{"id":223,"date":"2016-07-18T14:54:15","date_gmt":"2016-07-18T14:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=223"},"modified":"2019-08-01T14:49:07","modified_gmt":"2019-08-01T14:49:07","slug":"genua-sao-paolo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=223","title":{"rendered":"Von Genua nach Sao-Paolo"},"content":{"rendered":"<p><em>Die 19 t\u00e4gige Kreuzfahrt mit MSC Magnifica wurde von &#8222;Reisecenter Plus&#8220; schon im M\u00e4rz fr\u00fchzeitig und zu einem besonders g\u00fcnstigen Preis angeboten. Sie begann am Samstag, 23. November in Genua und endete am Donnerstag, 12. Dezember 2013 in Sao Paolo. Ich beschreibe ausf\u00fchrlich, wie wir die \u201eTage auf See\u201c im Schiff verbrachten sowie unsere meist selbst\u00e4ndig unternommenen Land-Ausfl\u00fcge.<\/em><\/p>\n<p><em>Am Ende der Reise hat eine offenbar ber\u00fchmte, bezaubernd aussehende, junge Frau erst Adalberto und dann mich als offensichtliche Ausl\u00e4nder angesprochen. Wir reagierten spontan vermutlich genau so wie das von uns erwartet wurde. Die uns umgebende Menge von Brasilianern brach aus in lang anhaltendes Jubel-Geschrei und das Ganze wurde vom Fernsehen aufgenommen. Ein v\u00f6llig unerwartetes Ende zu dieser Reise!<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Als ein erstmals von uns ben\u00fctztes MSC-Schiff, finden Adalberto und ich die &#8222;Magnifica&#8220; etwas weniger kitschig eingerichtet im Vergleich zu den Schiffen der Costa-Flotte, mit denen wir schon mehrmals gereist sind. Costa-Schiffe werden offenbar nach dem Prinzip der m\u00f6glichst staunenswerten Geschmacklosigkeit dekoriert. Der Kitsch war so extrem, dass wir durchwegs erheitert auf die gr\u00e4sslichen Einf\u00e4lle der offenbar darauf spezialisierten Innenarchitekten reagierten. Bei MSC ist das Dekor zwar ebenfalls geschmacklos und vulg\u00e4r, aber doch etwas weniger extrem, was zwar weniger komisch, aber bei einem l\u00e4ngeren Aufenthalt doch ertr\u00e4glicher ist. Daf\u00fcr erweist sich die allgemeine Organisation bei MSC von Beginn an als nicht ganz so perfekt wie bei Costa-Schiffen.<\/p>\n<p>Als Erstes k\u00fcmmere ich mich um die Tischreservation. Nach Verhandlungen mit vier verschiedenen Personen des zwischen Mittag- und Abendessen freien Personals kann ich endlich in einem besonderen Sprechzimmer mit dem obersten Restaurant-Aufseher reden. Obwohl es wie gewohnt auf Kreuzfahrt-Schiffen fast nur Tische f\u00fcr vier bis acht Personen hat, gelingt es mir &#8211; wie bei allen bisherigen Kreuzfahrten &#8211; doch einen der seltenen Zweiertische zu ergattern.<\/p>\n<p>Vorgesehen waren f\u00fcr uns Pl\u00e4tze an einem der grossen Tische, wobei wir auf der ganzen langen Reise mit den gleichen, uns unbekannten Personen sitzen m\u00fcssten, mit denen ich mich ja kaum h\u00e4tte verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Mein Umtauschgesuch begr\u00fcnde ich nicht nur mit dem Hinweis auf mein (tats\u00e4chlich) schlecht gewordenes H\u00f6rverm\u00f6gen. Noch wirkungsvoller ist mein heftiges Zittern infolge des vorgespielten Parkinson, was den anderen Tischgenossen nicht h\u00e4tte zugemutet werden d\u00fcrfen. Als ich Adalberto triumphierend von meiner wieder erfolgreichen Zweiertisch-Reservation berichte, zeigt er sich &#8211; wie immer &#8211; entsetzt \u00fcber meinen Kom\u00f6dianten-Akt. Dessen Resultat weiss er jedoch sehr zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Am <strong>Sonntag 24. November<\/strong> geniessen wir den Nachmittag in <strong>Barcelona<\/strong>. Da wir so unvorsichtig waren und schon bald nach der Landung ausschiffen wollten, verbrachten wir eine recht unerfreuliche Stunde in der sich nur langsam zu einem der beiden Ausg\u00e4nge voranschiebenden Menschenmasse. Die Kontroll-Fotografie jeder Schiffs-Karte geschieht am Ausgang des Schiffs zwar recht schnell, aber der anschliessende Abgang in Einerkolonne auf den beiden schmalen Landebr\u00fccken verursacht den Stau.<\/p>\n<p>Entlang der &#8222;Rambla&#8220; spazierend, weist Adalberto immer wieder auf architektonisch besonders bemerkenswerte Bauten hin, die wir Beide erfreut bewundern. Die stilistische Vielfalt ist sehr interessant; war doch vor etwas mehr als einem Jahrhundert Barcelona ein Spielfeld f\u00fcr Architekten, um sich in ihrer Phantasie zu \u00fcberbieten. Gaudi ist dabei der ber\u00fchmteste geblieben.<\/p>\n<p>Auf der von Touristen vielbesuchten Rambla hat es verkleidete Personen, die sich als bewegungslose Denkm\u00e4ler pr\u00e4sentieren. Ungew\u00f6hnlich ist ein Schwarzer, schwarz-golden gekleidet und in diesen Farben geschminkt. Er hat riesige Fl\u00fcgel, ebenfalls schwarz-golden. Im Gegensatz zu anderen menschlichen &#8222;Denkm\u00e4lern&#8220; bewegt er sich langsam und rollt eindr\u00fccklich mit den Augen. Besonders mutige Kinder wagen es, seinen lockenden Bewegungen folgend, sich ihm zu n\u00e4hern. Zuerst streichelt er das Kind. Dann umschliesst er mit seinen durch klappernde Holzst\u00e4be verl\u00e4ngerten Finger sorgf\u00e4ltig, ganz langsam den Kopf des Kindes. Dieses schreit dann jeweils mit einem Angst-Genuss-Gemisch, w\u00e4hrend die Eltern eine M\u00fcnze in den bereitgestellten Topf einwerfen. Ein seltsamer Beruf, der aber &#8211; geschickt ausge\u00fcbt &#8211; offenbar erfolgreich sein kann.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf dem Schiff kaufen wir mit der Kombination aus Kabinen-Schl\u00fcssel- und Schiffs-Zahlkarten f\u00fcr je 110 \u20ac das Anrecht zur Ben\u00fctzung des Fitnesszentrums f\u00fcr die Dauer der ganzen Reise. Im Preis inbegriffen sind auch Sauna, Dampfbad und Whirlpool. Bei Costa waren M\u00e4nnlein und Weiblein in der Sauna und im Dampfbad getrennt und es war kostenlos. Dass man hier zusammen bleiben darf hat offenbar seinen Preis und nackt geht auch nicht. Das grossartig Fitness-Studio und die anderen M\u00f6glichkeiten haben wir gleich genutzt und beabsichtigen, dies t\u00e4glich zu wiederholen.