{"id":1159,"date":"2016-04-30T08:20:00","date_gmt":"2016-04-30T08:20:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1159"},"modified":"2018-06-09T16:43:00","modified_gmt":"2018-06-09T16:43:00","slug":"kamerun-reise-heimkehr-mit-malaria","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1159","title":{"rendered":"Kamerun-Reise &#8211; Heimkehr mit Malaria"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorwort<\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 1968 war f\u00fcr mich besonders arbeitsreich. Die von mir vor rund zehn Jahren in Z\u00fcrich gegr\u00fcndete Werbeagentur ist inzwischen auf einem H\u00f6hepunkt angelangt. Nur dank intensivster T\u00e4tigkeit gelingt es mir &#8211; mit Hilfe treuer Mitarbeiter\/innen &#8211; die laufenden, stes wachsenden Gesch\u00e4fte zu meistern.<\/p>\n<p>Zur unumg\u00e4nglichen Entspannung fl\u00fcchte ich jedes Wochenende aus Z\u00fcrich ins Tessin. Dort erhole ich mich vom Gesch\u00e4ftsbetrieb mit genussvoller Gartenarbeit &#8211; bis zur k\u00f6rperlichen Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Doch die Kr\u00f6nung meiner Aktivit\u00e4ten ist kreativer Natur: ein architektonisches Hobby. Obwohl Laie auf diesem Gebiet gelingt es mir, schwierige Umbauten zu planen oder neue H\u00e4user zu entwerfen.<\/p>\n<p>Bruno Bellini, ein junger Tessiner, verwirklicht meine Ideen. Ich habe ihn bei der Gr\u00fcndung seines kleinen Bau-Unternehmens finanziell unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Auch daraus ergibt sich eine intensive T\u00e4tigkeit, sowohl f\u00fcr mich als auch f\u00fcr Bruno. Zur Beendigung des 1968 f\u00fcr uns Beide besonders erfolgreichen Arbeitsjahres beschliessen wir, eine abenteuerliche Reise zu unternehmen. Die Wahl f\u00e4llt auf das damals touristisch noch fast unbekannte Kamerun.<\/p>\n<p>Bei der nachfolgenden Reisebeschreibung handelt es sich weitgehend um die Kopie handschriftlicher Notizen in einem Heft, das ich unterwegs als Tagebuch benutzte.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 19.\u00a0Dezember 1968 \u00a0(Z\u00fcrich &#8211; Frankfurt)<\/strong><\/p>\n<p>Wichtigstes Gep\u00e4ckst\u00fcck sind f\u00fcr mich:\u00a030 Ektachrome Filme mit je 36 Aufnahmen und 3kg Bonbons f\u00fcr meine zuk\u00fcnftigen Foto-Opfer.<\/p>\n<p>Um 19.00 fliegen wir von Z\u00fcrich nach Frankfurt. Abendessen im Flugzeug und dann nochmals im Flughafen-Restaurant von Frankfurt.<\/p>\n<p><b>Freitag, 20.Dezember 1968 \u00a0(Frankfurt &#8211; Duala &#8211; Tiko &#8211; Bu\u00e9a)<\/b><\/p>\n<p>Gegen Mitternacht fliegen wir fahrplanm\u00e4ssig mit dem Air-Afrique-Jet von Frankfurt ab.\u00a0Es gibt f\u00fcr uns das dritte Abendessen, dass uns kaum\u00a0mehr schmeckt. Dann versuchen wir, in den engen Sitzen ein wenig zu schlafen. Um\u00a00630\u00a0landen wir in Duala. Hier herrscht ein dichter,\u00a0warmer Nebel.<\/p>\n<p><i>(Duala ist die gr\u00f6sste Stadt von Kamerun\u00a0und war fr\u00fcherHauptstadt des Landes. Seit 1920 ist aber Yahoude die Hauptstadt. Duala liegt am Fuss des\u00a0Kamerunberges\u00a0 im Delta des Kamerun-Flusses Wouri, 24 km vom Meeres-Ufer entfernt. Es ist einer\u00a0der Orte mit den weltgr\u00f6ssten\u00a0Regenmengen)\u00a0.<\/i><\/p>\n<p>Nach einigem Warten gelangen wir von Duala mit dem Flug in einer kleinen Maschine in nur 10 Minuten nach Tiko.<\/p>\n<p>Von Tiko fahren wir mit einem Bus hinauf nach Bu\u00e9a. Das Mountain Hotel Bu\u00e9a \u00a0gef\u00e4llt uns. Alles recht einfach aber sauber, h\u00fcbsche Terrasse,\u00a0eigenes Badezimmer.<\/p>\n<p><em>(Bu\u00e9a liegt auf rund 1000 m.\u00fc.M., am Fuss des &#8222;Mount Cameroon&#8220;, ein etwas mehr als 4&#8217;000 m hoher Vulkan, der h\u00f6chste Gipfel von ganz S\u00fcd-West Afrika).\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Meine\u00a0Zufriedenheit kann auch durch die laut \u00fcber das &#8222;gr\u00e4ssliche Hotel&#8220;<br \/>\nschimpfenden Deutschen nicht\u00a0gemindert werden. Dabei hatte gerade dieses junge Ehepaar,\u00a0das im Flugzeug neben uns sass, nicht nur attraktiv,\u00a0sondern auch intelligent und reise-erfahren gewirkt.<\/p>\n<p><em>(Nachtr\u00e4gliche\u00a0Bemerkung. Das Mountain Hotel Bu\u00e9a galt bis von einem Jahr<\/em><br \/>\n<em>als das beste Hotel in ganz Westkamerun. Dann wurde in der K\u00fcstenstadt Victoria<\/em><br \/>\n<em> das unter deutsch-schweizerischer Leitung stehende Hotel\u00a0Miramar er\u00f6ffnet mit Swimming Pool und l\u00e4rmender Air-Condition, in das\u00a0die Deutschen gleich umsiedeln).<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Bruno sich von der Reise ausruht, gehe ich zu Fuss anderthalb Stunden zum Ortszentrum von Bu\u00e9a. Ich muss Zahnpasta, Seife usw. kaufen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr unglaubliche Motive sehe ich zum Fotografieren! Es \u00fcbertrifft meine k\u00fchnsten Hoffnungen. Dabei scheinen hier die Leute freundlich zu sein und sie sind wohl nicht so foto-scheu wie in Ostafrika. Auch hat es keine Bettel-Bel\u00e4stigungen. Gelegentlich ert\u00f6nen frohe Kinderrufe: &#8222;white man, white man&#8220;, aber es gibt hier keine lawinenartig anwachsenden, schreienden Kinderschw\u00e4rme wie in Kenya.<\/p>\n<p>Erfreulich der allgemeine erste Eindruck &#8211; f\u00fcr afrikanischen Standard: \u00a0Sauberkeit und relativer Wohlstand.<\/p>\n<p>\u00dcberm\u00fcdet nach dem langen Tag sind wir abends bald eingeschlafen. Pl\u00f6tzlich erschallt direkt neben unserem Zimmer \u00fcberlaute Musik. Offenbar gibt es hier jeden Abend Tanz zum schwarzen Beat- und South-America-Style Hausorchester, der gesellschaftliche H\u00f6hepunkt der hiesigen &#8222;besseren&#8220; Bev\u00f6lkerung und der Quelle-Hotelg\u00e4ste. Ich mache Stunk bei der Direktion. Morgen wird das Zimmer gewechselt.<\/p>\n<p>Mein improvisierter Geh\u00f6rschutz ist gegen die Anstrengungen des Orchesters hinter der d\u00fcnnen Wand wenig hilfreich: mit Nivea eingefettetes, am Ende zusammengerolltes Klopapier, fl\u00fcgelf\u00f6rmig aus beiden Ohren vorstehend. Bruno ist sehr erheitert, wie ich &#8211; ehrlich gesagt diesen Lacherfolg erwartend &#8211; so geschm\u00fcckt aus dem Badezimmer komme.<\/p>\n<p>Nach vergeblichen Schlafversuchen ziehe ich mich wieder an und schreibe die ersten Tagebuchnotizen ins neue, gelbe Heft f\u00fcr diese Reise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Samstag, 21. Dezember 1968 \u00a0(Bu\u00e9a &#8211; Victoria &#8211; Bu\u00e9a)<\/strong><\/p>\n<p>Unausgeschlafen &#8211; die laute Kapelle, wenige Meter von unseren Betten, spielte bis sp\u00e4t in die Nacht zum Tanz &#8211; stehe ich fr\u00fch auf. Bruno schl\u00e4ft weiter, w\u00e4hrend ich als einziger Passagier mit dem Safari-Bus nach Victoria fahre.\u00a0Der Chauffeur, ein junger Deutscher, erz\u00e4hlt dauernd von seinen Freuden des Lebens (Saufen und Weiberv\u00f6geln). Er muss in Victoria Leute zum Sightseeing abholen.<\/p>\n<p><i>(Anmerkung beim Abschreiben der Tagebuch-Notizen: Die Hafenstadt Victoria nennt sich heute\u00a0Limbe)<\/i><\/p>\n<p>Ohne Schwierigkeiten erhalte ich in der Renault-Garage einen Mietwagen der gerade neu angekommen ist. Obwohl ich nicht genug Geld bei mir habe, \u00fcberl\u00e4sst man mir gleich diesen Wagen. Ein Chauffeur f\u00e4hrt in einem anderen Auto gleichzeitig mit mir nach Buea, wo ich ihm das restliche Depotgeld aush\u00e4ndige.<\/p>\n<p>Im Hotel erwirke ich den Umzug in ein ruhigeres Zimmer, das sich auch als viel netter erweist.<\/p>\n<p>Wir geniessen das afrikanisch-skandinavische Buffet . Es gibt Fisch, ein ganzes gebratenes Ferkel und was mir am meisten behagt &#8211; vielerlei Salate. Zuletzt frische Ananas sowie rote Beeren, die sowohl Himbeeren als auch Erdbeeren \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Am Nachmittag mache ich ein Schl\u00e4fchen. Dann fahren Bruno und ich erstmals in &#8222;unserem&#8220; Wagen aus. In dem vor einer Woche er\u00f6ffneten, bescheidenen &#8222;Caf\u00e9 Hibiscus&#8220; trinken wir Tee und Kaffee an einem der\u00a0zwei im Freien stehenden Tische. Die junge ,deutsche Besitzerin bedient uns abwechselnd mit ihrer schwarzen Magd,die einen Kopf voll komischer abstehender Haarschw\u00e4nzchen hat.