{"id":1102,"date":"2016-05-29T10:11:10","date_gmt":"2016-05-29T10:11:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1102"},"modified":"2018-03-02T10:14:07","modified_gmt":"2018-03-02T10:14:07","slug":"reise-in-den-suden-der-ehemaligen-u-d-s-s-r","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1102","title":{"rendered":"Reise in den S\u00fcden der ehemaligen U.d.S.S.R"},"content":{"rendered":"<p>Dieser\u00a0Eintrag beruht auf handschriftlichen Notizen, die ich 1985 w\u00e4hrend dem ersten Teil einer Gruppenreise in Armenien und Georgien gemacht hatte. Leider sind die Notizen f\u00fcr den zweiten Teil der Reise verloren gegangen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Freitag 5. April 1985<\/strong>: Flug in 2 1\/2 Stunden nach Kiew, dort mieses Essen dannWeiterflug nach Erewan (auch Jerewan geschrieben), Hauptstadt von Armenien.<\/p>\n<p>Wir sind f\u00fcr\u00a0die \u00dcbernachtung gebucht im riesigen Hotel Ani (So hiess die einstige, aber an einem\u00a0anderen Ort gelegene, mittelalterliche Hauptstadt von Armenien. Das Hotel\u00a0sieht schrecklich aus, befindet sich im Umbau. In unserem Zimmer hat es kein fliessendes\u00a0Wasser, auch die Klo-Sp\u00fclung funktioniert nicht.<\/p>\n<p>Bei Adalberto&#8217;s Bett f\u00e4llt die abgrenzende\u00a0Holzverkleidung zum (unbenutzbaren) Badezimmer hinunter und Adalberto ist entsetzt \u00fcber dadurch aufgescheuchte\u00a0grosse K\u00e4fer. Die Heizung funktioniert schlecht und es\u00a0ist ziemlich kalt in diesem ungem\u00fctlichen Zimmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Samstag, 6. April<\/strong>: Am Vormittag Stadtrundfahrt entlang der sehr breiten Hauptstrasse.\u00a0Hohe Wohnbl\u00f6cke, gleich dahinter kleine simple\u00a0H\u00e4uschen. Fast alles wirkt entweder recht verwahrlost, oder noch kaum fertig.<\/p>\n<p>Wir besuchen das Historischen\u00a0Museum mit interessanten Exponaten. Die Stadt ist fast 3&#8217;000 Jahr\u00a0alt (und somit vergleichbar mit Babylon oder Rom) aber hier ist praktisch nichts \u00fcbrig von der alten Stadt.\u00a0Seit 1930 starke Ausdehnung. Jetzt ca. 1,5 Millionen Einwohner, ein Drittel aller\u00a0in Armenien Menschen.<\/p>\n<p>Armenien war fr\u00fcher rund 10 mal so gross wie heute. Dann haben die T\u00fcrkei und\u00a0Iran den gr\u00f6ssten Teil des Landes \u00fcbernommen.\u00a0Viele\u00a0Armenier leben im Ausland: U.S.A., Frankreich. Die hiesigen Personen haben meist schwarze, Augen, grosse Hakennasen und erinnern mich irgendwie an s\u00fcdamerikanische\u00a0Indianer. Dieser Endruck wird best\u00e4rkt durch Darstellungen an Geb\u00e4uden im Halbrelief von Ochsen\u00a0Schlangen usw. \u00e4hnlich wie bei den Azteken.<\/p>\n<p>Mittagessen im Hotel, wo man uns bessere Zimmer gibt im 7. Stock. Von hier haben\u00a0wir den Blick auf den Berg Ararat, 50 km Distanz, ehemaliger Vulkan, 5&#8217;165 M.\u00fc.M. hoch. Er liegt heute in der T\u00fcrkei, gilt jedoch f\u00fcr Armenier und Russen als heiliger Berg. Die Ebene am Fusse des Ararat ist fruchtbar: Wein, Obst (Pfirsiche). der nicht subtropisch &#8211; kalte Winter kontrastieren zu heissen Sommern, sehr viele Sonnentage.