<\/p>\n<p><strong>Montag, 25. November<\/strong> verbringen wir auf See und <strong>Dienstag, 26. November<\/strong> in <strong>Lissabon<\/strong>. Wir besuchen das anl\u00e4sslich der Weltausstellung im Jahre 1998<br \/>\nin Lissabon er\u00f6ffnete \u201eOceanario\u201c, laut Reisef\u00fchrer das gr\u00f6sste Aquarium von Europa. Es findet sich im Osten der Stadt. Hier wurde anl\u00e4sslich der EXPO 98 ein Armenviertel am Ufer des dort kilometerbreiten &#8222;Rio Tajo&#8220; durch ein modernes Quartier mit interessanter, futuristisch wirkender Architektur ersetzt.<\/p>\n<p>Das zentrale Aquarium besteht aus einem riesigen Becken, das man umgeht und auf zwei Stockwerken von allen Seiten besichtigen kann. Oben schwimmen vor allem zahllose Haie, Rochen usw. Unter anderem erstaunt der &#8222;Sonnenfisch&#8220;, nicht fischf\u00f6rmig sondern einfach rund. Er ist nur mit einer Flosse auf dem R\u00fccken und einer auf dem Bauch ausger\u00fcstet, die ihm aber erm\u00f6glichen, voran zu schwimmen.\u00a0Laut Informationsschild kann das unf\u00f6rmige Tier bis zu drei Tonnen schwer werden. Durch das dicke Glas im Untergeschoss sieht man auch Korallen und andere Lebewesen.<\/p>\n<p>Ausgehend vom zentralen Aquarium hat es auf vier Seiten klimatisch verschiedene Becken. Zu deren Ufer hat man im Obergeschoss direkte Einsicht: Pinguine die auf echten Schneefeldern spazieren ( erzeugt durch darunter versteckte K\u00fchlapparate ), \u00a0bis hin zu einem tropischen Wald.<\/p>\n<p>Im Untergeschoss dieser Becken kann man das Wasserleben in den verschiedenen klimatischen Bedingungen beobachten. Im k\u00e4ltesten Becken fliegen Pinguine geradezu durchs Wasser. Im w\u00e4rmsten Becken zeigen Meeres-Anemonen und Korallen eine unglaubliche Vielfalt von Farben.<\/p>\n<p>Am meisten gefallen uns die drei Seeotter in einem Spezialbecken. Sie ruhen auf der Wasseroberfl\u00e4che mit dem B\u00e4uchlein nach oben. Einer hat die Vorderpfoten auf dem Bauch gefaltet. Die beiden anderen schwimmen dicht nebeneinander und einer h\u00e4lt mit der rechten Vorderpfote liebevoll die linke Vorderpfote des anderen. Aus dem Informationsschild ist zu erfahren, dass Seeotter das dichteste Fell aller Pelztierarten haben, das sie mit einer Fettschicht v\u00f6llig vor Wasser und K\u00e4lte sch\u00fctzt. Dank ihrem so dichten und weichen Pelz sind die Seeotter fast ausgerottet worden &#8211; kurz bevor sie gerade noch rechtzeitig international unter Schutz gestellt werden konnten.<\/p>\n<p>Der Halt in Lissabon bleibt in eindr\u00fccklicher Erinnerung. Dieses Oceanario \u00fcbertrifft selbst das von mir bisher am meisten bewunderte Aquarium in<br \/>\nGenua.<\/p>\n<p><em>(Ebenso finde ich das Aquarium in Lissabon interessanter als das allerdings noch gr\u00f6ssere in Dubai, das sich dort in einem riesigen Shopping-Center findet. Es liegt neben dem verglasten Skihang mit Skiliften, wo man sich die entsprechende Ausr\u00fcstungen leihen und den verschneiten Hang herunterfahren kann, auch wenn draussen die Lufttemperatur bis auf 50 Grad ansteigt. Gr\u00f6ssenwahn der arabischen \u00d6l-Prinzen!)<\/em><\/p>\n<p>Den <strong>Mittwoch, 27. November<\/strong> verbringen wir erneut auf See. Am <strong>Donnerstag, 28. November<\/strong> landeten wir infolge des ziemlich unruhigen Wellengangs versp\u00e4tet im <strong>Madeira<\/strong>. Erinnerungen kommen hoch an die verschiedenen Reisen, die ich zum Besuch von G\u00e4rten auf der &#8222;Insel des ewigen Fr\u00fchlings&#8220; vor einem Viertel Jahrhundert organisiert habe.<\/p>\n<p>Es ist unglaublich, fast erschreckend, wie sich die Hauptstadt <strong>Funchal<\/strong> seither vergr\u00f6ssert hat. Unz\u00e4hlige neue Strassen und Tunnels f\u00fchren zwischen all den H\u00e4usern den steilen Hang hinauf. \u00dcberall hat es Bougainvillea, Strelitzia und<br \/>\nviele andere sch\u00f6ne, teilweise bl\u00fchende Pflanzen.<\/p>\n<p>Eine neue Drahtseilbahn bringt uns hinauf zu dem mir bekannten &#8222;Tropical Palace Garden&#8220;, der eine grosse Cycas-Sammlung enth\u00e4lt, wie ich mich erinnere. Wir besuchen ihn aber nicht und nehmen eine andere, ebenfalls neue Seilbahn, die ein wildes Tal durchquert und uns zum Botanischen Garten bringt. Leider regnet es und der Besuch ist nicht sehr angenehm. Schade, es w\u00e4re dort bei besserem Wetter so sch\u00f6n und interessant gewesen.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 29. November<\/strong> ist der erste der f\u00fcnf Tage f\u00fcr die <strong>\u00dcberquerung des<\/strong> <strong>Atlantischen Ozean<\/strong>s. Am Vormittag fahren wir an den Kanarischen Inseln vorbei. Wir sehen zwei am Horizont, wissen aber nicht, welche es sind. Jedenfalls freuen wir uns schon, diese Inseln im kommenden M\u00e4rz bei unserer n\u00e4chsten Kreuzfahrt erneut zu besuchen.<\/p>\n<p>Ich mache regelm\u00e4ssig mit bei Tai Chi, das ich auf dem Schiff erstmals kennenlerne. Es nehmen aber so viele Personen daran teil, dass es etwas schwierig ist, den Lehrmeister zu sehen. Er ist nicht mehr jung, ganz in weisser Seide gekleidet und sehr gelenkig. Der Kurs dauert eine volle Stunde. So problemlos die langsam auszuf\u00fchrenden Bewegungen auch zu sein scheinen &#8211; ich bin nach 45 Minuten v\u00f6llig erledigt und muss vorzeitig abbrechen.<\/p>\n<p>An den Nachmittagen profitieren Adalberto und ich von dem riesigen, dreiseitig verglasten Fitnessraum ganz vorne im Schiff. Ich ben\u00fctze eifrig die sehr modernen Apparate und mache dann auch Pilates auf Bodenmatten. Adalberto geniesst ausgiebig die Sauna, ich dagegen h\u00f6chstens f\u00fcr kurze Zeit<\/p>\n<p>Am letzten dieser f\u00fcnf Tage \u201eauf See\u201c \u00fcberqueren wir den \u00c4quator. Von der Galerie im 14. Stockwerk beobachten wir, was auf dem 13. Stockwerk rund um das Schwimmbecken geschieht und wie beeindruckend die \u00c4quatortaufe zelebriert wird. Die meisten Passagiere &#8211; aber nicht alle ( ! ) erscheinen vorausahnend im Badekost\u00fcm. Das Personal weist die Passagiere an, sich m\u00f6glichst dicht nebeneinander auf den vier Seiten des Beckens hinzusetzten.