{"id":1125,"date":"2016-05-29T13:11:27","date_gmt":"2016-05-29T13:11:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1125"},"modified":"2018-07-26T09:24:47","modified_gmt":"2018-07-26T09:24:47","slug":"meine-erste-wusten-reise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1125","title":{"rendered":"Meine erste W\u00fcsten-Reise"},"content":{"rendered":"<p>Bei meinen Reisen haben mich die W\u00fcsten besonders stark beeindruckt. Angesichts unendlich scheinender Weite &#8211; nichts als Sand und Fels &#8211; f\u00fchlte ich mich nur noch als winziges, verlorenes Wesen. Dieses Gef\u00fchl \u00fcberw\u00e4ltigte mich ebenso in der Antarktis &#8211; auch eine Art W\u00fcste &#8211; aber aus Eis und Schnee.<\/p>\n<p>Im algerischen Teil der Sahara erlebte ich 1971 zum ersten Mal meine eigene, \u00a0vollst\u00e4ndige Bedeutungslosigkeit angesichts der bis zum Horizont reichenden, (scheinbar) menschenleeren W\u00fcste aus weichen Wellen von Sand mit unvermittelt daraus steil aufragenden Felsen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Algerien-Reise verdanke ich Richard Amstad. Unsere langj\u00e4hrige Freundschaft begann beim Besuch der gleichen Klasse im Gymnasium. Sie setzte sich fort beim gemeinsamen Studium der Volkswirtschaft an der Universit\u00e4t von Basel, das wir am gleichen Tag mit dem Doktor-Examen beendeten.<\/p>\n<p>Danach war Dr. rer. pol. Richard Amstad erfolgreich im Bankwesen t\u00e4tig, anf\u00e4nglich im Hauptsitz des einstigen Bankvereins in Basel. <em>(Es war die zweitgr\u00f6sste Bank der Schweiz, die sp\u00e4ter mit der gr\u00f6ssten der Schweiz, der U.B.S. fusionierte).<\/em><\/p>\n<p>Ric wurde zum leitenden Direktor der Filiale des Bankvereins in Bern ernannt. Sofern mich meine Erinnerung nicht t\u00e4uscht, ist diese Filiale mit seiner Hilfe gegr\u00fcndet worden. Sp\u00e4ter &#8211; nach unserer gemeinsamen Algerien-Reise &#8211; leitete er in London die bedeutendste unter den ausl\u00e4ndischen Filialen des Bankvereins.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Herbst des Jahres 1971 plante Ric eine etwas abenteuerliche Algerien-Reise. Er lud mich ein mitzukommen. Ich hatte gerade meine Werbeagentur in Z\u00fcrich an ein international t\u00e4tiges Werbe-Unternehmen mit Hauptsitz in New York \u00fcbergeben. So war ich nicht \u00a0gebunden und konnte voll Begeisterung den Vorschlag zur Teilnahme an dieser Reise annehmen.<\/p>\n<p>Unerwartet zeigten sich verschiedene Schwierigkeiten, die den urspr\u00fcnglichen Plan wesentlich ver\u00e4nderten.\u00a0In Folge eines Brandes im Bahnhof Z\u00fcrich erreichte ich Genf mit grosser Versp\u00e4tung, verpasste den vorgesehenen Flug und musste in Genf \u00fcbernachten. Am n\u00e4chsten Tag gab es jedoch keine Fl\u00fcge aus Genf nach Algier. So musste ich nach Paris fliegen um von dort mein erstes Etappenziel zu erreichen.<\/p>\n<p>Alles Weitere kopiere ich aus meinem damals gef\u00fchrten Tagebuch:<\/p>\n<p><strong>Montag, 22. November 1971 \u00a0(Genf &#8211; Paris &#8211; Algier)<\/strong><\/p>\n<p>Der Flug von Paris nach Algier dauert 2 Stunden. Im Hotel St. Georges &#8211; leicht vergammelter\u00a0Kolonial-Luxus &#8211; begr\u00fcsse ich Ric und Monica.\u00a0Sie machen mich bekannt mit Gioia Mehrlin, von Ric zur Teilnahme an der Reise eingeladen. Gioia hat gerade das Studium der Medizin beendet.<\/p>\n<p>Ric versucht vergeblich,\u00a0in einer Bank Geld zu wechseln. Das kann man aber offenbar als Tourist nur beim\u00a0Air Algerie Reiseb\u00fcro.<\/p>\n<p>Dann fahren wir zum Istitut Pasteur,\u00a0wo Gioia, als \u00c4rztin, kostenlos Schlangen-und Skorpion-Serum erh\u00e4lt. Um zu wirken, m\u00fcsse das Serum aber sp\u00e4testens 10 Minuten nach dem Biss eingespritzt werden &#8211; wohl eine Illusion, falls das irgendwo in der W\u00fcste geschehen sollte.<\/p>\n<p>Zuletzt begeben wir uns zu Mohammed Youssfi, dem ehemaligen algerischen Botschafter in der\u00a0Schweiz. Ric hatte fr\u00fcher in Bern gesch\u00e4ftlich mit ihm zu tun und ist auch nach Ende der Amtst\u00e4tigkeit von Youssfi mit diesem in Kontakt geblieben. F\u00fcr die Planung unserer Algerienreise hatte Ric bei Youssfi Ratschl\u00e4ge eingeholt.<\/p>\n<p>Youssfi empf\u00e4ngt uns in einer gestreiften Djella, ein lebhafter, schlanker\u00a0Mann mit ungew\u00f6hnlich grossen, weit auseinander liegenden Augen,\u00a0in einem ausgemergelten, fast durchgeistigt wirkenden Gesicht. Einen krassen Gegensatz zu diesem sch\u00f6nen und interessanten Mann bildet die Gattin &#8211;\u00a0ein kleines Pummelchen, wie eine franz\u00f6sische Kleinb\u00fcrgerin\u00a0wirkend, wenn auch in Algerien geboren.<\/p>\n<p>Youssfi zeigt uns stolz seinen auf drei Terrassen angelegten Garten, in dem eine junge\u00a0Tommy-Gazelle frei lebt. \u00a0Das Haus umfasst zwei Etagen und ist vollgestopft mit M\u00f6beln in pseudo-antiken Stil. \u00a0Stolz berichtet uns Youssfi, dass f\u00fcr die Inneneinrichtung ein Dekorateur aus Lausanne speziell nach Algier kommen musste.<\/p>\n<p>Auch Amrusch, ein dicklicher Textilh\u00e4ndler ist mit seiner Gattin gekommen, der aber &#8211; ebenso wie sein Freund Youssfi &#8211; wenig gewillt\u00a0scheint, die geplante Reise mit uns zu unternehmen. Offenbar kommt ihnen die vorgesehene Reise als zu anstrengend vor.\u00a0So wird es immer deutlicher, dass wir entgegen vorheriger Zusagen der Algerier nur eine rein schweizerische Vierer-Gruppe bilden werden.<\/p>\n<p>Wir plaudern unverbindlich, spielen mit dem entz\u00fcckenden 7-j\u00e4hrigen\u00a0Youssfi-Sohn. \u00a0Auf dem Leibchen des Kindes ist zu lesen:\u00a0&#8222;Future Pr\u00e9sident&#8220;. Nacheinander m\u00fcssen wir unbedingt von jeder der vier Sorten von Mme. Youssfi selbst gemachter, \u00fcbers\u00fcsser Patisserie\u00a0kosten.