{"id":294,"date":"2016-03-20T09:54:05","date_gmt":"2016-03-20T09:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=294"},"modified":"2016-12-09T08:52:30","modified_gmt":"2016-12-09T08:52:30","slug":"the-floating-piers-von-christo-auf-dem-see-von-iseo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=294","title":{"rendered":"\u201eThe Floating Piers\u201c von Christo"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00a0Bericht \u00fcber meine Kurzreise mit Adalberto nach Iseo, Donnerstag, 30. Juni -Freitag, 1. Juli 2016.<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Die malerische italienische Landschaft, die sich zwischen den St\u00e4dten Bergamo und Brescia und dem Iseo-See erstreckt nennt sich Franciacorta. Hier wird der Franciacorta DOC, ein \u201eSpumante\u201c mit den gleichen Rebsorten und nach den traditionellen Methoden hergestellt, wie der franz\u00f6sische \u201eChampagne\u201c. Statt der G\u00e4rung in F\u00e4ssern geschieht dies in bereits abgef\u00fcllten Flaschen, wobei sich die feinen Perlen bilden.<\/p>\n<p>Zweimal hatte ich bei von mir geleiteten Gartenreisen in Norditalien auch einen Abstecher zum Iseo-See eingeschlossen, um auch die dortigen, besonders sorgf\u00e4ltig gepflegten Weing\u00e4rten zu zeigen. Die stolzen Besitzer der Weing\u00fcter schenken den G\u00e4sten jeweils Kostproben ein, in recht grossz\u00fcgigen Mengen.<\/p>\n<p>Diesmal galt aber die zweit\u00e4tige Kurzreise nicht dem \u201eSpumante\u201c, sondern dem neuesten Kunstwerk von Christo: \u201eThe Floating Piers\u201c, begehbare, total \u00fcber drei Kilometer lange Stege, die auf dem See von Iseo schwimmen. Auf diesem zu spazieren, erwies sich, trotz der dr\u00e4ngenden Menschenmenge, als ein genussvolles Erlebnis.<\/p>\n<p><strong>Lebenslauf von Christo<\/strong><\/p>\n<p>Nachfolgend Einiges \u00fcber den K\u00fcnstler Christo, teilweise aus Wikipedia-Internet-Angaben zusammengestellt:<\/p>\n<p>Christo Wladimir Jawaschew wurde am 13. Juni 1935 in Gabrowo, Bulgarien geboren am 13. Juni 1935.<\/p>\n<p>Am gleichen Tag &#8211; also auch am 13. Juni 1935 &#8211; wurde seine sp\u00e4tere Gattin, Jeanne-Claude in Casablanca geboren. Damals war Marokko noch ein Protektorat von Frankreich.<\/p>\n<p>Als die Russen 1956 den Prager Aufstand niederschossen, verstand Christo die Signale und floh, versteckt in einem G\u00fcterzug, aus Bulgarien nach Frankreich. Staaten- und mittellos schlug er sich in Paris durch, indem er Auftragsportr\u00e4ts von reichen Franzosen machte. Er nannte sp\u00e4ter seine damalige, anf\u00e4ngliche T\u00e4tigkeit als &#8222;die Prostitution der Kunst&#8220;.<\/p>\n<p>Eine Auftraggeberin f\u00fcr ein Portr\u00e4t, Mme. Denat de Guillebon, hatte eine attraktive Tochter, die mit feuerroter M\u00e4hne, gro\u00dfer Klappe und blitzgescheitem Denken auffiel. Doch diese Jeanne-Claude war schon versprochen. Als sie heiratete, war sie bereits schwanger \u2013 aber dummerweise von dem mittellosen Mann aus Bulgarien, der glaubte ein K\u00fcnstler zu sein, weil er Konservendosen einpackte und bemalte. Der betrogene Ehemann findet nach zwei Wochen Ehe die T\u00fcrschl\u00f6sser ausgewechselt. Auf die Frage, was los sei, antwortet Jeanne-Claude: eindeutig \u2013 zweideutig: \u201eDein Schl\u00fcssel passt nicht mehr in mein Schl\u00fcssel-Loch!