<\/p>\n<p>Auf Einladung des Personals beginnen die Passagiere, sich von den gegen\u00fcberliegenden L\u00e4ngsseiten eifrig zu bespritzen. Das kost\u00fcmierte Personal erg\u00e4nzt zus\u00e4tzlich mit &#8222;Champagner&#8220; aus Flaschen.<\/p>\n<p>Dann werden die Passagiere mit Mehl bestreut, Schlagsahne wird ihnen auf die K\u00f6pfe geklatscht, sie werden anschliessend mit Tomatensauce \u00fcbergossen und zuletzt werden rohe Eier auf ihren K\u00f6pfen zerbrochen. Keiner versucht zu entfliehen! Im Gegenteil, alle schreien masochistisch immer lauter, voll Begeisterung \u00fcber die genossenen Misshandlungen. Zuletzt springen alle miteinander laut jubelnd ins Schwimmbecken! Im Vergleich zum st\u00e4ndig veranstalteten Am\u00fcsierbetrieb auf den Carnival-Kreuzfahrt-Schiffen ist es bei MSC normalerweise relativ ruhig. Ein bisschen &#8222;Spass&#8220; muss aber offenbar auch bei MSC organisiert werden, um die Passagiere zu begl\u00fccken.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Aufenthalt in <strong>Recife<\/strong>, der ersten brasilianischen Stadt, die wir am <strong>Mittwoch, 4. Dezember<\/strong> erreichen, haben wir auf dem Schiff eine angeblich italienisch geleitete Bustour gebucht. Alle Teilnehmer von organisierten Ausfl\u00fcgen sollen sich um 08.l5 im Theater versammeln. Adalberto dr\u00e4ngt aber darauf, nicht zu sp\u00e4t zu kommen und so sind wir schon eine halbe Stunde zu fr\u00fch dort.<\/p>\n<p>Unglaublich was f\u00fcr ein Chaos herrscht und wie unf\u00e4hig die Schiffsleitung zu sein scheint, so etwas (nicht zum ersten Mal !) zu organisieren. Man muss in einer sich langsam voranschiebenden Menschenschlange das grosse Theater durchqueren. Am Orchestergraben bekommt man Nummern auf das Hemd geklebt und wir fahren entsprechend auf Bus Nummer 46 nach einer vollen Stunde Wartezeit endlich ab.<\/p>\n<p>Aus dem Lautsprecher ert\u00f6nen im Bus zwar laut und deutlich &#8211; aber f\u00fcr uns ganz unerwartet auf portugiesisch &#8211; die Erkl\u00e4rungen des Reiseleiters. Er spricht sehr schnell und ohne Pause w\u00e4hrend der ganzen Fahrt. Der Sprechschwall erinnert an ein knatterndes Maschinengewehr. Dazwischen wiederholt er das Gleiche auch auf Italienisch, aber offenbar stark verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p><strong>Olinda<\/strong> ist f\u00fcr brasilianische Verh\u00e4ltnissen eine Kleinstadt mit &#8222;nur&#8220; 400&#8217;000 Einwohnern. Sie liegt an der K\u00fcste, 7 km n\u00f6rdlich von Recife und ist bekannt f\u00fcr die bunten H\u00e4user, die Adalberto an die farbigen Fassaden von Petersburg erinnern.<\/p>\n<p>Die Stadt Olinda nennt sich \u00fcbersetzt: &#8222;Oh wie sch\u00f6n&#8220;. Auf Portugiesisch, bedeutet &#8222;linda&#8220; n\u00e4mlich sch\u00f6n, und das hat angeblich der Entdecker dieses St\u00fccks Land ausgerufen, auf der diese Stadt im 16. Jh. entstand. Wir besichtigen zwei historische Kirchen, von denen eine im letzten M\u00e4rz von Papst Franziskus besucht worden ist. Sie wurde deshalb zur Kathedrale ernannt.<\/p>\n<p>Die restliche Zeit in Olinda und dann in Recife muss mit der Gruppe leider vor oder in Souvenir-L\u00e4den verbracht werden. In Recife sind diese in einem ehemaligen Gef\u00e4ngnis untergebracht, wobei der riesige Bau architektonisch interessant ist.\u00a0Die mit Kitsch-Souvenir vollgestopften kleinen L\u00e4den sind in den fr\u00fcheren Zellen untergebracht. Die Holl\u00e4nder hatten dieses Gef\u00e4ngnis w\u00e4hrend ihrer nur wenige Jahre dauernden Herrschaft in Brasilien erbaut.<\/p>\n<p>Wir machen einen Fotostop auf dem endlos langen, hellen Sandstrand vor Recife. Die Stadt hat anderthalb Millionen Einwohner und wirkt chaotisch. Entlang der K\u00fcsten ragen zahlreiche Wolkenkratzer empor. Unmittelbar neben diesen hat es lauter kleine, meist verlotterte H\u00e4user und ganze Slums, die offenbar auf die Vertreibung der Einwohner und den Abbruch warten, damit noch mehr Wohnt\u00fcrme f\u00fcr die Reichen errichtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie der Reiseleiter erkl\u00e4rt, wird die gesamte Ausscheidung der Bewohner direkt ins Meer geleitet. Dies scheint auch bei anderen K\u00fcstenst\u00e4dten von Brasilien der Fall zu sein. Jedenfalls entnehme ich einem Dumont-Reisef\u00fchrer, f\u00fcr Europ\u00e4er sei die Ben\u00fctzung der Str\u00e4nde vor brasilianischen St\u00e4dten abzuraten (!). Offenbar soll es den Brasilianern \u00fcberlassen bleiben, im eigenen Dreck zu baden, auch wenn die Str\u00e4nde ein so verlockendes Aussehen haben. Die K\u00fcste von Brasilien ist aber derartig lang, dass noch in vielen Teilen das Wasser nicht nur klar aussehen, sondern tats\u00e4chlich sauber sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Am <strong>Donnerstag, 5. Dezember<\/strong> landen wir um 0900 in <strong>Maceio.<\/strong> Die Stadt<br \/>\nwurde vor knapp 200 Jahren gegr\u00fcndete und war ein wichtiges Zentrum f\u00fcr die Zucker- und die Baumwoll-Industrie. Heute hat Maceio fast eine Million Einwohner und gilt auch als touristisches Zentrum mit sch\u00f6nen Str\u00e4nden. Ich entnehme aus verschiedenen Angaben: besonders sch\u00f6n und empfehlenswert sei der ausgedehnte Strand von &#8222;Paripueira&#8220;, n\u00f6rdlich von Maceio.<\/p>\n<p>Ausser den vielen Bussen f\u00fcr die im Schiff vorbestellen Ausfl\u00fcge, verbinden nacheinander abfahrende Shuttle-Busse den Landeplatz mit dem Stadtzentrum. Dort versuche ich &#8211; mit der infolge meiner H\u00f6rschw\u00e4che stets notwendigen Hilfe von Adalberto &#8211; im Auskunftsb\u00fcro zu erfahren, ob es sich tats\u00e4chlich lohnt, Paripueira zu besuchen. Die junge Frau hat ein Schild auf der Brust, laut dem sie die Sprachen Thai und Englisch beherrscht. Leider gen\u00fcgen die angeblichen Englischkenntnisse nur dazu, dass sie das Wort Paripueira mehrmals nachplappert und dann unsere wiederholt gestellte Frage mit &#8222;beach, beach !