<\/p>\n<p>Zuletzt bringt uns Amrusch ins Hotel St. Georges, nachdem die Algerier erkl\u00e4rt haben sie k\u00f6nnten &#8222;bedauerlicherweise&#8220; nicht an der Reise teilnehmen. Offenbar war die seinerzeitige Zusage nur eine Form der gegen\u00fcber Fremden \u00fcblichen H\u00f6flichkeit, obwohl ein solches Abenteuer tats\u00e4chlich f\u00fcr die Beiden nie in Frage gekommen war.<\/p>\n<p>Mit vollen zwei Stunden Versp\u00e4tung erscheinen der Generaldirektor\u00a0und der kaufm\u00e4nnische Leiter des Reiseb\u00fcros bei dem Ric die Reise gebucht hatte.\u00a0Infolge geringf\u00fcgiger Ab\u00e4nderungen soll unsere Reise statt\u00a02&#8217;700 nun 3&#8217;800 Dinar pro Person kosten, also statt etwa 2&#8217;000 rund 3&#8217;000 Franken. Nach einigem Palaver sagen wir die angeblich &#8222;bereits f\u00fcr uns organisierte&#8220; Reise einfach ab.<\/p>\n<p>Ric und Gioia bleiben im Hotel und ich\u00a0gehe mit der netten Monica ins Sindbad, ein einfaches Fischrestaurant am Hafen. Wir plaudern angeregt, lernen dabei\u00a0unsere Lebensumst\u00e4nde n\u00e4her kennen. Monica deutet an, dass sie und Ric eine erfreulich freie, gegenseitig weitgehend unabh\u00e4ngige Existenz f\u00fchren<\/p>\n<p><strong>Dienstag, den 23, November 1971 (Algier &#8211; Tamanrasset)<\/strong><\/p>\n<p>04h45 Tagwache. Wider Erwarten gibt es so fr\u00fch schon Fr\u00fchst\u00fcck. Trotz gegenteiliger Behauptung hatte das unzuverl\u00e4ssige Reiseb\u00fcro keine entsprechende Vouchers f\u00fcr uns abgegeben. Am Flugplatz sind weder die versprochenen Flugkarten deponiert worden, noch sind Pl\u00e4tze f\u00fcr uns reserviert.<\/p>\n<p>Wir warten\u00a0lange Zeit &#8211; immer im Ungewissen ob wir doch noch mitkommen k\u00f6nnen &#8211;\u00a0denn eigentlich sei die Maschine voll. Zuletzt werden wir zur\u00a0ersten Flug-Etappe zugelassen, also bis Ghardaia. Der Weiterflug\u00a0sei aber bereits ausgebucht und deshalb unsicher. Dabei hatten wir\u00a0uns gestern bereit erkl\u00e4rt f\u00fcr diesen ersten Teil der Reise noch\u00a0die &#8222;Dienste&#8220; des Reiseb\u00fcros im Anspruch zu nehmen. Der Vertreter kommt nach den Reklamationen von Ric zum Flugplatz, mit lauter L\u00fcgen, Freundlichkeiten und\u00a0Entschuldigungen, kann aber zuletzt doch nichts f\u00fcr uns in Ordnung bringen.<\/p>\n<p>Kaum sitzen wir endlich\u00a0im Flugzeug, m\u00fcssen\u00a0wir wegen &#8222;technischer St\u00f6rung&#8220; wieder aussteigen. Die weitere\u00a0Stunde Wartezeit verbringen wir mit \u00a0Geldwechseln.\u00a0Gioia gibt die soeben gegen Schweizerfranken eingetauschte Dinars zur\u00fcck, weil sie an einem Schalter unmittelbar daneben f\u00fcr Travellers Checks erheblich mehr bekommen kann. Offenbar ist der zuerst von ihr ben\u00fctzte Schalter die Algerische Nationalbank.<\/p>\n<p>Endlich k\u00f6nnen wir abfliegen. Nach einer weiten Kurve \u00fcber das wolken-verhangene Meer dreht die Maschine ab nach S\u00fcden.\u00a0Algerien ist fl\u00e4chenm\u00e4ssig das gr\u00f6sste Land auf dem afrikanischen Kontinent. Von Algiers nach Tamanrasset, i \u00e4usssersten S\u00fcden des Landes, ist es gleich weit wie von Algier nach Amsterdam &#8211; in der Luftlinie\u00a01600 km. Wir fliegen in vier Etappen: Ghardaia, dann \u00fcber den\u00a0Grand Erg Oriental (Erg = Sand), ab Amenas \u00fcber eine stets farbiger und aufregender werdende Landschaft mit ockerfarbenem Sand und\u00a0schwarzen Felsbergen nach Djanet und zuletzt erreichen wir Tamanrasset.<\/p>\n<p>Der\u00a0beim Abflug noch wolkige Himmel ist im S\u00fcden blau und die Temperatur\u00a0am Boden sehr warm. In der Luft dagegen ist es\u00a0kalt, denn es gibt keine gute Heizung in unserem Motorflugzeug.<\/p>\n<p>Tamanrasset \u00fcberrascht als wichtiges Handels-Zentrum mitten in der weiten W\u00fcste. Nach dem endlos lang scheinenden Etappenflug \u00fcber gelb-roten Sand aus dem stellenweise schwarze Felsen aufragen &#8211; hier pl\u00f6tzlich eine Stadt voller Menschen: w\u00fcrdevolll wandelnde Gestalten, ausschliesslich M\u00e4nner, in leuchtend blauem, bodenlangem Gewand und weissem Turban.\u00a0Vom Turban wird ein Teil \u00fcber\u00a0den Mund geschlungen, so dass nur die Augen hervorblitzen. Frauen\u00a0sind keine zu sehen.<\/p>\n<p>Vom hiesigen Vertreter des nationalen Reiseb\u00fcros (ATA = Agence Touristique Algerienne), lassen wir uns das vorgesehene Reiseprogramm\u00a0neu offerieren.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen wollte ich eigentlich bald schlafen gehen &#8211; statt dessen\u00a0tanze ich dann aber wie wild mit den beiden Damen in einer Art\u00a0Schuppen beim Eingang des einfachen Hotels, w\u00e4hrend Ric sich\u00a0draussen in einem Liegestuhl ausruht.<\/p>\n<p>Ausser uns drei\u00a0Schweizern hat es in diesem Bar-Schuppen ausschliesslich M\u00e4nner. Vor dem Erscheinen der beiden Schweizerinnen\u00a0haben die M\u00e4nner wohl oder \u00fcbel zusammen tanzen m\u00fcssen. Gleich st\u00fcrzen sich mehrere von ihnen auf Monica und Gioia, kaum habe ich mit den Frauen getanzt. Nun wollen einige M\u00e4nner sogar mit mir\u00a0tanzen, doch unter den gegebenen Umst\u00e4nden verzichte ich auf das Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Wir erhalten auch Reise-Angebote, unter anderem von einem Mann,\u00a0der sich als \u00a0Boumedienne vorstellt. Er sei Cousin des Staatspr\u00e4sidenten und Leiter einer geologischen Mission\u00a0von 800 Leuten, davon 62 Russen. Da k\u00f6nnten auch wir mitkommen. Tats\u00e4chlich spricht dieser Mann ganz ordentlich Russisch, was ich ausprobiert habe. Was wir\u00a0aber am n\u00e4chsten Tag erfahren &#8211; er ist Chauffeur f\u00fcr einige\u00a0Geologen.