&#8220;<\/p>\n<p>Christo und Jeanne-Claude begannen zusammen zu arbeiten. 1960 kam ihr Sohn Cyril zur Welt.<\/p>\n<p>1961 realisierten sie &#8211; als ihr erstes gemeinsames Gross-Projekt \u2013 im Rheinhafen von K\u00f6ln einen verh\u00fcllten Stapel von aufgeschichteten \u00d6lf\u00e4ssern. (Mit wesentlich mehr \u00d6lf\u00e4ssern will Christo das letzte, gr\u00f6sste und wichtigste Werk seiner k\u00fcnstlerischen Laufbahn realisieren. Die Erkl\u00e4rung dazu folgt sp\u00e4ter).<\/p>\n<p>1964: Christo und Jeanne-Claude lassen sich in New York nieder, wo sie anf\u00e4nglich noch in sehr \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen leben. Nach einigen Jahren werden sie amerikanische Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p>1968: Christo verh\u00fcllt erstmals ein ganzes Geb\u00e4ude. Es ist die Kunsthalle in Bern. Harald Szeemann &#8211; der die Kunsthalle von 1961-1969 leitete &#8211; hatte verschiedene K\u00fcnstler eingeladen, ein Werk zum 50-j\u00e4hrigen Bestehen dieser Institution auszustellen. Die Verh\u00fcllung der Kunsthalle war der Beitrag von Christo.<\/p>\n<p>(Als Abschluss seiner T\u00e4tigkeit in Bern hat Szeemann 1969 noch die unvergessliche Ausstellung veranstaltet: \u201eWhen Attitude Becomes Form\u201c, ein Meilenstein der modernen Kunstgeschichte).<\/p>\n<p>Der Objekt- und Verh\u00fcllungsk\u00fcnstler Christo hat seine weltweiten Grossprojekte immer in engster Zusammenarbeit mit Jeanne-Claude realisiert. Die aufw\u00e4ndige Herstellung dieser Werke hat weder den Staat, noch die Steuerzahler je etwas gekostet. Alles wurde von dem Paar selber finanziert.<\/p>\n<p>Christo hatte die Ideen f\u00fcr neue Grossprojekte und Jeanne-Claude k\u00fcmmerte sich um deren Finanzierung. Dies geschah, indem Christo wesentlich mehr Skizzen, Planzeichnungen, Collagen und kleine Modelle anfertigte, als eigentlich zur Ausf\u00fchrung seiner Werke n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren. All diese vielen Entw\u00fcrfe wurden von ihm signiert und konnten so als bleibende Kunstwerke verkauft werden. Die ausgef\u00fchrten Grossprojekte blieben dagegen jeweils nur w\u00e4hrend einer kurzen Zeit erhalten, wonach sie vollst\u00e4ndig entfernt wurden.<\/p>\n<p>Als ich das Paar 1969 in New York in ihrer Wohnung im SOHO-Quartier besuchte, blieb Christo weitgehend stumm und wirkte abwesend. Dagegen redete die sympathische Jeanne-Claude wie ein Wasserfall. Mit ihrem leuchtend rot gef\u00e4rbten Haar wirkt sie sehr auffallend. Sie zeigte mir zahlreiche der signierten Entw\u00fcrfe. Zu einem Kauf konnte ich mich aber nicht entschliessen, obwohl mir viele davon gefielen. Alle kosteten schon mehr als vierstellige Dollarbetr\u00e4ge, was ich mir bei dem damaligen Wechselkurs von 4.30 Schweizer Franken f\u00fcr einen Dollar zu meinem gr\u00f6ssten Bedauern nicht leisten konnte. Heute m\u00fcssen daf\u00fcr sechsstellige Dollarpreise gezahlt werden.