<\/p>\n<p>Am Nachmittag besuchen wir mit der Gruppe ein Kloster in dem \u00fcber 10&#8217;000 Handschriften aufbewahrt werden, bei denen es sich oft um \u00dcbersetzungen aus anderen Sprachen\u00a0handelt. Hier haben sich Texte erhalten, die es in der Ursprache nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Abends gehen Adalberto und ins Theater. Gespielt wird eine musikalische Kom\u00f6die: eine Bauernsippe die\u00a0f\u00fcr den 70-j\u00e4hrigen verwitweten Vater eine Braut sucht und ihm eine 5O-j\u00e4hrige vermittelt,\u00a0in der Annahme, diese w\u00fcrde kaum mehr Kinder kriegen und so g\u00e4be es keine Probleme bei einer\u00a0Erbteilung. Doch unerwartet bekommt sie Zwillinge. Alles recht komisch und ziemlichst gemacht. Adalberto versteht alles &#8211; obwohl auf Russisch gesprochen und gesungen &#8211; er ist wirklich erstaunlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oster-Sonntag, 7 April<\/strong>: Ausflug nach Etschmiadsin, grosse Menschenmenge. Weiterfahrt\u00a0zu einer interessanten Gedenkst\u00e4tte wo 5&#8217;000 Armenier get\u00f6tet wurden. (1915\u00a0hatten die T\u00fcrken insgesamt 1&#8217;500&#8217;000 Armenier umgebracht). Sehr\u00a0beeindruckender Bau aus dunklem Tuffstein. Bemerkenswerte\u00a0moderne Architektur: grosse Kuppelhalle mitgekreuzten Rippen, so dass in vier Ecken intime S\u00e4le entstehen.<\/p>\n<p>Abends spazieren Adalberto und ich fern der Gruppe lange in den Gr\u00fcn-Anlagen von Erevan, die erstaunlich\u00a0weitl\u00e4ufig sind und unz\u00e4hlige Denkm\u00e4ler aller Art aufweisen, z.T. sehr\u00a0moderne. Ich bin zuletzt m\u00fcde und wir gehen ins Hotel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ostermontag, 8. April:<\/strong> Ausflug zu einzigen r\u00f6mischen Tempel innerhalbder Sowjetunion. Er stammt\u00a0aus dem 1. Jh., durch Erdbeben zerst\u00f6rt und nicht wieder aufgebaut. Sehr sch\u00f6ne\u00a0Lage. Wir sind hier auf etwa 1700 M.\u00fc.M. Viele Apfel-Plantagen. Die B\u00e4ume sind klein und\u00a0offenbar kaum geschnitten. Wir kaufen wohlschmeckende \u00c4pfel\u00a0und herrliche N\u00fcsse in eingedicktem, gezuckertem Traubensaft.<\/p>\n<p>Weiterfahrt zur ehemaligen Sommerresidenz eines katholischen W\u00fcrdentr\u00e4gers in\u00a0einem H\u00f6hlenkloster. Sch\u00f6ne Lage in einem Bergtal. Schnee ganz nahe. Herrliche\u00a0frische Luft, aber nicht kalt an der Sonne. Hier wurde fr\u00fcher eine Quellengottheit\u00a0verehrt. Willi &#8211; unser Reiseleiter aus der Schweiz &#8211; sagt, dass Religionen zwar\u00a0wechseln, aber religi\u00f6se Orte bleiben dennoch bestehen. Zahllose T\u00fcchlein sind in\u00a0der Umgebung an Baumzweigen befestigt &#8211; von Wallfahrern zur Erf\u00fcllung ihrer\u00a0W\u00fcnsche. Das wirkt immer noch sehr heidnisch.<\/p>\n<p>Langes Essen in einem Nationalrestaurant, das wie ein armenischen D\u00f6rfchen\u00a0gebaut ist. Wir essen in der\u00ab Kirche\u00bb. Es hat auch verschiedene \u00abBauernh\u00e4user\u00bb.z.T. mit alten M\u00f6beln oder Ger\u00e4ten. Adalberto findet botanisch Irisse und verteilt\u00a0sie an die Frauen der Gruppe.<\/p>\n<p>Die Serviererinnen tragen h\u00fcbsch bestickte Trachten. Das Essen ist sehr \u00fcppig,viele \u00ab Sakuski \u00bb, Wodka, Wein, Mineralwasser.