<\/p>\n<p>Die Deutsche ist mit einem dicken Schwarzen verheiratet. Sie plaudert mit uns, wobei sie sich \u00fcber die monatelang durchgehende Regenzeit im hiesigen Sommer beklagt. Sie ist erst ein Jahr in Kamerun, hat aber offenbar schon genug und leidet an Heimweh.<\/p>\n<p>Dann spazieren wir durch die belebte Gesch\u00e4ftsstrasse von Bu\u00e9a. Ich geniesse es \u00a0restlos. Herrliche Coiffeur-Schilder mit naiven Zeichnungen von K\u00f6pfen auf denen alle hier erh\u00e4ltlichen Frisuren dargestellt sind. Darunter Hinweis, dass Personen mit L\u00e4usen keinen Zutritt haben.<\/p>\n<p>Nachher im Hotelgarten Blumen fotografiert. Beim Sonnen-Untergang mache ich einen Spaziergang durch das umliegende Viertel. Saubere kleine Villen mit Wellblech-D\u00e4chern in ordentlich gepflegten G\u00e4rten. Herrliche Ruhe mit Grillen-Konzert als Hintergrund-Musik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 22. Dezember 1968 (Bu\u00e9a)<\/strong><\/p>\n<p>Kurz nach sechs Uhr stehe ich auf und fahre ins alte Zentrum von Bu\u00e9a zum Fotografieren. Aufnahmen des Sonnen-Aufgangs mit meinem neuen Teleobjektiv. Doch bald verbirgt sich die Sonne wieder hinter den Nebelwolken, die selbst jetzt im Winter &#8211; in der hiesigen sogenannten Trockenzeit &#8211; offenbar fast immer den Fuss des Kamerunberges beschatten.<\/p>\n<p>Zum Fr\u00fchst\u00fcck kehre ich ins Hotel zur\u00fcck. Kurze Wolken\u00f6ffnungen lassen ein wenig Sonnenschein durch. Ich fahre erneut ins Zentrum von Buea, um zu fotografieren. Bruno kommt zu Fuss nach. Er findet es skandal\u00f6s, dass ich jedem fotografierten Kind nur ein Bonbon gebe. Er m\u00f6chte alles mit vollen H\u00e4nden verschenken und denkt nicht an das Fotografieren auf der weiteren Reise.<\/p>\n<p>Ich setze mich auf ein M\u00e4uerchen und kann mit wenig M\u00fche interessant wirkende Personen optisch &#8222;heranholen&#8220;. Wenn bemerkt wird, was ich vorhabe &#8211; was nicht schwer ist, dank dem zielenden Rohr des Tele-Objektivs &#8211; erfolgt \u00a0Kichern, Abwinken usw., doch im Allgemeinen ist es hier problemlos m\u00f6glich, Menschen zu fotografieren.<\/p>\n<p>Mit Bonbon-Bestechungen halten Kinder &#8211; zwar manchmal etwas \u00e4ngstlich &#8211; brav still f\u00fcr Nahaufnahmen ihrer reizenden Gesichter. Raffiniert sind die Farbzusammenstellungen auf Kleidern vieler Frauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montag, 23. Dezember 1968 (Bu\u00e9a &#8211; Victoria &#8211; Bu\u00e9a)<\/strong><\/p>\n<p>Wir machen einen sehr sch\u00f6nen Spaziergang. In einer musterhaft angelegten Farm \u00a0trinken wir eine Flasche herrlich, k\u00fchler, pasteurisierter Milch. Es ist &#8211; wie ich sp\u00e4ter erfahre &#8211; die beste Farm des Landes. Sie wird von Str\u00e4flingen bewirtschaftet. Alle M\u00e4nner sind gleich gekleidet und arbeiten gruppenweise, beaufsichtigt von einem uniformierten Mann.<\/p>\n<p>Vor dem Mittagessen ein Bad in dem im Hotel-Prospekt speziell erw\u00e4hnten Schwimmbecken: einfach ein grosses, rundes Plastic-Becken, mitten auf die Wiese gestellt.<\/p>\n<p>Am Nachmittag fahren wir hinunter zur Meeresk\u00fcste, nach Victoria. Unterwegs bei einer H\u00fctte Trommelmusik und Tanz im Freien. Eng aneinander gedr\u00e4ngt, in Einerkolonne, stampfen Frauen und M\u00e4nner langsam Schrittchen f\u00fcr Schrittchen voran. Die Menschenschlange bildet einen Kreis um das Trommel-Orchester.\u00a0Aufgeregt parkiere ich den Wagen in einiger Entfernung &#8211; und dann geht&#8217;s los mit dem Teleobjektiv.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen im Hotel gibt es eine \u00dcberraschung f\u00fcr die G\u00e4ste. Eine einheimische Truppe tanzt auf der Wiese vor der Hotel-Terrasse. Wir haben einen Tisch ganz vorne. Zuletzt tanzen halbnackte M\u00e4nner. Nach kurzer Zeit bemerkt Bruno: &#8222;Tutte le mucche del mio zio non facevano mai tanto odore&#8220;.<\/p>\n<p>Dann setzt sich ein anderes, besseres Orchester auf den Boden ins Gras. Nun tanzen Frauen rund um das Orchester. Eine ist hochschwanger. Bei anderen Frauen entdecke ich auf ihren R\u00fccken das K\u00f6pfchen eines S\u00e4uglings &#8211; tief schlafend. Kein Wunder bei solchen Wiegenliedern und dem schaukelnden, wippenden und rotierenden Popos der Mutter.<\/p>\n<p>Kleine Kinder werden einfach in den Kleiderstoff mit eingewickelt und so auf dem R\u00fccken der Mutter festgebunden. So merkt die Mutter, wenn es ihr warm den R\u00fccken herabl\u00e4uft und kann das Kind gleich s\u00e4ubern, eigentlich viel hygienischer als bei uns, wo Kinder manchmal stundenlang in verschmutzten Windeln bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 24. Dezember 1968 (Bu\u00e9a &#8211; erste Schutzh\u00fctte zum Aufstieg auf Mount Cameroon &#8211; Bu\u00e9a)<\/strong><\/p>\n<p>Wir unternehmen eine Wanderung, den Pfad Richtung Mount Cameroon hinaufsteigend. \u00a0Im Dschungel begegnen wir halbnackten Gefangenen aus der am Vortag besuchten Farm, die auf dem Kopf Holzst\u00e4mme zu Tale balancieren. Streckenweise ist der Pfad von ihrem raubtierartigen Schweissgeruch erf\u00fcllt.\u00a0Fantastische Vegetation und neblige Atmosph\u00e4re umgibt uns im Regenwald.<\/p>\n<p>Nach fast drei Stunden gelangen wir schweissgebadet an die Baumgrenze, wo pl\u00f6tzlich die Sonne scheint. Hier, etwa 2&#8217;000 m.\u00fc.M., findet sich die erste der drei Schutzh\u00fctten f\u00fcr Gipfelbesteiger des 4070 m hohen Vulkans.\u00a01959 erfolgte der letzte Lava-Ausbruch, lief bis zum Meer herab, hindurch zwischen den H\u00fctten, ohne grossen Schaden anzurichten. Die Schutzh\u00fctte ist eine einfache Angelegenheit aus gr\u00fcn gestrichenem Wellblech.<\/p>\n<p>Nach dem anstrengenden Spaziergang schl\u00e4ft Bruno fast den ganzen Nachmittag. Ich mache wieder Blumenfotos im Hotelgarten und kaufe Literatur im Blechkiosk der Basler Mission &#8211; einfach alles, was sie dort \u00fcber Kamerun haben. Darunter erweist sich eine Studie \u00fcber den Fon (H\u00e4uptling) von Bafut als besonders interessant, den wir deshalb besuchen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 25.\u00a0<\/strong><b>Dezember 1968 (Bu\u00e9a -Nkongsamba &#8211; Bafoussam &#8211; Bamenda)<\/b><\/p>\n<p>Erst nach einigen Hindernissen k\u00f6nnen wir endlich abfahren. Es erweist sich als kolossal umst\u00e4ndlich, das deponierte Geld retour zu erhalten, oder Briefmarken zu erstehen usw.. Ich lasse mir &#8211; eine Riesenarbeit &#8211; vom freundlichen Hotelsekret\u00e4r ein 4-zeiliges Schreiben ausstellen wonach wir im Mountain Hotel Bu\u00e9a vorausbezahlt h\u00e4tten, damit wir statt dessen in dem der gleichen staatlichen Organisation angeh\u00f6renden Hotel von Bamenda die Mahlzeiten nicht zu bezahlen brauchen. In Bu\u00e9a ist das Haupthotel &#8211; es hat noch f\u00fcnf weitere.<\/p>\n<p>Beim Verlassen von Bu\u00e9a sehe ich auf einem Haus das Schild: &#8222;Ministry of Tourism and Information&#8220;. Kurz entschlossen halte ich an, um meine \u00e4usserst sp\u00e4rlichen Informationen \u00fcber die geplante Rundfahrt wom\u00f6glich zu erweitern.<\/p>\n<p>Nach einem schriftlichen Audienzgesuch werde ich vom netten, gut englisch sprechenden Minister empfangen. Er schreibt von Hand einen Brief und befiehlt einem Untergebenen, dies auf der Maschine abzuschreiben. F\u00fcr die 5 Zeilen braucht er mehr als eine halbe Stunde und nach der Unterschrift nochmals 10 Minuten, um den verlangten offiziellen Stempel anzubringen. Mit diesem Brief versehen sollen wir die neue &#8222;Kimbi Wildlife Reserve&#8220; besuchen k\u00f6nnen. Was das auch immer sein wird!<\/p>\n<p>(<em>Anmerkung bei der Abschrift: dort wo man sich Malaria holt).<\/em><\/p>\n<p>Durch W\u00e4lder und Bananen-Plantagen fahren wir auf der meist noch geteerten Strasse nach Nkongsamba. Manchmal muss ich unerwartete tiefe Schlagl\u00f6cher im zerst\u00f6rten Strassenbelang geistesgegenw\u00e4rtig umkurven.