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 24. November 1971 \u00a0(Tamanrasset)<\/strong><\/p>\n<p>Wir einigen uns definitiv auf das vom lokalen ATA-Vertreter neu berechneten Programm f\u00fcr unsere Reise. Nun kostet es viel weniger, als daf\u00fcr in Algier vom Hauptsitz der ATA verlangt wurde. \u00a0Bald danach erscheint ein Mann, ganz in Weiss. Von ihm zu sehen sind fast nur seine grossen\u00a0dunklen Augen. \u00a0Der uns \u00a0f\u00fcr die ganze weitere Reise zugeteilte Abdallah ist uns sofort sympathisch.<\/p>\n<p>Der erste Tag mit Abdallah steht im Zeichen des ber\u00fchmten P\u00e8re Foucault.<\/p>\n<p>Charles de Foucauld, 1858 als Sohn einer der reichsten Familien von Frankreich geboren, f\u00fchrte ein ebenso abwechslungsreiches, wie auch abenteuerliches Leben. In der Schule war er der Schlechste seiner Klasse, im Milit\u00e4rdienst wurde er mehrmals bestraft und zuletzt unehrenhaft entlassen.<\/p>\n<p>Er erbte den Adelstitel als Graf, zusammen mit einem betr\u00e4chtlichen Verm\u00f6gen. Dieses verjubelte er mit Prostituierten und Trinkgelagen.<\/p>\n<p>Obwohl Foucault sich in jungen Jahren bewusst von jeglicher Religiosit\u00e4t und Kirche distanziert hatte, befreundete er sich mit einem Rabbiner, der nach einem vorherigen ausschweifenden Leben streng religi\u00f6s geworden war. In seiner Begleitung reiste Foucauld nach Marokko, damals f\u00fcr Christen hermetisch abgesperrt, nicht aber f\u00fcr Juden. Deshalb gab sich Foucault als russischer Rabbiner aus. Er begann die Thora zu lesen und interessierte sich gleichzeitig immer mehr f\u00fcr den Islam. Nur mit einem Kompass ausger\u00fcstet, durchquerte er das Atlas-Gebirge, damals noch ein weisser Fleck auf den Landkarten.<\/p>\n<p>Foucauld wurde religi\u00f6s und entschied sich zuletzt zum Christentum, obwohl ihn der Islam lange Zeit st\u00e4rker beeindruckt hatte. Fortan versuchte er zwischen den beiden Religionen zu vermitteln.<\/p>\n<p>Als Einsiedler liess er sich in Tamanrasset nieder, in der W\u00fcste am Fuss des Hoggar-Gebirges. Der einstige Karawanen-St\u00fctzpunkt lag an der wichtigsten Piste zur Durchquerung der Sahara. Hier lebte schon damals das islamische Nomadenvolk der Tuareg. Focault publizierte ein 2000 Seiten umfassendes W\u00f6rterbuch ihrer und der franz\u00f6sischen Sprache.<\/p>\n<p>1916 wurde Foucauld in den Wirren des ersten Weltkrieges, der sich bis in die W\u00fcste Sahara ausgewirkt hatte, versehentlich erschossen.<\/p>\n<p>(<em>Nachtr\u00e4glich entnehme ich aus dem Internet: Basierend auf den von Foucauld schriftlich hinterlassenen Regeln f\u00fcr ein Leben als M\u00f6nch sind neun religi\u00f6se Orden entstanden. 2005 wurde &#8222;P\u00e8re Foucauld&#8220; vom Papst selig gesprochen).<\/em><\/p>\n<p>Im Landrover bringt uns Abdallah zur Eremitage des P\u00e8re Foucauld. Der Bau aus rotem Ton ist recht schmal, weil die quer\u00a0gelegten Schilfhalme, die\u00a0das Dach bilden, nur eine gewisse L\u00e4nge haben. Der\u00a0Boden besteht aus grobk\u00f6rnigem Sand. An einem Ende des langen Geb\u00e4udes\u00a0der kleine Altar &#8211; am gegen\u00fcber liegenden Ende schlief Foucauld.<\/p>\n<p>Die Eremitage war seinerzeit\u00a0das erste gemauerte Haus in dieser Nomaden-Gegend. Erbaut wurde sie im Jahre\u00a01908, am Ufer eines seither ausgetrockneten Flusses.<\/p>\n<p>Wir plaudern\u00a0mit einer der &#8222;Petite Soeurs de Jesus&#8220;, die einen Orden bilden, der basierend auf den von P\u00e8re Foucauld hinterlassenen Regeln nach dessen Tod gegr\u00fcndet worden ist.<\/p>\n<p>Die Ordens-Schwestern enthalten sich\u00a0jeder Missionst\u00e4tigkeit und bilden nur eine &#8222;pr\u00e9sence&#8220;. Sie erhalten\u00a0sich durch handwerkliche Arbeiten und gelegentlich arbeitet eine\u00a0dieser Frauen &#8211; mit dem angesichts ihres Alters etwas komisch werkenden Namen der &#8222;kleinen Jesusschwestern&#8220; &#8211; als Aushilfe im hiesigen Spital.<\/p>\n<p>Anschliessend werden wir vom Priester der winzigen christlichen Gemeinde (ausschliesslich\u00a0Europ\u00e4er, rund 30 Personen) nett empfangen und in \u00a0ein &#8222;Bourj&#8220; gef\u00fchrt &#8211; die Festung in welcher P\u00e8re Foucauld w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs die letzten Monate seines Lebens verbrachte.<\/p>\n<p>Anschliessend fahren wir hinaus in die W\u00fcste, diese faszinierende\u00a0Landschaft der Formen und Farben. An verschiedenen Stellen zeigt\u00a0uns Abdallah interessante &#8222;gravures rupestres&#8220;, mit hellen Ockerstrichen auf\u00a0\u00a0dunklen glatten Grantiw\u00e4nden angebrachte Zeichnungen. Abgebildet sind verschiedene, gut erkennbare Tiere aus der Zeit der noch gr\u00fcnen\u00a0Sahara und gelegentlich Reihen von Schriftzeichen.<\/p>\n<p>Heimfahrt beim\u00a0Sonnenuntergang. Ich kaufe 3 Meter Baumwolltuch als Turban und als\u00a0Staubschutz. Statt im Hotel, in dem wir \u00fcbernachten, essen wir\u00a0besser und billiger im kleinen Restaurant der hiesigen Karawanserei. F\u00fcr uns Vier zusammen kostet das umgerechnet nur Fr. 12.-.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 25. November 1971 \u00a0(Tamanrasset &#8211; Tuareg-Siedlung)<\/strong><\/p>\n<p>Um 7 Uhr fahren wir los. Abdullah ist ein denkbar angenehmer\u00a0Chauffeur und Reisebegleiter. Er macht auf den Rastpl\u00e4tzen herrlichen\u00a0gr\u00fcnen Tee. Wir f\u00fchlen uns gut bewacht von seinen aufmerksamen und\u00a0freundlichen Augen, die zwischen dem weissen Kopf- \u00a0und Mundschutz-Tuch hervorblitzen.