{"id":1090,"date":"2016-10-22T09:56:21","date_gmt":"2016-10-22T09:56:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1090"},"modified":"2019-07-22T07:42:22","modified_gmt":"2019-07-22T07:42:22","slug":"die-groste-magnoliensammlung-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ivanruperti.info\/?p=1090","title":{"rendered":"Die gr\u00f6\u00dfte Magnoliensammlung der Welt."},"content":{"rendered":"<p><em>Die Erkundungen f\u00fcr die Programme von Gartenreisen machte ich teils alleine, teils mit befreundeten Personen, die sp\u00e4ter die Gruppen gef\u00fchrt haben. Die \u00a0Beschreibungen der Reisen, die im Jahre danach veranstaltet wurden, habe ich dann stets selber verfasst. Offenbar ist mir gelungen, die vorgesehenen Besuchsprogramme so verlockend darzustellen, dass sich jeweils viele Teilnehmer\/innen anmeldeten. Oft waren es sogar mehr als in den zum Voraus reservierten Hotelzimmern Platz gehabt h\u00e4tten. Dann wurde die Reise im darauflegenden Jahr wiederholt.<\/em><\/p>\n<p><em>Leider hatte ich es nicht f\u00fcr n\u00f6tig gefunden, all die vielen Beschreibungen der geplanten Gartenreisen aufzubewahren. Nun freut es mich, dass eine ehemalige Reise-Teilnehmerin mir erm\u00f6glicht, das von ihr aufbewahrte Programm nachfolgend zu kopieren. Vielleicht kann dies als Basis f\u00fcr eine private Reise zum Lago Maggiore dienen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die gr\u00f6sste Magnoliensammlung der Welt und weitere Bl\u00fctenpracht im \u00a0Tessin\u001d! \u00a0Eine sch\u00f6nere Ouvert\u00fcre zur Gartensaison kann man sich in der Schweiz kaum vorstellen!<\/p>\n<p>Die Fr\u00fchlingsreise zum Lago Maggiore begleitet Andrea Branca, imTessin t\u00e4tiger Landschaftsarchitekt. Neben den jetzt pr\u00e4chtig bl\u00fchenden Magnolien (Magnolia soulangea) werden bei dieser Reise noch viele der sp\u00e4t bl\u00fchenden Kameliensorten erfreuen, aber auch schon mehrere, fr\u00fch bl\u00fchende Rhododendren.<\/p>\n<p>Clou dieser Reise: Der Gartenmeister Otto Eisenhut wurde im Jahre 2006 von der englischen Royal Horticultural Society pr\u00e4miert f\u00fcr die \u201egr\u00f6sste Magnoliensammlung der Welt&#8220;, die er in seinem Schaugarten \u00fcber San Nazzaro angelegt hat. Wir haben das Gl\u00fcck, dieses Gartenjuwel bei uns in der Schweiz bestaunen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Botanischen Garten der Brissago-Insel entdecken wir Pflanzen, die sonst an keinem anderen Ort der Schweiz im Freien wachsen. Auf der Isola Madre stellt sich die Frage, ob der riesige, vom Sturm umgeworfene und dann wieder aufgerichtete \u201esch\u00f6nste Baum von Europa&#8220; \u00fcberleben wird.<\/p>\n<p>Dank pers\u00f6nlichen Beziehungen des Reiseleiters k\u00f6nnen wir auch herrliche Privatg\u00e4rten besuchen, deren Tore normalerweise f\u00fcr fremde Personen verschlossen bleiben. Diese vielseitige Fr\u00fchlingsreise wird jeden Garten-und Pflanzenfreund mit unvergesslichen Eindr\u00fccken bereichern.<\/p>\n<p><strong>27. M\u00e4rz 2008: Individuelle Anreise nach Bellinzona. Castello Sasso Corbaro, Villa dei Cedri und Privatgarten in Bellinzona<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst fahren wir hinauf zum Castello Sasso Corbaro. Es ist die kleinste und am h\u00f6chsten gelegene der drei Schlossburgen, die von der UNESCO zum kulturellen Welterbe ernannt worden sind. Die ganze Burg ist in vorbildlicher Weise restauriert worden. Hier geniesst man eine pr\u00e4chtige Aussicht weit \u00fcber die Magadino-Ebene bis hin zum Lago Maggiore.