<\/p>\n<p>Unterwegs sehen wir die Arbeiten f\u00fcr eine Bahnlinie, die Westkamerun mit Ostkamerun verbinden soll. Bisher gab es noch keine Bahnverbindung, ein Problem f\u00fcr den Warentransport. F\u00fcr grosse Lastautos sind die schlechten Strassen und die teilweise prek\u00e4ren Br\u00fccken nicht befahrbar.<\/p>\n<p>Nkongsamba befindet sich in\u00a0Ostkamerun, dem franz\u00f6sisch sprechenden Teil des Landes. Im Restaurant &#8222;Le Relais&#8220; wird uns ein unfasslich gutes Essen aufgetischt &#8211; und was vielleicht das erstaunlichste ist &#8211; es wird uns serviert, ohne dass wir endlos lange warten m\u00fcssen, wie das in Westkamerun \u00fcblich zu sein scheint.<\/p>\n<p>Der weisse, franz\u00f6sische Patron hilft selbst mit beim Bedienen der G\u00e4ste &#8211; deshalb ist wohl alles so tadellos, wie es in einem europ\u00e4ischen Restaurant kaum besser sein k\u00f6nnte. Zu trinken gibt es Evian-Wasser und der Kaffee wird im l\u00e4cherlichen und schlecht funktionierende\u00a0&#8222;filtre&#8220; serviert &#8211; also alles genau so wie in Frankreich.<\/p>\n<p>Wir fahren weiter, stets h\u00f6her hinauf. Allm\u00e4hlich weniger B\u00e4ume, statt dessen offene Landschaft, die Sonne bleibt nicht mehr hinter dunstfeuchten Wolken versteckt.\u00a0Str\u00e4ucher mit roten Kaffeebeeren wachsen fast vor jeder H\u00fctte. Am Strassenrand liegen auf dem Boden Kaffeebohnen zum Trocknen, manchmal von M\u00e4nnern mit einer Art Rechen gewendet.<\/p>\n<p>Nach Bafoussam endet die geteerte Strasse. Hinter uns entsteht auf der Piste eine dichte, rot-orange Staubfahne. Durch herrliche Berg-Landschaften und \u00fcber einen hohen Pass gelangen wir &#8211; schon bei v\u00f6lliger Dunkelheit &#8211; und dem letzten Tropfen Benzin, endlich nach Bamenda.<\/p>\n<p>Wir nehmen Quartier im &#8222;Ringway Hotel&#8220;. Hier werden wir erwartet &#8211; offenbar hat man wegen der Mahlzeiten-gratis-Angelegenheit schon von Bu\u00e9a aus telefoniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 26.\u00a0<\/strong><b>Dezember 1968 \u00a0(Bamenda &#8211; Nkomb\u00e9)<\/b><\/p>\n<p>Ich lasse Bruno weiterschlafen und rolle um 6 Uhr zur gl\u00fccklicherweise tiefer gelegenen Tankstelle. Dann fahre ich auf die Bergrippe, die am Rande von Bamenda ca 300 m fast senkrecht ansteigt. Oben hat es ein Plateau, auf welchem h\u00fcbsche, \u00a0kleine Villen, umgeben von G\u00e4rten, zu sehen sind.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt zum Hotel h\u00f6re ich einen grossen L\u00e4rm. Ich wohne einem Umzug seltsamer Gestalten bei, die dunklen Gesichter teilweise mit hellem Lehm oder Asche verschmiert, teilweise maskierr. Sie trommeln und h\u00fcpfen tanzend in die H\u00e4user, offenbar um dort b\u00f6se Geister zu vertreiben.<\/p>\n<p>Dann entdecke ich etwas fast Unglaubliches: Eine sch\u00f6ne Baptistenkirche, davor -statt Kirchturm mit Glocken &#8211; ein strohgedecktes Pavillion, getragen von S\u00e4ulen aus h\u00f6lzernen Masken und Tiergestalten. Innen statt der Kirchenglocke eine riesige Trommel aus einem hohlen Baumstamm hergestellt, die von zwei Personen bedient wird.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck fahre\u00a0ich mit Bruno nochmals zu dieser ebenso sch\u00f6nen wie interessanten Kirche. Wir h\u00f6ren im Kirchenraum dem Chor zu, der christliche Lieder singt, in einer Art schnellen, recht fr\u00f6hlich t\u00f6nenden Blues, begleitet von verschiedenen Rassel-Instrumenten und Trommeln.<\/p>\n<p>Ich mache Fotos vom papagei-farbig gekleideten Priester, der ebensoviel Freundlichkeit wie W\u00fcrde ausstrahlt. Dann eine Menge Fotos von festlich gekleideten, fr\u00f6hlich wirkenden Familien, die mit vielen entz\u00fcckenden Kindern \u00a0zum Gottesdienst eintreffen.<\/p>\n<p>Wir fahren ab und \u00fcberqueren\u00a0einen hohen Pass. \u00a0Trommelmusik ert\u00f6nt \u00a0und von ferne h\u00f6rbarer Gesang. Pl\u00f6tzlich sehen wir es &#8211; ein Platz voller unglaublich pr\u00e4chtig gekleideter Frauen, in ihrer Mitte ein Orchester von M\u00e4nnern.Die Frauen \u00a0sind eng zusammengedr\u00e4ngt, in st\u00e4ndiger Bewegung mit schnellen kleinen Tanzschritten sich langsam durcheinander bewegend, st\u00e4ndig neue Formationen bildend und als Gesamtmenge eine feine Staubs\u00e4ule aufwirbelnd.<\/p>\n<p>Aufgeregt st\u00fcrze ich mich mitten in die Menge und fotografiere wie wild gleich zwei ganze Filme hintereinander. Die Frauen lassen sich kaum st\u00f6ren, tanzen aber kaum merklich immer n\u00e4her auf mich zu. Es behagt ihnen offensichtlich, fotografiert zu werden &#8211; verzeihliche kleine Eitelkeit, da sie sich so herrlich herausgeputzt haben.<\/p>\n<p>Viele Frauen haben gold- oder silbergl\u00e4nzende T\u00fccher um den Kopf gebunden. Manche haben seltsame Frisiuren und sch\u00f6nen Schmuck in den Z\u00f6pfen. Sie haben &#8222;edlere&#8220; Z\u00fcge und etwas hellere Haut, als die Schwarzen, die wie bisher sahen. Sie erinnern mich in vielem an Araber.<\/p>\n<p><em>(Anmerkung beim Abschreiben: Tats\u00e4chlich sind Araber in den n\u00f6rdlichen Provinzen Kameruns recht verbreitet. Zu denen geh\u00f6ren die Fulani-St\u00e4mme, denen wir offenbar hier begegnet sind)<\/em><\/p>\n<p>Es hat auch pr\u00e4chtig geschm\u00fcckte Pferde mit stolzen Reitern, die sich gerne fotografieren lassen. Ganz ersch\u00f6pft vor Erregung \u00fcber das farbenfrohe, unerwartete Erlebnis fahre ich mit Bruno weiter.<\/p>\n<p>Bruno hat sich in der Zeit, in der ich fotografierte auf eine Grasb\u00f6schung gelegt und ist bald von einer freundlichen Schar von M\u00e4nnern und Knaben umlagert, die sich mit ihm gut zu unterhalten und zu verst\u00e4ndigen scheinen &#8211; wie, das ist mir unklar geblieben.<\/p>\n<p>Gegen 16h kommen wir in Nkomb\u00e9 an, eine der h\u00f6chsten Ortschaften entlang der Ring Road. Grosses Hin- und Her beim Abgeben unseres offiziellen Empfehlungs-Schreibend im hiesigen &#8222;Resthouse&#8220;. \u00a0Wir sind die einzigen G\u00e4ste. Wir treffen nur einen lustigen, gr\u00fcn\u00e4ugigen, hellbraunen Verwalter\/Koch an, der offenbar von Palmwein schon ziemlich betrunken ist. Er begr\u00fcsst uns schon von weitem rufend und winkend.<\/p>\n<p>Dann muss ich mit ihm zusammen nochmals ins Zentrum von Nkomb\u00e9, ca 4 km zur\u00fcckfahren. Bruno bleibt im Resthouse &#8211; wir sind beide ziemlich m\u00fcde. Der Koch ben\u00fctzt diese Fahrt &#8211; Vorwand: Lebensmittel einkaufen f\u00fcr unser Abendessen &#8212; um allen Leuten die er kennt (das scheint fast die gesamte Bev\u00f6lkerung des Dorfes zu sein) durch Rufen und Zum-Fenster-hinauswinkend zu beweisen, dass er tats\u00e4chlich in einem Auto spazieren f\u00e4hrt. Er veranlasst mich &#8211; trotz meiner Ersch\u00f6pfung und mehrfach ge\u00e4ussertem Unwillen &#8211; in die unwegsamsten Seitenpfade zu fahren.<\/p>\n<p>Es wird mir allm\u00e4hlich klar: er will, dass die Leute in den H\u00fctten ihn im Auto heranfahren sehen. Als Respektsperson kriegt er \u00fcberall zu trinken und wird dadurch immer ausgelassener. Mir gegen\u00fcber versichert er mehrmals, \u00a0er suche zwei Hilfsk\u00f6che, die ihm helfen m\u00fcssen, das Abendessen f\u00fcr uns als unerwartete G\u00e4ste herzurichten.<\/p>\n<p>Auf einem Platz zwischen strohgedeckten H\u00fctten ert\u00f6nt Trommelmusik. Ein Juju-Fest, sagt mir mein Begleiter und verschwindet desinteressiert in einer der H\u00fctten zum Trinken. Ich sehe mit grossem Genuss halbberauschten T\u00e4nzern zu. Das Orchester kauert in der Mitte des Platzes am Boden. In Einerreihe tanzen die Leute, einen grossen Kreis bildend, um den Platz. Zuerst die M\u00e4nner, einige mit wilden Masken, andere halb europ\u00e4isch angezogen, aber mit Speeren oder schwertgrossen in der Luft herumgefuchtelten Messern. Zu hinterst in der Reihe die kleinen Knaben. Ausser der Reihe tanzen schwankend einige \u00e4ltere Weiber, immer wieder einen Schluck Palmwein aus einem ausgeh\u00f6lten Ziegenhorn geniessend.