\u00a0Mir gef\u00e4llt besonders das Rosenwasser (Rosenbl\u00e4tter eingekocht zu Sirup dann\u00a0mit Wasser verd\u00fcnnt). Auch Proben von Nusskonfit\u00fcre und\u00a0Rosenkonfit\u00fcre, die zum Kauf angeboten werden, schmecken gut.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt, Besuch eines Botanischen Gartens. Abends Folklore aufgef\u00fchrt\u00a0von einer grossen armenischen Truppe, Musik und Tanz, durchaus nicht kitschig\u00a0(wie ich eigentlich erwartet hatte) und es gef\u00e4llt uns sehr gut<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 9. April<\/strong>: Sehr lange, recht anstrengende Fahrt den ganzen Tag. Unterwegs, in der\u00a0Umgebung der Stadt Alaverdi, Besuch von 3 Kl\u00f6stern.<\/p>\n<p>Um 10 Uhr Abends\u00a0erreichen wir endlich den Sewan-See. Kalt! Es schneit sogar leicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 10. April<\/strong>: Besuch des Klosters auf einer Halbinsel des noch eisbedeckten\u00a0Sewan-Sees. Dieser ist doppelt so gross wie der Genfersee. Der See wurde um 20 m abgesenkt, um die Verdunstung im Sommer zu verringern. Sie war n\u00e4mlich\u00a0gr\u00f6sser, als der Wasserzufluss. Es wurden auch zwei Fl\u00fcsse durch Tunnels\u00a0umgeleitet, wobei stufenweise Elektrizit\u00e4t gewonnen wird.<\/p>\n<p>Die jetzige Halbinsel war fr\u00fcher eine Insel. Es hat weisse und lila Krokusse. Ich bin\u00a0bei der herrschenden Temperatur froh, eine Daunenjacke mitgenommen zu haben.<\/p>\n<p>Wider eine endlos scheinende Busfahrt. Wir fahren auch durch hier rare W\u00e4lder.\u00a0Eine Strecke f\u00fchrt auch durch Aserbaidschan, steppenartiger Charakter.\u00a0Abstecher zu einen Kloster.<\/p>\n<p>Gegen 4 Uhr nachmittags kommen wir endlich zum Mittagessen in Tiflis (Tbilissi) an.\u00a0Die Stadt erstreckt sich entlang dem Fluss Kura. Unser Hotel ist ein Glaskasten-Riesenbau.\u00a0Spaziergang in der faszinierenden Stadt. Sehr breite Hauptstrasse\u00a0(6 Bahnen) und dichter Verkehr. Herrliche alte H\u00e4user (Jugendstil) auch\u00a0moderne Prunkbauten. Hier ist alles viel sauberer als in Erewan.<\/p>\n<p>Abends Ballett \u201e1001 Nacht&#8220;. Das Opernhaus ist orientalisch dekoriert. Das\u00a0Ballett gross aufgezogen, aber mit nur drittklassigen T\u00e4nzerinnen. Nachher Erkl\u00e4rung des\u00a0Reisef\u00fchrers Willi: Die besten K\u00fcnstler werden aus der Provinzabgezogen und\u00a0nach Moskau oder Leningrad gebracht. Ausser in diesen beiden St\u00e4dten sind\u00a0Theater- oder Ballett-Auff\u00fchrungen qualitativ meistminderwertig &#8211; mit Ausnahme von\u00a0nationalen Folklore-Gruppen.<\/p>\n<p>Mich schmerzen die Beine immer mehr. Adalberto massiert mehrmals. Heute gibt\u00a0er mir f\u00fcr mich mitgebrachtes Flosint, welches Wunder wirkt. War sehr l\u00e4stig &#8211;\u00a0wohl infolge der langen Busfahrten eingetretene Blutstauungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 10. April:<\/strong>\u00a0Vormittags Stadtrundfahrt. Herrlicher Blick von der Anh\u00f6he\u00a0des Stalin-Parks, wo sich eine grosse Fernseh-Antenne erhebt, hinunter auf die\u00a0Stadt.