13. Tag, Freitag, 12. September: \u00a0<strong>Tscherkassy und\u00a0<\/strong><b>Lessky<\/b><\/p>\n<p>Wir landen am fr\u00fchen Nachmittag in <strong>Tscherkassy<\/strong>. Hier erwarten uns Busse, die uns nach <strong>Lessky<\/strong> bringen. So nennt sich ein Vorzeigedorf, dass offenbar ausl\u00e4ndischen Besuchern gerne gezeigt wird. Vor dem &#8222;Kulturhaus&#8220; erwartet uns die Vertreterin des Dorfes in schmucker Tracht und offeriert nach alter Sitte; Brot und Salz. Innen wird f\u00fcr uns von jungen Dorfbewohnern eine Folkloreschau veranstaltet. Danach k\u00f6nnen wir die Dorfschule w\u00e4hrend des Unterrichts besuchen und anschliessend das einfache, sauber wirkende Spital .<\/p>\n<p>Die Reise n\u00e4hert sich dem Ende. Deshalb gibt es abends das &#8222;Kapit\u00e4ns Dinner&#8220; und anschliessend eine von der Mannschaft veranstaltete &#8222;Crew Show&#8220;. Es scheint der Schiffsbesatzung Spass zu machen, den G\u00e4sten musikalische oder t\u00e4nzerische Talente vorzuf\u00fchren und dabei in improvisierten Kost\u00fcmen aufzutreten.<\/p>\n<p>14. Tag, Samstag, 13. September 2003: \u00a0<strong>Kiew<\/strong><\/p>\n<p>Wir landen am fr\u00fchen Morgen in <strong>Kiew<\/strong>. Hier werden wir noch die letzte Nacht auf dem Schiff verbringen. Adalberto und ich nehmen nicht an dem gef\u00fchrten Landausflug teil, sondern begeben uns mit der Metro zum ber\u00fchmten <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">H\u00f6hlenkloster<\/span><\/strong>, das wir schon vor einigen Jahren besucht hatten. Es ist eine Freude, die teilweise perfekt renovieren Kirchen zu sehen. Die ganze Anlage wurde von der UNESCO im Jahre 1990 zum Weltkulturerbe erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Nach dem Besuch des H\u00f6hlenklosters finden wir nach l\u00e4ngerem Suchen das dem Taxifahrern unbekannte <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Tschernobyl-Museum<\/span><\/strong>. Offenbar handelt es sich nicht um ein normales Touristenziel. Dabei hatte ich den aus dem Reisef\u00fchrer den Namen der Strasse angeben k\u00f6nnen, allerdings ohne die Hausnummer.<\/p>\n<p>Nach einem l\u00e4ngeren Spaziergang auf und ab der Strasse finden wir zuletzt den unauff\u00e4llig angeschriebenen Eingang zu dieser Erinnerungsst\u00e4tte an die Reaktorkatastrophe des Jahres 1986. Die Ausstellung dokumentiert mit vielen Fotos und allerlei Exponaten, sowie mit einem eindr\u00fccklichen Film die Folgen dieses Ungl\u00fccks. Der materielle Schaden soll 130 Milliarden U.S. Dollars verursacht haben. Die sofortigen Menschen-Opfer und die langzeitlich wirkenden gesundheitlichen Sch\u00e4den der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung lassen sich jedoch nicht in Ziffern ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>15. Tag, Sonntag, 14. September 2003: \u00a0K<strong>iew-Z\u00fcrich-Lugano<\/strong><\/p>\n<p>R\u00fcckblickend l\u00e4sst sich sagen: es war gleichzeitig eine interessante und auch angenehme Reise.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><strong>Notizen aus den Vortr\u00e4ge von Prof. Alexander Bondarenko<\/strong><\/p>\n<p>Zusammenfassend entnahm ich aus diesen Vortr\u00e4gen, dass sich die ukrainische Wirtschaftslage unter dem Kommunismus wesentlich verschlechtert hatte. Seit der Wende im Jahre 1991, als die Ukraine ihre staatliche Unabh\u00e4ngigkeit erhielt, geht es zwar wieder etwas aufw\u00e4rts, aber das geschieht viel zu langsam. Bisher konnte sich nur ein geringer Teil der Bev\u00f6lkerung auf das neue, kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaftssystem umstellen.