\u00a0Gemessen, aber eifrig t\u00e4tig bewegt er sich er auf dem Rastplatz im bodenlangen, weissen Gewand, das zwischen den Falten seinen \u00fcberschlanken K\u00f6rper erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wir fahren durch wechselvolle Landschaften &#8211; ockerfarbene Sandfl\u00e4chen, dann \u00a0H\u00fcgel aus glatten, dunklen, schwarzen Granitkuppeln auf\u00a0denen. scheinbar schwebend, grosse vom Sand abgeschliffene Steine und manchmal ganze\u00a0runde Felskl\u00f6tze liegen.<\/p>\n<p>Dann fahren wieder durch ein Oued (ausgetrocknetes Flussbett), in dem \u00a0verdorrte Str\u00e4ucher vegetieren. Gelegentlich zeigen sich Gew\u00e4chse mit frischgr\u00fcnen, breiten Bl\u00e4ttern. Diese grossen\u00a0B\u00fcsche haben in Dolden zusammenstehende violette Bl\u00fcten und gr\u00fcne, luftgef\u00fcllte, ballon-artige Fr\u00fcchte. Abdallah reisst\u00a0eine solche auf, damit ich die Fasern im Innern und die austretende\u00a0Milch fotografieren kann.<\/p>\n<p>Dann zeigt er mir ein Kraut mit dem die Tuareg ihre H\u00e4nde waschen. Er zerreibt ein kleines St\u00fcck und sagt, ich solle ihm dabei etwas Wasser \u00fcber die H\u00e4nde giessen. Es beginnt gleich wie Seife zu sch\u00e4umen.<\/p>\n<p>Wir rasten unter einem schattenspendenden Baum. Gleich\u00a0kommen Tuaregs aus der benachbarten kleinen Siedlung. Eine sehr\u00a0dicke Frau stillt ihr Kind aus unwahrscheinlich \u00fcppigen Br\u00fcsten.\u00a0Monica beginnt mit ihr einen lebhaften Tauschhandel, dann mit\u00a0M\u00e4nnern, die sp\u00e4ter eintreffen. Armb\u00e4nder und Anh\u00e4nger werden gegen\u00a0Maria Theresia-Taler eingehandelt. Ric hatte jedem von uns\u00a0als Reisegeschenk zehn dieser historischen und hier hochgesc\u00e4tzten Taler mitgebracht hat und uns in ledernen Beutelchen \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Abend erreichen wir eine Siedlung aus Schilfh\u00e4usern, das Winterquartier der\u00a0Tuareg. Hier lebt Amenokal,\u00a0der Tuareg-K\u00f6nig, den\u00a0wir besuchen wollen. \u00a0Er ist aber krank und\u00a0wir wissen nicht, ob er uns empfangen kann. Abdallah f\u00e4hrt einen\u00a0weiten, respektvollen Halbkreis um die Siedlung und parkiert\u00a0vor der \u00e4ussersten H\u00fctte. Dort warten wir, bis zwei Gestalten\u00a0auf uns zukommen. Gegenseitig stellt man sich vor, wobei Abdallah \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Dann betet einer der beiden M\u00e4nner, wobei er sich rituell mit Sand w\u00e4scht, niederkniet\u00a0und mit der Stirne gegen Mekka gewendet den Boden ber\u00fchrt.\u00a0Wir sitzen den Tuaregs schweigend gegen\u00fcber bis endlich in einer\u00a0gr\u00f6sseren Schilfh\u00fctte eine T\u00fcre aufgeht.\u00a0Dies ist das Zeichen, dass der\u00a0Amenokal uns nun empfangen will. Er sitzt auf einer Decke\u00a0&#8211; ein alter Mann in schwarzer Kleidung, der uns aus fast\u00a0blinden Augen pr\u00fcfend mustert. Nach H\u00e4ndedr\u00fccken setzten wir uns\u00a0auf eine daneben ausgebreitete Decke, wobei wir der Sitte gem\u00e4ss die\u00a0Schuhe ausziehen.<\/p>\n<p>Ric \u00fcbergibt dem K\u00f6nig die automatische Uhr mit blauem Zifferblatt, der Lieblingsfarbe\u00a0der Tuareg. Dann behandelt Gioia die entz\u00fcndeten Augen des\u00a0alten Herrschers mit der von ihr mitgebrachten Augensalbe und gibt ihm Schlaftabletten, da\u00a0er \u00fcber Schlaflosigkeit klagt. Wir wussten bereits vom italienischen\u00a0Arzt im Spital von Tamanrasset &#8211; den Gioia und ich aufgesucht hatten &#8211; dass\u00a0der Amenokal zuckerkrank ist. Wir erfahren nun, dass er mit seinem\u00a0&#8222;Marschall&#8220; in die Schweiz fahren soll zur Spitalpflege in Bern.<\/p>\n<p>Welch f\u00fcrchterlicher Gedanke, dass der alte Mann diese\u00a0Reise und die f\u00fcr ihn damit verbundenen Anstrengungen auf sich nehmen und voraussichtlich\u00a0in einer f\u00fcr ihn be\u00e4ngstigend fremden Umgebung sterben\u00a0wird. Er kann nicht einmal arabisch sprechen &#8211; und nun soll er in ein mehrst\u00f6ckiges, gemauertes, schweizerisch perfektes Krankenhaus\u00a0kommen!<\/p>\n<p>Zum Fotografieren ist es l\u00e4ngst zu sp\u00e4t infolge der zeremoniell\u00a0langsamen Abwicklung der Gespr\u00e4che. Man stellt uns eine der\u00a0Schilfh\u00fctten zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Mit Hilfe von mitgebrachtem Butagas kann Abdallah eine wohlschmeckende, warme Mahlzeit zubereiten: Spaghetti mit Tomaten und Pimento-Paste und anschliessen gibt es den rituellen Gr\u00fcntee.<\/p>\n<p>Ein\u00a0kleiner Junge, Mohammet, sitzt bei uns, schweigend, mit dunklen, weit aufgerissenen Augen. Man hat uns gebeten, ihn nach Tamanrasset mitzunehmen, zu seinem Vater, der krank ist und in einem Spital auf seinen Sohn wartet.<\/p>\n<p>Ich versuche mit den Anderen im\u00a0Schilfhaus zu schlafen, lege mich aber sp\u00e4ter mit dem Daunenschlafsack alleine im Freien, unter zahllosen Sternen, in den Sand. Es ist zwar kalt, aber ich bin\u00a0bis auf die Nasenspitze eingepackt und friere nicht.<\/p>\n<p><strong>Freitag, den 26. November 1971 \u00a0<\/strong><strong>(Tuareg-Siedlung &#8211; Tamanrasset)<\/strong><\/p>\n<p>R\u00fcckfahrt nach Tamanrasset. Am Flugplatz warten wir vergeblich auf die versprochene Ankunft von Youssfi.\u00a0Das Flugzeug musste wegen einem Sandsturm nach Algier zur\u00fcckfliegen.<\/p>\n<p>Die kluge\u00a0Monica hatte eine Wette abgeschlossen gegen Ric, der nach ihrer Meinung zu leicht glaubt, was ihm gewisse Menschen sagen. Es ging darum, ob Youssfi tats\u00e4chlich kommen w\u00fcrde.\u00a0Nun hat Monica einen Maria -Theresia -Taler gewonnen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag bringt Abdallah Ric zur Sicherheit nochmals zum Flugplatz, nachdem er die beiden Damen und mich in seinemHaus abgeladen hat. Hier werden wir als Ehreng\u00e4ste empfangen.