<\/p>\n<p><strong>Chronologische Aufz\u00e4hlung einiger der wichtigsten Werke von Christo:<\/strong><\/p>\n<p>1976: \u201eRunning Fence\u201c in Kalifornien: ein 39.5 km langer und 5.5 m hoher Zaun. Auf 2050 Stahlpf\u00e4hlen und 145 km Stahlkabel wurden 160\u2019000 Quadratmeter Nylongewebe geh\u00e4ngt. Der Zaun f\u00fchrte vom Norden San Franciscos bis zur Bodega-Bucht am Pazifik. Christo engagierte im Kampf gegen die B\u00fcrokratie neun Anw\u00e4lte, bis er den Zaun endlich aufstellen durfte. Trotzdem musste er zuletzt eine Busse von $ 60&#8217;000.- bezahlen, weil eine einzige Genehmigung gefehlt hatte.<\/p>\n<p>1983: \u201eSurrounded Islands\u201c &#8211; elf Inseln in Florida\/USA werden mit etwas mehr als 600&#8217;000 Quadratmeter pinkfarbenem Stoffgewebe ums\u00e4umt. Das Kunstwerk wurde mit Hilfe von rund 500 Personen fertiggestellt und war zwei Wochen lang zu sehen.<\/p>\n<p>1985: Verh\u00fcllung vom Pont Neuf, der \u00e4ltesten Br\u00fccke von Paris. Daf\u00fcr wurden 40&#8217;000 Quadratmeter sandfarbenes Polyamid-Gewebe verwendet.<\/p>\n<p>1995: Verh\u00fcllter Reichstag in Berlin. Jeanne-Claude und Christo k\u00e4mpften w\u00e4hrend 22 Jahren, um endlich das Projekt realisieren zu k\u00f6nnen. Sie gingen von B\u00fcro zu B\u00fcro und schrieben an 662 Abgeordnete Briefe mit Erl\u00e4uterungen. Prominenteste Gegner waren Helmut Kohl und Wolfgang Sch\u00e4uble. Die Verh\u00fcllung erfolgte in nur acht Tagen. Bei der Montage beteiligten sich 90 professionelle Kletterer und viele weitere Helfer. Die fertige Verh\u00fcllung dauerte vom 24. Juni \u2013 7. Juli. W\u00e4hrend dieser zwei Wochen kamen f\u00fcnf Millionen Besucher um das spektakul\u00e4re Kunstwerk anzusehen.<\/p>\n<p>1998: Verh\u00fcllte B\u00e4ume im Park der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Vom 13. November bis 14. Dezember blieben 178 B\u00e4ume mit 55&#8217;000 Quadratmetern silber-grau schimmerndem Gewebe und 23 km Seil verh\u00fcllt. F\u00fcr jeden einzelnen Baum ist ein Schnittmuster verwendet worden, entsprechend der individuellen Baumform.<\/p>\n<p>2005: \u201eThe Gates\u201c \u2013 im Central Park von New York f\u00fchrte vom 12. \u2013 27. Februar ein 37 km langer Weg unter 7&#8217;500 f\u00fcnf Meter hohen Toren hindurch. Das Ganze war mit mehr als 200&#8217;000 Quadratmetern orangefarbigem Material \u00fcberdeckt. Zur Vermeidung von Souvenir-Vandalismus verteilten rund 600 bezahlte Helfer 7 x 7 cm messende St\u00fccke des gleichen Stoffes. Wie immer hat das K\u00fcnstlerpaar die gesamten Kosten des Projekts (21 Millionen U.S. $) selber finanziert.<\/p>\n<p>2009: Jeanne-Claude stirbt im Alter von 74 Jahren.<\/p>\n<p>2013: Big Air Package \u2013 ein 90 Meter hohes Luftpaket im Gasometer Oberhausen. Dies war das erste Projekt, das Christo ohne Mitarbeit seiner Frau realisierte. Die Skulptur im Innern der h\u00f6chsten Ausstellungshalle Europas wurde aus 20&#8217;350 Quadratmetern lichtdurchl\u00e4ssigem Material und 4\u2019500 Metern Seil hergestellt. Im aufgeblasenen Zustand hatte die f\u00fcnf Tonnen schwere Skulptur eine H\u00f6he von 90 und einen Durchmesser von 50 Metern. Das Volumen umfasste 177&#8217;000 Kubikmeter Luft. Das Innere der Skulptur war begehbar und erzeugte ein einzigartiges Erlebnis von Raum, Gr\u00f6sse und Licht.