<\/p>\n<p>Ich bleibe sehr beeindruckt vom bisher erreichten Resultat der Restauration von\u00a0Altstadt-Bezirken (allerdings meist nur die Strassenfront) die vor 10 Jahren\u00a0einsetzte. Vorher Abbruch und Neubauten von klotzigen Wohnbl\u00f6cken<\/p>\n<p>Nachmittags: Historisches Museum, dann mit dm Bus zur\u00fcck ins Hotel. Nach dem Abendessen nochmals mit dem Bus zu einer Kirche, die als Theater umfunktioniert\u00a0worden ist. Vorstellung der Nationalen Georgische Folkloregruppe. Musik und Tanz.\u00a0Sehr gut.<\/p>\n<p>Zuf\u00e4llig erleben wir dann in\u00a0der Kathedrale\u00a0einen n\u00e4chtlichen, endlos scheinenden\u00a0Gottesdienst \u00a0Es ist Vor-Oster-Zeit f\u00fcr orthodoxe Christen. Die Kirche ist voll Menschen &#8211; darunter viele junge. Die Leute z\u00fcnden immer wieder lange, d\u00fcnne Kerzen an und bekleckern\u00a0sich bei dem abwechselnden Niederknien und Aufstehen\u00a0gegenseitig die Kleider mit fl\u00fcssigem Wachs.<\/p>\n<p>Wir stehen bei\u00a0einer S\u00e4ule unmittelbar vor den drei h\u00f6chsten geistigen W\u00fcrdetr\u00e4gern. In der\u00a0Mitte der Katholikus mit \u00a0schwarzem Haar und weissem Bart, ca. 50-j\u00e4hrig.\u00a0Er ist flankiert von zwei b\u00e4rtigen, kleineren Priestern mit sehr charakteristischen\u00a0Gesichtern. Alle in pr\u00e4chtigen, gold-gestickten bodenlangen Roben.\u00a0Auf dem Kopf tragen sie fantastische Mitren.<\/p>\n<p>Es hat auch eine ganze Reihe anderer\u00a0Kirchenleute in Prunkgew\u00e4ndern. Uns f\u00e4llt besonders einer auf, in bodenlanger\u00a0Silberrobe, junges Gesicht mit weissem B\u00e4rtchen. Er hat eine herrliche Stimme, tief\u00a0und hallend. Beim Hinausgehen finde ich mich hinter einem grossen Mann, sexy, in\u00a0modischer Leder-Jacke, zwischen zwei Frauen, stark nach Knoblauch riechend &#8230; es\u00a0ist der Silbermantel!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freitag, 12. April<\/strong>: Fahrt bis zum 2395 m hoch liegenden Kreuzpass, der alten\u00a0georgischen Heerstrasse entlang, fr\u00fcher die elnzige Verbindung zwischen Georgien\u00a0und Russland. Unterwegs Kl\u00f6ster-Besuche. Oben wird eine Ski-Station gebaut,\u00a0noch ganz am Anfang. Es liegt Schnee und die Sicht ist schlecht.<\/p>\n<p>Abends in Tiblissi melden wir uns ab von der Gruppe und essen nicht besonders\u00a0gut in einem empfohlenen Restaurant. Man serviert uns, trotz meines vergeblichen\u00a0Protestes, Dinge, die ich nicht bestellt habe und die mir der Kellner vorschlug,\u00a0anstelle der angeblich nicht vorhandenen Speisen auf dem Menu. Die Rechnung ist\u00a0nachher f\u00fcr die hiesigen Verh\u00e4ltnisse sehr hoch.<\/p>\n<p>Unser n\u00e4chtlicher Spaziergang wird durch einen sturmartigen Wind abgebrochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> Samstag, 13. April<\/strong>. Besuch der Schatzkammer im Kunstmuseummit unglaublichen Kirchensch\u00e4tzen. Dann Besuch der speziell f\u00fcr uns ge\u00f6ffneten\u00a0Schatzkammer im historischen Museum, die soeben renoviert wird und wo sich\u00a0Grabfunde aus vorchristlicher Zeit befinden. Die Kirchensch\u00e4tze aus Gold,\u00a0Edelsteinen und unz\u00e4hligen Perlen hatten uns aber vorher noch mehr begeistert.