<\/p>\n<p>Endlich findet mein Begleiter seine beiden &#8222;notwendigen&#8220; Hilfsk\u00f6che und wir k\u00f6nnen ins Resthouse zur\u00fcckfahren. Unterwegs muss ich aber noch einen Fussg\u00e4nger aufladen, der mir als &#8222;Minister of Education&#8220; vorgestellt wird. Fragen \u00fcber die Bev\u00f6lkerungszahl von Nkomb\u00e9, oder die H\u00f6he \u00fcber Meer, kann er aber nur mit dem wenig pr\u00e4zisen &#8222;much, much&#8220; beantworten. Er kann zwar ziemlich fliessend Pidgin English sprechen &#8211; an das ich mich schon einigermassen gew\u00f6hnt habe &#8211; meine Fragen \u00fcbersteigen aber offensichtlich seine Kenntnisse.<\/p>\n<p>Hier herrscht allgemein die Gewohnheit, Titel zu &#8222;vergr\u00f6ssern&#8220;. Dieser &#8222;Erziehungs-Minister&#8220; wird wohl ein Primarschullehrer sein. Er f\u00fchrt mich in seine H\u00fctte, um mir seine schwangere Frau zu zeigen, die strickend auf dem fast raumf\u00fcllenden Bett sitzt. Sie bleibt unbeweglich, w\u00e4hrend er \u00fcber sie spricht. Er hebt das Strickzeug hoch und zeigt darunter auf den sich vorw\u00f6lbenden Leib: &#8222;Out here next son will come&#8220;. Einem anschliessend offerierten Palmwein-Drink kann ich gl\u00fccklicherweise entgehen.<\/p>\n<p>Zuletzt sind wirklich alle Abenteuer bestanden und alle Umwege gemacht. Nur noch halbwach gelange ich zur\u00fcck ins Resthouse. Ich schlafe &#8211; trotzdem sehr kalt geworden ist &#8211; gleich ein. Auch Bruno legt sich hin. In dieser Zeit &#8211; zwei Stunden lang! &#8211; wird das Nachtessen zubereitet. Resultat: Reis mit hartem, ungeniessbarem Fleisch jedoch mit einer schmackhaften Sauce. Dazu gibt es Tee.<\/p>\n<p>Nachher gehen wir gleich wieder schlafen. Ich befreie mich aber noch vom roten Strassenstaub mit Hilfe des zum Auto geh\u00f6renden Plasticeimers, indem ich einen Eimer voll kaltem Wasser \u00fcber mich giesse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freitag, 27. Dezember 1968 (Nkomb\u00e9 &#8211; Kimbi)<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Einkaufs &#8211; und Sich-Zeigen-Fahrt ins Dorf, kaut der Koch ununterbrochen laut schmatzend an einem knorpeligen Fleischknochen &#8211; offenbar der Rest vom gestrigen Abendessen. Zwischendurch legt er den Knorpel-Knochen ins Handschuhfach, um sich die fetten Finger abzulecken &#8211; \u00e4usserst widerlich, allein schon der Geruch dieses Fleisches und dann das Ger\u00e4usch, wenn er wieder ein St\u00fcck Knochen abbeisst. Wir sagen ihm, wir w\u00fcnschten nur Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte serviert zu bekommen, was er mit gelassenem Erstaunen zur Kenntnis nimmt..<\/p>\n<p>An der einzigen Tankstelle des Dorfes ist vor 10 Tagen das Benzin ausgegangen.\u00a0Wir erhalten nach einigem Palaver aus dem Besitz der Regierung ein Jerry Can mit einer Gallone Benzin geliehen.<\/p>\n<p>Dann werden wir noch auf der Pr\u00e4fektur verh\u00f6rt, m\u00fcssen die P\u00e4sse vorweisen, werden aber freundlich behandelt. Der lokale Radiosende hat schon berichtet, dass zwei Weisse in Nkomb\u00e9 angekommen seien, die in die Kimbi-Reserve weiterfahren wollen. So weiss der Pr\u00e4fekt eigentlich schon Bescheid \u00fcber uns, h\u00e4lt sich trotzdem umst\u00e4ndlich und langsam an die vorgeschriebenen Formalit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Endlich k\u00f6nnen wir abfahren, nachdem ich lange versucht habe, das Reise-Tagebuch nachzuf\u00fchren, dabei jedoch abwechslungsweise durch Bruno und den Koch gest\u00f6rt werde.<\/p>\n<p>Nach einer holperigen, zweist\u00fcndigen Fahrt \u00fcber unwahrscheinliche &#8222;Strassen&#8220; sind wir gl\u00fccklich in Kimbi angekommen. \u00a0Hier in Kimbi hat es ein h\u00fcbsches, kleines Resthouse, aus Natursteinen erbaut, nur mit einem einzigen Raum. Dieser ist aber von einer kurz vor uns angekommenen Amerikaner-Familie besetzt.<\/p>\n<p>Wir werden in einer noch im Bau befindlichen H\u00fctte untergebracht. Sowohl W\u00e4nde wie auch das Dach dieser scheusslichen H\u00fctte sind aus Wellblech, ein Material, das importiert werden muss und deshalb wohl als etwas besonders Feines gilt &#8211; im Gegensatz zum h\u00fcbschen Naturstein-Bau.<\/p>\n<p>Die Amerikaner sagen uns vielversprechend, es h\u00e4tte in der vorherigen Nacht nicht einmal f\u00fcr sie gen\u00fcgend Betten gehabt. Nun wird es sich zeigen, wie wir schlafen werden.<\/p>\n<p>Der uns begleitende Koch aus dem Resthouse wird &#8211; hoffentlich &#8211; in absehbarer Zeit aus dem mitgebrachten Gem\u00fcse ein Essen hergestellt haben.\u00a0Ich bin hungrig und freue mich, wenn&#8217;s endlich zu essen geben wird. Dies wird jedoch wohl kaum bald der Fall sein.\u00a0Schon ist es fast dunkel. Wie schnell hier die Ueberg\u00e4nge sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Samstag, 28. Dezember 1968 (Kimbi &#8211;\u00a0Banso &#8211; Nkomb\u00e9)<\/strong><\/p>\n<p>Es war wirklich keine gute Nacht, die wir in Kimbi verbracht haben. Wir\u00a0erhielten \u00a0je ein wackliges Feldbett ohne Matratze, nur mit einer d\u00fcnne Decke. Obwohl wir alles angezogen hatten, was wir an Kleidung bei uns hatten, froren wir auf der Stoffbespannung ohne Matratze.\u00a0Mitten in der Nacht riss unter meinem Gewicht ein Teil des morschen Stoffs.<\/p>\n<p>Wir krochen \u00a0zusammen auf das nicht zerrissene Feldbett. Es war schon f\u00fcr eine Person recht schmal, wir hatten aber wenigstens je von einer Seite etwas warm. Dicht aneinandergedr\u00e4ngt konnten wir &#8222;hochkant&#8220; ein wenig schlafen.\u00a0Wir erwachten aber bei vielstimmig kr\u00e4henden Hahnen lange vor der Zeit, wie ger\u00e4dert.<\/p>\n<p><em>(Nachtr\u00e4gliche Anmerkung bei der Reinschrift der Reisenotizen: Ausserdem waren wir an den blossen Stellen &#8211; an Kopf und H\u00e4nden &#8211; von kleinen M\u00fcckenstichen bedeckt. Sie taten nicht besonders weh &#8211; angesichts der anderen, schwerwiegenderen Unannehmlichkeiten dieser Nacht schenkten wir dem keine besondere Beachtung. <\/em><\/p>\n<p><strong><i>Dank diesen M\u00fccken haben wir aber beide Malaria bekommen!).<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich wecke den Koch, der im Auto geschlafen hat. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck fahren wir zum nahe gelegenen Wildpark.\u00a0Die Strasse ist \u00e4u\u00dferst schlecht, wirklich unvorstellbar. Manchmal besteht sie aus einer von Regeng\u00fcssen tief ausgewaschenen L\u00e4ngsrinne und wir m\u00fcssen uns mit je einem Rad links und rechts den Grabenr\u00e4ndern entlang schl\u00e4ngeln. Oder grosse Steine bilden schwer \u00fcberwindbare Hindernisse.<\/p>\n<p>In der &#8222;Wildlife Reserve&#8220; werden wir von einem freundlichen Pygm\u00e4en begleitet. Er tr\u00e4gt \u00a0gr\u00fcne Shorts, ein gr\u00fcnes Hemd und eine gr\u00fcne M\u00fctze. Es ist die gleiche Uniform wie die der Wildh\u00fcter in Tanzania. Eine spezielle Ausbildung f\u00fcr ihren Beruf haben die hiesigen dagegen offenbar nicht\u00a0erhalten. Unser sympathischer F\u00fchrer kann meine Fragen \u00fcber den Park und die darin lebenden Tiere nicht beantwortet.<\/p>\n<p>Wir sehen einige Antilopen (Waterbucks und Cob). Den Genuss dieses Ausfluges bilden aber nicht die Tiere, sondern die Landschaft: Grassland wie bisher auf der ganzen Ring Road, hier aber nur teilweise verbrannt und hier flache kahle Granitfelsen sowie Baumstreifen l\u00e4ngs einiger Wasserl\u00e4ufe als willkommene Unterbrechungen der sonst gleichf\u00f6rmigen Landschaft.<\/p>\n<p>Wir bleiben nicht lange. Bruno f\u00e4hrt zusammen mit unserem Koch auf der schwierigen Strasse zur\u00fcck zur Wellblech-H\u00fctte. Ich dagegen gehe zu Fuss durch den Dschungel, gef\u00fchrt von dem kleinen Wildh\u00fcter . Der Weg ist von ihm angelegt worden, zusammen mit 4 Arbeitern.<\/p>\n<p>Als Lohn erhalten die Arbeiter den von der Regierung vorgeschriebenen Tagessatz von Frs. 135. Unterkunft und Essen m\u00fcssen sie selber bestreiten, da sie aus der Gegend kommen. (Vergleichsweise kostet eine Flasche Kamerun-Bier im einheimischen Restaurant Frs 125, im Hotel mehr. Kein g\u00fcltiger Masstab ist allerdings der Vergleich mit dem fast \u00fcberall gleichen Preis einer Mahlzeit f\u00fcr Touristen im jeweiligen Hotel oder Resthouse einer Ortschaft: Frs 700 &#8211; w\u00fcrde also rund dem Lohn von 5 Tagen entsprechen.)