<\/p>\n<p>2016: \u201eThe Floating Piers\u201c: Drei auf dem italienischen Iseo-See schwimmende Stege konnten w\u00e4hrend zwei Wochen, vom 18. Juni bis zum 3. Juli begangen werden. Auf 220\u2019000 zusammengef\u00fcgten, luftgef\u00fcllten Schwimmk\u00f6rpern wurde erst eine weiche Filzschicht ausgebreitet und das Ganze zuletzt mit 70&#8217;000 Quadratmetern eines leuchtend orange-farbigen Nylon-Gewebes \u00fcberdeckt, das sich an der Sonne zu intensivem Gelb verf\u00e4rbte.<\/p>\n<p>Aus dem See von Iseo erhebt sich die Montisola (zu Deutsch \u201eBerginsel\u201c), mit 600 m.\u00fc.M. die von allen europ\u00e4ischen Seen Europas am h\u00f6chsten aufsteigende Insel. Sie ist autofrei und wird von 1770 Personen bewohnt.<\/p>\n<p>Von Sulzano, der zur Insel am n\u00e4chsten gelegenen Ortschaft, wurde Montisola mit einem 16 m breiten, schwimmenden Steg f\u00fcr Fussg\u00e4nger zug\u00e4nglich gemacht. Der Uferweg der Insel wurde auf einer L\u00e4nge von 1,5 km mit dem gleichen, orange-gelben Gewebe bedeckt. Von diesem Weg f\u00fchrten zwei schwimmende Stege mit einer gesamten L\u00e4nge von 3 km zur kleinen Isola San Paolo, die damit umkreist wurde. (Diese Insel befindet sich im Privatbesitz der superreichen Familie Beretta, den &#8211; leider &#8211; erfolgreichen Herstellern von luxuri\u00f6sen Schusswaffen).<\/p>\n<p>Die \u201cFloating Piers\u201c wurden im Verlaufe eines Jahres angefertigt und ausgelegt. Wie schon bei allen anderen Gross-Projekten war damit ein enormer technischer, sowie b\u00fcrokratischer und logistischer Aufwand verbunden. Das schlechte Wetter hat die Fertigstellung zuletzt stark behindert.<\/p>\n<p>Christo hat pers\u00f6nlich &#8211; bei str\u00f6mendem Regen &#8211; das Heer der von ihm Besch\u00e4ftigen \u00fcberwacht. Das Kunstwerk konnte trotz aller Hindernisse p\u00fcnktlich an dem zum voraus festgesetzten Datum er\u00f6ffnet und begangen werden. Gl\u00fccklicherweise herrschte w\u00e4hrend der Dauer von 16 Tagen des Kunstwerks fast immer bestes Sommerwetter.<\/p>\n<p>Der einzige Fehler bei der Planung war die mit \u201enur\u201c einer halben Million vorgesehene Besucherzahl. Es kam aber die dreifache Menge. Insbesondere am ersten und am letzten Wochenende entstanden auf den Zufahrtstrassen stundenlange Stauungen. Die Restaurants und Hotels in weiter Umgebung waren \u00fcberf\u00fcllt und auf den Stegen herrschte stellenweise ein grosses Gedr\u00e4nge.<\/p>\n<p>Obwohl Jeanne-Claude nicht mehr lebt, k\u00f6nnen auch die \u201eFloating Piers\u201c als Werk des Paares betrachtet werden. Die Beiden hatten gemeinsam das Kunstwerk geplant. Sie besuchten zusammen die Seen von Norditalien, um den am besten geeigneten Standort zu finden: die Seen von Orta, Varese, den Lago Maggiore, ferner die Seen von Lugano, Como, Iseo und Garda. Franciacorta, die liebliche Landschaft s\u00fcdlich von Iseo und die steilen, den gleichnamigen See umgebenden Berge, gaben den Ausschlag.<\/p>\n<p>Die Kosten des Kunstwerks beliefen sich auf 15\u2019000&#8217;000 \u20ac, sind also eher niedriger als andere Werke von Christo und wurden wie gewohnt von ihm aus eigener Tasche finanziert.