\u00a0Die j\u00fcngere Schwester von Abdallahs Frau hat ein gr\u00fcngl\u00e4nzendes\u00a0Festtagskleid angezogen und kichert aufgeregt. Ihr Kopf\u00a0ist umringt von kleinen, vorstehenden Z\u00f6pfchen.<\/p>\n<p>Die schwarzgekleidete Schwiegermutter\u00a0hockt am Boden und w\u00e4scht den kr\u00e4ftigen zweij\u00e4hrigen Sohn von\u00a0Abdallah. Wir warten lange &#8211; ohne Schuhe &#8211; auf den f\u00fcr uns ausgebreiteten,\u00a0farbig gestreiften Wolldecken am Boden sitzend. Der Boden des ganzen Hauses besteht aus sauberem Sand.<\/p>\n<p>Der zeremonielle Tee wird serviert. Jeder erh\u00e4lt dreimal sein\u00a0winziges Glas vollgeschenkt. Jedesmal wenn alle ausgetrunken haben werden die Gl\u00e4ser\u00a0eingesammelt und \u00a0Tee f\u00fcr die n\u00e4chste Runde in zwei kleinen, blau emaillierten Eisen-K\u00e4nnchen frisch zubereitet. Dabei wird der Tee mehrmals mit einem hohen Strahl demonstrativ von einer Kanne in die andere gegossen,\u00a0bis er fast schaumig wird. Der Zucker ist schon drin &#8211; er besteht\u00a0aus St\u00fccken, die von einem Zuckerhut abgeschlagen wurden.<\/p>\n<p>Endlich erscheint\u00a0die sch\u00f6ne, obwohl kleingewachsene Frau von\u00a0Abdallah.\u00a0Sie war bei Nachbarn, half bei Hochzeits-Vorbereitungen.\u00a0Sie zieht eilends ihr Festkleid f\u00fcr uns an.\u00a0Abdallah trifft ein und kleidet sich ebenfalls festlich, um sich f\u00fcr die Polaroid-Foto vorzubereiten. Er will\u00a0der Familie seiner aus Djanet stammenden Frau dieses Bild \u00fcberbringen.<\/p>\n<p>Die ganze Nachbarschaft nimmt lebhaften Anteil an\u00a0der Fotografiererei. Die M\u00e4dchen verschwinden und sind pl\u00f6tzlich\u00a0alle wieder da, nun in ihren Festkleidern. Fotografieren lassen\u00a0sie sich aber nicht und laufen kreischend davon, wenn ich das\u00a0Objektiv gegen sie richte. Abdallah erkl\u00e4rt den Grund der\u00a0Angst: Falls n\u00e4mlich ein M\u00e4dchen auf einer Postkarte erkannt\u00a0wird, hat es keine Chancen mehr, je einen Mann zu finden.<\/p>\n<p>Ich hatte den Zusammenhang bereits erkl\u00e4rt bekommen:\u00a0Nach dem Koran muss eine Frau von Kopf bis Fuss v\u00f6llig verschleiert\u00a0sein, damit kein Blick eines Mannes auf sie f\u00e4llt,\u00a0sonst ist sie &#8222;ber\u00fchrt&#8220; und gilt nicht mehr als keusch gebliebene Jungfrau.<\/p>\n<p>Gioia und ich fotografieren vor dem Haus Kamele, die mit unter dem Bauch zusammengelegten\u00a0Beinen am Boden liegen (oder soll man sagen sitzen)\u00a0und dabei von blau gekleidete M\u00e4nner aus hingehaltenen\u00a0Sch\u00fcsseln gef\u00fcttert werden. Die Tiere fressen mit hoheitsvollem\u00a0Ausdruck, ohne aufzustehen. Wir erfahren, dies seien unsere f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen bestellten Kameltreiber und ihre Tiere.<\/p>\n<p>Ich verziehe mich\u00a0alleine auf einen windigen H\u00fcgel, um den Sonnenuntergang fotografieren\u00a0zu k\u00f6nnen. Es ist nicht einfach, von den beiden fast allzu netten \u00a0Damen loszukommen.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 27. November 1971 \u00a0(Tamanrasset)<\/strong><\/p>\n<p>Um sieben Uhr geht es los mit dem Kamelritt zur &#8222;Source Chapuis&#8220;\u00a0&#8211; drei Stunden hin und drei zur\u00fcck. Wir kommen vorbei an seltsam geformten\u00a0Bergen, gerippte Basaltzylinder, die senkrecht aufragen &#8211;\u00a0am Fuss dieser Berge Stein-Kegel aus abgebr\u00f6ckeltem\u00a0Material.<\/p>\n<p>Die Quelle ist an einem Berghang gefasst &#8211; nat\u00fcrliches Sprudelwasser, das sehr gut schmeckt. Die\u00a0Kameltreiber bereiten Tee, den wir in der \u00fcblichen Form geniessen, nacheinander drei kleine Gl\u00e4schen.<\/p>\n<p>Dann gehe ich alleine zu Fuss voraus durch die W\u00fcste. Von einem kleinen Berg aus braunrotem Gestein \u00fcberschaue ich die weite Ebene mit dem Oued\u00a0(Trockenfluss) in dem einzelne vertrocknende B\u00fcsche und dornige B\u00e4ume zu sehennsind. \u00a0Gl\u00fccklich geniesse ich lange Zeit v\u00f6llige Einsamkeit bis die\u00a0Kamel-Karawane ankommt.<\/p>\n<p>Auf dem letzten Teil des Weges reite ich wieder. Es ist auf den Kamelr\u00fccken\u00a0recht k\u00fchl und wir m\u00fcssen uns eng in die malerischen\u00a0Wolldecken einh\u00fcllen, die sich unter den S\u00e4tteln befanden. Ein starker Wind\u00a0bl\u00e4st und Staubwolken vernebeln die Sicht. Die Damen\u00a0sprechen nachher von ihrem Erlebnis des &#8222;Sandsturms&#8220;.<\/p>\n<p>In Tamanrasset bezahlen wir\u00a0im lokalen Touristenb\u00fcro den Reisetag mit den Kameltreibern und ihren Tiere &#8211; eine viel geringere Summe\u00a0als es\u00a0durch Vermittlung des Hauptsitzes in Alger gekostet h\u00e4tte. Abdallah geht mit\u00a0uns Lebensmittel einkaufen. Dies geschieht auf Kosten der Reiseorganisation\u00a0und Abdallah ist nicht zu sparsam, weiss er doch,\u00a0dass er den nicht verwendeten Rest am Schluss f\u00fcr sich behalten kann.<\/p>\n<p>Nach dem angenehmen Duschen im Hotel essen wir wieder in der Karawanserei. Man serviert uns Suppe,\u00a0Ragout und Kartoffeln, Tomatensalat, Datteln und Tee. Das kostet\u00a0pro Person 4 Dinar, ca Fr. 3.-<\/p>\n<p>Soeben habe ich auf der Terrasse nachgesehen: die vorhin von mir\u00a0gewaschenen Sachen sind &#8211; w\u00e4hrend\u00a0wir gegessen haben &#8211; schon fast trocken geworden. Selbst nachts ist hier die Luft sehr\u00a0trocken &#8211; ich finde das sehr angenehm.