{"id":221,"date":"2016-07-20T14:53:09","date_gmt":"2016-07-20T14:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=221"},"modified":"2019-07-18T19:29:27","modified_gmt":"2019-07-18T19:29:27","slug":"kreuzfahrten-ein-minderwertiges-vergnugen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=221","title":{"rendered":"Sind Kreuzfahrten ein minderwertiges Vergn\u00fcgen?"},"content":{"rendered":"<p><em>Seit jeher dienen Schiffe zum Transport von Waren und Menschen. In den 30-er Jahren begannen einige Reedereien Schiffsfahrten auch zum reinen Vergn\u00fcgen anzubieten. Dabei handelte es sich nicht mehr darum, Personen von einem Ort zu einem anderen, oft entfernten Ort zu transportieren. Statt dessen kehrten die Passagiere wieder zum Hafen des Reisebeginns zur\u00fcck. Solche Schiffsfahrten wurden als Luxus betrachtet und zu recht hohen Preisen angeboten, die sich nur wenige Menschen leisten konnten. Deshalb galten Kreuzfahrten als exklusiv und erschienen einst &#8222;feinen Leuten&#8220; als begehrenswert.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die heutigen Kreuzfahrten\u00a0als Massen-Tourismus<\/strong><\/p>\n<p>Kreuzfahrten sind immer billiger geworden und werden heute als das genaue Gegenteil von &#8222;vornehm&#8220; betrachtet. Ein Snob wird kaum an einer solchen Reise teilnehmen.<\/p>\n<p>Aus den Kreuzfahrten entstand ein stetig wachsender Zweig der Tourismus-Industrie. Besonders seit der Jahrtausendwende werden ununterbrochen neue Kreuzfahrt-Schiffe vom Stapel gelassen. Stets werden sie gr\u00f6sser und k\u00f6nnen immer mehr Passagiere aufnehmen. So entstand ein starker Konkurrenzdruck, der die Preise fast unglaublich tief fallen liess.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird heute den Passagieren vieles geboten, wovon die einstigen Luxus-Touristen nicht einmal tr\u00e4umen konnten. Sie schaukelten auf den damaligen, im Vergleich zu heute geradezu zwerghaften Schiffen. Bei starkem Wellengang mussten fr\u00fcher viele Passagiere erbrechen. Die heute riesig gewordenen &#8222;schwimmenden Ferieninseln&#8220; durchqueren auch von St\u00fcrmen aufgepeitschte Meere bemerkenswert ruhig. Seekrankheiten sind zu eher seltenen Ausnahmen geworden.<\/p>\n<p>Kreuzfahrten bieten also heute den Passagieren wesentlich mehr Komfort und kosten im Vergleich zu fr\u00fcher nur einen Bruchteil. Doch weil daraus eine solche Massen-Industrie entstanden ist, betrachten jetzt viele Menschen Kreuzfahrten mit Verachtung und finden sie minderwertig. So denken vor allem Leute, die selbst noch nie eine Kreuzfahrt erlebt haben, weil ja so etwas f\u00fcr sie von vornherein gar nicht in Frage kommt.<\/p>\n<p><b>Pers\u00f6nliche\u00a0Eindr\u00fccke<\/b><\/p>\n<p>In der folgenden Schilderung meiner Erlebnisse bei einer Kreuzfahrt mit &#8222;Carnival Liberty&#8220; finden Snobs Best\u00e4tigungen f\u00fcr ihre Vorurteile gegen\u00fcber Kreuzfahrten. Sollen sie diese ruhig weiterhin als unterste Stufe des modernen Tourismus betrachten. Allerdings muss ich zugeben, dass die Reise mit &#8222;Carnival Liberty&#8220; auch f\u00fcr mich ein wenig gew\u00f6hnungs-bed\u00fcrftig gewesen ist.<\/p>\n<p>Bei der Beobachtung von Sitten und Gebr\u00e4uchen gewisser Schiffspassagiere l\u00e4sst sich die eigene Toleranz gegen\u00fcber anderen Menschen und deren bisweilen ungewohntem Verhalten erkunden. F\u00fcr mich scheint das jedenfalls sehr interessant und es bereitet mir Spass, die Kreuzfahrt mit &#8222;Carnival Liberty&#8220; zu beschreiben.