<\/p>\n<p><strong>Zuk\u00fcnftige Projekte:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eOver the River\u201c: \u00dcberdeckung des Arkansas River in Colorado\/U.S.A. mit silbrig gl\u00e4nzendem Gewebe. An dem betroffenen Flussabschnitt zwischen Canon City und Salida hat es viele Br\u00fccken, Felsen und B\u00e4ume, so dass von den insgesamt 60 km &#8222;nur&#8220; 11 km \u00fcberspannt werden m\u00fcssen. Die Stoffbahnen werden mehrere Meter \u00fcber der Wasserfl\u00e4che angebracht, sodass weiterhin Schiffe passieren k\u00f6nnen. Das Kunstwerk soll im August w\u00e4hrend zwei Woche zu sehen sein.<\/p>\n<p>Das Projekt befindet sich seit 1992 in Vorbereitung. Nach langen und komplizierten Verhandlungen erteilte das amerikanische Innenministerium im November 2011 die Baubewilligung. Die Gegner des Projekts (Natur- und Tierschutzvereine usw.) erhoben jedoch Einspruch. Dabei wurde nicht Christo selbst, sondern die U.S.-Regierung wegen der erteilten, als unzumutbar empfundenen Genehmigung verklagt. Nun muss das Genehmigungs-Verfahren vom Obersten Gerichtshof des U.S.A. \u00fcberpr\u00fcft werden. Anschliessend k\u00f6nnte das Kunstwerk mit grosser Wahrscheinlichkeit endlich realisiert werden.<\/p>\n<p>\u201eMastaba\u201c nennt sich das bei weitem gr\u00f6sste Projekt von Christo, das sich schon seit 1977 in Vorbereitung befindet. Der Begriff Mastaba bezieht sich auf eine geometrische Form, die vor 6&#8217;000 Jahren in mesopotamischen Siedlungen erbauten H\u00e4usern entspricht. Sie gleicht einer Pyramide, ohne der oberen H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>410&#8217;000 speziell f\u00fcr das Projekt hergestellte, in zehn verschiedenen Farben bemalte, leere \u00d6lf\u00e4sser sollen in der W\u00fcste bei Abu Dhabi in Form einer Mastaba aufgeschichtet werden. Die vier Seiten werden 300 bzw. 220 m lang sein und die Mastaba wird sich 150 m \u00fcber dem W\u00fcstenboden erheben. Sie wird also gr\u00f6sser sein als die Pyramiden. Es soll sogar die gr\u00f6sste Skulptur der Welt werden.<\/p>\n<p>Seit 1977 besuchten Jeanne-Claude und Christo mehrmals die Arabischen Emirate und f\u00fchrten zahllose Verhandlungen mit den massgebenden Pers\u00f6nlichkeiten. Der Emir von Abu Dhabi schenkte ihnen zuletzt vier Quadratkilometer W\u00fcste, die zu diesem Projekt geh\u00f6ren werden.<\/p>\n<p>Mit diesem Werk wird sich die k\u00fcnstlerische Karriere des Paares schliessen. Sie hatte auch mit einem Stapel von \u00d6lf\u00e4ssern begonnen.<\/p>\n<p>Die Mastaba ist als erstes Grossprojekt von Jeanne-Claude und Christo nicht zeitlich begrenzt sondern es soll erhalten bleiben. Die enormen Herstellungs-Kosten &#8211; einer halben Milliarde U.S. $ &#8211; wird Christo erstmals nicht selber finanzieren.<\/p>\n<p><strong>Was mir besonders imponiert<\/strong><\/p>\n<p>Mich beeindruckt nicht nur die Gr\u00f6sse der Christo-Kunstwerke, sondern vor allem deren faszinierende Absurdit\u00e4t.<\/p>\n<p>Am meisten aber bewundere ich jedoch das Zusammenspiel und die Vielzahl verschiedenartigster F\u00e4higkeiten des K\u00fcnstlerpaares.