<\/p>\n<p>Wir packen unsere Sachen und fahren nach Nkomb\u00e9 zur\u00fcck. Unterwegs\u00a0halten wir an zwei Orten, weil der Koch Eier und Gem\u00fcse kaufen will. Ich fotografiere, zuerst auf einem grossen Marktplatz, in Holzrahmen aufgespannte Kuhfelle zum trocknen, dann pl\u00f6tzlich auftauchende, sich selber in Fotopositur stellende Fulani-Frauen.<\/p>\n<p>Dann besuchen wir Bekannte des Kochs in einer H\u00fctte. Dort befindet sich zuf\u00e4llig auch ein Agrarinspektor. Er zeigt mir Avocado-B\u00e4ume und Mango-B\u00e4ume. Diese B\u00e4ume wachsen von selber &#8211; meist aus Kernen, die von Menschen weggeworfen werden, nachdem sie die Fr\u00fcchte gegessen haben. Die Bewohner einer H\u00fctte, in deren N\u00e4he einer dieser B\u00e4ume aufw\u00e4chst, darf diesen als sein Eigentum deklarieren. Er kann jedoch bei Bedarf ohne Entsch\u00e4digung wieder enteignet werden, so z.B. wenn Missions-Kirchen gebaut werden sollen, die den Platz brauchen.<\/p>\n<p>Wir werden mit weissem Palmwein bewirtet, sieht aus wie Pastis, schmeckt stark nach Hefe. Dann wird mir gezeigt wie dieser st\u00e4ndig getrunkene, recht berauschende Wein durch Abzapfen der Palmen in Kalebassen gewonnen wird. Dazu muss man dreimal\u00a0t\u00e4glich ganz nach oben klettern. Der abgezapfte Saft ist an der Sonne schon in wenigen Stunden vergoren und zum Trinken bereit.<\/p>\n<p>Ich kann eine Frau beim Stillen ihres Kindes fotografieren &#8211; &#8222;fat african woman, hahaha&#8220; ist das Kommentar des stolzen Vaters. Sie ist tats\u00e4chlich besonders dick was w\u00fcnschenswert zu sein scheint.<\/p>\n<p>Die junge Frau, die den Wein ausschenkt, kichert andauernd. Der Agrarinspektor erkl\u00e4rt schliesslich den Grund ihrer Heiterkeit: sie findet es sehr komisch, dass Bruno &#8211; &#8222;a white man&#8220; &#8211; nicht normal spricht. F\u00fcr sie sprechen eben alle Weissen Englisch, doch bei Bruno stimmt etwas nicht und das erscheint ihr \u00e4usserst komisch.<\/p>\n<p>Unterwegs bemerken wir das Haus mit den geschnitzten Masken an den Eingangst\u00fcren. Es war mir schon beim erstenmal auf der Durchfahrt aufgefallen. Wir waren aber zu m\u00fcde, um anzuhalten. Der Koch hat uns jedoch heute schon zum voraus erkl\u00e4rt, wir m\u00fcssten in Banso halten, um dem herrschenden Fon die Reverenz zu erweisen. Der Koch ist aus dem Stamm dieses Fons.<\/p>\n<p>Der Fon von Banso erweist sich als hochgewachsener Enddreissiger. Wir werden von ihm mit heiterer W\u00fcrde empfangen. Er widmet uns eine halbe Stunde, ausgef\u00fcllt mit gegenseitiger, interessierter Befragung. Bei manchen meiner Bemerkungen wird der Fon ganz ausgelassen vor Fr\u00f6hlichkeit, streckt eine lange, hellrosa Zunge heraus &#8211; mit einem dicken weissen Belag &#8211; und h\u00fcpft von einem Bein aufs andere.<\/p>\n<p>Wenn er mir Fragen stellt, wirft er dabei kurz den Kopf zur\u00fcck und blickt mir mit vorgestrecktem Kinn fest in die Augen. Das wirkt sehr herrisch. Er will unbedingt meine Meinung kennen \u00fcber die Polygamie. \u00a0Weil ich dieses System als sehr gut taxiere\u00a0ger\u00e4t der Fon in h\u00fcpfende Begeisterung,<\/p>\n<p>Meine Frage nach der Zahl seiner Ehefrauen beantwortet er jedoch ausweichend. Er habe zwar viele Frauen, aber er habe auch die Ehefrauen von seinem Grossvater und von seinem Vater geerbt. Meine offenbar zutreffende Bemerkung, er w\u00fcrde sicher seinen j\u00fcngsten Frauen den Vorzug geben, versetzt ihn in einen \u00a0ausgelassenen von Zungenschnalzen unterstrichenen Freude-Tanz.<\/p>\n<p>Zuletzt erz\u00e4hlt er mir, er sei Baptist. Um getauft zu werden, mussten auch alle seine noch nicht zum Christentum bekehrten Frauen &#8211; ohne gefragt zu werden &#8211; sich als Baptistinnen taufen lassen.<\/p>\n<p>Das Haus mit den Masken erweist sich als &#8222;The Fon&#8217;s Palace&#8220;, ein Trinkhaus, das nur von M\u00e4nnern betreten werden darf. Hier pflegten sie sich zusammen zu berauschen, bevor sie zum Krieg auszogen. Heute scheint es zum Bedauern des Fon&#8217;s zwar keine Kriege mehr zu geben, doch das gemeinsame Trinken besteht aber noch. Ich erfahre auch, dass dieser Fon zusammen mit dem Fon von Bafut den h\u00f6chsten Rang einnehmen. Deshalb d\u00fcrfen nur sie beide zu besonderen Anl\u00e4ssen eine Kappe aus Elefanten-Schwanzhaaren tragen.<\/p>\n<p>Wenn ich recht verstanden habe, unterstehen diesem Fon direkt etwa 20 000 Menschen, dann noch 13 weitere Fons, was ein Total von einer Viertel Million Untertanen ausmacht. Zusammen haben die beiden Haupt-Fons rund eine halbe Million Leute unter sich. Diese Angaben scheinen mir aber nicht sehr zuverl\u00e4ssig zu sein.<\/p>\n<p>Ich hatte im B\u00fccherkiosk der Basler Mission in Bu\u00e9a eine sehr interessante Brosch\u00fcre gekauft: Robert and Pat Ritzenthaler: &#8222;Cameroun Village, an Etnography of the Bafut&#8220;, Milwaukee, 1962. Das Werk enth\u00e4lt detaillierte Angaben \u00fcber das Leben des Fon von Bafut, zweifellos bestehen viele Parallelen zum \u00a0Fon von Banso.<\/p>\n<p>Wir machen noch Fotos: Fon und ich, Fon und Bruno. Dabei beginnt er pl\u00f6tzlich ein ganz unerwartetes, intensives pers\u00f6nliches Interesse an Bruno zu zeigen, ihn zu umarmen, zu lachen und l\u00fcstern mit der Zunge zu schnalzen. Bruno befreit sich erschrocken aus seiner Umarmung. Wir rennen zum Auto und fahren so schnell als m\u00f6glich davon. Ich finde, der Kerl sollte wirklich schon mehr als genug haben mit seinen Frauen, auch wenn davon nur etwa ein Dutzend als &#8222;wives for personal use&#8220; benutzt werden, wie der Koch uns nachher recht anschaulich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Im Resthouse von Nkomb\u00e9 sind wir diesmal nicht die einzigen G\u00e4ste. Wir begr\u00fcssen ein franz\u00f6sisches Ehepaar und drei franz\u00f6sisch-kanadische Lehrer. Alle arbeiten hier im Auftrag ihrer Regierungen, im Rahmen von Hilfs-Programmen, als Lehrkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 29. Dezember 1968 (Nkomb\u00e9 &#8211; Wum &#8211; Nkomb\u00e9)<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Abfahrt von Kimbi mussten wir gestern das geliehene Benzin in den v\u00f6llig leeren Tank f\u00fcllen.<\/p>\n<p>In Nkomb\u00e9 ist aber die Tankstelle immer noch trocken. Wir beschliessen deshalb zur\u00a0n\u00e4chsten Ortschaft zu fahren, in der Hoffnung, dort volltanken zu k\u00f6nnen und ausserdem Benzin zu kaufen, um das von der Regierung geliehene zur\u00fcck erstatten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bis zu Wum, der nahegelegensten Ortschaft sind es 40 km und so ergibt sich, dass wir einen Tages-Ausflug vn 80 km machen m\u00fcssen. Das hat sich aber gelohnt. Die Fahrt ist landschaftlich sehr sch\u00f6n &#8211; die Strasse dagegen unm\u00f6glich. Mehrmals \u00a0muss ich aussteigen und schieben, damit Bruno \u00fcber ein steil ansteigendes Strassen-St\u00fcck fahren kann, das eher einem trockenen Bachbett voller Felsen gleicht<\/p>\n<p>In Wum geniessen wir in einem Eingeborenen-Hotel ein unerwartet gutes Mittagessen. Als Nachspeise essen wir eine frische Ananas, die ich auf dem Markt gekauft habe. Dazu serviert man uns schweizerischen Nescafe in einer l\u00e4ngst nicht mehr im Handel befindlichen Packung &#8211; er schmeckte auch danach &#8211; sowie heisses Wasser in einem Thermos-Krug.<\/p>\n<p>In Wum zeigen sich die meisten Frauen in interessanter Aufmachung. Die Haare in Z\u00f6pfchen, von Gold umwickelt, links und rechts der Schl\u00e4fen abstehend und am Ende b\u00fcschelf\u00f6rmig aufgekraust.<\/p>\n<p>Nachmittags: Ausruhen, Wagen- und W\u00e4schewaschen im Resthouse von Nkomb\u00e9 mit der pr\u00e4chtigen Aussicht.