<\/p>\n<p>Die Besuche tropischer Paradiese bildeten f\u00fcr Adalberto und mich den Grund zu dieser Reise. Dagegen hat das Leben auf den Kreuzfahrtschiffen zwischen den Landungen f\u00fcr uns wenig Bedeutung. Dennoch beschr\u00e4nke ich mich nachfolgend ausschliesslich auf diesen Aspekt der Reise. Die grossartigen Naturerlebnisse bei Besuchen von tropischen Inseln und Ferienparadiesen k\u00f6nnen Filme von &#8222;National Geographic&#8220; oder die meisterhaften Sendungen der BBC \u00fcber Pflanzen und Tiere viel eindr\u00fccklicher vermitteln, als mir das bloss mit einem beschreibenden Text gelingen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>So f\u00e4ngt es an<\/strong><\/p>\n<p>Der Beginn der Kreuzfahrt in Miami ist etwas m\u00fchsam. Es dauert n\u00e4mlich anderthalb Stunden, um in der endlos scheinenden Menschenschlange vom Quai durch das Aufnahmegeb\u00e4ude zuletzt ins Schiff zu gelangen. Unterwegs gibt es die verschiedensten Kontrollen, dank denen weder blinde Passagiere noch Waffen oder Drogen ins Schiff gelangen sollen. Unter anderem muss man die Schuhe ausziehen und wird abgetastet. Obwohl all das wenig erfreulich ist, so k\u00f6nnen solche Massnahmen doch das positive Gef\u00fchl erh\u00f6hter Sicherheit vermitteln.<\/p>\n<p>Zu den verschiedenen Kontrollstellen gilt es &#8211; zwischen den im Zickzack aufgestellten Abschrankungen &#8211; langsam voranzuschleichen. Bei der letzten Station sind nicht weniger als zwanzig Schalter aufgereiht. Nacheinander werden Passagiere an eine gerade frei gewordene Empfangsperson \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p>Anschliessend an die als &#8222;herzlich&#8220; einge\u00fcbte Begr\u00fcssung &#8211; mit erneuter Namenskontrolle &#8211; bekommt man ein pers\u00f6nlich ausgestelltes Plastik-K\u00e4rtchen. Dies ist der Schl\u00fcssel zur reservierten Kabine und dient gleichzeitig auf dem Schiff als ausschliesslich anerkanntes Zahlungsmittel.<\/p>\n<p><strong>Das Schiff<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Carnival Liberty&#8220; hat vier Sterne und geh\u00f6rt mit 24 anderen Schiffen zu den Carnival Cruise Lines. Die Liberty wurde 2005 vom Stapel gelassen, ist 290 m lang und hat 13 Decks. Sie bietet Platz f\u00fcr 3&#8217;000 G\u00e4ste. Die Besatzung umfasst zus\u00e4tzliche 1&#8217;200 Personen aus 60 verschiedenen Nationen.<\/p>\n<p>Die Fahrt teilen wir mit rund 2&#8217;800 Passagieren. Es ist bei Kreuzfahrten kein Wunder, dass sie so gut gebucht sind. Der Basispreis entspricht meist ungef\u00e4hr einem Hotelaufenthalt mit Vollpension, wobei bei einer Kreuzfahrt sehr viel mehr geboten wird.<\/p>\n<p>Bei Buchungen lange zum Voraus werden Rabatte zu 70 % und mehr auf den Listenpreis angeboten. Aus Gespr\u00e4chen mit einem Mitreisenden erfahre ich, er habe die Kreuzfahrt im Internet als &#8222;last minute&#8220; zum extrem niedrigen Preis von nur $150.- buchen k\u00f6nnen. (Allerdings f\u00fcr eine der von mir generell nicht\u00a0als\u00a0akzeptabel betrachteten, fensterlosen Innenkabinen).<\/p>\n<p><strong>Viele verf\u00fchrerische Angebote \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Reedereien k\u00f6nnen es sich offenbar leisten, die eigentliche Reise auch unter den Selbstkosten anzubieten. Das grosse Geld wird n\u00e4mlich mit all dem verdient, was zus\u00e4tzlich angeboten und eifrig genutzt wird. Wie verf\u00fchrerisch sind doch f\u00fcr viele Menschen: die interne Ladenstrasse mit den Luxus-Boutiquen, der ausgedehnte Wellness-Bereich, die st\u00e4ndig angebotenen alkoholischen Getr\u00e4nke, das Spielcasino und die vielen organisierten (teuren)\u00a0Landausfl\u00fcge.<\/p>\n<p>St\u00e4ndig wird Neues offeriert: ,,Today&#8217;s Special Drink&#8220;, besonders verlockende Sch\u00f6nheits-Behandlungen zum \u201eSonderpreis&#8220;, angebliche Rabatte von 30 % auf Luxus-Uhren, Marken-Parf\u00fcms und Bekleidungs-Artikel (nat\u00fcrlich ohne Hinweis auf die vorherigen, willk\u00fcrlichen Preisaufschl\u00e4ge). Wie kann man solch \u201eg\u00fcnstigen&#8220; Angeboten widerstehen? Man braucht ausserdem auf dem Schiff kein richtiges Geld auszugeben. Es gen\u00fcgt, das Plastik-K\u00e4rtchen vorzuzeigen, das auch Kabinenschl\u00fcssel ist. Dank freudiger Ferienstimmung kommt da schnell allerhand zusammen. H\u00e4ufig ist es zuletzt mehr, als die so g\u00fcnstig angebotene Kreuzfahrt bei der Buchung gekostet hat.