{"id":368,"date":"2016-04-19T19:56:24","date_gmt":"2016-04-19T19:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=368"},"modified":"2016-12-08T20:14:38","modified_gmt":"2016-12-08T20:14:38","slug":"ein-paradiesisches-ghetto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=368","title":{"rendered":"Ayurveda-Kur in einem paradiesischen Ghetto"},"content":{"rendered":"<p><em>Drei unvergessliche Wochen verbrachte ich im Januar 2007 in Kerala S\u00fcd-Indien. Mein italienischer Freund Adalberto war auch dabei, wie nun schon seit 35 Jahren bei fast allen Reisen. Diesmal ist auch meine Schwester Marischa mitgekommen, sowie Pia, eine langj\u00e4hrige Freundin aus Italien. Sp\u00e4ter stiess auch ihr Sohn Alessio zu uns.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Kerala<\/strong><\/p>\n<p>Kerala heisst \u00fcbersetzt &#8222;Land der Kokospalmen&#8220;. Es erstreckt sich entlang der Malabarak\u00fcste im S\u00fcdwesten von Indien. Seit 1947 ist die fr\u00fchere britische Kolonie ein Bundesstaat von Indien<\/p>\n<p>Kerala ist unter anderem bekannt f\u00fcr den Anbau verschiedenster Gew\u00fcrze, sowie f\u00fcr zahlreiche Ayurveda Zentren zur Erholung und Gesundheit. Verglichen mit anderen indischen Gebieten ist hier der Lebensstandard h\u00f6her. Kerala hat auch die niedrigste Rate von Analphabeten des ganzen Landes. Dem bedr\u00fcckenden Anblick von Bettlern und verkr\u00fcppelten Menschen ist man weniger ausgesetzt als sonst in ganz Indien.<\/p>\n<p>Doch auch in Kerala herrscht Unordnung und \u00fcberall liegt Dreck herum. Selbst in der Hauptstadt Trivandrum (heute offiziell Thiruvananthapuram genannt) h\u00e4ufen sich mancherorts Berge von Abfall, sogar vor dem Eingang zu eleganten Gesch\u00e4ften. Weggeworfene, schrottreife Fahrzeuge verrosten an Strassen-r\u00e4ndern. Der dichte Verkehr mit verlotterten, \u00fcberf\u00fcllten Autobussen, an denen von links und rechts zahllose, dreir\u00e4drige motorisierte Rikschas vorbeipreschen, ist auch hier geradezu chaotisch. Die sinnverwirrende Szene wird untermalt durch die indischen Musikdarbietungen, die aus den auf h\u00f6chste Stufe geschalteten Lautsprechern entlang der Strasse erschallen.<\/p>\n<p>Bei meinen fr\u00fcheren Indien-Reisen konnte ich als j\u00fcngerer Mensch ein solches wildes Durcheinander noch als ungewohnte Exotik geniessen. Diese Toleranz ist mir seither leider weitgehend verloren gegangen. Doch meine Kritik beschr\u00e4nkt sich auf \u00c4usserlichkeiten. Der Weisheit einer Jahrtausende alten, indischen Kultur gegen\u00fcber empfinde ich tiefe Ehrfurcht. Ich verstehe davon allerdings sehr wenig. Erst jetzt hat sich f\u00fcr mich dank der praktischen Erfahrung mit Ayurveda ein kleines Fenster ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><strong>Eindr\u00fccke von Indien<\/strong><\/p>\n<p>Mein un\u00fcberwindliche Intoleranz gegen\u00fcber gewissen \u00e4usserlichen Erscheinungen in Indien, besonders Chaos, Dreck und L\u00e4rm, wird durch andere Gegebenheiten ausbalanciert. Dazu geh\u00f6rt die Begeisterung, die ich beim Betrachten der hiesigen Frauen empfinde. Auch offensichtlich wenig Bemittelte wandeln einher wie stolze K\u00f6niginnen. Alle tragen die wundersch\u00f6nen Saris (vorl\u00e4ufig noch \u2013 aber die Globalisierung droht auch dieser Kulturerscheinung mit der Zeit ein trauriges Ende zu bereiten).