<\/p>\n<p>Zwar scheinen uns Westeurop\u00e4ern die Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel (z.B. Kartoffeln, Kohlgem\u00fcse, Brot usw.) umgerechnet extrem niedrig. F\u00fcr die hiesigen Einkommens-Verh\u00e4ltnisse sind sie dennoch hoch. Was dagegen qualitativ wertvollere Nahrungsmittel betrifft, so haben diese ungef\u00e4hr mit Westeuropa vergleichbare Preise. Damit sind sie f\u00fcr die hiesige Bev\u00f6lkerung zu einem fast unerschwinglichen Luxus geworden. Jedenfalls m\u00fcssen die meisten Familien 65% des Einkommens allein f\u00fcr Lebensmittel ausgeben.<\/p>\n<p>Im Jahre 2001 wurden die fr\u00fcheren Kolchosen aufgehoben. Das unter der kommunistischen Herrschaft in \u00f6konomisch so unsinniger Weise verbotene Grundeigentum hatte wesentlich zur Verarmung des Landes, ja zu Hungersn\u00f6ten gef\u00fchrt. In den ehemaligen Kolchosen waren die Landarbeiter Angestellte. Es ist ja nur menschlich, dass unter diesen Umst\u00e4nden die meisten versuchten, so wenig wie m\u00f6glich zu arbeiten.<\/p>\n<p>Nach der Wende wurde der Landbesitz an Private aufgeteilt. Doch die ukrainischen Bauern haben fast keine eigenen Maschinen, um das Land zu bebauen. Die Banken sind zwar bereit, Kredite zum Kauf von Maschinen usw. zu gew\u00e4hren. Der Zinssatz betr\u00e4gt jedoch 30 \u2013 40% pro Jahr und ein solcher Wucherzins l\u00e4sst sich mit der landwirtschaftlichen Produktion kaum erarbeiten. So bebauen nur etwa 20% der ukrainischen Bauern ihr eigenes Land. 80% dagegen verpachten es an neu gegr\u00fcndete Genossenschaften, die daf\u00fcr sehr geringe, fast nur symbolische Pachtzinsen bezahlen.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass die selbst\u00e4ndigen Bauern ihre Produkte, in Ermangelung organisierter Absatzwege, an privat t\u00e4tige Handelsvermittler verkaufen, die ihnen nur sehr wenig bezahlen jedoch die Produkte bis f\u00fcr das 5-fache des Ankaufspreises verwerten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist ein Steppenland. Der Wald umfasst nur 15% der Gesamtfl\u00e4che. Es hat viel Eisen und Kohle. Man entdeckte auch reiche Kupfervorkommen, doch die Schichten liegen 2-3 km unter der Erdoberfl\u00e4che. Dagegen hat es kein Erd\u00f6l. Dies muss eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Die meisten ukrainischen Industriebetriebe sind v\u00f6llig veraltet. Sie verbrauchen das vielfache an Energie verglichen mit westeurop\u00e4ischen Unternehmen, in denen \u00e4hnliche Produkte in modernen Verfahren hergestellt werden.<\/p>\n<p>Die Kohlenvorkommen der Ukraine sind betr\u00e4chtlich. Die Minen sind zum gr\u00f6ssten Teil schon vor dem zweiten Weltkrieg angelegt worden. Die Sicherheits-Vorkehrungen sind deshalb unzureichend und es sind immer wieder Opfer unter den Minenarbeitern zu beklagen. In der Sowjetzeit arbeiteten 50% der Industriebetriebe f\u00fcr die Armee und haben jetzt oft keine Auftr\u00e4ge mehr.<\/p>\n<p>Eisen und Stahlverarbeitung spielt die f\u00fchrende Rolle in der Industrie der Ukraine. Sie sind aber gr\u00f6sstenteils auf Energie aus dem Ausland angewiesen, die mit den knappen Devisen bezahlt werden muss. Fast alle Hoch\u00f6fen sind veraltet und es wird deshalb schlechte Qualit\u00e4t produziert. 