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4fekt kommt, um seine Aufwartung zu machen und ausserdem um uns zu best\u00e4tigen, dass wir die Jerry Can mit dem Regierungsbenzin ordnungsgem\u00e4ss zur\u00fcckgebracht h\u00e4tten. Er ist selber vor einer Woche in der Kimbi Reserve gewesen und kann sich gar nicht davon erholen, zum ersten Mal in seinem Leben wilde Tiere gesehen zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montag, 30. Dezember 1968 (Nkomb\u00e9 &#8211;\u00a0Bafut &#8211; Bamenda)<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem letzten Teil der Ring Road verlassen wir die grasbewachsenen Bergkuppen und fahren durch immer \u00fcppiger werdende Waldstreifen, unterbrochen von Grasfl\u00e4chen und einzelnen, kleinen Plantagen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sehen wir ein Schild am Weg: \u201cMenchum Falls&#8220;. Unmittelbar neben der Strasse blicken wir auf das grandiose Naturschauspiel der tosenden Wassermengen zwischen \u00fcppigem Tropenwald.<\/p>\n<p>Beim Weiterfahren geschieht es dann doch &#8211; die erste &#8222;Platte&#8220;. Bruno behebt den Schaden bald und wir fahren weiter, in bester Stimmung.<\/p>\n<p>In Bafut ist die Benzinstation unbedient und sieht schon ganz verrostet aus. Wir fahren zum nahen &#8222;Compound&#8220; des Fon. Dort herrscht eine seltsame Stimmung. Bald erfahren wir warum: am 15. Dez. 1968 sei der alte Fon nach 36-j\u00e4hriger Regierungszeit gestorben. Ein Mann f\u00fchrt uns umher &#8211; das meiste d\u00fcrfen wir aber nicht betreten. Alles wirkt vernachl\u00e4ssigt, \u001d\u00fcberall liegt Unrat.<\/p>\n<p>Das war nach der Beschreibung der Amerikaner in der erw\u00e4hnten interessanten Studie \u00fcber das Reich dieses Fon fr\u00fcher ganz anders. H\u00e4ssliche Weiber laufen herum &#8211; fett, nur mit einem Grasschurz bekleidet und mit Asche beschmiert &#8211; offenbar in Trauer um ihren gemeinsamen, verstorbenen Ehemann. Im Gegensatz dazu sind aber die j\u00fcngeren Frauen h\u00fcbsch und farbenfroh gekleidet. Es hat auch viele Kinde innerhalb des von Mauern umgebenen &#8222;Compound&#8220;. Einige fallen durch ihre helle Haut und gr\u00fcne Augen auf.<\/p>\n<p>Zum sogenannten neuen Palast des Fons hinauf, f\u00fchrt eine steile Treppe. Oben angelangt kann ich eine Aufnahme \u00fcber den ganzen Compound machen, mit den H\u00e4usern der jungen Gattinen und der Gruppe der H\u00e4user der alten Gattinen &#8211; wo die nackten Weiber waren &#8211; sowie den hohen Palast aus Holz und Stroh, den der vorherige Fon erbaut hatte.<\/p>\n<p>Durch die offenen T\u00fcren sehe ich im neuen Palast Chinesen, die eifrig Ping Pong spielen. Sie geh\u00f6ren zu einer landwirtschaftlichen Mission, die der hiesigen Bev\u00f6lkerung den Reisbau lehren soll. Auf dem zentralen Platz h\u00e4ngt ein Schild an einem Baum. Darauf steht geschrieben, man solle keinen neuen Fon mehr w\u00e4hlen, dies sei der Untergang von Bafut. Dies ist unterschrieben von &#8222;den S\u00f6hnen und T\u00f6chtern&#8220;.<\/p>\n<p>Von einer jungen Amerikanerin, die der landwirtschaftlichen Mission angeh\u00f6rt, erfahren wir, der alte Fon habe vor seinem Tode einen 15-j\u00e4hrigen Sohn als seinen Nachfolger ernannt. Gem\u00e4ss meinem Buch geschieht dies, indem der sterbende Vater dem auserkorenen Sohn auf die Brust spuckt. Aber noch am Bett des soeben verstorbenen Fon sollen sich die \u00e4lteren Br\u00fcder auf diesen Jungen gest\u00fcrzt haben in der Absicht, ihn zu t\u00f6ten. Die Polizei konnte ihn gerade noch retten. \u00a0Jetzt sei er in Schutzhaft im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Wie aufregend dies alles t\u00f6nt. Wie weise von dem alten Fon einen ganz jungen Nachfolger auszusuchen. Er wird geahnt haben, dass nach diesem wohl kein weiterer Fon mehr regieren wird. So sollte das bisherige System wenigstens m\u00f6glichst lange dauern.<\/p>\n<p>Die \u00e4lteren Geschwister wollen aber nicht riskieren, dass dieser Junge als Fon den Forderungen der Regierung Folge leisten k\u00f6nnte: die private Besteuerung der Untertanen des Fons, zugunsten einer generellen, staatlichen Besteuerung aufzugeben. Dadurch h\u00e4tten diese Geschwister kein Geld mehr zum Besuch der Colleges usw.<\/p>\n<p>In Bamenda lassen wir den Pneu flicken. Ich mache Fotos von einem zivilisierten Markt im Vergleich zu denen, die wir entlang der abgelegenen Ring Road in den Grassteppen des Hochlandes gesehen haben. Die schauerliche Mischung von Zivilisation und primitiver Buntheit hat auch ihre etwas perversen fotografischen Reize. Was wir in den letzten Tagen gesehen hatten, wirkt schon fast folkloristisch-dokumentarisch.<\/p>\n<p>Im &#8222;Ringway Hotel&#8220; von Bamenda ist alles besetzt und wir werden auf das \u00e4ltere &#8222;Fort Hotel&#8220; verwiesen. So landen wir gl\u00fccklich auf der 300 Meter hohen Bergrippe \u00fcber der Stadt. Es gef\u00e4llt uns hier viel besser &#8211; entgegen anders lautenden Informationen und Vorhersagen. Die Luft ist sp\u00fcrbar besser als unten in der Stadt, sauberer, trocken und angenehm k\u00fchl.<\/p>\n<p>Das Hotel befindet sich neben dem ehemaligen Fort, das zu den historischen Denkm\u00e4lern des Landes gerechnet wird, obwohl es erst zu Beginn dieses Jahrhunderts von den Deutschen als extremer Vorposten gebaut wurde. Offenbar ben\u00f6tigten sie dies als Schutz gegen die verschiedenen, kriegerischen Fons.<\/p>\n<p>Begeistert baden wir &#8211; sogar warmes Wasser kommt eine zeitlang aus dem Hahn.<\/p>\n<p>Bruno schl\u00e4ft schon sanft. Er ist sehr zufrieden, wieder sauber zu sein, befreit vom roten feinen Staub, von dem wir nach der Fahrt ganz eingepudert sind. Mit unserem Gep\u00e4ck, den dunkelbraunen, weichen Stamoid-Koffern, haben wir gute Erfahrung gemacht, In die Koffer konnte der Staub fast nicht eindringen. Offenbar sind die Reissverschl\u00fcsse ganz dicht.<\/p>\n<p>Ich will nun auch probieren zu schlafen, obwohl ich dazu eigentlich noch viel zu aufgeregt bin, nach all den Erlebnissen dieses Tages.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 31. Dezember 1968 (Bamenda &#8211; Foumban)<\/strong><\/p>\n<p>Von Bamenda fahren wir nach Foumban. Wir erreichen unser Ziel zur Mittagszeit. Die Besitzerin der &#8222;Auberge de Foumban&#8220; ist eine nette Franz\u00f6sin aus den Vogesen &#8211; seit 30 Jahren in Kamerun. Sie bedauert, uns nicht bei sich beherbergen zu k\u00f6nnen, da sie 20 Quelle-Touristen erwartet. Sie begleitet uns zu einer Familie von Eingeborenen, die ihr tadellos sauberes Haus mit neuen Betten ausstaffiert haben, sodass die gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Franz\u00f6sin hier ihre \u00fcberz\u00e4hligen G\u00e4ste unterbringen kann.<\/p>\n<p>Die Haus-Eigent\u00fcmer wohnen im Nebenhaus. Gelegentlich besuchen uns einzelne Familienangeh\u00f6rige, durchwegs sch\u00f6ne, w\u00fcrdige, junge Menschen &#8211; nur um uns freundlich zuzul\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Wir haben ein Riesenbett mit neuen. steifen Bett\u00fcchern. Erst nachdem wir den raschelnden Plasticbezug von der bisher noch unben\u00fctzten Matratze entfernt haben, k\u00f6nnen wir schlafen ohne allzu stark zu schwitzen.<\/p>\n<p>Ueberall im Haus h\u00e4ngen gerahmte Koranspr\u00fcche, alle M\u00f6bel sind durch gestickte Decken verziert &#8211; Kamerun auf gut b\u00fcrgerlich. Dem Stolz des Hauses &#8211; einer sehr sonor jede Viertelstunde anzeigenden Wanduhr &#8211; halte ich bald den Pendel an.<\/p>\n<p>Nachdem wir etwas ausgeruht haben, besichtigen wir \u00a0von aussen die Moschee &#8211; nebeneinander, aber getrennt, je ein Geb\u00e4ude f\u00fcr M\u00e4nner und f\u00fcr Frauen. Gemeinsames Minarett, von dem gerade der Muezzin zum Gebet aufruft.<\/p>\n<p>Wir besuchen das nahegelegene Museum des Sultan-Palastes. Es wurde 1959 mit den Einrichtungs-Gegenst\u00e4nden des alten Palastes er\u00f6ffnet, als der Sultan seinen Sitz aus diesem Geb\u00e4ude in ein modernes verlegte.<\/p>\n<p>Der W\u00e4rter des Museums ist der Mann der es eingerichtet und er\u00f6ffnet hat. Er zeigt uns verschiedene Gegenst\u00e4nde: den mit Perlen verzierten Thron usw, die dem Vater des heutigen Sultans gedient haben.