<\/p>\n<p><strong>Der Empfang<\/strong><\/p>\n<p>In der Mitte der &#8222;Carnival Liberty&#8220; findet sich die acht Stockwerk hohe Empfangshalle. Von einem Mitglied der Besatzung werden wir in einer derart liebensw\u00fcrdigen Weise begr\u00fcsst, dass wir das bisher Ausgestandene schnell vergessen. Zweifellos handelt es sich um gut eingeschulte und standardisierte Begr\u00fcssungsfragen; wie die Anreise gewesen sei, wie man sich f\u00fchle, ob man bereits irgendwelche W\u00fcnsche habe?<\/p>\n<p>An den W\u00e4nden der hohen Eingangshalle schweben Liftkabinen auf und ab, die auf drei Seiten verglast sind. Wir werden von einem Besatzungsmitglied &#8211; wieder in freundlichster Weise &#8211; zu unserem Deck hinaufbegleitet, wo wir durch einen endlos scheinenden Korridor zu der f\u00fcr uns reservierten Kabine gelangen.<\/p>\n<p>Es wird uns gezeigt, wie sich die T\u00fcre mit dem Plastik-K\u00e4rtchen m\u00fchelos \u00f6ffnen l\u00e4sst, welche Lichter automatisch aufleuchten und welche man separat einschalten kann. Dann wird uns erkl\u00e4rt, wie man die K\u00fchlung der Luft reguliert.\u00a0Kaum alleine gelassen, haben wir aber den Apparat gleich f\u00fcr die ganze Reise\u00a0abgeschaltet. Gerne verzichten wir auf die von Amerikanern innerhalb von R\u00e4umen als w\u00fcnschenswert betrachtete Eisesk\u00e4lte &#8211; besonders wenn draussen &#8211; als starker Kontrast &#8211; tropische Hitze herrscht.<\/p>\n<p>Abgeschlappt nach all dem \u00dcberstandenen lassen wir uns auf die Betten fallen. Doch lange ist uns die Erholung nicht verg\u00f6nnt. An der T\u00fcre wird sachte, aber anhaltend geklopft. Wir m\u00fcssen aufstehen, die T\u00fcre \u00f6ffnen und von der f\u00fcr unsere Kabine zust\u00e4ndige Philippinerin einen Begr\u00fcssungs-Schwall mit lauten Ausrufen entgegen nehmen. Das Ritual vollzieht sie so, als w\u00e4ren wir gute Freunde, die sich nach langer Zeit wiedersehen. (Wirklich perfekt diese konsequente Einschulung des gesamten\u00a0Personals auf \u00fcberstr\u00f6mende Freundlichkeit!).<\/p>\n<p>Nachdem die Philippinerin kontrolliert hat, ob unsere Sanit\u00e4r-Einrichtung\u00a0mit der vorgeschriebenen Seife, Shampoo, Kleenex usw. korrekt best\u00fcckt ist und sich mit erneuten Freuden-Schreien verabschiedet hat, hoffen wir, die ersehnte Ruhepause endlich geniessen zu d\u00fcrfen. Sie wird aber erneut unterbrochen. Ein Tr\u00e4ger scheint ganz begeistert zu sein, die Ehre und das Vergn\u00fcgen zu haben, uns die Koffer bringen zu d\u00fcrfen. Angesichts all dieser so perfekt inszenierten Gastfreundschaft beginnen wir uns im Vergleich als miese Sauert\u00f6pfe vorzukommen .<\/p>\n<p>Zum besseren Verst\u00e4ndnis sei erw\u00e4hnt, dass Carnival &#8222;all-inclusive cruises&#8220; anbietet. Dabei wird ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen, dass die Trinkgelder im Gesamtpreis bereits inbegriffen sind. Unabh\u00e4ngig von entsprechender zus\u00e4tzlicher Entlohnung rezitiert also das Schiffspersonal die perfekt eingespielte Rolle einer fast \u00fcbersch\u00e4umenden Freundlichkeit; eine der wirkungsvollen Massnahmen, um die Passagiere zu begl\u00fccken. Wie grundlegend anders beim Personal fast aller Hotels und Restaurants auf dem Festland ! Das L\u00e4cheln wirkt oft erzwungen, der Blick bewusst abgewendet, \u00a0um nicht zu verraten, man warte nur geduldig, bis endlich das Portemonnaie gez\u00fcckt und das Almosen erteilt wird.<\/p>\n<p><strong>Schwarze und Weisse als Passagiere<\/strong><\/p>\n<p>Wie zu erwarten sind bei einer Kreuzfahrt ab Miami die meisten Passagiere Amerikaner. Vermutlich sind dank dem speziellen Konzept von Carnival- Kreuzfahrten\u00a0etwa zwei Drittel Schwarze und ein Drittel Weisse. F\u00fcr mich ist es eine ungewohnte und deshalb interessante Erfahrung, als Weisser mehrheitlich von so genannt &#8222;schwarzen Personen&#8220; umgeben zu sein.<\/p>\n<p>Dank den Schwarzen bleibt die Atmosph\u00e4re der ganzen Kreuzfahrt lauter, lebhafter, einfach fr\u00f6hlicher. Das ist besonders intensiv, wenn sich gr\u00f6ssere Gruppen von ihnen ansammeln, beispielsweise vor den Toren der beiden riesigen Restaurants, bevor diese jeweils p\u00fcnktlich ge\u00f6ffnet werden. Es wird laut und freudig gelacht. Manchmal ert\u00f6nt begeistertes Geschrei &#8211; Jemand muss wohl etwas besonders Lustiges erz\u00e4hlt haben.