&#8220; beantworten kann. Eine andere Angestellte des offiziellen touristischen Informationsb\u00fcros, mit dem Schild &#8222;ltaliano&#8220;, kann Adalberto h\u00f6chstens den Hinweis geben: &#8222;Taxi, Paripueira, Taxi ! &#8220; und das ist schon alles was sich aus ihr herausholen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Draussen sprechen wir nacheinander mehrere Taxifahrer an, die in einer langen Schlange auf Fahrg\u00e4ste warten. Keiner scheint Englisch zu verstehen. Infolge einer gewissen \u00c4hnlichkeit zwischen Italienisch und Portugiesisch geht offenbar im Kopf eines jungen Mannes ein Licht auf. Er zeigt jedenfalls zwei Finger, dann f\u00fcnf Finger und zuletzt die geschlossene Faust, gemeint sind offensichtlich 250 Reals, das sind rund 120 Fr.-. Ich sch\u00fcttle den Kopf und ziehe Adalberto weg aus dem Kreis von lauter Taxichauffeuren, der sich rund um uns gebildet hat.<\/p>\n<p>Nun n\u00e4hert sich ein gut aussehender Herr, der hier offenbar \u00dcbersetzer-Dienste leistet. Irgendwelche Ausk\u00fcnfte \u00fcber dieses von uns allm\u00e4hlich verw\u00fcnschte Paripueira sind allerdings auch bei ihm nicht erh\u00e4ltlich. Er schwatzt aber auf den Taxifahrer ein, der den Preis auf 220 Reals senkt, worauf ich wieder den Kopf sch\u00fcttle und den eigentlich mit diesem Preis einverstandenen Adalberto erneut wegziehe. Der Taxichauffeur verfolgt uns aber mit stets fallenden Preisangaben. Wir einigen uns zuletzt auf 150 Reals. Ich meine, das sei vermutlich nicht unfair, hatte doch der Reiseleiter im gestrigen Ausflugsbus erkl\u00e4rt, das durchschnittliche Monatseinkommen betrage nur 600 Reals (rund 250.- CHF) !<\/p>\n<p>Die Fahrt in n\u00f6rdlicher Richtung geht stets entlang der K\u00fcste und erweist sich als sehr abwechslungsreich. Zuerst auf der rechten Seite das Meer und auf der<br \/>\nlinken viele moderne Hochh\u00e4user, dazwischen alte, niedrige Geb\u00e4ude sowie zahlreiche Baustellen. Allm\u00e4hlich nimmt aber \u00fcppige tropische Natur \u00fcberhand.\u00a0Wir fahren vorbei an endlose Plantagen mit sich im Winde wiegenden Kokos-palmen. Die breit ausf\u00e4chernden Blattkronen werden von hohen, erstaunlich schlanken St\u00e4mmen getragen.<\/p>\n<p>Ab und zu hat es kleine H\u00e4user vor denen grosse B\u00fcsche von Poinsettia \u201ebl\u00fchen&#8220;, aber nicht mit den roten Insekten-Lockbl\u00e4ttern, welche die bei uns vor Weihnachten verkauften Topfpflanzen haupts\u00e4chlich zeigen. In Brasilien sind diese Str\u00e4ucher von den \u00e4usseren, hier aprikosenfarbenen Bl\u00e4ttern verziert. Weiss und \u00fcppig bl\u00fchend sind auch oft Plumeria zu sehen. In Brasilien haben diese viel mehr, aber wesentlich kleinere Bl\u00e4tter, als die verwandten Arten in Indien, die Adalberto und ich bisher kannten.<\/p>\n<p>Unvermeidlich leisten auch hier Bougainvillea einen besonders auff\u00e4lligen Beitrag zum Farbenspiel, haupts\u00e4chlich in leuchtend roten T\u00f6nen, anstelle von dem im Tessin bei diesen Kletterpflanzen vorherrschenden Violett.<\/p>\n<p>Die Fahrt dauert viel l\u00e4nger als wir erwartetet hatten. Zuletzt erreichen wir ein unscheinbares Dorf mit einem \u00fcppigen Fr\u00fcchtemarkt im Zentrum. Der viel gepriesene Strand von Paripueira erweist sich jetzt bei Ebbe als eine Kilometer weite Fl\u00e4che von Riffen, auf denen Fischerk\u00e4hne momentan auf dem Trockenen sitzen. Mit solchen K\u00e4hnen k\u00f6nne man in die Lagunen hinausfahren zu nat\u00fcrlich entstandenen Badebecken.<\/p>\n<p>Hier solle es die zweitgr\u00f6ssten Korallenriffe der Welt geben. Eine Behauptung im touristischen Prospekt, dem Adalberto und ich von vornherein wenig Glauben schenkten. Entt\u00e4uscht signalisieren wir dem erstaunten Taxifahrer, er solle umkehren und zur\u00fcck fahren. Infolge der herrschenden Hitze hat ein pl\u00f6tzliches Unwohlsein Adalberto erfasst. Mir dagegen geht es seltsamerweise erstaunlich gut, bin doch ich es normalerweise, der mehr unter Hitze leidet als Adalberto. Nach der \u00fcber zweist\u00fcndigen Fahrt &#8211; in einem Taxi ohne air-condition &#8211; sind wir beide froh, wieder zum Schiff zu gelangen, wo sich Adalberto bald erholen kann.<\/p>\n<p>Am <strong>Freitag, 6. Dezember<\/strong> landen wir um 09.00 in <strong>Salvador de Bahia<\/strong>. Amerigo Vespucci entdeckte im Jahre 1501 den K\u00fcstenstreifen, auf dem die koloniale Hauptstadt von Brasilien entstand. Sie musste diesen Titel aber 1763 an Rio de Janeiro \u00fcbergeben. Die heute 3&#8217;500 000 Einwohner z\u00e4hlende Stadt ist die dritt-gr\u00f6sste nach Sao Paolo mit 11&#8217;000 000 und Rio de Janeiro mit 6&#8217;000 000 Einwohnern.<\/p>\n<p>Im dichten Gedr\u00e4nge vieler Ausflugsbusse sowie Taxis auf dem Pier, besteigen wir kurz entschlossen ein Fahrzeug, das als \u201efree shuttle bus\u201c vom internationalen Juwelenh\u00e4ndler Stern angeboten wird. Die Stadt besteht aus zwei Ebenen, der \u00e4rmlich wirkenden Unterstadt und der 85 m h\u00f6her gelegenen Oberstadt, zu der auch eine Seilbahn und ein Lift hinauf f\u00fchren. Vor dem Juwelier-Laden angekommen, entfernen wir die uns von dem Stern-Angestellten auf die Hemden aufgeklebten Etiketten des auf schlaue Weise Kunden angelnden Juweliers und\u00a0wir verschwinden, ohne dessen Laden zu betreten.<\/p>\n<p>Wir befinden uns mitten im historischen Zentrum, das dank seiner kolonialen Architektur aus dem 17. bis zum 19. Jh. von der UNESCO zum Kulturellen Welterbe ernannt worden ist. Es hat sch\u00f6ne, bunt bemalte H\u00e4user und zahlreiche pr\u00e4chtige Kirchen. Gegen ein bescheidenes Eintrittsgeld besuchen wir die \u201eIgreja Sao Francisco\u201c. Zuerst durchqueren wir einen weiten leeren Hof, umgeben von einem mit S\u00e4ulen getragen Kreuzgang. Die r\u00fcckseitigen W\u00e4nde sind von grossfl\u00e4chigen Darstellungen biblischer Szenen geschm\u00fcckt. Sie bestehen aus Azulejos, den blau\/weissen, portugiesischen Kacheln.