<\/p>\n<p>&#8211; das diplomatische Geschick und die z\u00e4he Verhandlungs-Taktik, um staatlichen Besitz zeitweilig in Beschlag nehmen zu d\u00fcrfen,<\/p>\n<p>&#8211; die Perfektion der Planung und die stets rechtzeitige Fertigstellung ihrer Werke,<\/p>\n<p>&#8211; die sehr gekonnte, kostendeckende Vermarktung,<\/p>\n<p>\u2013 die in vielen Medien publizierten Artikel als meisterhafte Public Relations, womit jeweils Millionen von Besuchern angelockt werden,<\/p>\n<p>und nicht zuletzt: die perfekte Beseitigung jeglicher Spuren der Kunstwerke, verbunden mit dem \u00f6kologisch sinnvollen Recycling der verwendeten Materialien.<\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nliche Erinnerungen an die Reise nach Iseo<\/strong><\/p>\n<p>Nach all diesen verschiedenen Hinweisen auf die Christo-Kunstwerke, will ich doch noch berichten, wie Adalberto und ich die kurze Reise erlebt haben. Sie wurde von der \u201eatte\u201c veranstaltet (associazione ticinese terza et\u00e0). Schon mehrmals hatten wir an den f\u00fcr alte Leute zu recht g\u00fcnstigen Bedingungen angebotenen Reisen teilgenommen. Auch haben wir bereits f\u00fcr den kommenden Oktober bei der \u201eatte\u201c einen Kuraufenthalt von zwei Wochen in Montegrotto Terme (unweit von Padua) gebucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Reise nach Iseo konnten wir kurzfristig gerade noch die beiden letzten der 50 Pl\u00e4tze bekommen.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 30. Juni, hiess es fr\u00fch aufstehen. Wir mussten n\u00e4mlich schon um 07.30 in Lugano an der Bus-Haltestelle sein. Ich hatte ein Paar leichter Sommerschuhe angezogen. Adalberto meinte aber, es sei besser ein anderes Paar zu ben\u00fctzen, falls es regnen sollte. Deshalb w\u00e4hlte ich ein altes Paar Winterschuhe.<\/p>\n<p>Im Parkplatz unweit der Bus-Haltestelle, hatte ich bei Aussteigen aus unserem Auto ein komisches Gef\u00fchl am Fuss. Auf dem kurzen Weg zum Treffpunkt f\u00fchlte ich das Gleiche auch am anderen Fuss. Erschrocken musste ich feststellen, dass sich bei beiden Schuhen die m\u00fcrben N\u00e4hte der alten Sohlen an den Innenseiten aufgel\u00f6st hatten. Verwundert lachend begr\u00fcssten mich bereits wartende Teilnehmerinnen, als ich mit meinen seitlich auf und ab klappenden Fuss-Fl\u00fcgeln auf sie zukam.<\/p>\n<p>In Iseo angekommen lief ich in Socken umher, bis ich einen Laden fand, wo ich Sandalen kaufen konnte.<\/p>\n<p>Nach dem Hotelbezug gab es ein (recht mieses) Mittagessen in einem Restaurant. Dann mussten wir eine halbe Stunde in praller Sonne Schlange stehen, bis wir das Schiff besteigen konnten. Zum Gl\u00fcck sind Priorit\u00e4tskarten f\u00fcr unsere Reisegruppe vorbestellt worden. In der andern Warteschlange &#8211; f\u00fcr Personen ohne solche Karten &#8211; war die Wartezeit wesentlich l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Erst nachdem alle Sitzpl\u00e4tze mit Inhabern von Priorit\u00e4tskarten besetzt waren, durften auch Personen ohne Vortrittsrecht zusteigen &#8211; bis das Schiff fast zum Bersten voll war. Die\u00a0Fahrt von der Stadt Iseo zur Insel Montisola dauerte aber nur eine halbe Stunde.