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 28, November 1971 \u00a0(Tamanrasset &#8211; Ideles)<\/strong><\/p>\n<p>Wir fahren bei herrlich klarem Wetter durch malerische Landschaften zur zweiten, der beiden nacheinander P\u00e8re Foucauld bewohnten Eremitagen. Die Berge ragen auf mit senkrechten Rippen \u00fcber\u00a0kegelf\u00f6rmigen Schutthalden. Die W\u00fcste ist mit dunkelbraun-roten\u00a0Steinen bedeckt, machmal lauter faustgrosse, manchmal gr\u00f6ssere\u00a0oder kleinere, aber alle haben runde Formen und eine glatte Oberfl\u00e4che. Offenbar werden sie durch den mit Sand vermischten W\u00fcstenwind geschliffen.<\/p>\n<p>Auf der\u00a0Unterseite sind die dunklen Steine ganz hell, ockerfarben. Offenbar\u00a0oxydieren sie infolge der starken Sonnenbestrahlung. Die\u00a0von Steinen befreite Piste zieht sich als helles Band durch die\u00a0Landschaft. Die Felsen sind jedoch kupferrot bis schwarz. Ausser den senkrecht\u00a0gerippten Felsen hat es manchmal bizarre Rundformen, wie\u00a0riesige Eier, die rot aus der dunkleren Steinw\u00fcste,\u00a0oder aus dem helleren Sand aufragen.<\/p>\n<p>Wir schl\u00e4ngeln uns eine\u00a0Pass-Strasse hinauf, vorbei an einem einsamen DKW \u00a0mit Berner Nummer\u00a0und aufgemalter Route bis Johannesburg. Hier hat die Reise\u00a0offenbar ein unerfreuliches, vorzeitiges Ende gefunden, mitten in\u00a0der Einsamkeit.<\/p>\n<p>Der Assekrem ist mit seinen 2800 Meter der h\u00f6chste aus dem Hoggart-Gebirge aurende Gipfel. Auf der flachen Kuppel des Berges, findet sich die zweite f\u00fcr P\u00e8re Foucauld erbaute. Sie ist noch kleiner, als seine erste unten in der Ebene. Wir klettern die letzten\u00a0200 Meter von der Passh\u00e4he der Strasse zum Assekrem-Gipfel\u00a0zu Fuss einen steilen Pfad empor und bringen dem &#8222;Petit Fr\u00e8re de Jesus&#8220;,\u00a0Jean-Marie, Lebensmittel, die uns eine der &#8222;Petite Soeurs de Jesus&#8220;\u00a0f\u00fcr ihn mitgegeben hat.<\/p>\n<p>Vom Hochplateau \u00f6ffnet sich eine herrliche\u00a0Aussicht auf die bizarren Formationen des Hoggart. Auf\u00a0dieser H\u00f6he soll es selbst im Sommer nie w\u00e4rmer werden als 25\u00a0Grad. Jetzt ist es bissig kalt. Wir sind froh, dass wir nicht hier oben auf dem Assekrem \u00fcbernachten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir fahren\u00a0hinunter in eine weite Ebene und nach einer Fahrzeit von drei Stunden erreichen wir das Oasendorf Ideles &#8211; gerade rechtzeitig zu einem herrlichen,\u00a0schwefelgelben Sonnenuntergang\u00a0.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Tages, h\u00e4lt Abdallah mehrmals an, damit wir Gruppen von Gazellen beobachten konnten. Abdallah brachte uns auch zu zwei Gueltas &#8211; Wasserstellen mit Schilf und umgeben von\u00a0Oleanderb\u00fcschen &#8211; mitten in der W\u00fcste. Sehr starke Erlebnisse,\u00a0pl\u00f6tzlich dieses Gr\u00fcn und Leben in der gewaltigen\u00a0Ein\u00f6de. Eine Ente schwirrt pl\u00f6tzlich auf &#8211; V\u00f6gel zwitschern.<\/p>\n<p>Zuletzt erreichen wir Ideles, eine Oase bewohnt von 400 Personen.\u00a0Mit selbstverst\u00e4ndlicher\u00a0Gastfreundschaft stellt man uns eine Schlafgelegenheit zur Verf\u00fcgung.\u00a0Durch das Tor in einer Mauer gelangen wir in einen offenen Hof, dann in\u00a0einen mit d\u00fcnnen Balken und dar\u00fcber gelegten Schilf \u00fcberdachten\u00a0Teil, wo wir \u00fcbernachten werden.<\/p>\n<p>Beim Tagebuch-Schreiben werde ich unterbrochen. Ric holt mich zu\u00a0einem Tamtam- und Tanz-Fest, das die Kinder im Sand, mitten\u00a0in der Siedlung auff\u00fchren. Sie tanzen herrlich, die Buben wild,\u00a0die M\u00e4dchen schlingen dagegen mit T\u00fcchern ihre\u00a0R\u00f6cke eng zusammen und wackeln rhythmisch und gekonnt mit ihren kleinen Popos.<\/p>\n<p>Nach dem leckeren, von Abdallah zubereiteten Abendessen, das wir aus der gemeinsamen\u00a0Sch\u00fcssel l\u00f6ffeln, gehen wir nochmals zum Tanzplatz. Jetzt sind\u00a0es Erwachsene, die auf einer Jerry Can Rhythmen\u00a0schlagen und dazu eint\u00f6nig singen. Majest\u00e4tischen\u00a0Gestalten, die M\u00e4nner in langen weissen Gew\u00e4ndern und weissem Turban auf dem Kopf, dagegen die Frauen ganz schwarz gekleidet, statt einem Turban ein schwarze Tuch \u00fcber den Kopf gebunden. Es wirkt seltsam wie sie im Mondschein unerwartet erscheinen,\u00a0herannahen und dann in die dicht aneinander\u00a0gedr\u00e4ngte Menschengruppe eintauchen. Ich f\u00fchle mich wohl bei diesen freundlichen Nomaden, so ungew\u00f6hnlich sie\u00a0mir auch vorkommen. Wie schade, dass die &#8222;Zivilisation&#8220;\u00a0wohl bald st\u00e4rker hierher reichen und dann diese uns fremde Welt zerst\u00f6ren wird.<\/p>\n<p><strong>Montag, 29. November 1971 \u00a0(Ideles &#8211; Camping in der W\u00fcste)<\/strong><\/p>\n<p>Gegen drei Uhr morgends sp\u00fcre ich immer st\u00e4rkere Magen-Beschwerden\u00a0und allgemeines Unwohlsein. Nur mit M\u00fche finde ich im Koffer Klopapier. Den Schlafsack\u00a0um die Schultern geh\u00e4ngt, gehe ich durch die sehr kalte Nacht\u00a0aufs Klo: ein Loch im Boden, von einer niederen Mauer umgeben, und entlade\u00a0mich von einem schlimmen Durchfall. Gegen f\u00fcnf Uhr ist es\u00a0noch \u00e4rger &#8211; Gioia will besorgt wissen, was denn los sei mit\u00a0mir &#8211; aber ich kann ihr nicht antworten &#8211; ich gelange nur noch\u00a0bis zum Vorhof, wo ich mich in den Sand \u00fcbergebe.<\/p>\n<p>Bis zur Abfahrt unseres Landrovers muss ich mich\u00a0auf ein B\u00fcndel Zement-R\u00f6hren legen. Die Fahrt ist nachher ziemlich\u00a0schlimm. Beim Pausenhalt erhole ich mich jeweils ein wenig, habe jedoch\u00a0den Zeitbegriff verloren. Ich kann es Monica kaum\u00a0glauben, die mir sp\u00e4ter versichert, wir h\u00e4tten das eine Mal eine Stunde\u00a0und das andere Mal 40 Minuten angehalten &#8211; ich wanke nur aus\u00a0dem Wagen, lege mich mit meiner Decke auf den Sand und weiss nichts\u00a0mehr bis zur Weiterfahrt.