<\/p>\n<p>Bei Betreten der barocken, im 18. Jh. erbauten Kirche, bef\u00e4llt mich ein Lachanfall. Diskret entfernt sich Adalberto. Gl\u00fccklicherweise sind wir alleine in der Kirche und ausser Adalberto st\u00f6rt niemanden mein unm\u00f6gliches Benehmen. Noch nie habe ich ein solches \u00dcbermass an schw\u00fclstiger Prachtsentfaltung gesehen und gleichzeitig als extremen Kitsch empfunden. Dicke, gewundene S\u00e4ulen und alles andere sind durchgehend von Blattgold \u00fcberdeckt.<\/p>\n<p>An die m\u00e4chtigen S\u00e4ulenspiralen sind \u00fcppig fleischige Engelskinder angeklebt. Ihre fetten B\u00e4uchlein sowie die wurstf\u00f6rmigen \u00c4rmchen und Beinchen sind knallig rosa \u00fcbermalt. Die Gesichter zeigen einen \u00fcberraschend b\u00f6sen Ausdruck. Die Decke zieren barocke Gem\u00e4lde.<\/p>\n<p>Franziskus, der bescheidene Heilige, dem diese Kirche geweiht ist, w\u00e4re sicher vor Scham err\u00f6tet, wenn er gesehen h\u00e4tte, was da zu seiner Ehrung an Geld verschleudert worden ist.<\/p>\n<p>Als eine der zahlreichen Kirchen besuchen wir nur noch die nahe gelegene \u201eBasilica do Salvador\u201c. Die zwischen 1657-1672 erbaute Kirche geh\u00f6rte zum Kollegium der Jesuiten. Nach deren Vertreibung wurde diese Kirche vom Erzbischof \u00fcbernommen und zur Kathedrale ernannt. Von aussen ist die grossen Kirche schmucklos. Einen starken Kontrast dazu bilden im Innern die \u00fcppig vergoldeten Alt\u00e4re.<\/p>\n<p>Ein ausgedehntes Geb\u00e4ude neben der Kathedrale &#8211; die ehemalige medizinische Fakult\u00e4t &#8211; beherbergt das \u201eMuseu Afro-Brasileiro\u201c. In Salvador de Bahia sei laut Reisef\u00fchrer der afrikanische Einfluss &#8211; infolge der ehemals massenhaft importierten Sklaven &#8211; noch st\u00e4rker zu sp\u00fcren als irgendwo sonst in Brasilien.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind in den Strassen fast nur dunkle Gesichter zu sehen. Hier haben sich afrikanische Riten mit dem Katholizismus zum Kult des &#8222;Candomble&#8220; vermischt. Aus dem einstigen Kampfsport mit dem sich die Sklaven im Geheimen zu einem eventuellen Aufstand \u00fcbten, entstand auch das &#8222;Capoeira&#8220;, ein zu rhythmischer Musik aufgef\u00fchrtes Kampf-Ballett. Mit kunstvoller Akrobatik werden Spr\u00fcnge, Drehungen und Fusstritte als k\u00e4mpferisch wirkende Bewegungen gezeigt. Wir k\u00f6nnen auf der Strasse zwei solche Darbietungen von jungen sowie nicht mehr jungen, aber erstaunlich beweglichen M\u00e4nnern bewundern.<\/p>\n<p>Ein Taxi bringt uns &#8211; vorbei an dem endlos scheinenden Gemisch von \u00e4rmlichen Baracken und neuen Wolkenkratzern &#8211; zuletzt zum Botanischen Garten, der gleichzeitig den Zoo umfasst. Der Zutritt ist kostenlos, aber trotzdem hat es wenig Leute, ausser einigen Schulklassen. Die K\u00e4fige sind nicht in perfektem Zustand, doch den Tieren scheint es gut zu gehen.<\/p>\n<p>Haupts\u00e4chlich zu sehen sind viele farbenfrohe Papageien sowie die zahlreichen Affenarten S\u00fcdamerikas. Sie sind kleiner als die uns vertrauten afrikanischen Affen &#8211; zum Teil geradezu winzig und possierlich. Ein Paar zweih\u00f6ckriger Kamele erstaunt uns, ist doch das M\u00e4nnchen von einem auffallenden, goldgelben Haarb\u00fcschel gekr\u00f6nt und hat einen gleichfarbigen Haarstreifen entlang der Vorderseite des Halses.<\/p>\n<p>Wir sehen auch eine Art von Leoparden, die nicht viel gr\u00f6sser sind als Katzen. In einem Gehege von Emus hat es ein Gelege von grossen, ungewohnt langen Eiern. Vor allem begeistert uns die Vegetation mit zahllosen, bl\u00fchenden Str\u00e4uchern und B\u00e4umen.<\/p>\n<p>Beim Hafen f\u00fcr Kreuzfahrtschiffe kaufen wir in der grossen Markthalle f\u00fcr<br \/>\nSouvenirs einige Mitbring-Geschenke. Dann gehen wir auf den zerbrochenen Zementplatten des Gehsteigs eine l\u00e4ngere Strecke vorbei an einem anderen Kreuzfahrtschiff bis wir zu unserem gelangen. Offenbar ist eine der sich direkt ins Meer ergiessenden Kloaken verstopft. Neben dem Gehsteig quillt eine schleimige, gr\u00fcnbraune Br\u00fche empor, deren \u00fcbler Geruch uns auf dem Weg bis zum Schiff begleitet.<\/p>\n<p>Bei der Abfahrt ist es bereits dunkel; der \u00dcbergang von Tag zur Nacht geschieht hier relativ rasch. Zur\u00fcckblickend auf die Lichter entlang der K\u00fcste f\u00e4llt auf, dass eine Gruppe nebeneinander stehender Hochh\u00e4user unbeleuchtet bleibt. Offenbar ist in diesem Quartier der Strom ausgefallen, was hier keine seltene Ausnahme zu sein scheint.<\/p>\n<p>Den <strong>Samstag, 7. Dezember<\/strong> verbringen wir &#8222;auf See&#8220;. Am Vormittag beteilige ich mich an einem Kurs f\u00fcr &#8222;stretching&#8220;, der f\u00fcr mich m\u00fchsam ist, was mich \u00e4rgert. So gelingt es mir nicht &#8211; im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern &#8211; im sitzender Haltung mit beiden H\u00e4nden einen Fuss zu umklammern oder wenigstens mit einer Hand zu ber\u00fchren. Adalberto versucht mich &#8211; wie so oft &#8211; damit zu tr\u00f6sten, ich sei doch schon fast 90 Jahre alt und k\u00f6nne froh sein, wie gut es mir angesichts dieser Alters doch gesundheitlich immer noch geht. Er hat sicher Recht, aber ich bedauere sehr, nicht schon viel fr\u00fcher mit generellem Fitness-Training oder mit dem erst k\u00fcrzlich von mir entdeckten Pilates begonnen zu haben.<\/p>\n<p>Am <strong>Sonntag 8. Dezember<\/strong> ankern wir um 09.00 vor <strong>Buzios<\/strong>. Diese Insel bildet Teil eines ausgedehnten Archipels, zu dem auch die grosse Hauptinsel &#8222;Ilhabela&#8220; geh\u00f6rt, die wir am n\u00e4chsten Tag besuchen werden.