<\/p>\n<p>Auf dem Uferweg der Insel gab es mehrmals ein solches Gedr\u00e4nge, dass wir im Stau kaum weitergehen konnten. Dieser Fussweg war mit dem gleichen, orange-gelben Material bedeckt, wie die auf dem Wasser schwimmenden Stege.<\/p>\n<p>Wir durchwanderten die zum Kunstwerk geh\u00f6rende Strecke von einem Ende zum anderen. Der Weg war von sch\u00f6nen grossen Olivenb\u00e4umen ges\u00e4umt. An mehreren Stellen stand eine Reihe transportabler Toiletten.<\/p>\n<p>St\u00e4ndig l\u00e4rmten Helikopter \u00fcber uns. Auf Plakaten wurden die Fl\u00fcge zu \u20ac 50 angeboten, mit dem Hinweis, dass bei der kurzen Flugdauer das Kunstwerk in seiner gesamten Ausdehnung fotografiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im See zirkulierten Boote mit Sanit\u00e4tspersonal und mehrmals h\u00f6rten wir vom Ufer das Signal von Ambulanzen \u2013 offenbar bewirkte die herrschende Hitze gesundheitliche Probleme bei nicht wenigen Besuchern.<\/p>\n<p>Wir unterliessen das Begehen der beiden Stege, die zur privaten Insel f\u00fchrte, denn Adalberto war m\u00fcde und hatte Knieschmerzen. Wir begn\u00fcgten uns, auf dem schwimmenden Steg von der Insel zur Ortschaft Sulzano am Ufer des Festlandes zu spazieren. Wie vom K\u00fcnstler empfohlen, unternahmen wir den Spaziergang barfuss. So waren die Bewegungen des Wassers eindr\u00fccklich zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Vom Festland-Ufer bis zur Bushaltestelle war die ganze Ortschaft von einer dr\u00e4ngenden Menschenmenge verstopft. Es verging eine volle Stunde bis wir einen der zwischen Sulzano und Iseo in dichter Folg pendelnden Busse besteigen konnten. In Iseo genossen wir das Abendessen in einem sch\u00f6nen Restaurant direkt am Seeufer und gingen in dem von \u201eatte\u201c f\u00fcr uns reservierten Hotel fr\u00fch schlafen.<\/p>\n<p>Den Freitag erlebten wir als gr\u00f6sstm\u00f6glichen Gegensatz zum Vortag. Nur die beiden Wiesen, die wir bei der Ausfahrt aus Iseo sahen, erinnerten noch an Christo. Sie waren eingez\u00e4unt, um als tempor\u00e4re Parkpl\u00e4tze zu dienen und schon am Morgen zur H\u00e4lfte besetzt.<\/p>\n<p>Eine nette, lokale F\u00fchrerin begleitete uns zum Kloster San Pietro in Lamosa. Dieses Kloster wurde im XI Jahrhundert. auf den Mauern eines r\u00f6mischen Tempels errichtet. Gegen\u00fcber dem Hauptgeb\u00e4ude steht eine barocke Kapelle, innen geschm\u00fcckt mit pr\u00e4chtigen Fresken aus dem XV und XVI Jahrhundert. Zwischen den beiden, etwas erh\u00f6ht liegenden Bauten \u00f6ffnet sich ein weiter Blick \u00fcber die liebliche Landschaft von Franciacorta. Im Vordergrund sieht man einen grossen Teich.<\/p>\n<p>Wie an vielen anderen Stellen dieser Gegend wurde hier noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts Torf ausgegraben. Dieser wurde getrocknet und diente als Brennmaterial, das allerdings wenig ergiebig war. Die maximal 5 m tiefen Gruben f\u00fcllten sich mit Wasser. Seerosen breiteten sich aus und an den flachen Randzonen dieser romantischen Teiche bl\u00fcht Lotus im Sp\u00e4tsommer.<\/p>\n<p>Diese Teiche bieten Lebensraum f\u00fcr viele Tierarten und stehen heute unter Naturschutz. Zahllose Zugv\u00f6gel aus dem Norden \u00fcberwintern hier.