<\/p>\n<p>Mittagessen im National-Restaurant, endlich etwas schmackhafter als die st\u00e4ndige,\u00a0schuhsohlenharte Zwiebelfleischdi\u00e4t ohne Salat usw. der Hotels.<\/p>\n<p>Nachmittags Besichtigung in einem grossen Park am Berghang, in welchem aus allen Gegenden\u00a0Georgiens H\u00e4user wieder aufgebaut wurden. Interessante Kuppel bauten, sich nach\u00a0oben kegelf\u00f6rmig verj\u00fcngend, aufgeschichtete Holzbalken, wobei die Mitte\u00a0frei bleibt. Die vielen B\u00e4umchen mit weissen Pflaumen- und rosa Pfirsichbl\u00fcten \u00a0ergeben\u00a0f\u00fcr mich sch\u00f6ne Fotosujets.<\/p>\n<p>Nachher besuchen Adalberto und ich in einem winzigen Marionetten-Theater\u00a0\u00a0eine Auff\u00fchrung. Sehr sch\u00f6ne Dekors\u00a0und phantasievolle Figuren, doch georgisch gesprochen und somit unverst\u00e4ndlich f\u00fcr\u00a0uns.<\/p>\n<p>Wir gehen auf der anderen Seite der mit dem vielen Schmelzwasser\u00a0angeschwollenen, rasch fliessenden Kura eine recht lange Strecke bis zum Zirkus.\u00a0Der Zirkus ist ein grosser Rundbau auf einer Hu?gelkuppel u?ber dem Flussufer,\u00a0umgeben von Parkanlage mit Zypressen, Pinien, usw. Gelb\/weisser Bau mit S\u00e4ulen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Hundenummer und gute Schlussnummer mit vielen B\u00e4ren, die auf\u00a0galoppierenden Pferden reiten und andere, erstaunliche Kunstst\u00fccke vorf\u00fchren. Bedauerliche Tiere!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 14. April<\/strong>: Das Wetter ist grau geworden. Wir fahren nach Gori, 85 km von\u00a0Tiblissi entfernt. Unterwegs Besichtigung einer reich dekorierten Kirche aus dem 10.\u00a0Jh,, umgeben von einer Festungsmauer. In Gori, in unmittelbarer N\u00e4he des\u00a0Geburtshauses von Stalin, beziehen wir ein Hotel, welches sehr prunkvoll ist mit\u00a0S\u00e4ulen, Parkett aus verschiedenen H\u00f6lzern, ausgemalten Gew\u00f6lbe-Decken,\u00a0zweifellos zu Stalin&#8217;s Zeit erbaut. Im Bad funktioniert aber das WC nicht. Eine\u00a0kaputte Gl\u00fchlampe kann nicht ersetzt werden.<\/p>\n<p>Das winzige Geburtshaus Stalin&#8217;s hat zwei R\u00e4ume, wobei die Familie den kleineren\u00a0von den Besitzern mietete, die im gr\u00f6sseren der beiden R\u00e4ume lebten.\u00a0\u00dcber dieses bescheidene H\u00e4uschen wurde ein prachtvoller Tempel errichtet.<\/p>\n<p>Wir besuche das recht interessante Museum\u00a0der Revolutionsgeschichte. Die Totenmaske Stalin&#8217;s in Bronze ist zu sehen\u00a0in einem runden Tempel, dessen Decke von vielen S\u00e4ulen getragen wird aus rotem\u00a0Sandstein. Die Maske wird von einem Scheinwerfer-Strahl beleuchtet.<\/p>\n<p>Ich kann russische Touristen beobachten, 2 Busladungen voll. Man pilgert alsooffenbar wieder zum \u201eZeus-Vater&#8220; Stalin, aber nicht mehr in Massen und mit einer gewissen kritischen, historischen Distanz. Die unbestrittenen Verdienste\u00a0zum Aufbau der Sowjetunion werden nun anscheinend den Verbrechen abw\u00e4gend\u00a0gegen\u00fcber gestellt.<\/p>\n<p>Wir fahren hinauf zu einer H\u00f6hlenstadt, die im III Jahrtausend v.Ch. begann und bis\u00a01800 bewohnt worden sein soll. Es ist kalt und es bl\u00e4st ein sehr starker Wind.