40% der Betriebe sind verlust-bringend. Viel der heute noch staatlichen Betriebe sind zudem \u00f6kologisch sch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Auch nach Tschernobyl sind in der Ukraine immer noch vier Atomkraftwerke in Betrieb, die zusammen 40% des Stroms erzeugen. Nur 7% stammt von Wasserkraftwerken. Die restlichen 53% werden von W\u00e4rmekraftwerken erzeugt und infolge der Verbrennung der Kohle entweichen dabei gewaltige Mengen von Schadstoffen in die Luft.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosigkeit betr\u00e4gt 10% und betrifft vor allem Frauen. Die berufst\u00e4tigen Frauen erhalten f\u00fcr die gleiche Arbeit nur zwei Drittel des M\u00e4nnerlohns. Die Unterst\u00fctzung an Arbeitslose wird w\u00e4hrend 2 Jahren ausbezahlt. Sie betr\u00e4gt pro Monat (!) 80 Griwna. (Das sind umgerechnet 20.- Fr.!).<\/p>\n<p>Die L\u00f6hne wurden mit grosser Versp\u00e4tung gezahlt. Neuerdings hat man deshalb ein Gesetz erlassen, wonach bei versp\u00e4tete Lohnauszahlungen die Gesch\u00e4fts-leitung mit Gef\u00e4ngnis bestraft werden kann.<\/p>\n<p>Die Armutsgrenze betr\u00e4gt offiziell 360 Griwna im Monat (umgerechnet 90.- Fr.). Die niedrigste Rente betr\u00e4gt monatlich 100 Griwna. Mineure erhalten als Rente 160 Griwna (40.- Fr.). Bei Staatsbeamten kann die Rente bis zu 1000 Griwna pro Monat ansteigen (250.- Fr.). Die monatliche Miete betr\u00e4gt f\u00fcr ein Zimmer 70 Griwna und bis 250 Griwna f\u00fcr ein ganzes Haus.<\/p>\n<p>Das Sanit\u00e4tswesen ist offiziell gratis. Doch da der Lohn des medizinischen Personals 250 Griwna monatlich betr\u00e4gt, werden von den Patienten &#8222;Geschenke&#8220; erwartet und gelten als normal. Das Geld wird dem Arzt unauff\u00e4llig zugeschoben. Wenn das nicht geschieht, hat er &#8222;momentan keine Zeit&#8220;.<\/p>\n<p>Die Gesamtbev\u00f6lkerung umfasst gegenw\u00e4rtig 47 000 000 Personen. Davon sind 14 000 000 Rentner. Eine Million Menschen sind in der Ukraine rauschgifts\u00fcchtig. Zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung leben in den St\u00e4dten und nur noch ein Drittel auf dem Land, wobei es sich meist um \u00e4ltere Menschen handelt. Es befinden sich etwa eine Million Ausl\u00e4nder im Lande, die mit Hilfe der Mafia auf eine Durchreise nach Westen hoffen.<\/p>\n<p>Die meisten Exporte geschehen als Barter, d.h. es sind Tauschgesch\u00e4fte, und diese bringen dem Saat keine Steuern ein. Ein beliebter Trick ist, die Waren zu einem offiziell viel zu niedrig angegebenen Preis zu importieren. Schuhe wurden beispielsweise in grossen Mengen zu einen angeblichen Preis von 45 Cents das Paar importiert. Es werden ohnehin rund 8 % der Waren illegal importiert und auf Flohm\u00e4rkten relativ billig verkauft.<\/p>\n<p>In den Jahren 1991\/92 gab es im Zusammenhang mit der russischen Schwarzmeerflotte grosse Probleme, die fast zum Krieg gef\u00fchrt haben. Zuletzt konnten sich aber Jeltzin und Kutschma so einigen, dass Russland drei Buchten f\u00fcr die russische Flotte von der Ukraine auf 10 Jahre pachtete, gegen Lieferung von Erd\u00f6l. Daf\u00fcr konnte im Gegenzug die Krim ukrainisch bleiben.<\/p>\n<p>Der ukrainische Staat ist jung und die B\u00fcrokratie ist gegenw\u00e4rtig noch viel zu gross. Ein weiteres Problem ist die Schattenwirtschaft, die keine Steuern bezahlt und auf 50% des Totals gesch\u00e4tzt wird, verglichen mit etwa 10% in Westeuropa. Die Schattenwirtschaft zahlt die drei bis vierfachen L\u00f6hne verglichen mit der offiziellen. Die offiziellen Betriebe m\u00fcssen 60 % der Gewinne als Steuern abgeben und k\u00f6nnen daher nicht in Erneuerungen investieren.