<\/p>\n<p>Wir fuhren vorbei an vielen, ausnahmslos perfekt gepflegten Weinfeldern, bis wir zur \u201eCantina al Rocol\u201c gelangen. Zwei noch junge Br\u00fcder und eine Schwester hatten vor nicht langer Zeit das traditionelle Weingut geerbt. Sie erweiterten es zu einer \u201cAgricola\u201c. So nennt man in Italien die in Mode gekommenen, b\u00e4uerlichen Betriebe, in denen Speisen serviert werden, die weitgehend auf Produkten basieren, welche die Besitzer selber herstellen. Meist bietet eine \u201eAgricola\u201c auch die angenehme M\u00f6glichkeit, in einer l\u00e4ndlich ruhigen Gegend zu \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>Einer der drei freundlichen Besitzer der \u201eCantina al Rocol\u201c begleitete uns auf einem Rundgang und erkl\u00e4rte ausf\u00fchrlich die Herstellung des Franciacorta D.O.C. Das ist ein gesch\u00fctzter Name f\u00fcr Wein aus Franciacorta. Er wird nach einer genau vorgeschriebenen Methode erzeugt.<\/p>\n<p>Verwendet werden die gleichen Weinsorten, wie f\u00fcr den franz\u00f6sischen Champagner: Chardonnay und Pinot. Auch die Herstellungs-Methode ist gleich. Nur der Preis des Franciacorta ist geringer &#8211; wobei Frankreich fast die hundertfache Menge Schaumwein produziert, verglichen mit dem aus Franciacorta.<\/p>\n<p>Die Trauben werden in Franciacortra ausschliesslich von Hand verlesen. Der ausgepresste Saft (Cuv\u00e9e) wird w\u00e4hrend mindestens drei Jahren in F\u00e4ssern gelagert. Dann erfolgt die Abf\u00fcllung in Flaschen (Tirage) wobei man dem Wein etwas Hefe und Zuckersirup zusetzt. In den mit einer Metall-Kappe versiegelten, horizontal gelagerten Flaschen erfolgt eine zweite G\u00e4rung. Dabei entsteht Kohlens\u00e4ure (Schaumbildung) und der Druck in den dickwandigen Flaschen steigt auf bis zu 5 Atmosph\u00e4ren.<\/p>\n<p>Am Ende des Prozesses werden die sich abgesetzten Heferesten durch R\u00fctteln (Remuage) jeder einzelnen Flasche in die N\u00e4he des Korkens bef\u00f6rdert. Dabei werden die Flaschen aus der horizontalen Lage allm\u00e4hlich &#8211; mit dem Hals nach unten &#8211; in eine vertikale Lage gebracht. Zuletzt werden die Flaschenh\u00e4lse in eine K\u00fchll\u00f6sung getaucht. Es entsteht ein Eispfropfen, worin die Heferesten eingefroren sind.<\/p>\n<p>Nun wird der Metallverschluss sorgf\u00e4ltig entfernt. Der Druck im Innern der Flasche ist so gross, dass der gefrorene Hefe-Satz heftig herausschiesst. Der Gefrierprozess wird jedoch so gehandhabt, dass dabei die kleinste Menge Wein verloren geht. Jetzt kann der Franciacorta D.O.C. endg\u00fcltig mit dem von einem Drahtgestell gesch\u00fctzten Korken versehen werden.<\/p>\n<p>Wir bekommen zum Probieren verschiedene Sorten der eigenen Weine vorgesetzt (diskret begleitet von einer kleinen Preisliste). Das uns servierte, wohlschmeckende Mittagessen ist so \u00fcppig, dass allein die Vorspeisen ausgereicht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Um 18. Uhr endete in Lugano die kurze, aber vielseitige und sehr interessante Reise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Bericht \u00fcber meine Kurzreise mit Adalberto nach Iseo, Donnerstag, 30. Juni -Freitag, 1. 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