<\/p>\n<p>Die Weissen stehen dabei meist stumm, mit abweisenden, etwas verkniffen wirkenden Gesichtern inmitten der Schwarzen. Deutlich ist zu sp\u00fcren, dass unter den Amerikanern verborgener Rassismus immer noch schwelt, auch wenn dies nicht &#8222;politically correct&#8220; ist und deshalb nie in negativen Worten ge\u00e4ussert wird.<\/p>\n<p>Die Behauptung, alle Menschen seien gleich, ist ein M\u00e4rchen. Es kann nicht weggeredet werden, dass betr\u00e4chtliche Unterschiede zwischen Schwarzen und Weissen bestehen. Anderseits sollte man das akzeptieren und tolerieren, statt einfach als nicht vorhanden zu\u00a0verleugnen.<\/p>\n<p>Fasziniert beobachte ich ungewohntes Verhalten. Wenn irgendwo unerwartet Musik ert\u00f6nt, kommen die schwarzen Damen sofort in Schwung. Ihre meist f\u00fclligen K\u00f6rper\u00a0beginnen wie von selbst im Takt der Musik seitw\u00e4rts zu wackeln. Es ist richtig lustig, das zu erleben und ich interpretiere dies als Ausbruch einer stets vorhandenen, starken, inneren Fr\u00f6hlichkeit, die sogar ansteckend wirkt.<\/p>\n<p>Einem Zeitungsbericht konnte ich entnehmen, dass in den U.S.A. etwa ein Drittel der gesamten Bev\u00f6lkerung \u00dcbergewicht aufweist. Bis zum Jahr 2030 soll das sogar auf die H\u00e4lfte aller Amerikaner ansteigen. Unter den schwarzen G\u00e4sten auf dem Schiff ist jedoch der\u00a0Anteil an allzu schweren Personen wesentlich h\u00f6her, besonders unter den Frauen. Einige von ihnen haben ein von mir noch nie gesehenes Volumen, das mich richtig staunen l\u00e4sst. Allein\u00a0der Anblick von derartigen Mitreisenden k\u00f6nnte Kreuzfahrt-Skeptiker von solchen Reisen abhalten.<\/p>\n<p>Mich hat es dagegen wirklich fasziniert, wie diese teilweise geradezu ungeheuerlichen Fleischberge sich \u00fcberhaupt noch fortbewegen k\u00f6nnen. Dazu halten sie den Oberk\u00f6rper fast waagrecht und geben sich Energiesch\u00fcbe mit ausgreifendem Armschwingen. Die Beine werden in weitem Halbkreis von hinten nach vorne geschleudert, um die gewaltigen Oberschenkel zu umrunden. Die F\u00fcsse und die H\u00e4nde dieser Damen haben jedoch normale Gr\u00f6sse und wirken deshalb vergleichsweise \u00e4usserst zierlich. Es bleibt f\u00fcr mich ein R\u00e4tsel, wie ihre kleinen F\u00fcsse das ganze Gewicht tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf den langen G\u00e4ngen zwischen den Aussen- und den Innen-Kabinen kann man sich normalerweise mit entgegenkommenden Personen problemlos kreuzen, oder gem\u00fctlich spazierende Personen \u00fcberholen. Es erweist sich jedoch gelegentlich als nicht m\u00f6glich, an besonders umfangreichen und deshalb nur langsam voranschleichenden Damen vorbeizukommen. Infolge der so riesigen Hinterteile und den seitw\u00e4rts rudernden Armen sind die Korridore nicht breit genug. Hinter den Kolossen bilden sich kleine Schlangen und jeglicher Gegenverkehr bleibt stecken.<\/p>\n<p>Eine wahre Augenweide (ich verwende diesen Ausdruck in vollem Ernst, ohne jegliche Ironie oder gar Spott) sind bei den &#8222;black ladies&#8220; die oft faszinierenden Frisuren. Ich vermute, die kunstvollen Haaraufbauten wurden speziell f\u00fcr die bevorstehende Kreuzfahrt kreiert. Oft ist ein Teil der Haare blond gebleicht und mit schwarz belassenen Haaren zu zweifarbigen Z\u00f6pfchen verflochten. Diese wiederum gab es manchmal versteift und strahlenf\u00f6rmig abstehend zu bewundern .<\/p>\n<p>Andere Damen pr\u00e4sentieren die kleinen Z\u00f6pfe geringelt auf dem Kopf befestigt, der dann von lauter zweifarbigen Kreisen geschm\u00fcckt ist. Generell gilt offenbar als besonders elegant, die typischen Kr\u00e4uselhaare zu strecken, ebenso wie sich weisse Damen ihre geraden Haare oft in Wellen legen lassen.<\/p>\n<p>Eine der schwarzen Sch\u00f6nheiten f\u00e4llt besonders auf. Sie hat die begradigten Haare erst kupferrot f\u00e4rben lassen &#8211; sie ist dabei aber nicht die Einzige. Das Spezielle ist, dass ihre Haare mit Lack bandf\u00f6rmig zusammen-geklebt sind, wodurch sie wie breite, rote\u00a0Nudeln wirkten.