<\/p>\n<p>Anschliessend fahren wir nach Bellinzona zur\u00fcck. In manchen der zu historischen Villen geh\u00f6renden G\u00e4rten bl\u00fchen pr\u00e4chtige Magnolienb\u00e4ume. Zwei besonders sch\u00f6ne und grosse Exemplare bewundern wir im Garten der Villa dei Cedri: direkt nebeneinander stehen ein weiss und ein rosa bl\u00fchender Baum. Die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute, ehemalige Patriziervilla dient heute f\u00fcr Kunstausstellungen.<\/p>\n<p>Der umfangreiche Garten enth\u00e4lt unter anderem auch stattliche Exemplare der aus den s\u00fcdlichen Staaten der U.S.A. stammenden, immergr\u00fcnen Magnolie (Magnolia grandiflora), die aber erst im Sommer bl\u00fcht. Besonders bemerkenswert ist die Gruppe der riesigen, rotlaubigen Buchen (Fagus atropurpurea pendula), deren malerisches Gewirr von Zweigen jetzt &#8211; vor dem Laubaustrieb &#8211; besonders gut zur Geltung kommt. Auch ein kleiner Bambuswald w\u00e4chst in diesem Garten und mehrere Meter hohe Kamelien-B\u00fcsche umrahmen einen Brunnen.<\/p>\n<p>Auf der Weiterfahrt machen wir am Rande von Bellinzona einen Zwischenhalt, um in einem privaten Garten einen ganz besonders grossen, \u00fcberreich bl\u00fchenden Magnolienbaum zu bestaunen.<\/p>\n<p><strong>28. M\u00e4rz 2008: Parco Botanico Gambarogno, zwei Privatg\u00e4rten in Ascona und Collegio Papio<\/strong><\/p>\n<p>Wir fahren auf die andere Seite des Lago Maggiore, nach San Nazzaro. In dem von Otto Eisenhut angelegten und nun dem Staat \u00fcbergebenen &#8222;Parco Botanico Gambarogno&#8220; besichtigen wir die gr\u00f6sste Magnoliensammlung der Welt. Sie umfasst \u00fcber 300 verschiedene Arten, von denen viele jetzt bl\u00fchen. Darunter finden sich buschf\u00f6rmige Magnolien &#8211; sowie hohe Magnolien-B\u00e4ume. Besonders die seltenen Sorten &#8211; mit auffallend grossem, gelbem Bl\u00fctenschmuck &#8211; bedeuten f\u00fcr viele Besucher eine erstaunliche Entdeckung.<\/p>\n<p>Nach der ausf\u00fchrlichen Besichtigung fahren wir nach Locarno zur\u00fcck und von dort weiter nach Ascona. Hier machen wir eine l\u00e4ngere Pause, sei es f\u00fcr Eink\u00e4ufe, oder zum Spazieren am Seeufer und f\u00fcr ein Mittagessen. Am Nachmittag besuchen wir im Zentrum von Ascona zwei private G\u00e4rten. Sie sind von Wohnbl\u00f6cken umschlossen und lassen nichts ahnende Touristen kaum vermuten, was f\u00fcr Gartenjuwelen hier versteckt sind. Normalerweise bleiben diese Gartenparadiese f\u00fcr fremde Besucher verschlossen.<\/p>\n<p>Die vom Grossvater des heutigen Besitzers erbaute Jugendstilvilla hat einen erstaunlichen, 5000 Quadratmeter grossen Garten. Trotz seiner zentralen Lage kann man am geschmiedeten Gartentor einzig die grosse, immergr\u00fcne Magnolie erblicken. Sie muss alle paar Jahre radikal gestutzt werden, sonst w\u00fcrde sie allzu weit \u00fcber die Strasse hinauswachsen. In diesem Garten bestaunen wir neben anderen bemerkenswerten Gew\u00e4chsen auch zwei &#8222;gr\u00fcne H\u00fcgel&#8220;. Es sind vermutlich die gewaltigsten Rhododendren der ganzen Schweiz.