<\/p>\n<p>Es muss ein grosser und einflussreicher Mann gewesen sein. Als junger Herrscher bekehrte er sich vom Christentum zum Islam. Ein islamischer Nachbarstamm hatte ihm gegen seinen eigenen, verr\u00e4terischen Kriegsminister Hilfe geleistet als dieser die Macht an sich reissen wollte. Dem ehemaligen Christen muss dabei der aus dem Glauben gesch\u00f6pfte Kampfesmut so grossen Eindruck gemacht haben, dass er die Religion wechselte.<\/p>\n<p>Dieser Sultan f\u00fchrte die Schrift ein und brachte das Handwerk zur hohen Bl\u00fcte (Schnitzereien, Bronceguss, Weberei). Er schrieb ein Tagebuch, das sich im Museum befindet und sammelte die Kunstwerke, die das Museum aufbewahrt: Tanzmasken, breite, verzierte Messer und die Gebisse der damit gek\u00f6pften Feinde, an einem runden Gef\u00e4ss befestigt, auf dem der Sultan seinen Arm aufzust\u00fctzen pflegte.<\/p>\n<p>Der jetztige Sultan hat nach dem Tod seines Vaters 900 Ehefrauen geerbt. Ausserdem hat er eine geheim gehaltene Zahl weitere Frauen geheiratet.Der Museumsleiter erkl\u00e4rt, es sei die Aufgabe eines Sultans, ein Volk zu bilden (&#8222;former un peuple&#8220;), also nicht im Sinne eines regierenden Oberhauptes, sondern offenbar in erster Linie einfach in der Funktion eines Zuchtbullens. Best\u00e4tigung: &#8222;tout le peuple devrait avoir du sang royal, ainsi il vient fort et uni&#8220;.<\/p>\n<p>Wir besichtigen das sch\u00f6ne Geb\u00e4ude des alten Palastes, 1917 erbaut, das sich in schlechtem Zustand befindet. Die UNESCO hat laut Museumsw\u00e4rter Geld bereitgestellt zur bevorstehenden, vollst\u00e4ndigen Restauration. Statt Wellblech \u00a0werden, wie fr\u00fcher, gebrannte Tonziegel das Dach bilden und auch sonst wird es wohl sehr viel brauchen. Der Sultan wird nach der Restauration wieder in diesen Palast zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>In einer speziellen Abteilung zeigt uns der Museums-Direktor Dinge, die gekauft werden k\u00f6nnen. Ich finde eine alte, h\u00f6lzerne Maske besonders \u00a0interessant, die den Tr\u00e4ger in einen Elefanten verwandelt. Obwohl ich zum voraus fest beschlossen hatte, auf dieser Reise nichts zu kaufen &#8211; wohin damit &#8211; beginne ich zu feilschen. Ich erhalte die Maske zuletzt f\u00fcr $ 60. Hiesige Francs habe ich keine mehr. Deshalb ist nun ein Besuch bei &#8222;Madame&#8220; notwendig, die als Expertin die Echtheit und den Wert des unbekannten Geldes zu begutachten hat.<\/p>\n<p>Ein Soldat kommt an unseren Tisch und stellt fest &#8222;ce sont des droles de francs&#8220;. Bruno und ich trinken Coca-Cola. Auf unsere wiederholte Aufforderung hin, sich etwas auszusuchen, bestellt der Museums-Direktor ein Bier. Der offenbar ungewohnte Alkohol macht ihn sehr gespr\u00e4chig. Er erz\u00e4hlt ausf\u00fchrlich die sehr interessante Geschichte des Sultans und seines Volkes. Dabei vergeht viel Zeit. Die Sonne, die vor dem Museumsbesuch zu hoch stand um zu fotografieren, steht bereits &#8211; kurz vor dem Untergang &#8211; zu tief. Nur noch die Baumwipfel und Hausd\u00e4cher sind von den letzten Strahlen beleuchtet. Schade, hier sahen wir die sch\u00f6nsten Menschen, die wir auf der Reise bisher angetroffen haben. Ob das wohl dem k\u00f6niglichen Zuchtbullen-System zuzuschreiben ist?<\/p>\n<p>Im architektonisch wohlgelungenen &#8222;Centre Culturel&#8220; (H\u00f6lzs\u00e4ulen, Strohdach, und dabei doch modern) warten wir vergeblich anderthalb Stunden auf die um halb sieben angesagte Vorstellung einer Sportsgruppe. Nach dem Abendessen kehren \u00a0wir zur\u00fcck und sehen nun doch wie teilweise fabelhaft gebaute Neger Jiu Jitsu, Catch, Karate und Akrobatik vorf\u00fchren. Das Publikum macht herrlich mit. Es handelt sich um einen kleinen Sportsverein aus der Hauptstadt Yaounde, der eine Tour durchs ganze Land macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0Mittwoch, 1. Januar 1968 (Foumban &#8211; Bafoussam &#8211; Bameng &#8211; Nkosamba)<\/strong><\/p>\n<p>Heute sind wir besonders fr\u00fch losgefahren. Wieder eine schwierige Pistenfahrt. Nach ca 30 km Irrfahrt gelangen wir auf dem schwer erkennbaren Weg zum sch\u00f6nen, sich friedlich spiegelnden Kratersee &#8222;Lac Manoum&#8220;.<\/p>\n<p>Vier Kilometer nach Bafoussam, besichtigen wir die sehenswerte &#8222;Chefferie de Bameng&#8220;. In der Chefferie wird f\u00fcr den 2. Januar ein grosses Fest vorbereitet. Ein riesiges Haus mit Kuppeldach, ohne N\u00e4gel &#8211; nur aus hiesigen pflanzlichen Materialien &#8211; ist fast fertig gebaut. Um mich zu \u00e4rgern, sagt Bruno, dies w\u00fcrde doch nur f\u00fcr Quelle-Touristen hingestellt und versucht damit vergeblich meine Begeisterung \u00fcber dieses hochinteressante Bauwerk im Zaum zu halten.<\/p>\n<p>Von einem erh\u00f6hten Platz, der von verschiedenen, seltsamen Geb\u00e4uden umringt ist (strohgedeckt, teilweise mit Schnitzereien verziert), sieht man hinab auf den riesigen Neubau im traditionellen Stil und dahinter die Reihen niedriger moderner wirkenden Bauten mit Wellblech-D\u00e4chern, wo wahrscheinlich die grosse Zahl der Frauen dieses Chefs untergebracht sind. (im franz\u00f6sisch sprechenden Gebiet sagt man &#8222;Chef&#8220;, im englisch sprechenden wird das einheimische Wort &#8222;Fon&#8220; verwendet). Eine herrliche friedliche Stimmung herrscht auf diesem erh\u00f6hten Platz. Ziegen weiden unter einigen riesigen B\u00e4umen, bei denen Luft und St\u00fctzwurzeln von ausladenden Aesten herabh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Anschliessend fahren wir zur nahegelegenen Leprastation, die uns beide sehr beeindruckt. Die Krankenschwester kommt zu unserer Begr\u00fcssung heraus. Ich gebe ihr Geld und sie erkl\u00e4rt aufschlussreich, wie hier vorgegangen wird: Dank einer regelm\u00e4ssigen Unterst\u00fctzung aus Bern kann diese 1935 gegr\u00fcndete Leprastation weiter existieren. Mit diesen Geldern wurden 55 Betten angeschafft und die entsprechenden H\u00fctten gebaut. Ein Tropfen auf den heissen Stein, angesichts der 1400 Kranken, die sich auf dieser Leprastation befinden und buchstt\u00e4blich im Dreck liegen.<\/p>\n<p>Ich erhalte bereitwillig Erlaubnis, eine der vielen Frauen zu fotografieren. Sie hoffen alle auf eine Heilung ihrer aufgerissenen und abfaulenden F\u00fcsse und anderen, in gleicher Weise erkrankten K\u00f6rperteile.<\/p>\n<p>Ich frage ob ein daneben stehender Junge, ohne Lepraschuhwerk, aber mit sehr verkr\u00fcppelten F\u00fcssen, schon als geheilt gelten w\u00fcrde &#8211; soweit dies bei Lepra m\u00f6glich ist. Es stellt sich heraus, dass dieser J\u00fcngling seine kranke Mutter hergebracht hat. Er selber sei gesund, behauptet er. &#8222;Tu te pr\u00e9senteras au medecin cet apr\u00e8s-midi&#8220; befiehlt die Schwester freundlich aber bestimmt.<\/p>\n<p>Wir kehren sehr beeindruckt von allem was wir gesehen haben nach Bafoussam zur\u00fcck, wo wir im Hotel Carrefour ein gutes Mittagessen erhalten. Bruno wartet schon lange ungeduldig bis ich auf der schattigen Hotelterasse endlich fertig geschrieben habe, damit wir weiterfahren k\u00f6nnen nach Nkongsamba. Dort quartieren wir uns ein im &#8222;Relais&#8220; von dessen Essen Bruno seit unserem letzten Besuch so schw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Mir geht es mehr darum, mit dem Hotelbesitzer einen Tiefflug \u00fcber Elefanten-Herden zu arrangieren. Ich habe geh\u00f6rt, dass er dies f\u00fcr seine G\u00e4ste macht. Von ihm selbst erfahre ich, dass er seit drei Monaten eine neue Cessna besitzt, aber ausgerechnet jetzt habe er grade keine Zeit. Er m\u00fcsse Vorbereitungen treffen f\u00fcr ein grosses Fest.<\/p>\n<p>Das Abendessen ist wirklich so gut, dass es mich \u00fcber die entt\u00e4uschte Hoffnung fast hinwegtr\u00f6stet: soupe aux poissons, tournedos aux pates, cressons, fromages, fruits.<\/p>\n<p>Ist es, weil ich zuviel gegessen habe, oder die Anstrengungen der letzten Tage oder sonst ein Grund? Ich f\u00fchle mich pl\u00f6tzlich sehr unwohl! Ich beginne zu frieren, es sch\u00fcttelt mich am ganzen K\u00f6rper. Dann muss ich mitten in der Nacht erbrechen. Von diesem Moment an schwitze ich \u00fcbertrieben und kann nur stossweise atmen.