\u00a0Es sieht tats\u00e4chlich so aus, als h\u00e4tte man ihr einen Teller italienischer &#8222;tagliatelle al pomodoro&#8220; auf dem Kopf ausgesch\u00fcttet. Zudem ist es dem Haark\u00fcnstler gelungen, ein\u00a0besonders breites und langes Haarband in Form eines Fragezeichens aus der Mitte\u00a0dieser &#8222;Minestra&#8220; etwa 30 cm hoch aufragen zu lassen.<\/p>\n<p>Unter den schwarzen Passagieren gibt es bedeutend weniger M\u00e4nner als Frauen, sch\u00e4tzungsweise ein Viertel zu drei Vierteln. Bei den M\u00e4nnern ist der Anteil der \u00a0\u00dcbergewichtigen im Vergleich zu dem der Frauen weit geringer. Der Grund dazu ist mir unerkl\u00e4rlich. Einige wenige M\u00e4nner tragen stolze &#8222;dreadlocks&#8220;, langes, verfilztes Haar, am Hinterkopf meist durch ein Band zusammengehalten und teilweise\u00a0auf dem R\u00fccken bis zum Beinansatz herunter h\u00e4ngend.<\/p>\n<p>Mit der Absicht, beim Abendessen im Restaurant elegant zu sein, tragen einige der schwarzen Herren einen Hut auf dem Kopf. Andere begn\u00fcgten sich mit einer Schildm\u00fctze, wobei das eigentlich zur Abschattung der Sonne gedachte Schutzschild zum Nacken gekehrt wird.<\/p>\n<p>Doch was soll&#8217;s! Schliesslich ist f\u00fcr gl\u00e4ubige Juden die Kopfbedeckung eine religi\u00f6se Vorschrift. Vor rund hundert Jahren war es doch auch bei weissen Damen angesagt, einen m\u00f6glichst phantasievoll mit Federn von Paradiesv\u00f6geln, Reihern oder Straussen geschm\u00fcckten Hut zu tragen, wenn sie bei einem feudalen Essen modisch auftreten wollten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Fun for all, all for fun&#8220; !<\/strong><\/p>\n<p>So lautet das Motto bei Carnival. Als spezielles Konzept dieser Kreuzfahrten steht &#8222;FUN&#8220; gross geschrieben im Zentrum. Spass muss sein ! 7 \/ 24 ! Die ganze Woche und rund um die Uhr ! Auf dieses Ziel hin ist jedes Detail bei Carnival konsequent programmiert. Allein der Namen der Reederei, Carnival, weist ja schon darauf hin.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen ist begl\u00fcckend, w\u00e4hrend mehreren Tage alles zu vergessen, nur noch Spass zu haben und sich richtig austoben zu k\u00f6nnen. Ich glaube, dass dies besonders bei der schwarzen Bev\u00f6lkerung den Erfolg dieser Reisen begr\u00fcndet. (Gleichzeitig d\u00fcrfte dieses \u00dcbermass an &#8222;fun&#8220; auch viele Menschen davon abhalten, Kreuzfahrten ausgerechnet auf Carnival-Schiffen zu buchen).<\/p>\n<p><strong>&#8222;Fun&#8220; ist wichtig im Theater<\/strong><\/p>\n<p>Jedes gr\u00f6ssere Kreuzfahrt-Schiff muss einen Theatersaal haben. Auf der &#8222;Carnival Liberty&#8220; umfasst dieser drei Stockwerke. Die variablen und raffinierten Beleuchtungs-M\u00f6glichkeiten und die Gr\u00f6sse von B\u00fchne und Orchester-Graben w\u00fcrden dem Theater einer mittelgrossen Stadt auf dem Festland echte Ehre machen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kreuzfahrt gibt es jeden Abend nacheinander zwei Vorstellungen, die meistens so beginnen:\u00a0Nach der schwungvollen Ouvert\u00fcre des 10-Mann Orchesters \u00f6ffnet sich der vielfarbig\u00a0glitzernde B\u00fchnen-Vorhang. Ein &#8222;talk master&#8220; rennt hervor und ruft ins sehr laut eingestellte Mikrophon: <em>&#8222;Are you<\/em> <em>happy all of you, are you having FUN ?<\/em>&#8220; Das Publikum schreit bejahend. Das gen\u00fcgt\u00a0aber nicht. Die Frage wird noch zweimal wiederholt und immer lauter wird zustimmender Beifall gekreischt.<\/p>\n<p>Nun geht es weiter mit st\u00e4ndig laut ausgerufenen Fragen, ob man gl\u00fccklich sei und wirklich Spass habe: <em>&#8222;Are you happy you don&#8217;t have to go to work ?! &#8211; Are you happy you don&#8217;t have to cook your meals ?! &#8211; Are you happy you can eat all you want ?! &#8211; Are you happy you can gamble and use slot machines ?! &#8211; Are you happy you can dance all night ?! &#8222;<\/em> Jede einzelne Frage wird schreiend bejaht.