\u00a0Trotzdem beobachten wir Leute, die in einem Garten ein Festessen veranstalten,\u00a0an langer Tafel dicht aneinander gedr\u00e4ngt, was hier generell die Sitte zu sein\u00a0scheint (Man kann an den Hotel-Tischen kaum vom Stuhl aufstehen, wenn die\u00a0Leute daneben sitzen bleiben).<\/p>\n<p>Auch auf einem der grossen Felder wird gearbeitet, obwohl es zu regnen beginnt. Mir f\u00e4llt\u00a0auf, dass &#8211; ganz im Gegenteil von dem was man im Westen erz\u00e4hlt &#8211; die riesigen\u00a0Obst- und Wein-Plantagen in schnurgeraden, endlosen Reihen von B\u00e4umchen oder die\u00a0Reben tadellos gepflegt sind, dagegen recht unordentlich die offensichtlich\u00a0privaten, kleinen Anbaufl\u00e4chen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montag, 15. April:<\/strong> Fahrt zu einer Kirche unweit von Gori. Dann Besuch eines\u00a0Marktes auf dem Gem\u00fcse zum freien Verkauf angeboten wird. Sehr viel mehr als in\u00a0den L\u00e4den. Wir kaufen dicke Haseln\u00fcsse, etwas trockene Mandarinen und herrlich\u00a0schmeckende Khaki.<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen Fahrt nach Tiblissi. Unweit von Tiblissi fahren wir auf einen\u00a0Berg \u00fcber der Kura, wo sich die Kirche erhebt, welche \u00fcber einem grossen\u00a0Holzkreuz aufgebaut wurde. Der Wind ist so stark, dass es fast nicht\u00a0m\u00f6glich ist, sich zum Fotografieren hinzustellen, ohne umgeworfen zu werden.<\/p>\n<p>In Tiblissi besuchen Adalberto und ich eine unweit vom Hotel gelegene, russisch\u00a0orthodoxe Kirche, weiss mit versilberten Kuppel. Es wird gerade ein Gottesdienst\u00a0abgehalten. Ausschliesslich Frauen (au\u00dfer den beiden Priester).\u00a0Sie essen teilweise Brot in der Kirche &#8211; zu unserem Erstaunen -und trinken Tee aus\u00a0einem Samovar.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen (diesmal im 16. Stockwerk des Hotels, wo es lauter kleine\u00a0Ess-S\u00e4le hat und eine herrliche Aussicht \u00fcber die Stadt) gehen wir ins Kino: ,,The\u00a0Verdict&#8220; von Paul Newman, f\u00fcr uns sehr seltsam dieser Film auf Russisch. Die\u00a0Verh\u00e4ltnisse in den U.S.A. werden sehr negativ geschildert, korruptes Justizsystem\u00a0und Geistlichkeit \u00c4rzte, die eine Frau durch eine unsorgf\u00e4ltige Operation\u00a0vernichtet haben. Der versoffene Anwalt (Newman) gewinnt aber dennoch\u00a0unerwartet den Prozess.<\/p>\n<p>Adalberto will noch spazieren gehen. Ich gehe schlafen. Um 3 Uhr pocht er an die\u00a0T\u00fcre in Begleitung einer sch\u00f6nen, besoffenen Georgerin mit einer\u00a0Champagnerflasche in der Hand. Sie hat sich ihm im Lift angeschlossen, dochmeine (nackte) Anwesenheit vertreibt sie. Adalberto hat aber einige M\u00fche, sie in\u00a0den Lift zu bringen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 16. April:\u00a0<\/strong>Ich habe wieder Durchfall, da ich am Vorabend viel von den Fr\u00fcchte ass, aus dem\u00a0Markt von Gori. Ich nehme Mexase welche das Problem bald beseitigt.<\/p>\n<p>Nachmittags ausgedehnter Spaziergang hinauf zur riesigen Blech-Figur der Mutter\u00a0Georgia mit den grossen Br\u00fcsten auf dem H\u00fcgel \u00fcber der Stadt.