<\/p>\n<p>Die so elegant wirkende Bekleidung wird in allen nur denkbaren Farben getragen und schmeichelt dem weiblichen Erscheinungsbild. Zu den meinst h\u00fcftlangen, tiefschwarzen, gl\u00e4nzenden Haaren entstehen durch die leuchtenden Farben der Saris besonders reizvolle Kontraste. Ein langer Schal aus fast durchsichtigem Material wird mit scheinbarer Nachl\u00e4ssigkeit \u00fcber die linke Schulter drapiert. Bei Schreiten weht er winkend hinter der Tr\u00e4gerin einher. Ebenso wie junge M\u00e4dchen wirken selbst alte Frauen beinahe wie Erscheinungen aus einem M\u00e4rchenland.<\/p>\n<p>Einen traurigen Kontrast dazu bildet die m\u00e4nnliche Bekleidung. Nur noch selten tr\u00e4gt auf dem Lande ein meist \u00e4lterer Mann bloss das traditionelle, mehrfach um die H\u00fcften geschlungene Tuch bei sonst nacktem K\u00f6rper. Praktisch alle verstecken ihre in S\u00fcdindien fast immer schlanken, eher kleinen, wohlproportionierten Gestalten in banaler, als \u201emodern\u201c empfundene Bekleidung. Beliebt sind Blue Jeans und irgendwelche h\u00e4ssliche Turnleibchen, wenn m\u00f6glich mit einer Aufschrift oder einem Markenzeichen. Die Gleichheit der Geschlechter beschr\u00e4nkt sich auf die Fussbekleidung: die nackten F\u00fcsse stecken in offenen Sandalen.<\/p>\n<p><strong>Anreise<\/strong><\/p>\n<p>Wir flogen mit Swiss von Z\u00fcrich nach Mumbai, das fr\u00fcher Bombay genannt wurde. Nach der \u00dcbernachtung in einem Hotel an der Meeresk\u00fcste brachte uns der Weiterflug mit Air India nach der Hauptstadt des Departements Kerala. Im englischen Sprachgebrauch wird f\u00fcr den langen und komplizierten Namen der Stadt meist die Abk\u00fcrzung \u201eTrivandrum\u201c verwenden. Sie liegt fast an der S\u00fcdspitze des riesigen Landes.<\/p>\n<p><strong>Ein\u00a0paradiesisches Ghetto<\/strong><\/p>\n<p>Wir wohnten im &#8222;Agastya Ayurveda Garten&#8220;. Hier blieb man von der realen indischen Welt weitgehend isoliert.\u00a0Das von uns erlebte Paradies besteht aus einem dicht bewachsen Hain, haupts\u00e4chlich mit Kokospalmen und erstreckt sich auf einem Hang, der ziemlich steil vom Meer aufsteigt. Das von einem hohen Zaun umgebene Grundst\u00fcck wird auf einer Breite von 400Metern vom Ozean begrenzt. Zwischen hell- und dunkelgrauen Felsen hat es hier eine wundersch\u00f6ne Bucht mit einem flachen, gelbem Sandstrand.<\/p>\n<p>Etwas erh\u00f6ht \u00fcber dem Meer verstecken sich 20 unauff\u00e4llig wirkenden Bungalows unter hohen Palmen. Sie bieten Platz f\u00fcr 40 G\u00e4ste. F\u00fcr mich war es die Erf\u00fcllung eines stets gehegten Traums, in einer so einfach aussehenden Behausung in einer paradiesischen Umgebung wohnen zu d\u00fcrfen. Die Bungalows bestehen aus lauter einheimischen, nat\u00fcrlichen Materialen: die B\u00f6den sind belegt mit unglasierten Tonplatten. Verflochtene Bambusbl\u00e4tter bilden die W\u00e4nde.