<\/p>\n<p>Buzios war urspr\u00fcnglich eine Insel mit einem bescheidenen Fischerdorf. Das \u00e4nderte sich schlagartig, nachdem der brasilianische Freund von Brigitte Bardot den ber\u00fchmten Star im Jahre 1964 f\u00fcr eine Woche Urlaub auf die Insel begleitet hatte. Alle Medien berichteten ausf\u00fchrlich dar\u00fcber. So wurde Buzios bekannt und entwickelte sich mit seinen mehr als zwanzig Bade-Buchten zu einem vielbesuchten, brasilianischen Touristenparadies. Heute haben zahlreiche Personen aus Sao Paolo und Rio de Janeiro hier ihre Ferienh\u00e4user. An Brigitte Bardot erinnert dankbar die Benennung von Hotels, Restaurants und Strassen.<\/p>\n<p>Einen f\u00fcr Kreuzfahrtschiffe gen\u00fcgend grossen Hafen gibt es in Buzios nicht. Infolge der flachen Ufer ankert unser Schiff in einiger Distanz zur Insel. Nacheinander bringt die Mannschaft die Passagiere in den bequemen Rettungsbooten zur Insel und dann wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die vielen H\u00fcgel sind mit einer tropischen Vegetation begr\u00fcnt. An allen Stellen mit sch\u00f6ner Aussicht und Meeresblick \u00a0sind Ferienh\u00e4user entstanden.<\/p>\n<p>Kaum haben wir, zwischen der Menge von Touristen, mit einem Spaziergang entlang all der L\u00e4den begonnen, da werden wir aus einem Auto von einem Inder begr\u00fcsst. Mit ihm hatte Adalberto auf dem Schiff in der Sauna geplaudert. Jetzt hat der freundliche Herr zusammen mit seiner Frau einen offenen, uralten 4&#215;4 Wagen gemietet. Er l\u00e4dt uns ein, die beiden freien Pl\u00e4tze zu benutzen. Ich darf mich vorne hinsetzten und Adalberto sitzt hinten neben der Inderin. Sie ist ein perfektes Muster f\u00fcr &#8222;backseat driving&#8220; und gibt ihrem geduldigen Gatten ununterbrochen von hinten richtungsweisende Anleitungen. Dabei hat dieser an sich schon M\u00fche genug, die besch\u00e4digte Schaltung zu bet\u00e4tigen und das laut knatternde Auto in Fahrt zu bringen.<\/p>\n<p>Mehrmals f\u00e4hrt er versehentlich auf Einbahnstrassen in verkehrter Richtung &#8211; bis Autos auf den engen Wegen entgegenkommen. Mit lauten Rufen befielt ihm seine Frau, sofort r\u00fcckw\u00e4rts zu fahren, als k\u00f6nne er dies nicht von selber begreifen.<\/p>\n<p>Wir halten an verschiedenen Aussichtspunkten und Str\u00e4nden. Sie bestehen aus feinem, sehr hellem Sand.\u00a0Das indische Ehepaar lebt in London und er ist als Reflektologe t\u00e4tig. Liebevoll und fachm\u00e4nnisch behandelt er ungefragt w\u00e4hrend einer Kaffeepause meine linke Hand, die sich anschliessend angenehm anf\u00fchlt. Zuletzt verabschieden wir uns von dem netten Paar, das uns herzlich umarmt.<\/p>\n<p>Der Strasse entlang hat es auf einer Strecke von mindestens einem Kilometer lauter kleine L\u00e4den direkt nebeneinander. Angeboten werden haupts\u00e4chlich phantasievoller Schmuck, oder Badebekleidung. Besonders gef\u00e4llt mir ein Schaufenster in dem nur weibliche Hinterteile aus Plastik aufgestellt sind, auf denen &#8222;Badeh\u00f6schen&#8220; angeboten werden. Selbst die Verkleinerung des Wortes gen\u00fcgt eigentlich nicht, handelt es sich doch tats\u00e4chlich nur um Kettchen aus Gold oder um farbige Stoffschn\u00fcre. Bei den hier oft \u00fcppigen weiblichen Hintern verschwinden solche allzu schmalen Bekleidungsteile zwischen den beiden W\u00f6lbungen und man k\u00f6nnte am Strand manchmal glauben, die betreffenden Damen seien nackt. Von der anderen Seite besehen wird man aber eines Besseren belehrt. Hier lenkt ein winziges Dreieck\u00a0&#8211; oft mit gl\u00e4nzenden Metall-Pl\u00e4ttchen oder gl\u00e4sernen &#8222;Juwelen&#8220; verziert &#8211; die Aufmerksamkeit unweigerlich auf die Stelle, die das Stoffst\u00fccklein angeblich verbergen soll.<\/p>\n<p>Ich geniesse ein Bad im angenehm warmen Meer. Adalberto verzichtet darauf und bewacht meine Kleider. Dann spazieren wir barfuss &#8211; dem kilometerlangen Strand entlang &#8211; zur\u00fcck zu den Booten.<\/p>\n<p>Unterwegs kommen wir an einer Bronzestatue von Brigitte Bardot vorbei. Eine Menschenschlange wartet, bis die Bank neben der Statue frei wird, sich die n\u00e4chste Person hinsetzen und den Star umarmen darf, w\u00e4hrend der Partner oder die Partnerin das fotografieren kann. Damit auch die Zeit vor dem Besuch von Brigitte Bardot in Erinnerung bleibt, fischen drei M\u00e4nner, auf einem Steinhaufen im Meer stehend. Sie bestehen aus farbig bemaltem Metall und bildet das zweite, hier unerl\u00e4ssliche Fotomotiv.<\/p>\n<p>Am Montag, 9. Dezember ankern wir vor <strong>Ilhabela<\/strong>. \u00dcbersetzt bedeutend das &#8222;Sch\u00f6ne Insel&#8220;. Die gr\u00f6sste aller brasilianischen Inseln ist mit h\u00e4ufig verkehrenden F\u00e4hrschiffen von dem nur 2,5 km entfernten Festland erreichbar. Bis Sao Paolo sind es von hier 200 km und bis Rio de Janeiro 340 km.<\/p>\n<p>Ilhabela ist mit 30 000 Personen relativ sp\u00e4rlich st\u00e4ndig bewohnt. Aber in der Sommersaison von Mitte Dezember bis Anfang M\u00e4rz kommen \u00fcber 100 000 Urlauber auf die Insel. Sie hat \u00fcber 40 Str\u00e4nde, von denen die meisten nur mit dem Boot und nicht auf Landwegen erreicht werden k\u00f6nnen. Es hat wenige Strassen, von denen viele nur mit einem Jeep befahrbar sind.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6sste Teil der Insel wird von einem tropischen Naturschutzpark eingenommen, aus dem sich mehrere Berge \u00fcber 1000 m hoch erheben. In diesem Tropenwald soll es 360 Wasserf\u00e4lle haben, die teilweise mit Wanderpfaden erreicht werden k\u00f6nnen. Die Insel ist entlang der K\u00fcste von 50 Wracks umgeben. Sechs davon d\u00fcrfen von Tauchern besucht werden.<\/p>\n<p>Das alles t\u00f6nt zwar sehr interessant, aber bei einem Aufenthalt von wenigen Stunden kann man davon nur wenig zu sehen bekommen. Adalberto zieht es vor, auf dem Schiff zu bleiben. Ich dagegen stehe geduldig in der Warteschlange, bis ich mit einem der voll besetzten Rettungsboote die Insel erreiche.