<\/p>\n<p>Zuletzt und besonders laut die\u00a0zusammenfassende Frage: &#8222;<em>Are you happy you<\/em> can <em>have \u00a0FUN \u00a0FUN \u00a0FUN ? !\u00a0<\/em>&#8220; Das Antwortgeschrei wird ohrenbet\u00e4ubend. Viele Leute springen auf vor lauter entfesselter Begeisterung und beginnen die erhobenen Arme nach links und rechts zu schwenken\u00a0und gleichzeitig mit den F\u00fcssen zu stampfen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dem Stimmung machenden &#8222;Aufheizen&#8220; durch den &#8222;talk-master&#8220; stellen B\u00fchnenarbeiter drei je f\u00fcnf Meter hohe Buchstaben aus Schaumstoff auf die B\u00fchne:\u00a0<strong>F \u00a0U \u00a0N<\/strong>. \u00a0Zwischen diesen Riesenbuchstaben erscheinen T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer. Das Orchester setzt in schnellem Rhythmus ein und das Ballett beginnt. Die Choreographie gleicht allerdings eher einem rasch ablaufendem Energieprogramm in einem Fitnessklub. So geht es weiter, das Publikum ist begeistert und hat offensichtlich FUN &#8211; so wie bei allem, was auf diesem Schiff geboten wird.<\/p>\n<p><strong>FUN auch beim Essen<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00fcberreiche Nahrungsangebot ist offensichtlich eine ganz besondere Quelle der Freude. Unter den verschiedenen Futter-Krippen nehmen die vier langen Selbstbedienungs-Buffets eine wichtige Stellung ein. Sie werden t\u00e4glich dreimal komplett abger\u00e4umt und dann wieder mit einer neuen Auswahl von Speisen frisch beladen. Man kann dort die klassische Abfolge von Fr\u00fchst\u00fcck, Mittag- und Abendessen einhalten. Allerdings besteht schon allein das Fr\u00fchst\u00fccks-Bffet aus einer derart grossen Auswahl von kalten und warmen Speisen, dass man sich daraus problemlos auch ein Mittag- und ein Abendessen zusammenstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Langsam schieben sich die Menschenschlangen den vollen Sch\u00fcsseln entlang. Am Ende der Buffets sind die meisten Teller hoch aufget\u00fcrmt mit einer bunten Mischung der verschiedensten Gerichte. Nun gilt es, den \u00fcbervollen Teller zu einem der gerade frei gewordenen Tische balancieren zu k\u00f6nnen. Oft verbleibt dann am Ende der Mahlzeit ein betr\u00e4chtlicher Teil der Speisen auf dem Teller.<\/p>\n<p>Ich bilde mir ein, ich sei ein ziemlich toleranter Mensch. Aber bei diesem Anblick n\u00e4hert sich meine Toleranz ihren Grenzen. Doch sehr schnell verschwinden diese unsch\u00f6nen Reste, gleich weggetragen von dem bestens geschulten, aufmerksamen Personal. Ein s\u00e4ubernder Lappenwisch \u00fcber den Tisch. Schon wieder ist ein vollgeladenes Tablett im Anmarsch.<\/p>\n<p>Ausser den vier langen Buffets sorgen weitere Nahrungs-Quellen daf\u00fcr, dass die G\u00e4ste nicht verhungern m\u00fcssen:\u00a0Zur Auswahl gibt es eine Pizzeria, einen &#8222;cake corner&#8220;, eine &#8222;wok-kitchen&#8220;, sowie Ausgabestellen f\u00fcr echtes amerikanisches &#8222;fast food&#8220;: Hamburgers und &#8222;hot dogs&#8220; &#8211; das\u00a0sind eine Art Wiener W\u00fcrstchen, vollgeschmiert mit Ketchup und Senf, eingeklemmt in kleinen Semmeln .<\/p>\n<p>An verschiedenen Stellen im Schiff kann man w\u00e4hrend 24 Stunden Kaffee oder Tee tanken sowie allerhand S\u00e4fte und Eiswasser. Auch hat es Apparate f\u00fcr &#8222;soft-ice&#8220;. Bei Hebeldruck quillt eine s\u00fcsse, weiche Masse hervor, je nach Wahl von roter, weisser oder brauner Farbe.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu all den bisher aufgez\u00e4hlten Futter-Stellen gibt es vor allem noch zwei doppel-st\u00f6ckige Speises\u00e4le. Sie sind nach der jeweiligen Grundfarbe ihres \u00fcppigen und bemerkenswert\u00a0kitschigen Dekors als &#8222;Golden Restaurant&#8220; oder a1s &#8222;Silver Restaurant&#8220; benannt. In Beiden ist der riesige Saal auf drei Seiten von einer dar\u00fcber liegenden\u00a0Galerie umrundet, mit vielen weiteren Tischen. Wer (auch) in diesen Restaurants essen will, bekommt zu Beginn der Kreuzfahrt einen Platz zugewiesen, der w\u00e4hrend der\u00a0ganzen Reise reserviert bleibt.