<\/p>\n<p>(<em>Anmerkung beim Abschreiben &#8211; das war der erste Malaria-Schub!).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 2. Januar 1968 (Nkosamba &#8211; Bu\u00e9a &#8211; &#8222;mile sixteen&#8220; &#8211; Bu\u00e9a)<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuche die ganze Nacht, Bruno nicht zu sehr zu st\u00f6ren &#8211; was mir nur teilweise gelingt &#8211; und male mir die unangenehmsten Dinge aus, die passieren k\u00f6nnen, wenn ich hier ernstlich krank werde.\u00a0Der eindr\u00fcckliche Besuch auf der Leprastation hilft wohl mit, meine Fantasie zu den unangenehmsten Vorstellungen anzufeuern, wie es wohl weitergehen wird.<\/p>\n<p>Beim ersten Tagesd\u00e4mmern wecke ich Bruno, bestelle Tee und lasse mich von Bruno nach Bu\u00e9a zur\u00fcckfahren. Ueberhaupt ist Bruno beim zweiten Teil der Reise fast immer am Steuer gesessen, wie ich am Anfang.<\/p>\n<p>Statt dass sich mein Zustand bei der Autofahrt verschlimmert, geht es mir allm\u00e4hlich wieder besser. Ein heisses Bad, das ausgeglichene H\u00f6henklima von Bu\u00e9a und anschliessende Bettruhe w\u00e4hrend drei Stunden haben mich &#8211; oh Wunder &#8211; wieder ganz hergestellt. Habe ich wohl in der schlimmen Nacht in Nkongsamba alles herausgekotzt, was ich nicht in mir haben sollte &#8211; heute geht es mir wieder recht gut und wir beschliessen, an den Strand zu fahren.<\/p>\n<p>Ein Quelle-Reisef\u00fchrer hat uns zwar gewarnt, ohne\u00a0Vierradantrieb k\u00f6nne man von Victoria aus nicht nach &#8222;mile six&#8220;\u00a0und erst recht nicht nach &#8222;mile fourteen&#8220; fahren &#8211; Namen von\u00a0Ortschaften in Strandn\u00e4he, in entsprechender Distanz von Victoria. Wir versuchen es trotzdem und finden die Holperstrasse &#8211;\u00a0verglichen mit der Ring Road zwischen Ngambe und Wum &#8211; nun doch\u00a0nicht unm\u00f6glich zu befahren. Immerhin, in den ersten Tagen unserer Reise &#8211; der feuchten\u00a0Hitze ungewohnt, dazu eine derartig schlechte Strasse, das h\u00e4tten wir wohl kaum bezwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir fahren langsam im ersten Gang &#8211; nur gelegentlich im zweiten\u00a0&#8211; vorbei an Plantagen (meist Oelpalmen) und gelegentlichen Resten des Urwaldes. Kurz vor dem Ziel haben wir\u00a0eine &#8222;Platte&#8220; &#8211; unsere zweite auf der ganzen Reise &#8211; wobei Bruno\u00a0nun schon fast im Handumdrehen den Radwechsel ausf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir\u00a0geniessen das Meeresbad am Strand mit schwarzen Lavafels-Buchten und\u00a0feinem schwarzem Sand. Die dunkle Farbe wird fr\u00f6hlich kontrastiert\u00a0durch das frische Gr\u00fcn \u00fcppiger Urwaldvegetation, die\u00a0bis an die Grenze des obersten Flutpegels vorst\u00f6sst.\u00a0Das Meer hat nur geringen Wellengang und das\u00a0Wasser ist wohlig warm. Auch ist es nicht allzu heiss &#8211; die\u00a0Sonne kommt nur vor\u00fcbergehend aus den Wolken hervor. Selbst dann sind die Strahlen durch die grosse Feuchtigkeit\u00a0der Luft merklich ged\u00e4mpft. Der st\u00e4ndige, leichte Wind vom Meer herkommend, l\u00e4sst uns Feuchtigkeit und W\u00e4rme nicht l\u00e4stig\u00a0werden.<\/p>\n<p>Ich mache eine Menge Fotografien, wie im Nu vergeht\u00a0der sch\u00f6ne Nachmittag. Nette Kinder besuchen uns und f\u00fchren\u00a0T\u00e4nze und Ringk\u00e4mpfe vor, kleine schwarze Schweine &#8211; wohl halbverwildert &#8211;\u00a0kommen immer wieder z\u00f6gernd aus dem Geh\u00f6lz.<\/p>\n<p>Schliesslich verziehen wir uns nach einer etwas einsameren\u00a0Badebucht und k\u00f6nnen r\u00fcckw\u00e4rts blickend beobachten, wie die\u00a0neugierigen Schweine und gleicherweise die Kinder unseren Picknickplatz nach irgend etwas Verwertbarem absuchen. Ich fotografiere\u00a0weiter. Wir baden und begeistern uns an den Bl\u00fcten des\u00a0wilden Hibiscus direkt am Strand.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise bemerkt\u00a0Bruno gerade noch rechtzeitig, das die steigende Flut uns\u00a0in unserer Bucht abzuschneiden droht. Wenn wir mit der R\u00fcckkehr<br \/>\nnach l\u00e4nger gewartet h\u00e4tten, w\u00e4re dies wohl eine schwierige\u00a0Kletterei \u00fcber Lavafelsen und Wurzeln gewesen. An einer armdicken\u00a0Liane, die von einem Baum herabh\u00e4ngt, schwinge ich\u00a0mich hin und her und komme mir vor wie Tarzan im Kino.<\/p>\n<p>Auf der Heimfahrt sehen wir mehrmals musizierende\u00a0und tanzende Gruppen, teilweise mit einem, teilweise mit drei\u00a0maskierten Anf\u00fchrern (Juju). Dabei tanzen in der jeweiligen\u00a0Gruppe entweder nur Burschen, oder nur M\u00e4dchen und Frauen. Vor\u00a0einer Bar tanzen zur modernen Raidio- oder Grammofonmusik<br \/>\njunge M\u00e4nner &#8211; es ist keine Frau dabei &#8211; zusammen\u00a0zu Rock &#8217;n Roll Musik, aber noch in der Art des Jitterbug,\u00a0seeligen Angedenkens.<\/p>\n<p>\u00dcberall rufen Kinder, teilweise\u00a0auch Erwachsene: &#8222;abinuji&#8220; &#8211; das verst\u00fcmmelte \u00dcberbleibsel\u00a0von &#8222;Happy New Year&#8220;. Erneut hatte ich die Bonbon-Munition\u00a0im Hotel vergessen &#8211; wie schon bei der Fahrt ins Hochland und\u00a0wieder \u00e4rgere ich mich, \u00a0meine Foto-Opfer nicht mit einer Kleinigkeit erfreuen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist der Einfluss\u00a0des Tourismus auf das Benehmen der Bev\u00f6lkerung hier schon\u00a0gr\u00f6sser, als wir an anderen Orten festgestellt haben. Sogar<br \/>\nvereinzelte Bettelei gibt es hier in der N\u00e4he von Victoria, die aber (noch) nicht \u00a0l\u00e4stig geworden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freitag, 3. Januar 1969 (Buea &#8211; Victoria &#8211; Tiki &#8211; Duala)<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem\u00a0Fr\u00fchst\u00fcck fahren wir hinunter nach Victoria. Dort geben wir den Renault\u00a0zur\u00fcck, der uns so gut gedient hat, f\u00fcr mehr als 2000 km.<\/p>\n<p>Wir\u00a0besuchen den Zoo, wo Bruno sich vor den kleinen Schimpansen<br \/>\netwas ekelt, ich jedoch grosse Sympathie zu den\u00a0drolligen Tieren empfinde.\u00a0Die jungen Affen klettern geschickt an mir empor, klammern\u00a0sich mir am R\u00fccken oder auf einer Schulter fest und beginnen\u00a0dort gem\u00fctlich ihre Mahlzeit &#8211; eine Dose Kondensmilch &#8211; auszusaugen,\u00a0die der W\u00e4rter mit zwei kleinen L\u00f6chern durchbohrt und jedem\u00a0Affen eine in die erwartungsvoll ausgestreckten H\u00e4nde gibt.\u00a0Bei der weiteren Besichtigung des Zoos purzeln uns die Affen am Boden den<br \/>\nganzen Weg voraus &#8211; es ist zu komisch.<\/p>\n<p>Wir essen an der K\u00fcstenpromenade in Victoria im Hotel, das zur gleichen Kette geh\u00f6rt wie das Mountain Hotel Buna. Wir verbringen den Nachmittag in Victoria bis uns der Autobus nach Tiki bringt.\u00a0Von dort Flug nach Duala,\u00a0\u00a0dann langes Warten.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 4. Januar 1969 (Duala &#8211; Frankfurt &#8211;\u00a0<\/strong><b>Z\u00fcrich)<\/b><\/p>\n<p>Abflug von Duala um Mitternacht. Nach sieben Stunden Flug, Landung in<br \/>\nFrankfurt. Wir holen gleich die deponierte,\u00a0warme W\u00e4sche und die M\u00e4ntel aus der Gep\u00e4ckaufgabe und finden\u00a0die k\u00fchle Temperatur eigentlich gar nicht \u00a0unertr\u00e4glich.\u00a0Nach zwei Stunden Weiterflug nach Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><em>Hier enden die Tagebuch-Notizen<\/em>\u00a0<i>und beginnen erst wieder anfangs Februar. Kaum hatte ich begonnen, mich wieder in der Werbeagentur zu bet\u00e4tigen,\u00a0erlitt\u00a0ich am\u00a0Arbeitsplatz einen heftigen Malaria-Anfall. Anschliessend\u00a0war ich schwer krank, doch nach einem\u00a0Monat war es vorbei und ich hatte die Malaria ohne Folgen\u00a0\u00fcberstanden.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort Das Jahr 1968 war f\u00fcr mich besonders arbeitsreich. 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