<\/p>\n<p>Man wird, wie erwartet, zuerst von lauter Souvenir-L\u00e4den und Restaurants empfangen. Ich spaziere ein wenig der K\u00fcste entlang, besuche die sch\u00f6ne, aussen und innen blau\/weisse, historische Kirche. \u00dcberall k\u00f6nnen riesige tropische B\u00e4ume und farbenfrohe Blumen bewundert werden.<\/p>\n<p>Lebensgrosse, verk\u00e4ufliche menschliche Figuren locken zum Eintritt in ein Gesch\u00e4ft. Diese kitschign Kunstwerke bestehen aus wundersch\u00f6nen, vielfarbigen Marmor-Arten mit schwungvollen Nachbildungen von Stoffen. Die Arme, Beine und K\u00f6pfe sind aus weissem Alabaster eingef\u00fcgt. Es hat Marmor-Damen, die neckisch ein nacktes Knie zeigen, oder fromme Madonnen, deren Gesichter z\u00fcchtig von Marmor-Falten umh\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Das grosse Einrichtungsgesch\u00e4ft verkauft den extremsten Edelkitsch, den ich je gesehen habe: Sitzgruppen werden durch barock ausladende, vergoldete Verzierung r\u00e4umlich wesentlich erweitert. Die Polsterungen sind von Stickereien aus winzigen Perlen bezogen, mit Abbildungen von stolzen Pfauen, bunten Phantasie-Blumen, oder s\u00fcssen Engelchen. Die dazu perfekt passenden, unsinnig kompliziert geformten Tische sind mit verschiedenen Holzarten \u00fcberzogen, wobei das Dekor noch durch verschlungene Messingteile bereichert wird. Nebst vielen anderen faszinierndn Scheusslichkeiten werden auch Zierbrunnen angeboten, bei denen ein lachendes B\u00fcblein dank einer Motorpumpe st\u00e4ndig einem begeisterten M\u00e4dchen Wasser in das bereit gehaltene Eimerchen fliessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auf dem Schiff sollen die Koffer bis sp\u00e4testens Mitternacht fertig gepackt vor die T\u00fcre gestellt werden. Die Kreuzfahrt endet in <strong>Santos<\/strong>. Die Kabine muss schon um 07.00 verlassen werden. Aber erst um 10.30 kann die 200 k\u00f6pfige Reisegruppe aus der Schweiz das Schiff verlassen &#8211; wobei wir noch lange nicht die Letzten sind. Die Koffer erwarten uns auf dem Pier und werden in die vier f\u00fcr uns bereit stehenden Busse verladen. Ich ergattere den Platz ganz vorne im ersten Bus. Die f\u00fcr diesen Bus verantwortliche Reiseleiterin ist die Chefin der drei anderen, deutsch sprechenden Reiseleiterinnen, die sich gegenseitig gut zu kennen scheinen.<\/p>\n<p>Santos hat etwa eine halbe Million Einwohner, ist also f\u00fcr brasilianische Verh\u00e4ltnisse keine besonders grosse Stadt. Dennoch ist Santos die wichtigste Hafenstadt von ganz Latein Amerika. Zuerst durchfahren wir den vermutlich h\u00e4sslichsten Teil der Stadt &#8211; und das will etwas heissen!<\/p>\n<p>Die Fahrstrecke bis <strong>Sao Paulo<\/strong> betr\u00e4gt 80 km und erweist sich als unerwartet sch\u00f6n. Sie f\u00fchrt \u00fcber eine gebirgige, fast unbewohnte Landschaft. Die beiden, nach Fahrtrichtung getrennten, meist nicht parallel verlaufenden Strassen sind je dreispurig. Hohe Viadukte wechseln ab mit Tunnels. Alles ist von einem tropischen Urwald bewachsen, der laut der Reiseleiterin gesch\u00fctzt ist und nur mit besonderer Erlaubnis betreten werden darf. Es habe darin \u00a0Affen, Schlangen, Papageien und viele Wasserf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Die Reiseleiterin erz\u00e4hlt Interessantes \u00fcber sich selber. Offenbar hat es in Brasilien zahlreiche Siedlungen, in denen Auswanderer gleicher Herkunft recht isoliert von der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkrung leben; besonders viele Italiener, Deutsche, aber auch Chinesen und Japaner. Etwa f\u00fcnf Millionen Menschen sind in den letzten beiden Jahrhunderten allein aus Deutschland nach Brasilien ausgewandert. Von diesen sprechen anderthalb Millionen immer noch Deutsch als Muttersprache.<\/p>\n<p>Schon die Grosseltern der Reiseleiterin sind nach Brasilien gekommen, doch weder diese, noch die Eltern der Reiseleiterin haben je portugiesisch zu sprechen gelernt. Das war ja im Geburtsort dieser akzentfrei deutsch sprechenden Brasilianerin auch gar nicht n\u00f6tig. Nur Deutsch wurde in den L\u00e4den gesprochen, die Zeitungen und das Fernsehen waren in deutscher Sprache. Erst nachdem sie als 25-j\u00e4hrige nach Sao Paulo umgezogen sei, habe sie begonnen, fliessend portugiesisch zu sprechen. Es gibt offenbar in Brasilien noch rund ein Dutzend dieser isolierten, deutsch gebliebenen Siedlungen. \u00c4hnliches gilt offenbar auch f\u00fcr Auswander-Siedlungen anderer Nationen.<\/p>\n<p>Sao Paulo hat eine offiziell auf 11 Millionen gesch\u00e4tzte Bev\u00f6lkerung. Genaue Zahlen gibt es nicht, da viele Menschen ein illegales Dasein fristen und nirgends angemeldet sind. F\u00fcnf Vororte umgeben die riesig Stadt, mit der sie nun zu einer gesamten \u00fcberbauten Fl\u00e4che zusammen gewachsen sind. Zusammen mit diesen ehemaligen Vororten erh\u00f6ht sich die Einwohnerzahl von Sao Paulo auf\u00a018 Millionen.<\/p>\n<p>Die an sanften H\u00fcgeln aufsteigenden H\u00e4usermassen wirken von Weitem als Ganzes romantisch. Aus der N\u00e4he erkennt man jedoch, dass es sich um ein geradezu unvorstellbares Chaos handelt. Die H\u00e4user werden laut Reisef\u00fchrerin von den meisten Leuten eigenh\u00e4ndig und st\u00fcckweise gebaut, sobald sie wieder etwas Geld zum Kauf von Backsteinen haben. Die aufgeschichteten Mauern zu verputzen, oder Glasfenster einzusetzen, dazu reicht das Geld meist nicht. Wenn aber wieder Mittel vorhanden sind, wird einfach irgendwie ein zweites Stockwerk teilweise oder ganz aufgesetzt. Um sogenannte &#8222;Favelas&#8220; handle es sich aber nicht, erkl\u00e4rt die Reiseleiterin, diese best\u00fcnden meist gar nicht aus festen Backsteinw\u00e4nden, sondern bloss aus Brettern oder gar W\u00e4nden aus T\u00fcchern, \u00fcberdacht mit Wellblech.<\/p>\n<p>Je n\u00e4her wir zum Stadtzentrum kommen, je h\u00e4ufiger ragen aus den Fl\u00e4chen mit solchen improvisierten ein- oder zweist\u00f6ckigen Geb\u00e4uden pl\u00f6tzlich hohe, moderne Wohnt\u00fcrme empor.<\/p>\n<p>Der gesetzliche Mindestlohn (f\u00fcr legal angestellte Personen) betrage rund 600 Reals pro Monat umgerechnet etwa 250.