<\/p>\n<p><strong>Kellner als Kameraden<\/strong><\/p>\n<p>Man wird von dem f\u00fcr den Tisch zust\u00e4ndigen Kellner mit H\u00e4ndedruck begr\u00fcsst. Dabei gilt es in sympathisch demokratischer Weise den eigenen Vornamen mit dem des Bedienungspersonals auszutauschen. Fortan wird man jeweils mit dem freudigen Ausruf begr\u00fcsst: &#8222;<em>Hello Ivaaaan<\/em> ( oder <em>Hello Bertoooo<\/em>) how are you <em>TODA-Y<\/em> ?&#8220; Das letzte Word wird stark betont, so als w\u00e4re gerade heute ein besonders gl\u00fccksbringender Tag. Die Schulung des Personals ist wirklich perfekt. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass f\u00fcr manche G\u00e4ste, die nicht aus den U.S.A. kommen, diese betonte Familiarit\u00e4t des Personals recht ungew\u00f6hnlich sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Menus\u00a0mit vielen\u00a0<\/strong><strong>Gerichten<\/strong><\/p>\n<p>Die Speisekarte im &#8222;goldenen&#8220; und im &#8222;silbernen&#8220; Speisesaal sind einem erstklassigen Hotelrestaurant durchaus ebenb\u00fcrtig. Dabei gibt es zu jeder Mahlzeit vier G\u00e4nge, jeweils mit einer Auswahl mehrerer Gerichte, darunter stets auch ein fleischloses.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nglich hat es mich erstaunt, dass nicht alle G\u00e4ste das feine Essen im Restaurant geniessen. Der Grund ist offenbar, dass man im Restaurant nur eine gewisse (keineswegs knappe) Portion von jedem Gang serviert bekommt. Dabei sollte das eigentlich kein Problem sein. Ich kann n\u00e4mlich beobachten, dass man sich auch im Restaurant richtig vollstopfen kann, wenn man das will. Einige G\u00e4ste bestellen einfach pro Gang gleichzeitig zwei verschiedene der angebotenen Gerichte. Ohne eine Miene zu verziehen stellt dann der gut geschulte Kellner einfach beide Teller nebeneinander auf den Tisch. Der Gast kann dann abwechselnd mal links mal rechts zugreifen .<\/p>\n<p><strong>Singende und tanzende Kellner<\/strong><\/p>\n<p>Fast jeden Tag gibt es beim Abendessen irgendwelchen &#8222;fun&#8220;. Die Lichter gehen aus. Ein Scheinwerfer beleuchtet einen von mehreren Kellnern gebildeten Chor. Sie\u00a0intonieren einen bekannten Schlager und viele G\u00e4ste singen begeistert mit.<\/p>\n<p>Ein anders Mal laden alle Kellner pl\u00f6tzlich die speisenden Damen zu einem T\u00e4nzchen zwischen den Tischen ein. Sie w\u00e4hlen &#8211; gut geschult &#8211; vor allem \u00e4ltere Ladies, die dadurch offensichtlich begl\u00fcckt werden. Oder die G\u00e4ste werden eingeladen. eine\u00a0Menschenkette zu bilden, wobei man jeweils beide H\u00e4nde auf die Schultern der voran laufenden Person ergreift. So schl\u00e4ngelt sich die jubelnden Schar zur lauten Musik kreuz und quer durch den Saal.<\/p>\n<p>Ja, es ist wirklich viel &#8222;fun&#8220; mit Carnival zu reisen &#8230;.. sofern man als besonderes\u00a0Feriengl\u00fcck diesen perfekt organisierten &#8222;fun&#8220; nicht nur zu ertragen, sondern sogar richtig zu geniessen vermag !<\/p>\n<p><strong>Wie soll das weitergehen<\/strong><\/p>\n<p>Abschliessend noch einige generelle Angaben: Die gr\u00f6ssten aller Kreuzfahrt-Schiffe geh\u00f6ren den Royal Caribbean Cruises mit Hauptsitz in Miami, Florida. \u00a0\u00a0Im Jahre 2009 lief die &#8222;Oasis of the Seas&#8220; vom Stapel. Ein Jahr darauf folgte das Zwillings-Schiff &#8222;Allure of the Seas&#8220;. (Alle Schiffe dieses Unternehmens tragen zum Namen den Zusatz,, &#8230; of the Seas&#8220;). Die beiden soeben erw\u00e4hnten bieten Platz f\u00fcr je 5400 Passagiere.<\/p>\n<p>In der Mitte beider Riesen findet sich der mit echten B\u00e4umen bepflanzte \u201eCentral Park&#8220;. Bisher hatte man die Wahl zwischen Kabinen mit Meeresblick auf den beiden Schiffsseiten, oder aber fensterlose Innenkabinen. Als Neuheit hat es in diesen beiden Schiffen auch Kabinen, bei denen man aus 15 Stockwerken zur Gr\u00fcnanlage in der Mitte des Schiffs\u00a0herunterblickt.