<\/p>\n<p>Auf St\u00fctzen aus d\u00fcnnen, entrindeten Teakholz-Baumst\u00e4mmen erhebt sich dar\u00fcber die hohe Dachkonstruktion. Ein Ger\u00fcst aus Bambusst\u00e4ben wird durch Seile aus Fasern der \u00e4usseren Schale von Kokosn\u00fcssen zusammen gehalten. Auf diesem Ger\u00fcst ruht ein dicker Belag. Er besteht aus Palmenbl\u00e4ttern, die hier erstaunliche 5 \u2013 6 Meter lang werden. Die zentrale Blattrispe wird entlang ihrer Mitte aufgeschnitten. An jeder der beiden H\u00e4lften werden danach die Blattwedel ineinander verflochten und bilden dann eine regensichere Schicht. Zwischen den Bambusw\u00e4nden und dem Dach bleibt ein frei gelassener Zwischenraum. Somit durchweht stets ein angenehm k\u00fchlendes L\u00fcftchen den Raum.<\/p>\n<p>Diese historische Bauweise ist ideal f\u00fcr das Wohlbefinden der Bewohner. In tropischen L\u00e4ndern wird ein Hotel ohne \u201eair conditioning\u201c nicht mit vielen Sternen bewertet. Mir erschien diese historische Methode zur wirksamen K\u00fchlung, ohne st\u00f6rendem Summen moderner Apparaturen, wesentlich angenehmer. Ebenso empfand ich die Abwesenheit von Fernseher und Zimmertelefonen keineswegs als Einschr\u00e4nkung, sondern im Gegenteil sogar als Beitrag zu einem wirklich erholsamen Aufenthalt.<\/p>\n<p>Recht ungew\u00f6hnlich und sympathisch wirkte auch die sanit\u00e4re Einrichtung: Auf der R\u00fcckseite der Bungalows hat es einen von mannshohen W\u00e4nden umgebenen Raum ohne Decke. Zwischen dem Waschbecken, der Dusche und dem WC wachsen Pflanzen direkt aus dem Boden, der nur zum Teil mit Platten belegt ist. In unserem Bungalow erfreute uns ein hohes Palmengestr\u00fcpp neben dem Klo &#8211; und auf der gegen\u00fcber liegenden Seite eine auff\u00e4llige Croton-Gruppe. Dies sind tropische Zierpflanzen mit gr\u00fcn-rosa, dunkelroten und leuchtend gelb gemusterten Bl\u00e4ttern.<\/p>\n<p>Vor dem Bungalow hat es ein vorgezogenes Palmbl\u00e4tter-Dach. Darunter finden sich bequeme M\u00f6bel, die Modellen aus der Kolonialzeit nachgebaut sind. \u00a0An zwei Palmst\u00e4mmen ist eine H\u00e4ngematte befestigt. Auf einem Fuss aus rohen Backsteinen ruht eine schwarze Marmorplatte. Darauf werden Mahlzeiten serviert, wenn man nicht Lust hat, den Spaziergang bis zum Restaurant zu unternehmen, oder gelegentlich durch Massagen zeitlich eingeschr\u00e4nkt ist.<\/p>\n<p>In jedem Bungalow k\u00f6nnen zwei Personen beherbergt werden. Bei den meisten stehen die zwei Betten im gleichen Raum nebeneinander. Einige Bungalows sind durch eine Wand in der Mitte geteilt. So entstehen zwei Einzelzimmer. Ein Betthimmel aus Bambus \u00fcberragt die auf Brettern aufgelegten Matratzen und ist mit einem durchsichtigen Moskitonetz bespannt. Insgesamt hat es Platz f\u00fcr maximal 40 G\u00e4ste. Die ganze Anlage entspricht also einem kleinen Hotel.<\/p>\n<p>Die Anzahl des gesamten Personals betr\u00e4gt etwas mehr als das Maximum der G\u00e4ste. In einem *****Stern-Luxushotel hat es vielleicht 200 Zimmer von je 30 Quadratmeter. In der Agastya-Anlage verf\u00fcgt jeder Gast umgerechnet \u00fcber mehr als 1000 Quadratmeter Garten und dies ist hier der wahre Luxus. Man wird umsorgt von einer \u00c4rztin und einem Arzt, von Masseuren, und von einem Stab dienstbarer Geister.