<\/p>\n<p>Weit reichende T\u00e4tigkeit der Mafia, grosse Korruption unter den Beamten und die Geldw\u00e4sche wird gegenw\u00e4rtig in der Ukraine auf 5 Milliarden US Dollar gesch\u00e4tzt. Die riesigen, mit Hilfe von Geldw\u00e4sche aus dem Lande fliehenden Betr\u00e4ge fehlen der Wirtschaft. Seit der Wende sollen etwa 40 &#8211; 50 Milliarden US Dollar ins Ausland abgef\u00fchrt worden sein.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Alexander hat verschiedene interessante Dinge gesagt, die ich allerdings nicht \u00fcberpr\u00fcfen kann: beispielsweise sollen drei der zehn reichsten M\u00e4nner der Welt Ukrainer sein. Wer weiss, ob das stimmt.<\/p>\n<p>Dass jedoch in der Ukraine eine mindestens ebenso starke Mafia entstanden ist wie in Russland, kann man ihm wohl glauben. Zweifellos hoffen die Luxusl\u00e4den auf Kundschaft aus diesen Kreisen. Doch die Rechnung geht nicht auf, da offenbar die Reichen lieber direkt im Ausland einkaufen oder dort sogar ihren Wohnsitz nehmen, um den einheimischen Steuerbeh\u00f6rden und anderen, oft sogar lebensgef\u00e4hrlichen, Bedrohungen zu entkommen.<\/p>\n<p>Bei den Landausfl\u00fcgen wundere ich mich \u00fcber zahlreiche Schaufenster, in denen Erzeugnisse der international f\u00fchrenden Markenartikel auf dem Gebiet der Mode, Parf\u00fcmerie, Uhren usw. angeboten werden. F\u00fcr solche Waren sind die Preise gleich hoch wie in anderen L\u00e4ndern. Neugierig habe ich bei einigen der modern eingerichteten Gesch\u00e4fte kurz hineingeschaut. Ich sah gelangweilt herumstehende attraktive und auffallend elegant gekleidete Verk\u00e4uferinnen. Kunden gab es selten zu sehen und es gelang mir nie, einen Kauf zu beobachten.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Abschliessend noch diese aus dem Internet entnommenen Angaben (die mir vor dieser Reise nicht bekannt waren. Es betrifft die zehn l\u00e4ngsten Fl\u00fcsse von Europa, wobei der Dnjepr an dritter Stelle steht. Die Wolga hat eine L\u00e4nge von 3530 km., die Donau, 2845 km und der Dnjepr 2215 km.<\/p>\n<p>Danach folgen in absteigender L\u00e4nge: Don, Kama. Petschora, Oka, Belaja, Dnjesr. (Ausser dem Don waren mir die Namen dieser Fl\u00fcsse im europ\u00e4ischen Teil von Russland bisher nicht bekannt).<\/p>\n<p>Mit seinen 1233 km ist der Rhein tats\u00e4chlich als der am wenigsten lange dieser zehn Fl\u00fcsse von Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dieser Flussreise durchquerten Adalberto und ich die Ukraine im Jahre 2003. Der Dnjepr ist teilweise aufgestaut zu riesigen, langen Stauseen, mit einer Breite bis zu 40 km. Reizvolle, nat\u00fcrliche Uferlandschaften wechseln unvermittelt ab mit Industrie-Ruinen aus der Sowjetzeit. Wir machten interessante Spazierg\u00e4nge in Kiew, Odessa und Sewastopol. Auch politisch und in Erinnerung an die &hellip; <a href=\"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=374\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Auf dem Dnjepr von Kiew ins Schwarze Meer und zur\u00fcck nach Kiew<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-flussreisen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=374"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1381,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions\/1381"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}