<\/p>\n<p>Abends geht es mir etwas besser. Ich\u00a0ordne meine Gedanken im Zelt, das die Frauen f\u00fcr mich an einem\u00a0Baumstrunk aufgespannt haben. \u00a0Alle Symptome sind\u00a0gleich, wie seinerzeit bei meinem ersten Malaria-Anfall im Kamerun im Dezember 1968,. Eine eventuell neu ausbechende Malaria\u00a0will ich hier auf keinen Fall riskieren. Das darf \u00a0ich\u00a0weder den Anderen noch mir selber gegen\u00fcber zumuten, besonders w\u00e4hrend der ab Djanet\u00a0geplanten 5-t\u00e4gigen Wanderung im Tassili-Gebirge.\u00a0Ich beschliesse, von Djanet heimzukehren,\u00a0also genau eine Woche vor den Anderen<\/p>\n<p>Ich liege entspannt unter meinem Zeltdach, h\u00f6re die Anderen\u00a0schwatzen und lachen. Sie haben beim n\u00e4chsten Baumstrunk ein\u00a0Feuer gemacht. Sp\u00e4ter stehe ich auf und setze mich ein wenig zu\u00a0ihnen, trinke wieder einmal die drei winzigen Gl\u00e4schen, die\u00a0Abdallah in Abst\u00e4nden mit seinem w\u00fcrzigen, s\u00fcssen Tee f\u00fcllt.\u00a0Schmeckt besonders gut, nachdem ich den ganzen Tag gefastet habe. Herrlicher\u00a0Mond! Sehr eindr\u00fccklich dieses Biwak in der W\u00fcste.<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 30. November 1971 \u00a0(W\u00fcstenbiwak &#8211; Djanet)<\/strong><\/p>\n<p>Die Nacht ist kalt, aber dank meiner Bekleidung mit Trainer \u00fcber Unterw\u00e4sche,\u00a0Pullover, Ski-Starterhosen, Roger-Staub-M\u00fctze und Skif\u00e4ustlingen &#8211; und im Daunenschlafsack eingemummelt, der auf einer\u00a0Wolldecke liegt &#8211; ist es im Zelt ertr\u00e4glich. Jedenfalls\u00a0f\u00fchle ich mich wieder ziemlich wohl.<\/p>\n<p>Die Anderen \u00fcbernachten im Freien. Die beiden Frauen schlafen mit der kleinen Tanini als grosses Paket zusammengenuschelt. Tanini ist die Tochter von Abdallah, die er zu ihren Grosseltern nach Djanet bringen wird. Ric und Abbdallah schlafen einzeln, nahe vom Landrover.<\/p>\n<p>Um 06.30 fahren wir los. Heuten kann ich die Fahrt besser geniessen als gestern. Oft sehe ich schwarze Kegel, wohl vulkanischen Ursprungs,\u00a0die sich aus dem Urgestein erheben, das nur mit einer d\u00fcnnen Schicht von Kies oder Sand bedeckt zu sein scheint. Immer wieder kommt diese graugr\u00fcnliche Urgestein-Schicht zwischen dem ockerfarbenem Sand oder den Kies-Steinchen\u00a0hervor. Manchmal\u00a0hat es auch grosse, dunkle Granitfelsen, die \u00a0aus der ebenen Weite aufragen.<\/p>\n<p>Abdallah h\u00e4lt vor dem Wrack eines neuen Landrovers, in dem\u00a0vor 2 Monaten eine Jerry Can explodierte. Elf Kinder waren\u00a0von Djanet unterwegs nach Tamanrasset in die Oberschule (sixi\u00e8me\u00a0classe). Sie mussten dann zu Fuss etwa 60 Kilometer weit gehen,\u00a0bis sie aufgefunden wurden. Ich nehme den Deckel der Jerry Can\u00a0mit f\u00fcr Daniel Spoerri. So wie ich ihn kenne wird er dieses bedeutungsvolle Teilst\u00fcck gerne in einem seiner dreidimensionalen Kunst-Werke verwenden.<\/p>\n<p>Auf dem letzten Teil der Fahrt nach Djanet ben\u00fctzen wir nicht die auf der\u00a0Karte angegebene Piste, sondern durchqueren hohe Sandd\u00fcnen. Der Wagen schlingert stark. Trotz perfekter Beherrschung seines Fahrzeuges\u00a0muss Abdallah mehrmals neu starten, bis\u00a0er im 4-Rad-Antrieb weiterkommt.<\/p>\n<p>Wir halten zur\u00a0Mittagsrast mitten im Sand. Hier ist es seltsamerweise gar\u00a0nicht heiss, trotz der blendenden Helle, ja im Schatten des\u00a0Wagens &#8211; wo ich mich vorsichtigerweise hinlege &#8211; sogar eher\u00a0k\u00fchl. Abdallah und Tanini ziehen ihre Festtagskleider an und\u00a0sind die letzten zwei Stunden bis Djanet richtig \u00fcberm\u00fctig\u00a0vor Freude.<\/p>\n<p>Aus der Sand-Ebene kommen wir in die Ausl\u00e4ufer des Tassili Gebirges\u00a0und erreichen die Palmen-Oase Djanet, die\u00a0sich zwischen zwei Bergz\u00fcgen erstreckt. Die weissen H\u00e4user\u00a0sind auf den dukeln Felsh\u00e4ngen errichtet. Djanet wirkt viel\u00a0urspr\u00fcnglicher als die wasserarme, palmenlose Durchgangsstation Tamanrasset, mit ihrem aus dem Sudan importierten Baustil. Es ist\u00a0seltsam, wieder viele Menschen zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 1. Dezember \u00a0(Djanet &#8211; Algier)<\/strong><\/p>\n<p>Ich liege auf einem harten Hotel-Bett, halb wach, halb d\u00f6send. Ab 3 Uhr beginnen zahllose H\u00e4hne zu kr\u00e4hen0 &#8211; auch Esel und Ziegen geben Laute von sich, die\u00a0aus der Oase zu uns heraufsteigen. Wir befinden uns in einem\u00a0Hotel bei der halb zerst\u00f6rten milit\u00e4rischen Festung, auf dem\u00a0die Siedlung beherrschenden H\u00fcgel.<\/p>\n<p>Ich verabschiede mich von den Reisegef\u00e4hrten und danke\u00a0Ric f\u00fcr die vielen Erlebnisse, die er mir erm\u00f6glich hat. Eigentlich waren es nur wenige Tage, die mir aber dank dem\u00a0Reichtum an Eindr\u00fccken als eine wesentlich l\u00e4ngere Periode erschienen.<\/p>\n<p>Beim Flug \u00fcber die mir vertraut gewordene W\u00fcste \u00a0kann ich nun mit Sicherheit unterscheiden, was\u00a0Steine sind und was Str\u00e4ucher in den Oueds. Besonders interessant sind die helleren\u00a0Ver\u00e4stelungen der Trockenfl\u00fcsse im fast\u00a0schwarz gebrannten Gebirge. Sp\u00e4ter\u00a0l\u00f6st das endlos scheinende Sandmeer mit seinem regelm\u00e4ssigen Muster der rosa-gelben D\u00fcnen-Wellen die\u00a0dunklere Berg- und Schotter-W\u00fcste ab.<\/p>\n<p>Zwischenlandung in Amenas, dem Zentrum der Petrol-Industrie.\u00a0Am fernen Horizont einige rote Punkte (Flammen), denen widerliche, schwarze Rauchfahnen entsteigen. Das kleine, aber moderne Flughafen-Geb\u00e4ude &#8211; umgeben von ein paar \u00e4lteren Bauten &#8211; steht mitten\u00a0in einer von Menschen verschmutzten W\u00fcstenlandschaft. Oelf\u00e4sser, Autoteile\u00a0usw. liegen im Sand herum.