<\/p>\n<p>Entlang der Komsolmolzen-Allee, auf dem Grat des H\u00fcgels, kehren wir in einen\u00a0anderen Teil der Altstadt zur\u00fcck, wo ich viele Fotos mache von uns begeisternden\u00a0architektonischen Details.<\/p>\n<p>Nach dem Nachtessen im Gribojedow-Theater, ein auf russisch gespieltes St\u00fcck des neapolitaners De Filippo. Ganz ausgezeichnete Inszenierung, gutes B\u00fchnenbild\u00a0(ein bewusstes Durcheinander) und gl\u00e4nzend gespielt, mit kurzen Tanzeinlagen\u00a0durch die talentierten Schauspieler.<\/p>\n<p>Es geht um Witwentr\u00f6stung. Ein\u00a0\u201eMedienmann&#8220; lasst den toten Ehegatten in einem der M\u00e4nner des Instituts\u00a0\u201eauferstehen&#8220; und dieser befriedigt die Witwen, die aber immer h\u00e4ufiger\u00a0,,spiritistische Seancen&#8220; verlangen und die M\u00e4nner \u00fcberfordern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 17. April:<\/strong> Ich habe die Koffer gepackt. Wir fahren um 11 Uhr zum\u00a0Flugplatz. Es ist wolkig, aber wir sehen doch einen der grossen Kaukasus-Berge.<\/p>\n<p>Um drei Uhr Mittagessen im Flughafen von Kiew. Dann 40 km Fahrt durch topfebenes Land. In Kiew werden h\u00fcbsche, saubere Einfamilien-H\u00e4uschen mit G\u00e4rten\u00a0fortlaufend abgerissen und durch charakterlose Wohnbl\u00f6cke ersetzt. Die Stadt\u00a0d\u00fcrfe sich fl\u00e4chenm\u00e4ssig nicht ausdehnen &#8211; wurde verf\u00fcgt &#8211; und kann sich somit\u00a0nur verdichten und in die H\u00f6he wachsen. \u00dcberbreite Strassen, auf denen aber\u00a0relativ wenig Privatautos verkehren (ganz im Gegensatz zu Georgien) daf\u00fcr viele\u00a0Laster.<\/p>\n<p>Wir fahren zur prachtvollen Sophien-Kathedrale. Im Innern des heute als Museum\u00a0dienenden Bauwerks ist das Modell der einstigen Kathedrale mit flachen Kuppeln zu sehen.\u00a0Sie wurden durch vergoldete Zwiebelkuppeln ersetzt. Innen ist alles geschm\u00fcckt\u00a0mit Fresken und riesigen Mosaik-Fl\u00e4chen. Ich bin aber nicht besonders begeistert\u00a0von Innern, so gut mir das gar nicht dazu passende \u00c4ussere gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Dnjepr f\u00fchrt eine 1,6 km lange Br\u00fccke. Der Dnjepr ist nach Wolga und\u00a0Donau der drittl\u00e4ngste Fluss von Europa.<\/p>\n<p>Abends bin ich so m\u00fcde, wohl vom Flug, dass ich im Hotelzimmer bleibe,w\u00e4hrend Adalberto noch einen ausgedehnten Spaziergang unternimmt.<\/p>\n<p><strong>Hier endeten die erhalten gebliebenen, handschriftlichen Notizen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser\u00a0Eintrag beruht auf handschriftlichen Notizen, die ich 1985 w\u00e4hrend dem ersten Teil einer Gruppenreise in Armenien und Georgien gemacht hatte. Leider sind die Notizen f\u00fcr den zweiten Teil der Reise verloren gegangen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-1102","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wozu-diese-website"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1102"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1105,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1102\/revisions\/1105"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ivanruperti.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}