<\/p>\n<p>Ich war in diesem Garten ganz besonders gl\u00fccklich. Ich f\u00fchlte mich immer besser, fast als w\u00e4re ich alter Mann t\u00e4glich in einen Jungbrunnen eingetaucht. Die f\u00fcr mich so erfreuliche Wirkung der ayurvedischen Ern\u00e4hrung und Massagen verbunden mit der paradiesischen Umgebung hat aber wohl nicht allgemeine G\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p><strong>Nicht f\u00fcr Alle empfehlenswert<\/strong><\/p>\n<p>Leider hat sich meine Schwester Marischa hier nur teilweise wohl f\u00fchlen k\u00f6nnen. Es gelang ihr nur wenig und manche N\u00e4chte lang \u00fcberhaut gar nicht zu schlafen. Vielleicht st\u00f6rte sie bloss das stetige Rauschen der Meereswellen. Vielleicht war es jedoch generell die so vollst\u00e4ndige Umstellung aller Lebensgewohnheiten. Am Schluss erkrankte sie ernstlich und hatte Fieber.<\/p>\n<p>Auch Pia hat sich offensichtlich in diesem stillen Garten nur teilweise wohl gef\u00fchlt. Immer wieder bestellte sie ein Taxi und entfloh in die lebhafte Stadt. Dort begl\u00fcckte sie das un\u00fcbersehbare Angebot von Schmuck, prachtvollen Seidenstoffen und oft wirklich sch\u00f6nen handwerklich gefertigten Souvenirs. Vorsichtigerweise hatte sie einen zweiten leeren Koffer mitgenommen. So konnte Pia sich selber und viele ihrer Bekannten mit indischen Geschenken erfreuen.<\/p>\n<p>Adalberto hat diesen Aufenthalt ebenso genossen wie ich selber. Deshalb sind wir in den folgenden Jahren noch zwei Mal zu einer jeweils drei Wochen dauernden Ayurveda Kur in dieses indische Paradies nach S\u00fcd-Indien zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Es ist interessant, wie dieses Paradies zustande kam: Martin Hug ist Veranstalter der &#8222;Intertreck&#8220;Reisen&#8220;. Auf einer Wanderung entlang der K\u00fcste von S\u00fcdindien entdeckte er diesen landschaftlich vielgestaltigen, reizvollen Abschnitt. Von verschiedenen Besitzern erwarb er kleine, nebeneinander liegende Grundst\u00fccke. Gemeinsam mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin, Andrea Fuchs, schuf Martin Hug hier in Verbindung mit Ayurveda ein Erholungszentrum. Schon bald konnten die ersten G\u00e4ste davon profitieren.<\/p>\n<p>Wer Lust hat, besondere Ferien zu geniessen und nebenbei erst noch etwas f\u00fcr die Gesundheit zu tun, dem rate ich, den Prospekt \u201eAgastya Ayurveda Garten&#8220; zu bestellen bei: Frau Andrea Fuchs, Intertreck AG, Haselstrasse 15\/3, CH- 9014 St. Gallen. Tel. 071 27 86 464.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei unvergessliche Wochen verbrachte ich im Januar 2007 in Kerala S\u00fcd-Indien. Mein italienischer Freund Adalberto war auch dabei, wie nun schon seit 35 Jahren bei fast allen Reisen. Diesmal ist auch meine Schwester Marischa mitgekommen, sowie Pia, eine langj\u00e4hrige Freundin aus Italien. Sp\u00e4ter stiess auch ihr Sohn Alessio zu uns.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-368","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kur-aufenthalte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=368"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/368\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":873,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/368\/revisions\/873"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}