<\/p>\n<p>Einen v\u00f6llig anderen Charakter hat der einst auch zu dieser Villa geh\u00f6rende Gartenteil. Er wurde sp\u00e4ter mit einer Mauer abgetrennt und diente der kommerziellen Gem\u00fcsezucht. Eine heute hoch betagte Dame \u00fcbernahm sp\u00e4ter das Grundst\u00fcck und ergab sich ihrer Leidenschaft: Sie pflanzte jede neu erh\u00e4ltliche Kameliensorte in die ehemaligen, von Granit eingefassten Gem\u00fcsebeete. Daraus entstand der heute fast wild anmutende Kamelienwald. Einen gr\u00f6sseren Gegensatz zu dem von uns vorher besuchten, aufw\u00e4ndig gepflegten, auf der anderen Seite der Mauer gelegenen Park, kann man sich kaum vorstellen.<\/p>\n<p>Zuletzt besichtigen wir noch im nahe gelegenen, historischen Collegio Papio den Gartenhof mit den hier im Freien wachsenden Bananen. In der daneben liegenden Klosterkirche bewundern wir einen der sch\u00f6nsten Alt\u00e4re im Tessin.<\/p>\n<p><strong>29. M\u00e4rz 2008: Tagesausflug nach Italien: Privatgarten in Oggebbio, Privatgarten in Pallanza, Isola Madre und Villa Taranto <\/strong><\/p>\n<p>In Oggebbio \u00fcber dem Lago Maggiore besuchen wir die Villa des Pr\u00e4sidenten der italienischen Kameliengesellschaft: Andrea Corneo hat vor wenigen Jahren sein Studium der Botanik an der Universit\u00e4t von Mailand abgeschlossen. Seine Dissertation \u00fcber die Kamelien wurde als die beste Doktorarbeit des Jahres ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Vor mehr als hundert Jahren hat sein Vorfahre &#8211; ein offenbar ebenso begeisterter Botaniker &#8211; in der vor winterlichen Winden gesch\u00fctzten, steil zum Lago Maggiore abfallenden Schlucht mit der Anpflanzung von Kamelien begonnen. Im heutigen Kamelienwald finden sich B\u00e4ume antiker Sorten, die es nur noch hier gibt. Sie werden vom gegenw\u00e4rtigen Besitzer fortlaufend durch hervorragende, modernen Z\u00fcchtungen erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Dank einer Spezialerlaubnis, k\u00f6nnen wir in Pallanza einen weiteren Privatgarten besuchen. Die palastartigen Sommerresidenz der Familie Rusconi-Clerici verf\u00fcgt \u00fcber den sch\u00f6nsten aller G\u00e4rten, die direkt am Ufer des Lago Maggiore liegen.<\/p>\n<p>Von hier aus \u00f6ffnet sich ein verheissungsvoller Blick auf unser n\u00e4chstes Ziel, die Isola Madre. Nach einem kleinen Spaziergang entlang dem Seeufer gelangen wir zur Schiffsstation. Eine kurze Fahrt bringt uns zur gr\u00f6ssten der heute noch im Besitz der Adelsfamilie Borromeo befindlichen Inseln. Hier erwartet uns das Mittagsessen im sogenannten Piraten-Restaurant, am Landeplatz f\u00fcr Jachten.<\/p>\n<p>Die ber\u00fchmte, vor Stresa liegende Isola Bella wird von touristischen Heerscharen heimgesucht. Gartenfreunde bevorzugen jedoch die Isola Madre mit ihrem botanische Park. Ein Sturmwind hat im Jahre 2006 einen Teil der Anlage stark besch\u00e4digt. Auf der den Winden ausgesetzten Nordseite der Insel wurden mehr als 200 B\u00e4ume in der Mitte geknickt oder sogar entwurzelt.<\/p>\n<p>Vollst\u00e4ndig umgeworfen wurde auch die weltber\u00fchmte, vor dem historischen Palast wachsende Kaschmir-Zypresse (Cupressus cashmeriana Glauca). Diese sehr spezielle Konifere mit ihren bl\u00e4ulich belaubten, herabh\u00e4ngenden Zweigen ist selbst in ihrer nordindischen Heimat selten. F\u00fcr Dendrologen war der Baum auf der Isola Madre mit seinem Stammesumfang von acht Metern eine Pilgerst\u00e4tte. Sie nannten ihn \u201ethe most beautiful tree in Europe&#8220;.