<\/p>\n<p>Ein junger Mann beobachtet mich (wohl\u00a0etwas misstrauisch) beim Fotografieren und spricht mich an. Ich\u00a0gebe mich als harmloser, interessierter Tourist, sodass er mir zuletzt sogar eine der Wohnbaracken\u00a0zeigt, in denen das Flughafen-Personal wohnt. Er selber\u00a0sei der Flugplatz-Kommandant. Die Baracken sind jeweils f\u00fcr eine\u00a0Person bestimmt, haben zwei R\u00e4ume und in\u00a0der Mitte eine Dusch- und eine Kochzelle.<\/p>\n<p>Diese Baracken werden &#8211;\u00a0wie ich einem Schild entnehme &#8211; in Casablanca hergestellt. Mein\u00a0Begleiter erz\u00e4hlt mir, sie w\u00fcrden auf Achse \u00fcber die Piste hierher\u00a0geschleppt. Die W\u00e4nde sind aus isolierendem Kunststoff. Es hat Aircondition-Anlagen, weil es im Sommer tags\u00fcber 45 &#8211; 50 Grad heiss werde &#8211; bei dieser trockenen Hitze sei das zwar nicht unertr\u00e4glich.\u00a0Es hat aber auch eine elektrische Heizung &#8211; nachts im Winter falle\u00a0das Thermometer bisweilen sogar unter null. Selbst im Sommer seien\u00a0die N\u00e4chte k\u00fchl.<\/p>\n<p>Weiter erfahre ich, es habe in diesem Gebiet\u00a0rund 1000 M\u00e4nner &#8211; Frauen sind nicht zugelassen. Nach 2 Monaten\u00a0Arbeit, jeweils 2 Wochen Ferien mit Gratisflug. Die Baracken werden\u00a0kostenlos gestellt. Es habe auch ein Kino und ein Schwimmbecken\u00a0mit Olympia-Format. (Wie viel Wasser da wohl verdunsten muss ?).\u00a0Das Wasser wird aufbereitet, weil es aus ca 150 Meter Tiefe\u00a0unter einer Petrolschicht heraufkommt und zun\u00e4chst schlecht\u00a0schmeckt. Ich trinke etwas Wasser aus dem Hahn in der Baracke\u00a0und es schmeckt wirklich tadellos.<\/p>\n<p>Nach einem weiteren Zwischenhalt in Ghardaia, der grossen W\u00fcsten-Oase, hat es Wolken und so\u00a0kehre ich in den Norden und die K\u00e4lte zur\u00fcck. Bei der Landung in\u00a0Algier bemerke ich, dass \u00fcberall der Boden spiegelt &#8211; Wasser\u00a0steht auf den Feldern! Ich erfahre, es habe so ungew\u00f6hnlich\u00a0stark geregnet, dass die Verbindung vom Flughafen zur Stadt\u00a0zwei Tage unterbrochen blieb. Welch Gegensatz zum angenehmen, trockenen\u00a0W\u00fcstenklima. Ich empfinde sofort die Feuchtigkeit als st\u00f6rend.<\/p>\n<p>Im Hotel St. Georges ist kein Zimmer f\u00fcr mich frei &#8211; vielleicht bin\u00a0ich nicht elegant genug gekleidet. Ich bin jedoch froh dar\u00fcber, da mir das zum Beginn der Reise ben\u00fctzte Hotel wenig gefallen hatte. \u00a0Ich hole meine hier zur\u00fcckgelassenen \u00a0Kleidungsst\u00fccke, die gewaschen worden sind. Der Portier will daf\u00fcr keine Bezahlung annehmen, wohl weil er mir kein freies Zimmer geben kann. Er will mir dann doch noch eines &#8222;finden&#8220;,\u00a0aber ich winke ab und fahre im Taxi ins Zentrum, wo mir im dritten\u00a0Hotel (Michelet) ein billiges aber anst\u00e4ndiges Zimmer zugewiesen wird.<\/p>\n<p>Lange gehe ich noch spazieren &#8211; obwohl etwas m\u00fcde &#8211; und klettere\u00a0in der Casbah steile, schmutzige Stufen empor, zwischen malerischen\u00a0gewinkelten H\u00e4usern. Weit hinauf und dann aus diesem menschliehen\u00a0Ameisenhaufen wieder hinunter zum Meeresufer.<\/p>\n<p>Nach einigem W\u00e4hlen zwischen den zahllosen kleinen Restaurants,\u00a0die unwahrscheinlich billiges Essen angeschrieben haben, entschliesse\u00a0ich mich endlich zu einem relativ vertrauens-erweckenden.\u00a0Das Essen ist dort wirklich sehr schmackhaft und die halbe\u00a0Flasche algerischen Weines &#8211; weniger gibt es nicht &#8211; hilft mir, die l\u00e4rmige Fernseh-Uebertragung eines Fussball-Matches (offenbar aus Deutschland) als kaum st\u00f6rend zu empfinden.\u00a0Die anderen G\u00e4ste &#8211; wie \u00fcberall ausschliesslich M\u00e4nner &#8211; gucken \u00fcbers Essen hinweg mit gebanntem Interesse auf die Flimmerscheibe.<\/p>\n<p>Trotz meiner\u00a0Ueberm\u00fcdung kann ich nach dem langen Tag nicht gleich einschlafen und lese im\u00a0Hotelbett eine algerische Propagandaschrift, die das verbesserte\u00a0Schulwesen beschreibt, sowie die Roh\u00f6l-Lieferungen Algeriens.\u00a0\u00a0Erdgas wird nach den U.S.A. verschifft in fl\u00fcssiger\u00a0Form (bei 160 Grad unter Null) in einem Riesentanker, der\u00a0einer schweizerischen Holding geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, den 2. Dezember 1971 (Algier &#8211; Milano)<\/strong><\/p>\n<p>Flug nach Rom &#8211; von dort nach Mailand.\u00a0Bald bin ich wieder zuhause im Tessin. Ich f\u00fchle mich gl\u00fccklich, besonders weil\u00a0mein starkes Unwohlsein zum Schluss der Reise nur eine vor\u00fcbergehende St\u00f6rmung war und nicht eine erneute Malaria-Erkrankung, wie ich bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei meinen Reisen haben mich die W\u00fcsten besonders stark beeindruckt. Angesichts unendlich scheinender Weite &#8211; nichts als Sand und Fels &#8211; f\u00fchlte ich mich nur noch als winziges, verlorenes Wesen. Dieses Gef\u00fchl \u00fcberw\u00e4ltigte mich ebenso in der Antarktis &#8211; auch eine Art W\u00fcste &#8211; aber aus Eis und Schnee. Im algerischen Teil der Sahara erlebte &hellip; <a href=\"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1125\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Meine erste W\u00fcsten-Reise<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-1125","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wozu-diese-website"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1125"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1234,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125\/revisions\/1234"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}