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum \u00fcblichen Angebot auf Kreuzfahrtschiffen hat es bei diesen Beiden auch eine 12 m hohe Kletterwand, ein Becken mit k\u00fcnstlichem Wellengang f\u00fcr &#8222;Surfboarder&#8220; und einen Mini-Golf. \u00a0Neu sind ferner die Kunsteisbahn und das Aqua Theater, die auch f\u00fcr Schauspiele dienen: Tanz-Akrobatik auf Schlittschuhen sowie Wasser-Ballett oder kunstvolle Spr\u00fcnge vom Turm.<\/p>\n<p>Aus dem Internet l\u00e4sst sich entnehmen, dass noch gewaltigere Monstren als Drillinge auf uns zukommen: Im Herbst 2014: &#8222;Quantum oft he Seas&#8220;, im Jahr danach &#8222;Anthem of the Seas&#8220;, 2016 gefolgt von einem gleichen, aber noch namenlosen Schiff. Bereits kann man im Internet Einiges sehen, was da geboten werden soll. Auf der noch im Bau befindlichen Quantum konnten n\u00e4mlich schon kleine Filme gedreht werden.<\/p>\n<p>Beispiel: ein tapferer Grossvater und ein ebenso wild entschlossenes Grossm\u00fctterchen lassen sich vom Bedienungspersonal an H\u00e4nden und F\u00fcssen ergreifen. Dann werden die betagten Herrschaften jubelnd auf ein grosses rundes Loch geschleudert. Statt darin zu versinken, ruhen sie nun mit ausgestreckten Armen und Beinen genussvoll dar\u00fcber schwebend &#8211; getragen von einem kr\u00e4ftigen Luftstrom.<\/p>\n<p>Ein bogenf\u00f6rmig durchh\u00e4ngendes Drahtseil ist befestigt zwischen dem Deck und einem tief darunter liegenden Stockwerk. Experimentierfreudige Personen, bekleidet mit einem Sturzhelm, lassen sich oben anketten und werden nach dem Hinuntersausen von anderem Bedienungspersonal sanft umfasst und sorgf\u00e4ltig wieder Iosgekettet.<\/p>\n<p>Weniger abenteuerliche, jedoch m\u00f6glichst schwindelfreie Personen begeben sich auf dem obersten Deck in die verglaste Kugel, befestigt unter einem weit ausgreifenden Tr\u00e4ger. Darin umkreisen sie langsam das ganze Schiff &#8211; 100 m hoch \u00fcber dem Meer.<\/p>\n<p>Trotz all diesen f\u00fcr viele Menschen als verlockend erscheinenden Angeboten kann man sich doch ernsthaft fragen, ob solche Mega-Kreuzfahrten \u00fcberhaupt noch sinnvoll sein werden. Bei der noch viel gr\u00f6sseren Anzahl von Passagieren wird vielleicht das Ein&#8211; und Aus-schiffen zuletzt unertr\u00e4glich lang dauern. Bei dem \u00fcberreichen Unterhaltungs-Angebot werden die Passagiere oft lieber auf dem Schiff bleiben, statt f\u00fcr Landausfl\u00fcge Zeit und Geld zu verschwenden.<\/p>\n<p>Vielleicht werden die schwimmenden Riesen zuletzt einfach bewegungslos verankert, wie das bereits bei der historischen RMS Queen Mary geschehen ist. W\u00e4hrend drei Jahrzehnten, von 1936-1967, \u00fcberquerte sie stolz den Atlantik zwischen Southampton\u00a0und New York. Zuletzt wurde sie als Hotel und Spielcasino vor Kalifornien fest verankert. Auch andere, ehemalige Kreuzfahrtschiffe wurden bereits zu Hotels umfunktioniert und durch schwimmende Br\u00fccken mit dem Festland verbunden.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig wird eine fast unglaubliche Vielzahl von Kreuzfahrten auf allen Meeren unseres Planeten angeboten &#8211; oft zu erstaunlich g\u00fcnstigen Preisen. Je nach pers\u00f6nlicher Einstellung und Toleranz gegen\u00fcber Massen von anderen Passagieren scheint es vielleicht nicht nur ertr\u00e4glich sondern sogar erfreulich, daran teilnehmen. Ebenso\u00a0liessen sich aber Kreuzfahrten auch als nicht akzeptables, billiges und minderwertiges\u00a0Reise-Vergn\u00fcgen beurteilen.<\/p>\n<p>Geschrieben anfangs Dezember 2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit jeher dienen Schiffe zum Transport von Waren und Menschen. In den 30-er Jahren begannen einige Reedereien Schiffsfahrten auch zum reinen Vergn\u00fcgen anzubieten. Dabei handelte es sich nicht mehr darum, Personen von einem Ort zu einem anderen, oft entfernten Ort zu transportieren. Statt dessen kehrten die Passagiere wieder zum Hafen des Reisebeginns zur\u00fcck. 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