{"id":265,"date":"2016-09-12T16:31:22","date_gmt":"2016-09-12T16:31:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=265"},"modified":"2019-07-18T13:58:15","modified_gmt":"2019-07-18T13:58:15","slug":"mein-garten-in-caslano","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=265","title":{"rendered":"Mein Garten in Caslano"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Jahrbuch TOPIARIA HELVETICA 2011 hat zum Thema: \u201eFarbe im Garten\u201c. Im Zusammenhang mit der Farbe Blau ist ein Artikel dem herrlichen Jardin Majorelle in Marrakesch gewidmet, gefolgt von einem Artikel \u00fcber mein bescheidenes G\u00e4rtchen in Caslano.<!--more--><\/em><\/p>\n<p><em>1923 begann der Maler Jacques Majorelle (1882-1962) seinen ber\u00fchmt gewordenen Garten anzulegen. Dabei verwendete der Maler-G\u00e4rtner lauter auffallende, blaue Elemente. Nach seinem Tod verwilderte der Garten, wurde aber sp\u00e4ter vom Modesch\u00f6pfer Yves Saint Laurent perfekt restauriert.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Besuch in diesem Gartenparadies brachte mich auf die Idee, im eigenen G\u00e4rtchen die Farbe Blau zu betonen. Claudia Moll ver\u00f6ffentlichte dar\u00fcber nachfolgende Beschreibung. Im Jahrbuch ist der Artikel illustriert von sehr sch\u00f6nen, auch von Claudia Moll gemachten Fotografien.<\/em><\/p>\n<h3><strong>\u00abLe petit r\u00eave bleu\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p>Vom geheimnisvollen Jardin Majorelle in Marrakesch liess sich Iv\u00e0n Ruperti bei der Anlage seines Gartens im Tessin inspirieren. Seine gerade mal zehn mal zehn Meter messende, von hohen Mauern umgebene gr\u00fcne Oase geh\u00f6rt zu einem der 22 Einfamilienh\u00e4user des \u00abVillaggio del Golf\u00bb in Caslano bei Lugano. Die 1980 vom Schweizer Architekten Franco Bircher gebaute Anlage mit ihren dicht beieinander stehenden, weiss get\u00fcnchten Wohneinheiten mit schmalen Fusswegen, H\u00f6fen und dazu geh\u00f6rigen Atriumsg\u00e4rtchen vermittelt den Eindruck eines gewachsenen, s\u00fcdl\u00e4ndischen D\u00f6rfchens.<\/p>\n<p>Iv\u00e0n Ruperti erwarb Anfang 2009 das hinterste der H\u00e4user, verliebte sich in das bereits einige Jahre leerstehende Geb\u00e4ude und vor allem in den dazu geh\u00f6renden, v\u00f6llig \u00fcberwucherten kleinen Garten und beschloss, im stolzen Alter von 85 Jahren, zum letzten Mal umzuziehen. Hier setzte er einen Traum in die Realit\u00e4t um, der sich nach einer Reise durch Marokko vor einigen Jahren in seinem Kopf festgesetzt hatte. Mit der \u00dcppigkeit des grossen Bruders in Marrakesch kann der kleine Garten zwar nicht konkurrieren, jedoch ist darin in vielen Elementen das starke Blau wiederzufinden, das diesen pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Augenf\u00e4llig wird dies in Form eines den Hof durchmessenden Bandes blauer Glassplitter, \u00fcber das darin eingelassene kreisrunde Trittsteine aus Granit f\u00fchren. Blau sind die glasierten Terracottat\u00f6pfe l\u00e4ngs des Weges, in denen von Ende Januar bis im April Kamelienb\u00e4umchen bl\u00fchen, und blau bl\u00fchen Pflanzen, die den kleinen Garten schm\u00fccken.