- CHF. Die meisten Menschen in Brasilien w\u00fcrden nicht mehr als das verdienen, seien aber dennoch zufrieden, denn schliesslich gibt es ja den Carnaval und man braucht weder warme Kleidung noch Einrichtungen zum Beheizen der Baracken-H\u00e4user.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be aber auch viele reiche Brasilianer. Diese leben in den Wohnt\u00fcrmen und fahren &#8211; was als besonders chic gilt &#8211; neuerdings per Velo zur Arbeit, oder aber &#8211; wie seit jeher gewohnt &#8211; in einem ihrer Autos &#8211; vom fest angestellten Chauffeur gesteuert. Nur wo man glaubt, nicht bekannt zu sein, steuert der Besitzer eines seiner Fahrzeuge selber.<\/p>\n<p>Doch die wirklich Reichen wollen sich dem chaotischen Strassenverkehr nicht aussetzen und erleiden keine langen Wartezeiten in den chronisch verstopften Strassen. Sie bewohnen in den Wohnt\u00fcrmen die obersten Stockwerke. In privaten Helikoptern transportieren sie ihre fest angestellten Piloten vom Dach ihres Wohnturms zum Dach des Wolkenkratzers, in dem sich der Arbeitsort befindet und sp\u00e4ter auf die gleiche Weise wieder zur\u00fcck nach Hause.<\/p>\n<p>Die uns aus dem daran vorbei fahrenden Bus gezeigten Sehensw\u00fcrdigkeiten von Sao Paolo wirken wenig \u00fcberzeugend. Die 10\u2019000 Personen fassende Kathedrale ist von einer ebenso wenig inspirierenden Architektur wie auch die der Regierungsgeb\u00e4ude. Interessant ist es dagegen, den Gegensatz zwischen den verschiedenen Quartieren zu beobachten. Eines ist ganz japanisch. Die Japaner haben unter anderem Orchideen aus dem brasilianischen Urwald in ihre Heimat gebracht, daraus hochwertigen Sorten gez\u00fcchtet, die sie nun in Brasilien anbauen und damit ganz S\u00fcdamerika beliefern &#8211; was ausgewanderte Holl\u00e4nder mit Blumenzwiebeln tun.<\/p>\n<p>Wir halten zuletzt vor der riesigen Markthalle. Die traditionelle Architektur beeindruckt mehr als die der Kathedrale und der Regierungspal\u00e4ste. Die Ausg\u00e4nge des Riesengeb\u00e4udes sind nummeriert, damit man sich nicht verirrt. Das Innere ist von Strassen durchquert, beidseitig durchgehend ges\u00e4umt von offenen L\u00e4den und Speisest\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die ausgestellten Fr\u00fcchte sind von einer erstaunlichen Vielfalt und Qualit\u00e4t. Wie die Reiseleiterin schon im Bus vorausgesagt hat, ist es Sitte, den als Fremde erkenntlichen Personen Kostproben anzubieten, ohne dass dabei ein Kauf erwartet wird. Tats\u00e4chlich werden uns ungew\u00f6hnlich grosse Kirschen und schmackhafte Erdbeeren fast in den Mund gedr\u00fcckt. Eifrig sch\u00e4lt ein Mann uns unbekannte Fr\u00fcchte, die wir auch noch unbedingt probieren m\u00fcssen. Wirklich bemerkenswert, diese \u00fcberaus freundliche Sitte.<\/p>\n<p>Adalberto bestellt einen knusprig in \u00d6l gebackenen Teigbeutel, so gross wie ein Teller, gef\u00fcllt mit Crevetten. Wir verzehren die fettigen Kalorien an einem der Stehtische. Zwei M\u00e4nner reden vom Nebentisch auf Adalberto ein und sind begeistert, dass er aus Italien kommt. Sie beginnen auf Portugiesisch ein f\u00fcr ihn nur halbwegs verst\u00e4ndliches Gespr\u00e4ch \u00fcber die Fussball-Mannschaften Milan und Inter. Adalberto antwortet so gut es geht, obwohl er kein Fussballfanatiker ist.<\/p>\n<p>Gleichzeitig beobachte ich, wie eine Gruppe schwarz uniformierter M\u00e4nner langsam auf uns zukommt. Mehrere der M\u00e4nner haben grosse Fernseh-Kameras, andere tragen Scheinwerfer oder Mikrophone an langen St\u00e4ben. Zwischen ihnen erblicke ich eine junge Frau. W\u00e4hrend sie sich n\u00e4hert erkenne ich, dass es sich um eine wahre Sch\u00f6nheit handelt.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erstrahlt Adalberto, hell von Scheinwerfern beleuchtet. Die Frau geht auf ihn zu und will wissen &#8222;Where do you come from ?&#8220;. Adalberto gibt sich als Italiener zu erkennen und wird gebeten, auf Italienisch zu sagen wie ihm Brasilien gef\u00e4llt. Geschickt l\u00fcgt Adalberto wie sehr ihn dieses Land begeistert. Dann ist die Reihe an mir. Nachdem ich aus der Schweiz komme, meint die offensichtlich nicht nur sch\u00f6ne, sondern auch gebildete Frau, dann k\u00f6nne ich sicher auf Deutsch und Franz\u00f6sisch ins Mikrophon sagen, was ich von Brasilien halte. Auch ich erfinde lobende S\u00e4tze in beiden Sprachen. Gleich danach verschwindet die bezaubernde Fee inmitten der sie umgebenden M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Die Menge der uns umgebenden Brasilianer tanzen vor lauter Aufregung von einem Bein aufs andere, wedeln wild mit den Armen, schreien einen mir unverst\u00e4ndlich bleibenden Namen und wiederholen begeistert: &#8222;fabulosa, televisao fabulosa, filha nos presidente!&#8220; Erstaunt begreife ich, dass wir offenbar von einer sehr bekannten Fernsehs-Sprecherin interviewt worden sind, die zudem Tochter von Dilma Rousseff ist, der Staatspr\u00e4sidentin von Brasilien. Schade, dass ich die abendliche Fernsehsendung nicht sehen kann. Doch so hat sich ganz unerwartet ein guter Schlusspunkt f\u00fcr das Ende meines Reiseberichts ergeben.<\/p>\n<p>Der Rest der Reise erweist sich als etwas problematisch. Nach dem an sich schon wenig erfreulichen Nachtflug bleiben wir in London stecken. Infolge des dichten Nebels werden 200 Fl\u00fcge gestrichen. Immerhin haben wir Gl\u00fcck, dass nach stundenlangem Warten unser Weiterflug nach Z\u00fcrich zuletzt doch noch starten kann.<\/p>\n<p>Geschrieben im Dezember 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 19 t\u00e4gige Kreuzfahrt mit MSC Magnifica wurde von &#8222;Reisecenter Plus&#8220; schon im M\u00e4rz fr\u00fchzeitig und zu einem besonders g\u00fcnstigen Preis angeboten. Sie begann am Samstag, 23. November in Genua und endete am Donnerstag, 12. Dezember 2013 in Sao Paolo. 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