<\/p>\n<p>Nach dem Unwetter mussten zahlreiche seiner gebrochenen \u00c4ste sauber abges\u00e4gt werden. Drei Baukrane wurden in Teilst\u00fccken von Hubschraubern auf die Insel gebracht und dort zusammengesetzt. Mit ihrer Hilfe wurde der Riese sorgf\u00e4ltig aufgerichtet und rundum mit dicken Stahlseilen fest verankert. Bei unserer Reise werden wir feststellen, ob noch Hoffnung besteht, dass dieses w\u00fcrdevolle Prachtexemplar dank all der Bem\u00fchungen \u00fcberleben kann.<\/p>\n<p>Auf der unbesch\u00e4digt gebliebenen, sonnigen Seite der Insel sehen wir verschiedene Zitrus-Arten, die im Fr\u00fchling mit reifen Fr\u00fcchten voll behangen sind. Selbst die Kumquats \u00fcberwintern hier problemlos im Freien.<\/p>\n<p>Unter verschiedenen Palmenarten und anderen seltenen B\u00e4umen begegnen wir in diesem Paradiesgarten zahlreichen, frei lebenden Pfauen und Fasanen in verschiedenen Arten. Sie zeigen kaum Scheu vor Menschen.<\/p>\n<p>Sehr reizvoll ist der im 16. Jh. erbaute Insel-Palast. Er ist vollst\u00e4ndig mit authentischen M\u00f6beln eingerichtet. Besonders sehenswert sind gr\u00f6ssere und kleinere Marionettenb\u00fchnen, ausgestattet mit den dazugeh\u00f6rigen Puppen. Sie dienten einst zur Unterhaltung der F\u00fcrstenkinder.<\/p>\n<p>Der letzte Besuch dieses Tages gilt dem ausgedehnten, ber\u00fchmten Garten der Villa Taranto. Hier ist ein grosses Teilst\u00fcck ausschliesslich verschiedenen Arten von Magnolien gewidmet.<\/p>\n<p>In einer langen Kamelien-Allee bl\u00fchen zur Zeit unserer Reise noch viele der mehrere Meter hohen Str\u00e4ucher. Ausserdem zeigen uns schon ein Teil der zahllosen, sorgf\u00e4ltig mit Namensschildern bezeichneten Rhododendren die ersten Bl\u00fcten.<\/p>\n<p><strong>30. M\u00e4rz 2008: Park Castello Bernese, Fattoria Amorosa<\/strong>.<\/p>\n<p>Unser letzter Gartenbesuch gilt dem Park, der zu einer Villa geh\u00f6rt, die ein Palmen-Liebhaber aus der deutschen Schweiz im eklektischen Stil erbauen liess. Das seltsame Geb\u00e4ude wurde von den Einheimischen \u201eCastello Bernese&#8220; getauft.<\/p>\n<p>Andrea Branca hat den Wettbewerb zur Renovation der in \u00f6ffentlichen Besitz \u00fcbergegangenen Anlage gewonnen. Obwohl er nicht weniger als 145 grosse Palmen (Trachycarpus fortunei) entfernen und durch hier weniger banal wirkende Gew\u00e4chse ersetzen liess, erscheint der Stadtpark von Orselina auch heute noch fast \u00fcberreich an Palmen.<\/p>\n<p>Die Weiterfahrt nach Bellinzona unterbrechen wir bei der Fattoria Amorosa in sch\u00f6ner Aussichtslage. Unter uns breitet sich ein grosser Olivenhain. Oliven\u00f6l ist aber eher ein nebens\u00e4chliches Vorzeigeprodukt dieses landwirtschaftlichen Betriebes, der vor allem Rebberge in bester Lage umfasst.<\/p>\n<p>Die Fattoria Amorosa widmet sich auch dem sogenannten \u201eAgroturismo&#8220;, vermietet einige Zimmer und serviert auf Bestellung Mahlzeiten, die haupts\u00e4chlich auf eigenen Erzeugnissen basieren. Unser Abschieds-Mitagessen wird selbstverst\u00e4ndlich von eigenen Weinen begleitet.<\/p>\n<p>Am Bahnhof von Bellinzona verabschiedet sich Andrea Branca von seinen G\u00e4sten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Diese erfolgreiche Reise wurde Ende M\u00e4rz 2009 mit leichten \u00c4nderungen wiederholt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erkundungen f\u00fcr die Programme von Gartenreisen machte ich teils alleine, teils mit befreundeten Personen, die sp\u00e4ter die Gruppen gef\u00fchrt haben. 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