<\/p>\n<p>Wie im Jardin Majorelle spielt auch hier das Wasser eine wichtige Rolle: Ein schmales h\u00fcfthohes Becken ist der Mauer, die den Hof abschliesst, auf ihrer gesamten L\u00e4nge vorgelagert. In das ehemals mit Waschbetonplatten verkleidete Pflanzbeet pl\u00e4tschert heute Wasser. Das muntere Ger\u00e4usch verspricht Erfrischung. Im k\u00fchlen Nass tummeln sich Zierfische und an seiner Oberfl\u00e4che bl\u00fchen Seerosen.<\/p>\n<p>Auf das Wasser schauen zwei lachende Gartengeister &#8211; kleine Skulpturen aus Tessiner Granit, die ein Steinhauer aus dem Verzascatal fertigte. Wie der grosse gute Gartengeist und die sechs Jungfrauen &#8211; ebenfalls aus Stein gehauene Frauengesichter &#8211; schweben sie an der abschliessenden Wand verankert \u00fcber dem Wasserbecken. Augenzwinkernd erkl\u00e4rt Ruperti die Geschichte zu den kleinen Skulpturen, die den Garten beleben.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bauherrn und Gartenarchitekten ist das kleine Refugium sein \u00abAltersgarten\u00bb. Die bescheidenen Abmessungen garantieren, dass er ihn noch ein paar Jahre ohne Hilfe pflegen und mit Freude unterhalten kann. Hier verbringt er viel Zeit. Vom angrenzenden \u00fcberdachten Sitzplatz kann er ihn auch bei Regenwetter geniessen.<\/p>\n<p>Die Wohnr\u00e4ume im Erdgeschoss \u00f6ffnen sich mit grossz\u00fcgigen Fensterfl\u00e4chen zum Atriumsgarten. In der Loggia im ersten Stock hat sich der Hausherr sein offenes Sommer-Schlafzimmer mit Blick auf den blauen Garten eingerichtet.<\/p>\n<p>Der studierte National\u00f6konom leitete zwischen 1958 und 1970 in Z\u00fcrich seine eigene Werbefirma, zuvor arbeitete er erfolgreich als Werber in den USA und in der Schweiz. Das in seinen Augen oberfl\u00e4chliche Leben, das seine Arbeit im aufstrebenden Europa der Nachkriegsjahre mit sich brachte, befriedigte Ruperti mit der Zeit nicht mehr. Und so wurde, wie er erz\u00e4hlt, der Besuch der kaiserlichen G\u00e4rten Kyotos im Jahre 1970 f\u00fcr ihn zu einem Schl\u00fcsselerlebnis.<\/p>\n<p>Ber\u00fchrt von Kultur und Tradition, die hinter den eindr\u00fccklichen und schlichten Anlagen stehen, entschloss er sich, sein Leben als erfolgreicher Werber aufzugeben und es fortan G\u00e4rten zu widmen. Er verkaufte seine Firma und liess sich, 47-j\u00e4hrig, in London bei John Brookes zum Gartenarchitekten ausbilden. Danach gestaltete er eine Vielzahl meist privater G\u00e4rten und in der Anfangszeit seiner neuen beruflichen Karriere auch H\u00e4user.<\/p>\n<p>In seinen eigenen G\u00e4rten &#8211; das Haus in Caslano ist die letzte Station einer Reise durch mehrere Wohnorte im Tessin und in Norditalien &#8211; setzte Ruperti immer seine Vorstellungen des pers\u00f6nlichen kleinen Paradieses um. Inspirationen holte er sich auf den unz\u00e4hligen Gartenreisen, die ihn rund um den Globus f\u00fchrten. Um diese Erlebnisse mit Interessierten teilen zu k\u00f6nnen, gr\u00fcndete der umtriebige Unternehmer die \u00abRuperti-Reisen\u00bb und f\u00fchrte so Garten-Interessierte auf die Spuren des gartenkulturellen Erbes auf der ganzen Welt.<\/p>\n<p>\u00abLe petit r\u00eave bleu\u00bb bleibt ihm als Erinnerungsort an eine seiner Reisen und ist seine pers\u00f6nliche Hommage an den Garten im fernen Marrakesch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahrbuch TOPIARIA HELVETICA 2011 hat zum Thema: \u201eFarbe im Garten\u201c. 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